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  • DE-93073 Neutraubling
  • 12/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-183102)

Neubau eines Stadtparks


  • Teilnahme

    Blick auf Park-Cafe´, © DÄRR LANDSCHAFTSARCHITEKTEN

    Landschaftsarchitekten
    DÄRR LANDSCHAFTSARCHITEKTEN, Halle/Saale (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Franziska Krüger

    Erläuterungstext
    Neutraubling – Neuer Stadtparkt - Flug-Feld
    Auf dem ehemaligen Flugfeld der Messerschmittwerke Regensburg entsteht im Spannungsfeld zwischen Industrie, Gewerbe und Wohnen ein neuer Stadtpark der Stadt Neutraubling. Ein heterogenes Gefüge aus großflächigen Industriestrukturen, Wohnbebauung und landwirtschaftlicher Nutzung prägt den Planungsraum und nimmt Einfluss auf dessen Gestaltung.
    Aus diesem Grunde ist ein übergreifendes, flexibles Konzept von großer Bedeutung, welches einerseits mit den angrenzenden Rändern kommuniziert, andererseits sich gegenüber diesen bewusst abgrenzt. Der neue Park als grünes Element dient nicht nur der Verknüpfung der unterschiedlichen Nutzungs- und Bebauungsstrukturen; er setzt auch neue Akzente im Zusammenspiel zwischen Flächen für Ausgleichsmaßnahmen und aktiver Freizeitnutzung.

    Konzept
    Um dem Nebeneinander von Industrie, Gewerbe und Wohnen sowie landwirtschaftlicher Nutzung gerecht zu werden, wurde eine eigene, klare, prägnante Formsprache entwickelt, die den Raum in Teilbereiche unterschiedlicher Nutzung und Anforderung gliedert. Der wesentliche Entwurfsgedanke leitet sich aus der historischen Nutzung der Fläche als Flugfeld ab. Wege, welche sich in Ost-West-Richtung ausbreiten und zum Teil in Richtung der ehemaligen Kommandantur, dem Standort der heutigen Pfarrkirche St. Michaelis, verlaufen, adaptieren die Landebahnen des Messerschmittwerkes. Im östlichen Bereich des Parks queren diese Wege ausgedehnte Wiesen, welche die Industrie- und Parkplatzanlagen der Firma Krones im Westen mit den Wohnbebauungen und landwirtschaftlichen Nutzungen im Osten des Parkraumes verbinden.
    Die Wegeverbindung „An der Pirkacher Breite“ und der weitschwingende Weg in Nord-Süd-Richtung sind einerseits über den Park hinausreichende Rad- und Fußwegeverbindungen zwischen Innenstadt und Landschaft und komplettieren andererseits den Rundweg durch den Freiraum. Die Vegetationsstruktur ist von der Lage des Parks zwischen Innenstadt und Peripherie abgeleitet. Dichte Baumstrukturen entwickeln sich entlang der westlichen Grenze. Sie vermitteln hinsichtlich Höhe und Ausdehnung zwischen Parkbesuchern und den angrenzenden, großflächigen Stellplätzen und Industriehallen der Firma Krones, ohne diese Bezüge vollständig zu negieren. Die zusammenhängende, naturnahe und standortgerechte Gehölzstruktur dient vorwiegend als Ausgleichsfläche. In Richtung Osten löst sich der Gehölzsaum auf und gibt einen weitläufigen Parkraum, gegliedert durch Wildstauden, Wiesensäume und Intensivrasen, frei. Visuell erweitert sich der Parkraum über die Bearbeitungsgrenze hinweg und verbindet sich mit den östlich angrenzenden Weideflächen. Dies verleiht der Anlage seine Großzügigkeit und Weite, die zahlreiche, informelle Spielmöglichkeiten zulässt, die sonst in der Enge städtischer Freianlagen nicht möglich sind.
    Die Platzfläche im Nord-Westen des Stadtparks bildet zusammen mit dem Pavillon das Zentrum des Grünraums. Der Pavillon beherbergt einen Ausschank mit öffentlichem WC. Der Platz wird aus aufgehellten, geschliffenen Asphalt gefertigt. Aufgrund der geplanten Gefällesituation breitet sich vor dem Pavillon eine Mulde aus, welche als künstliche Wasserfläche genutzt werden kann. Ein Zu- und Ablauf ermöglicht, je nach Nutzungswunsch, einen variablen Wasserstand. So kann der Wasserspiegel im Sommer als Erfrischung dienen und im Winter beispielsweise als Eisfläche genutzt werden. Außerdem können temporär mit Hilfe des Zulaufes unterschiedliche Wasserbilder erzeugt werden. Der Platz selbst lebt von einer mobilen Bestuhlung. Feste Sitzelmente in Ost-West-Ausrichtung platzieren sich dezent am Rande des Platzes.
    Östlich an die Platzfläche schmiegt sich eine Pflanzfläche aus Schmuckstauden. Die Pflanzfläche ist Teil eines spannungsvollen Systems von Wildstaudenflächen, welche sich entlang der „Landebahnen“ entwickeln und an die Gestalt von Tragflächen erinnern. Die Mahd dieser Wildstaudenflächen erfolgt zwei Mal jährlich, nach der Blüte und am Ende der Vegetationsperiode. Die Wiesenflächen, welche vier Mal jährlich gemäht werden, wechseln sich mit Flächen aus Intensivrasen.
    Sitzelemente aus weißem Betonstein begleiten partiell die „Landebahnen“. Ihre Gestalt ermöglicht unterschiedliche Sitz- und Liegepositionen und lädt so zum Verweilen und Entspannen ein. Sie platzieren sich sowohl entlang der Intensivrasenflächen, als auch an den Wiesensäumen und dienen somit zum einen als Zuschauertribüne und zum anderen als Ruheraum und Erholungszone.
    Um den Sicherheitsaspekt einer solchen Parkanlage gerecht zu werden, wird der Rundweg mittels Lichtstehlen nachts beleuchtet. Der Platz mit dem Pavillon erhält eine gesonderte Ausleuchtung um auch Abendveranstaltungen zu ermöglichen.
    Der ruhende Verkehr für die Parkanlage ordnet sich entlang der Haidauer Straße im Bereich des Hauptzuganges zum Stadtpark. Die 60 Mitarbeiterstellplätze der Firma Krones werden nördlich der Böhmerwaldstraße in Verlängerung des vorhandenen Stellplatzsystems geplant. Fahrradstellplätze befinden sich sowohl im Bereich der Hauptzugänge des Parks als auch auf der Platzfläche im Landschaftsraum.
    Um den Gestaltungswunsch der Stadt nach einem extensiven Stadtpark gerecht zu werden, wurden 50% der Parkfläche im Realisierungsteil als ökologisch wirksame Ausgleichsfläche im Sinne der Eingriffsregelung ausgebildet. Die Materialwahl des Wegesystems lehnt sich an diesem Wunsch an. Aus diesem Grunde werden alle Wege in Nord-Süd-Richtung in Asphalt ausgebildet, während alle querenden Wege aus wassergebundener Wegedecke gestaltet werden.
    Der pflegeleichte Bürgerpark mit seinem zurückhaltenden, landschaftlichen Charakter für alle Generationen ist durch seine Formsprache offen gegenüber seiner Umgebung. Mit seinem umfangreichen Wegesystem vermittelt er zwischen den umliegenden Stadtteilen und Ortschaften und leitet im Süden in den Grünraum zwischen Gewerbe und Wohnen in die freie Landschaft über - ein "Park ohne Grenzen".

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.