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  • Preisgruppe

    Lageplan, © raumwerk

    Architekten, Innenarchitekten, Stadtplaner
    raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Sonja Moers , Jon Prengel , Thorsten Wagner

    Mitarbeit
    Yui Ohtsuka, Sebastian Moos

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)
    Modellbauer: Holmer Schleyerbach, Darmstadt (DE)

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    CAMPUS SÜD UND HOCHHAUS AN DER BAIERBRUNNER STRASSE
    Vorhandene Defizite: »Es zieht«
    Die Umwandlung großer Flächen des Obersendlinger Gewerbebandes führte zur Neuentwicklung von Quartieren im Umfeld des Plangebietes, welche die vorhandene Großmaßstäblichkeit aufnahmen und fortführten. Hierbei entstanden jedoch Defizite in der Aufenthaltsqualität der neuen öffentlichen Räume. Es ist ein Mangel an wohlproportionierten geschützten (Frei-)Räumen festzustellen, die zur informellen Kommunikation einladen und die Keimzelle für ein lebendiges Stadtquartier bilden.
    Ziel des vorliegenden Entwurfes ist es, ein eigenständiges Wohnquartier zu entwickeln, das durch eine klare Zuordnung und Proportionierung der Räume diese »Lücke« füllt.

    DIE LEITIDEE
    Der menschliche Blick und Maßstab als Planungsgrundlage für das neue Wohnquartier.
    Das vorliegende Planungskonzept baut konsequent auf folgenden grundlegenden Regeln der Wahrnehmung und Teilhabe des Menschen im öffentlichen Raum auf:
    – Der Blick- und Rufkontakt zwischen Straßenebene und Wohngeschoss ist bis zu max. 5 Geschossen möglich.
    – Straßenräume von ca. 15×15 m (h×b) werden als wohlproportioniert empfunden.
    – Die Bildung überschaubarer Nachbarschaften fördert die Bildung von Gemeinschaft.
    – Die Ausbildung territorialer Grenzen und Übergangszonen zwischen privaten, gemeinschaftlich privaten, halböffentlichen und öffentlichen Räumen schafft notwendige »Plattformen« für informelle Kommunikation.
    – Die notwendige Dualität von Rückzugsbereichen auf der einen Seite und Bereichen für Austausch und Kommunikation auf der anderen fördert das harmonische Miteinander.
    – Ein Viertel benötigt ein »Gesicht« zum einen als Adresse nach außen, zum anderen zur Bildung einer gemeinsamen Quartiersidentität.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das vorgeschlagene städtebauliche Konzept zeichnet sich durch eine hohe urbane Dichte bei geringer baulicher Höhe aus.

    Die Campusstruktur mit klassischen Wohnblöcken und Innenhöfen als Leitidee und der Verzicht auf weitere Hochpunkte, die mit dem Siemenshochhaus in Konkurrenz stehen, ist ein nachvollziehbarer Ansatz und wird positiv bewertet. Die gewählte Typologie wird als eine zeitgemäß verdichtete Wohnform gesehen, bei der jedoch die Frage der Wohnqualität der Hofstrukturen noch in der weiteren Durcharbeitung nachgewiesen werden muss. Es wird ein eigenständiger Charakter des Stadtquartiers formuliert. Über die Frage, ob die gewählte Blockstruktur dem Standort angemessen ist, wird im Preisgericht intensiv diskutiert.

    Die Komposition und Qualität der herausgearbeiteten öffentlichen Stadträume ist überzeugend. Die klare Freiraumzonierung aus geschützten Wohnhöfen, Nachbarschaftsplätzen und öffentlichen Grünflächen, die das bestehende Siemenswäldchen ergänzen und erweitern, geben dem neuen Viertel Identität. Allerdings ist der zentrale Baumbestand nicht ausreichend berücksichtigt.

    Das Quartier wird von Fuß- und Radwegen durchzogen, die PKW- Erschließung der Baukörper erfolgt ausschließlich über Tiefgaragen. Die Adressbildung der im Inneren des Areals gelegenen Blöcke ist daher schwierig, wird aber durch den Vorteil der geringen Schallimmissionen aufgewogen.

    Der fünfgeschossige Anbau auf der Nordseite des Siemenshochhauses wird kritisch gesehen, da in den Obergeschossen dieses Gebäudeteils sowie im Bereich des Hochhauses verschattete Wohnungen entstehen.

    Der neu geschaffene Sockelbereich nimmt im Erdgeschoss Gastronomie- und Dienstleistungseinheiten auf und bildet den Rücken für die Ausformulierung eines gut proportionierten Quartiersplatzes, wobei die Lage der Freischankflächen an der Nord-West Ecke des Hochhauses aus Sicht des Windkomforts kritisch gesehen wird.

    Die Dichtereduzierung durch Herausnahme von zwei Blöcken auf der Südseite des Areals erscheint eine tragfähige Möglichkeit zu sein die Geschossfläche zu reduzieren, ohne das Grundkonzept zu schwächen. Auch für die Identität des Maurer-Hochhauses wäre diese Lösung von Vorteil. Die durch den Wettbewerb vorgegebene Geschossfläche ist bereits in der reduzierten Variante erfüllt. In der Hauptvariante besteht eine erhebliche Überschreitung der geforderten Geschossfläche.