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  • Teilnahme

    Blick in Richtung Donau|Museum, © DÄRR LANDSCHAFTSARCHITEKTEN

    Landschaftsarchitekten
    DÄRR LANDSCHAFTSARCHITEKTEN, Halle/Saale (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Franziska Krüger

    Erläuterungstext
    REGENSBURG - Neugestaltung der öffentlichen Freifläche zwischen St.-Georgen-Platz und Schwanenplatz

    Die öffentliche Freifläche zwischen Donau und Dachauer Platz liegt im Bereich des UNESCO - Welterbes „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“. Der Planungsraum verläuft entlang der östlichen Begrenzung des ehemaligen römischen Legionslagers Castra Regina. Fragmente der Befestigungsanlage sind besonders im Bereich St.-Georgen-Platz | Hunnenplatz noch sichtbar. Gefasst wird der Raum im Süden durch die gotische Minoritenkirche; im Norden durch den Brückenkopf der Eisernen Brücke, welche den Bewegungsstrom über die Donau leitet. Geprägt wird der Raum heute durch vielfältige Verkehrsstrukturen. Die Hauptverkehrsachse D.-Martin-Luther-Straße / Adolph-Kolping-Straße gilt als wichtigste Nord-Süd-Verbindung der Stadt Regensburg. Verkehrsplanungen zwischen 1950 und 1970 haben dieser Verkehrsachse nur so viel Raum gegeben, dass lediglich Rest- und Parkplatzflächen ohne jegliche Aufenthaltsqualität im Planungsgebiet verblieben sind.
    LEITIDEE
    Aus diesem Grund wird eine Neuordnung der Verkehrsströme im Raum vorgenommen. Der Entwurf verfolgt die Idee der Schaffung von Freiraum durch `frei räumen´. Ziel ist dabei eine Reduzierung der Verkehrsschilder, eine geringere Lärm – und Abgasbelastung durch Geschwindigkeitsreduzierungen und damit eine Erhöhung der Verkehrssicherheit. Die Ergebnisse sind besseres Sozialverhalten im Verkehr und die Deregulierung des Verkehrsraumes. Für den vorliegenden Entwurf wurde das Modell der Begegnungszone, kombiniert mit Flächen städtebaulicher Bemessung, vorgesehen.
    Ein Wechsel aus Weite und engen Passagen und damit das bewusste Erleben von Raumfolgen erzeugt eine spannungsvolle städtebauliche Qualität zwischen Donau und Minoritenkirche. Dabei wird mehr nutzbarer Raum für Besucher, Anrainer und Fahrradfahrer geschaffen und die derzeitige Dominanz des Fahrzeugverkehrs eingeschränkt.
    Die Reduzierung der Fahrspur der Nord-Süd-Achse ist dabei von besonderer Bedeutung. Dadurch kann die Kalmünzergasse von ÖPNV und MIV befreit werden. Alle Hauptverkehrslasten verlaufen zukünftig lediglich über die Adolph-Kolping-Straße im gegenläufigen Verkehr. Die Kalmünzergasse und die Ostengasse werden als verkehrsberuhigte Zone in einer Breite von fünf Metern ausgewiesen.

    SCHWANENPLATZ
    Aufgrund der Reduzierung der Querprofile bilden sich großzügige Flächen mit hoher Aufenthaltsqualität. Im Bereich des Schwanenplatzes entsteht ein weitläufiges Platzgefüge, welches vielfältige Funktionen aufnimmt. Prägend für den Raum ist der Empfang von Gästen der Stadt Regensburg. Entlang der Adolph-Kolping-Straße reihen sich drei Stellplätze für Reisebusse, die für den kurzzeitigen Halt genutzt werden können. Ein Empfangsgebäude, welches den Besucher informiert sowie eine sanitäre und gastronomische Einheit vorhält, erstreckt sich auf dem historischen Grundriss von 1700 in der Verlängerung der Pfluggasse. Um diese wichtige historische Verbindung zwischen Altmarkt und Schwanenplatz zu unterstreichen, wird ein Fußgängerüberweg in diesem Bereich konzipiert. Zentrum des neugestalteten Platzgefüges bildet der Neubau, bestehend aus einem Kubus unter einem weitläufigen Dach. Südlich des modular erweiterbaren Baukörpers erstreckt sich ein Rasenspiegel, welcher bewusst 40 Zentimeter über die Platzfläche ragt. Gerahmt wird die Grünfläche durch eine umlaufende Sitzstufe aus weißem Beton, welche den Besucher zum Verweilen einlädt. Nördlich des Neubaus eröffnet sich ein steinerner Platz, überstanden von einheimischen Großgehölzen. Der Raum wird durch einzelne, wenige Bänke möbliert. Die umliegenden Gastronomen erhalten die Möglichkeit, diesen Raum zu bespielen und dadurch ein städtisches Treiben, eine Belebung des ehemaligen Verkehrsraumes zu initiieren. sowie Der notwendige Bedarf an Fahrrad-, Motorrad- und Anwohnerstellplätzen wird entlang der Kalmünzergasse abgedeckt. Im nördlichen Bereich der Gasse fasst ein weiterer Neubau die Raumkante. Vor der Neubebauung bildet sich ein platzartiger Bereich, der als Lieferzone für umliegende Betriebe dient und in das altstadttypische Gefüge aus einer Aneinanderreihung von kleinen Plätzen und Gassen integriert ist.


