loading
  • CH-9042 Speicher
  • 05/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-188662)

Arealentwicklung Unterdorf


  • 2. Rang

    Situation EG

    Landschaftsarchitekten
    SIMA | BREER, Winterthur (CH) Büroprofil

    Mitarbeit
    Rolf Heinrich Breer

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Brühlmann Loetscher Architekten, Zürich (CH)
    Architekten: RAUM404, Zürich (CH)

    Erläuterungstext
    Am Buchenrain

    Ein kompaktes, dörfliches Ensemble mit starkem Ortsbezug

    Die Grundstruktur der neuen Siedlung widerspiegelt vorhandene Strukturen:
    Die Strassenzüge Unterdorf werden verlängert; entlang dieser Strassen stehen vier Zeilen parallel zum Hang. Analog zum Kirchrain erschliesst der neue Buchenrain das Gebiet direkt von der Buchenstrasse aus; eine quer zum Hang stehende Zeile entlang dieser Strasse schliesst die Bebauung zum Schlittelhang hin ab. Der Buchenrain inszeniert den Blickbezug zur Kirche und verortet die neue Siedlung stark. Der Bezug zur Buchenstrasse erfolgt mit einem freistehenden Gebäude bei der Zufahrt. Dieses bildet wie bei Appenzeller Höfen mit den umliegenden bestehenden Gebäuden ein lose gruppiertes Ensemble. Im Erdgeschoss ergänzen Kleingewerbe oder Ateliers sowie ein Gemeinschaftsraum das bestehende Restaurant. Durch die dicht stehenden Gebäude wird eine dörfliche Wirkung erzielt, die Bezug nimmt auf die dörflichen Strukturen in Appenzeller Dorfkernen. Die Aufreihung strassenständiger Giebel entspricht einer lokalen Bautradition. Insgesamt ergibt sich als Silhouette in Anlehnung an den Alpstein eine ‚Bergkette’.

    Kirschhaine und Buchenplätze
    Zwischen den Bauten wird der Strassenraum durch landschaftliche Nischen, die Kirschhaine, erweitert.
    Dort sind gemeinsam nutzbare Infrastrukturen wie Spielplatz, Sitzgelegenheiten, einzelne Besucher- Parkplätze etc. angeordnet. An den Enden der Strassenzüge bilden die kleinen Plätze mit einzelnen Buchen attraktive Aufenthaltsorte.

    Der Wasserweg
    Diagonal durch die Siedlung verläuft der Wasserweg, der die Kirschhaine untereinander verbindet.
    Das Dachwasser wird entlang dem Weg geführt und versickert in Mulden möglichst natürlich. Bei einem Stark-Regenereignis wird das Restwasser in den Mühlibach weitergeleitet. Die bestehende Quelle wird als Brunnen gefasst und versorgt den Rast-/ Spielplatz am Mühlibach mit Trinkwasser.

    Wohnstrassen als gemeinsamer Lebensraum
    Durch die direkte Erschliessung der Tiefgarage bei der Zufahrt Buchenstrasse werden die Strassenräume als autofreier Lebensraum attraktiv. Innerhalb der Siedlung ist nur der Zubringerdienst gestattet. Die Strassenräume werden mit dem umliegenden Wegnetz verbunden, sodass ein möglichst kontinuierliches Netz entsteht. Grossmehrheitlich orientieren sich die Wohnungen zu den Wohnstrassen: Die Wohnküche und die Veranda - kombiniert mit den Hauszugängen – sind strassenseitig angeordnet. Sie fördern die Belebung des Strassenraumes und das nachbarschaftliche Zusammenleben. Die Siedlung eignet sich daher sehr gut für Wohnbaugenossenschaften.

