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  • CH-8280 Kreuzlingen
  • 04/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-181056)

Neubau Stadthaus mit Tiefgarage und Neugestaltung Festwiese


  • 3. Rang

    Aussenraum

    Architekten
    agps architecture ltd., Zürich (CH), Los Angeles (US) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: raderschallpartner ag landschaftsarchitekten bsla sia, Meilen (CH)
    TGA-Fachplaner: Meierhans + Partner AG, Schwerzenbach (CH)

    Preisgeld
    16.000 CHF

    Erläuterungstext
    Das Stadthaus wird als lang gezogenes Gebäude an den nordöstlichen Rand der Parzelle gesetzt und stärkt so die vierte Flanke um die zentralen Freiräume zwischen Kloster, Hauptstrasse und Parkstrasse.
    Die neu gefasste Mitte zwischen Dreispitzpark und dem Friedhof wird als zusammenhängende, leicht abfallende Fläche ausgebildet, auf welcher das Stadthaus und eine Baumgruppe entlang der Hauptstrasse einen grosszügigen Freiraum aufspannen. Als multifunktionaler Stadtplatz lässt dieser die Sichtverbindung von der Innenstadt zum Kloster frei, bildet Zugang und Vorraum zum Stadthaus und ist Ort für verschiedenen temporären Festakte.
    Das Neubauvolumen wird auf nur drei Geschosse verteilt und auf der dem Stadtplatz zugewandten Seite durch ein eingezogenes Erdgeschoss und ein zurückversetztes Dachgeschoss mit vorgelagerter Dachterrasse profiliert. Die Büroräume werden entlang der Längsseiten aufgereiht; nordostseitig auf drei Geschossen sowie auf der Südwestseite im ersten Obergeschoss. Die multifunktionalen, flexibel und öffentlich nutzbaren Flächen sind im Erdgeschoss zum Stadtplatz hin positioniert.
    Der Innenbereich wird mit einem variierten Spiel von Raumvolumen und Atrien gegliedert, so dass eine dreispännige Erschliessungsfigur entsteht mit unterschiedlichen Raumsituationen, mit Sichtbezügen nach Aussen und von Tageslicht erhellt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Projekt ‚alea’ setzt einen langgestreckten, flachen Baukörper an den nordöstlichen Rand der Parzelle und bildet zur Hauptstrasse hin, einen vorgelagerten offenen Freiraum. Das Interesse der Verfasser gilt ebenso diesem Stadtplatz als Freiraum als auch dem linearen Stadthausbau als neuen Stadthorizont. Die beiden Elemente ‚Raum und Körper’ sind im Stadtbild präsent und erzeugen eine städtebaulich verständliche und präzise Aussage. Die unmittelbare Nähe des Stadthauses zum Dreispitz Sport-und Kulturzentrum schafft eine inhaltliche Einheit an öffentlicher Nutzungen. Das Projekt sucht den Dialog dieser beiden Gebäude über einen schmalen Hofraum. Darüber hinaus ermöglicht der multifunktionale Stadtplatz eine unbebaute, freie Sicht auf die Klosterkirche St. Ulrich. Der vorgeschlagene, etwas zu dicht geratene Hain entlang der Hauptstrasse wirkt dieser Absicht entgegen. Mit der Setzung des Bauvolumens parallel zur Dreispitzhalle entsteht ein neuer großzügiger Freiraum in der Mitte von Kreuzlingen. Die mutige Entscheidung der Verfasser, die grüne Mitte zu erhalten, wird vom Preisgericht gewürdigt. Der Platz für verschiedene Aktivitäten und Feste ist in seiner Grösse gut und vielseitig nutzbar. Dieser geplante Freiraum wird in der Arbeit sehr subtil behandelt, jedoch stellt sich bei der minimalistischen Lösung die Frage ob diese Strukturierung des Ortes genügt, oder ob nicht die Weite das Platzes in Teilen noch eine stärkere Gestaltung benötigt.

    Der Entscheid, den Eingang des Stadthauses in die Mitte des Platzes zu legen, ist folgerichtig. Damit ist der Ort für die Ankunft definiert –der Platz wird Bestandteil der Anlage ‚Stadthaus’. Weniger überzeugend ist jedoch die Ausformulierung des Gebäudeeintrittes, denn es fehlt an Prägnanz und architektonischer Schärfe.

    Der architektonische Ausdruck der dargestellten Fassaden ist einfach und der Bauaufgabe angemessen. Die Gliederung der Fassade folgt einem Bandraster das auf dem Sprungmass des Stützenrasters gründet. Der innere Aufbau des Gebäudes ist bestimmt durch die Längsausdehnung und eine dreibündige Raumanordnung. Während die beiden Raumschichten entlang der Längsfassaden gleichbleibend tief verlaufen, springt die innenliegende Schicht. Es bilden sich Ausweitungen und Einschnürungen der Korridore. Deckendurchbrüche führen zenitales Licht in die Geschossmitte und belichten so das Gebäudeinnere mit den innenliegenden Sitzungszimmern, Nebenräumen und Wartezonen. Mit diesen Massnahmen wird eine reiche Raumwirkung der Korridore erzielt und ermöglicht auch im Innern gut belichtete Nutzräume.

    Aus betrieblicher Sicht zeigt das Projekt ‚alea’ eine gut durchdachte, logische Raumverteilung auf und bietet darüber hinaus eine hohe Raumflexibilität für allfällige zukünftige Anpassungen. Die Anordnung und der Zuschnitt der Büros können vielfältig genutzt, den Bedingungen angepasst und wie im Plan dargestellt, gut möbliert werden. Dem Projekt wird eine hohe Betriebstauglichkeit zugeschrieben.

    Baurechtlich müsste der gewählte Ansatz mit einer Ausnahmebewilligung legitimiert werden. Den Bedingungen des Brandschutzes wird mit drei in der vertikalen getrennten Brandabschnitte entsprochen. Die denkmalpflegerischen Anliegen werden im Projekt ‚alea’ weitaus berücksichtigt. Durch die Positionierung und Ausdehnung des Baukörpers lenkt seine Flucht den Blick vom obersten Teil des Dreispitzparks auf St. Ulrich. Das offene Blickfeld auf die Kirche ist weit gespannt.

    Die im Raumprogramm ausgewiesene Raumreserve wird im Erdgeschoss an prominenter Lage vorgesehen. Die Reserveflächen müssen entsprechende Mieter auf Zeit finden und mit der Nutzung des Stadthauses eine erträgliche und sinnfällige Ergänzung bilden. Für eine allfällige, späterfolgende Erweiterung ist das seitliche Anbauen an das südöstliche Gebäudeende angedacht.

    Im Vergleich der prämierten Projekte sind für das Projekt ‚alea’ eher hohe Erstellungskosen zu erwarten. Kostenintensiv wird der hohe Anteil an Verkehrsfläche, das grosse oberirdische Gebäudevolumen des Stadthauses, sowie die Umgebungsgestaltung mit anteilmässig grossen, versiegelten Flächen gewertet.

    Den Projektverfassern ist die Überführung des heute provisorischen Parkplatzes ‚Festwiese’ in einen eigentlichen Stadtplatz und einem Haus für die Stadtverwaltung auf exemplarische Weise geglückt. Generell wird dem Projekt ein hohes Mass an städtebaulicher und architektonischer Qualität attestiert.