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  • 1. Preis

    Stadthalle

    Architekten
    HINRICHS WILKENING ARCHITEKTEN, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Sven Hinrichs , Ralf Wilkening

    Mitarbeit
    Modellbau Katrin Helmbold

    Erläuterungstext
    Die Neudeterminierung des Bruderhausgeländes im Gesamtzusammenhang der Stadt Reutlingen durch den Bau der neuen Stadthalle bildet die Grundlage des Entwurfes. Das Bruderhausgelände an der Altstadtkante und am Flusslauf, umgeben von der Bundesstrasse und dem Busbahnhof liegt in einer zentralen Randlage im Stadtraum Reutlingens. Der Charakter der grünen Insel im Stadtraum wird zur Hauptintention. Die Insel wird durch ihre Übergänge bestimmt, die Verknüpfung mit der Umgebung gesucht. Auch die Altstadt liegt wie eine Insel umgeben von einer grünen Allee im Zentrum Reutlingens, aus ihrer Stadtstruktur mit den giebelständigen Häusern ragt der Kirchturm der Marienkirche hervor und signalisiert das Zentrum.

    Der Platzierung eines neuen Konzerthauses auf dem Bruderhausgelände kommt überregionale Bedeutung zu. Die neuen Gebäude sind städtebaulich so angeordnet, dass sie eine raumprägende Position besetzen, die das gesamte Bruderhausgelände, durch Echazufer, Altstadtkante und Bundesstrasse determinierten Bereich neu fasst.

    Die Thematisierung der Schwelle zwischen Stadtraum und Landschaftsraum wird durch die Platzierung der neuen Volumen in den Grüninseln auf dem Bruderhausgelände zur Hauptintention. Das Verhältnis von Landschaft als natürliches Element und von Stadt und Gebautem als künstliches Element erreicht hier eine Symbiose, die eine Kommunikation der beiden Elemente ermöglicht. Durch die Bepflanzung des Geländes mit einem grossen Baumhain, und der präzisen Setzung der Baukörper in dieser Rahmung, wird diese Symbiose erreicht.

    In einem ersten Bauabschnitt wird die Stadthalle errichtet und von einem Ring aus Bäumen umgeben. Zwei Plätze werden ebenfalls durch die Einrahmung durch eine Baumreihe gebildet. So entstehen zwei klar definierte Aktionsorte auf dem Gelände, die für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden können. Das bestehende Gebäude wird auf einem dieser Plätze gefasst und kann als Veranstaltungszentrum genutzt werden. Alle notwendigen Einrichtungen können hier gebündelt werden. Bis zur Erweiterung durch das Kongresshotel, welches auf dem anderen Platz errichtet werden soll, wird das gesamte Gelände durch die Pflanzung des Baumhains gestaltet.

    Der neu entstehende Freiraum zwischen Bäumen und Gebäude, der den gebührenden Abstand dieser kraftvollen Antipoden besetzt, erreicht eine spezielle Atmosphäre, die sich auch in den neuen Gebäuden fortsetzt und Charakterbildend wird.

    Die unterschiedlichen Funktionen dieser Bereiche, Nutzung der Gebäude im Namen der Kunst und Kultur, der Freiflächen als Unterhaltungs- und Erholungsbereiche und die infrastrukturelle Bedeutung des Geländes im städtischen Zusammenhang, sind an dieser Stelle neu gefasst. Die bestehenden Verknüpfungen mit der Umgebung insbesondere mit der Altstadt und den Grünräumen der Pomologie und des Volksgartens werden ausgebaut und verbessert.

    Das Konzerthaus und später das Kongresshotel werden zu zwei wichtigen Bestandteilen in der Stadtstruktur Reutlingens. Sie kommunizieren über die Bäume hinweg aus ihren Inseln heraus mit der Umgebung. Das Bruderhausgelände wird durch seine Gestaltung als Grünraum den Übergang von der Altstadt zu den wichtigen innerstädtische Erholungsbereichen der Pomologie und des Volksgartens herstellen.

    Die Neuplanung des Bruderhausgeländes erreicht damit als mehrteilige Parallelaktion unterschiedlichste stadtstrukturelle Parameter zu verknüpfen, und mehrere dieser damit verbundenen Synergieeffekte zu nutzen, ohne die Eindeutigkeit seiner stadträumlichen Position preiszugeben.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebauliche Leitidee des Entwurfes ist die Erweiterung des grünen Rings an der südwestlichen Kante der Altstadt. Diese Erweiterung wird durch einen in einem Raster angeordneten Baumhain gebildet. In diesen Hain werden präzise Freiräume eingeschnitten.

    Zwei Räume werden mit Stadthalle und Hotel belegt, der dritte Freiraum erhält mit dem „Krankenhäusle“ eine Einstellung. Dieser dritte Raum ist die gewünschte Fläche für Außenveranstaltungen. Das Krankenhäusle dient dabei als Veranstaltungszentrum. Durch die diagonale, randliche Stellung auf einem Freiplatz, der aus dem System der „Baumhalle“ längsrechteckig ausgespart ist, wird das Krankenhäusle angemessen inszeniert (eingebunden und hervorgehoben). Das Versammeln der zwei Varianten A und des Freiraums in der Mitte des Bruderhausgeländes lässt keine Rückseiten zur umfahrenden Hauptstrasse entstehen. Dies ist eine besondere Qualität des Entwurfs. Die Allseits offene begehbare Fläche ermöglicht alle gewünschten neuen Beziehungen. Die Abgänge der Stege sind in den Hain integriert. Ihre Dominaz im Raum wird dadurch zurückgenommen. Durch den Baumhain erhält die Hauptstrasse die nötige Fassung ohne das Areal visuell abzuschließen.

    Die open-air-Fläche ist leicht abgrenzbar ohne Beeinträchtigung der Wegebeziehungen. Selbst Schall- und Sichtschutzelemente stören nicht. Die angebotene Fläche ist ausreichend, könnte sogar erweitert werden. Die Flächen für Stadthalle und Hotel in direkter Zuordnung sind gut dimensioniert.

    Wünschenswert wäre die Erweiterung des dritten Saals im Bereich der Stadthalle, nicht im Hotelbereich. Die klar umschriebenen Volumina lassen eine kostengünstige Erstellung beider Bereiche erwarten. Die Tiefgarage kann von der Adenauerstrasse leicht erreicht werden, die Ausfahrt ist etwas erschwert. Die Erweiterung der Tiefgarage kann in westlicher Richtung unmittelbar angeschlossen werden. Eine Zufahrt für Baufahrzeuge/Feuerwehr/LKW-Andienung im Baumhain ist möglich. Eine zweite Ausfahrt/Einfahrt im westlichen Bereich wird dann nötig. Die Konkretisierung des Strassenraums an der Konrad-Adenauer-Strasse/Eberhardstrasse (Erweiterung um die innere Fahrspur) muss noch erfolgen.

    Stadthalle und Hotel sind als Solitäre typologisch richtig entwickelt. Das Atrium im Hotelbereich vielleicht etwas eng.

    Für den Realisierungswettbewerb würde diese Arbeit eine einfach zu handhabende Grundlage darstellen.

    Insgesamt handelt es sich um einen hervorragenden Beitrag zu dieser schwierigen städtebaulichen Situation. Dem klaren städtebaulichen Konzept wünscht man sich eine ebenso klare Umsetzung in der Architektur.