    ST.-GEORGEN-PLATZ | HUNNENPLATZ
    Ziel des Entwurfes ist es, mit einfacher und zeitgemäßer Formsprache eine Verbindung der beiden Plätze herzustellen. Eine einheitliche, den Platz ausspannende Materialität, Granit, geschnitten, ist gut begehbar und signalisiert dem Autofahrer den Charakter einer verkehrsberuhigten Zone.
    Raumprägend für den Platzverbund St.-Georgen-Platz | Hunnenplatz wird der Neubau des Museums für Bayerische Geschichte. Aus diesem Grund ist es von besonderer Wichtigkeit, die Aufenthaltsqualität des Ortes zu erhöhen und die Bedeutung des Raumes für Fußgänger sowie die Verbindung zur Altstadt zu stärken. Die Kombination zwischen Begegnungszone und einem Shared-Space-Bereich ist einhergehend mit der Reduzierung der Geschwindigkeit. Damit entsteht eine neue Mobilitätskultur, bei der die verschiedenen Verkehrsteilnehmer als gleichberechtigte Partner im öffentlichen Stadt- und Straßenraum fungieren. In Verbindung mit reduzierten Straßenquerschnitten, Verzicht auf Regulierung durch Vorfahrtsschilder und Lichtsignalanlagen entsteht nach einer Beschilderung und der beginnenden Pflasterung im Übergang zur Begegnungszone eine Fläche, deren Querung eine unbedingte gegenseitige Rücksichtnahme und damit ein langsames Fahren voraussetzt.
    Die Bushaltestellen werden im nördlichen Platzbereich zwischen Museumsneubau und westlicher Bestandsbebauung entlang der Adolph-Kolping-Straße angeordnet. Der Bushalt in nördliche Richtung erfolgt auf der Fahrbahn. Das Linksabbiegen in die Thundorfer Straße ist nur noch für Busse und Radfahrer möglich. Der Bushalt in südliche Richtung wird mittels einer Busbucht gewährt. Aufgrund der engen Platzsituation wird die Länge des Bordsteines entlang der Haltestelle auf 28 Meter reduziert. Die Haltestelle in Richtung Süd erhält eine Überdachung, welche mit dem Museumsbau korrespondiert und gleichzeitig die Leitidee des Einengens des Raumes nochmals aufgreift. Der Wartebereich der Haltestelle in Richtung Nord befindet sich unter dem Gebäudevorsprung des Museumsbaus. Aus diesem Grund ist keine weitere Überdachung notwendig.
    Abgeleitet aus der fensterartigen Öffnung des Museumsbaus hin zum Regensburger Dom, erstreckt sich ein Pflasterband querend zur Verkehrsrichtung. Diese Zäsur soll die Aufmerksamkeit beim Fahrzeugführer zusätzliche hervorrufen und die Position der Fußgänger stärken. Auf dem St.-Georgen-Platz bleiben die vier Bestandsbäume erhalten. Durch die Aufweitung des Platzes gegenüber des Straßenraumes sowie einer gezielten Möblierung, erhält er eine neue Aufenthaltsqualität. Die Einbahnstraße „Unter den Schwibbögen“ wird in eine Mischverkehrsfläche mit Richtungsverkehr umgewandelt. Die Einmündung dieser in die Adolph-Kolping-Straße erfolgt in untergeordneter Weise.
    Auf der Fläche vor dem Haupteingang des Museums, auf dem Hunnenplatz, bieten Sitzelemente die Möglichkeit des Verweilens. Zum einen ein baumüberstandenes Sitzdeck, welches dem Aufenthalt sowie der Information dient und zum anderen ein Hochbeet mit einer umlaufenden Sitzstufe. Südöstlich des Hunnenplatzes, am Eingang der Ostengaste, sind drei Behindertenplätze in den Straßenraum angeordnet. Die Ostengasse wird als verkehrsberuhigte Zone ausgewiesen und soll zukünftig nur noch im Prinzip „rechts rein-rechts raus“ funktionieren. Sie bildet gemeinsam mit der Kalmünzergasse und der Pfluggasse eine Radwegalternative zur Adolph-Kolping-Straße.

    BELEUCHTUNGSPLAN
    Die Beleuchtung, ein Gestaltungselement, das durch seine Attraktivität und Aufenthaltsqualität immer stärker an Bedeutung gewinnt, setzt bewusst nicht auf Effekthascherei. Das Aufhellen und damit in Szene setzen geeigneter Bauten, Bauteile und Objekte steht im Vordergrund. Dabei sollen die vielfältigen Chancen, wie sie Lichtgestaltungskonzepten zugeschrieben werden, durchaus Berücksichtigung finden. Sie werden jedoch im Sinne der Betonung des Charakters der Stadt angemessen angewendet. So bestimmt die Fassadenbeleuchtung der Minoritenkirche den Charakter des Schwanenplatzes. Weitere dezente, indirekte Beleuchtung erfolgt im Bereich des neuen Kubus. Baumstrahler und Bodeneinbauleuchten unterstreichen die Art der Beleuchtung. Der höhergesetzte Rasenspiegel erhält eine umlaufende indirekte Beleuchtung, welche sich in der Schattenfuge zwischen Pflaster und Sitzstufe einbettet.
    Die Adolph-Kolping-Straße wird auf der westlichen Seite durch Lichtstelen begleitet, die sich schlicht in das historische Ensemble einfügen. Die Fassadenbeleuchtung des Museums ist im Bereich St.-Georgen-Platz | Hunnenplatz raumprägend. Unser Lichtkonzept unterstreicht diese Gestaltungssprache und schafft keine Konkurrenz. Lichtakzente werden lediglich mittels unterleuchteter Sitzflächen, Baumstrahlern und der erleuchteten Haltestelle geschaffen. Die Beleuchtung unterstreicht den Charakter des jeweiligen Raumes, wird dem Sicherheitsaspekt gerecht und schafft eine angenehme Atmosphäre für Nutzer und Anrainer.

    Die Umstrukturierung schafft freiraumplanerische Qualität, die dem Raum eine neue Wertigkeit verleiht und den Standort eines bedeutenden Museums gerecht wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.