    Landschaftsraum mit renaturiertem Mühlibach
    Die Topographie wird so wenig wie möglich verändert. Wie bei traditionellen Bauernhäusern üblich, grenzt das Haus direkt an die offene Landschaftsfläche; die Wiese wird bis zur Hausfassade geführt. Der eingedolte Mühlibach wird offengelegt und in einen grosszügigen Landschaftsraum eingebettet. Nebst der ökologischen Aufwertung entsteht eine attraktive Wegverbindung entlang dem Bach sowie ein Spiel- und Rastplatz am Wasser.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser des Projekts «Am Buchenrain» gehen mit ihren elf grossmassstäblichen Baukörpern auf die bestehende Bebauungsstruktur am Kirchhang ein. Vier Gebäudezeilen folgen dem Höhenlinienverlauf des Hanges. Eine fünfte Zeile schliesst das neue Quartier nordseitig gegenüber den Grünbereichen und dem Schlittelhang ab. Die Nordostecke des Grundstücks wird von einem Spezialgebäude besetzt, das Nutzungen wie eine Kinderkrippe, Gemeinschaftsräume und Restaurant enthalten soll. Der ortsbauliche und typologische Zusammenhang mit der restlichen Siedlung ist hier nicht ganz gegeben. Um den Gewässerraum des Mülibachs freistellen zu können, wurden die vier hangparallelen Gebäudezeilen von der Buchenstrasse abgerückt und stehen einander relativ eng gegenüber. Mit den drei Zwischenräumen wurde aber geschickt versucht, zwei urbane Strassenräume und einen grösseren, ländlich geprägten Freiraum zu schaffen.

    Die Grösse der einzelnen Baukörper wird gebrochen durch eine unregelmässig gestaltete Giebellandschaft, die Assoziationen zu einer Bergkette schaffen soll. Dem Projekt gelingt es recht gut, die Siedlung ins Ortsbild einzufügen, trotz eines erheblichen Dichtesprungs zur direkten Umgebung. Auch die äussere Gestaltung mit Holzfassaden nimmt Bezug auf regionale Bautraditionen, zeigt sich aber selbstbewusst modern.

    Die Zugänge aller Wohnungen sind auf die internen Wohnstrassen ausgerichtet. Es werden 1-, 2- und 3-geschossige Wohneinheiten, teilweise als Reihenhaus, angeboten. Bei etlichen Wohnungen erfolgt jedoch der erdgeschossige Zugang durch den Küchen- und Essbereich und die Wohnräume sind erst im übernächsten Obergeschoss angeordnet. Diese Konzeption führt dazu, dass die Wohnräume keinen direkten Aussenraum haben, auch nicht einen Balkon. Die als Reihenhäuser gestalteten Wohneinheiten haben ihre Aussensitzfläche sogar auf der Ostseite, überlagert mit dem Eingangsbereich. Diesbezüglich sind die Geschosswohnungen im Vorteil mit einem Sitzplatz bzw. Balkon auf der privilegierten West- bzw. Südseite.

    Die Erschliessung der Siedlung für den motorisierten Verkehr erfolgt ab der Buchenstrasse mit einer Einfahrt in eine zentrale Tiefgarage. Die kompakte Tiefgarage ist nur an die unterste Gebäudezeile angeschlossen, d.h. Bewohner der oben liegenden Wohnungen und Reihenhäuser müssen durch die Treppenhäuser der untersten Mehrfamilienhäuser zu ihrem Fahrzeug gelangen. Dies ist eine erhebliche funktionale Einschränkung. Ausserdem bietet die Tiefgarage mit 61 Parkplätzen weniger Plätze als Wohneinheiten angeboten werden (78), es wird dafür ein Mobility-Car-Sharing vorgeschlagen. Oberirdisch sind alle Häuser mit einem Fahrzeug über die eher grosszügig angelegten Strassen zu erreichen, an drei Standorten werden Besucherparkplätze angeboten. Ein zusätzliches Wegsystem für die Fussgänger führt zwischen den Häuserzeilen den Hang hinauf.

    Die Umgebungsgestaltung arbeitet mit der Offenlegung des Mülibachs und schafft angenehme und grosse Aufenthaltsräume zwischen den Hauszeilen. Diese sind nur spärlich gestaltet. Die beiden Wohnstrassen zwischen den Häuserzeilen versprechen zwar grosse Aufenthaltsqualität und eine attraktive urbane Siedlungsstimmung. Durch den relativ schmalen Strassenraum werden aber die unteren Wohneinheiten der talseitigen Häuserzeilen am Nachmittag schlecht belichtet.

    Der Beitrag zeigt eine kompakte Siedlung, die aber eher schlecht zu etappieren ist. Das konsequente Festhalten an der Idee der Wohnstrasse führt bei vielen Wohneinheiten zu einer Konzeption, die das Potenzial der ländlichen Umgebung zu wenig ausschöpft.