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  • 5. Rang

    Visualisierung

    Architekten
    LUDES Architekten - Ingenieure GmbH, Recklinghausen (DE), Bremen (DE), Duisburg (DE), München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Maria Helena Novais Gomes, Basel (CH)

    Preisgeld
    15.000 CHF

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Projekt KAMBA ergänzt das bestehende Klinikensemble mit einem kammartig ausgebildeten Trakt, der nordöstlich an die in Haus Grün angelegte Achse anschliesst. In drei zweigeschossigen «Zähnen» mit dazwischenliegenden Höfen sind die neuen Akutstationen angeordnet, während der dreigeschossige Kammrücken die dienenden Räume sowie die Privatstation aufnimmt. Mit der niedrigen und aufgelockerten Anlage wird bewusst der menschliche Massstab gesucht, der den Patienten Geborgenheit und Ruhe vermitteln soll. Unterstrichen wird dieses Anliegen durch die vorgeschlagene Materialisierung mit modular aufgebauten Holzfassaden. Die selbstverständliche und zweckmässige Platzierung der Ersatz- und Ergänzungsbauten überzeugt ebenso wie die sorgfältige Durchbildung der Grundrisse, die trotz der linearen Aufreihung der Patientenzimmer auch innenräumliche Qualitäten versprechen. Die postulierte Wahrung des menschlichen Massstabs ist hier eindrücklich gelungen. Weniger angetan ist das Preisgericht dagegen von der Konzeption und der Gestaltung der Zwischenhöfe; sie sind wegen der gegenseitigen Einsicht in die anliegenden Stationen nicht wirklich nutzbar, und deren Gestaltung mit den unmotivierten Verbindungsdächern wirkt beliebig und uninspiriert. Dies gilt ein Stück weit auch für die Fassadengestaltung, die nur andeutungsweise dargestellt wird. Die Situierung des Werkhofs in der nordöstlichen Ecke des zur Verfügung stehenden Bauperimeters wie auch die angedachte Erweiterung um zwei Akutstationen, die einen weiteren Zahn an die Kammanlage anschliesst, erscheinen pragmatisch und betrieblich plausibel.

    Der Erweiterungsbau ordnet sich zurückhaltend in die bestehende Anlage ein und beeinträchtigt weder den denkmalgeschützten Altbau noch den Park. Denkmalpflegerisch ist das Projekt mit seiner reduzierten Höhenentwicklung überzeugend. Die kleinmassstäblich gegliederte Hoffigur mit begrenzenden Laubengängen schafft eine dosierte Verschränkung mit dem Landschaftsraum und erzeugt im Innern eine angemessene Intimität; die kleinräumige Gartengestaltung steht in Kontrast zur landschaftlichen Weite der Feldflur. Nicht zu überzeugen vermögen die Erschliessung und die dispers angeordnete Parkierung. Die Auffindbarkeit der seriell angeordneten Eingänge zum Erweiterungsbau ist ungenügend und die Fussgängerführung entlang der unteren Erschliessungsstrasse wenig attraktiv. Der historische Park wird inselartig freigestellt. Leider fehlen jedoch nähere Angaben zur seiner Gestaltung, und die ihn umgebenden Parkplätze stellen eine starke Einschränkung dar.

    Pro Ebene gibt es drei Akutstationen, die Privatstation ist im 2. Obergeschoss quer über die drei Kämme positioniert. Es sind offene Innenhöfe vorgesehen, deren Nutzung für Akutstationen jedoch schwierig sein könnte. Die kammartige Gebäudeform ermöglicht eine gute Anordnung der Stationen, sowohl der Akutstationen als auch der Privatstation. Allerdings ist die innere Aufteilung der Akutstationen betrieblich nicht optimal konzipiert: Die Stationen wirken unübersichtlich, und die Aufenthalts- und Patientenzimmer sind ungünstig angeordnet, weil aus den Aufenthaltsbereichen Einsicht in die Patientenzimmer des Nachbartrakts besteht. Nicht tolerierbar ist auch die Lärmbelastung der Patientenzimmer im äussersten Zahn des Gebäudekamms, die gegen die Autobahn ausgerichtet sind. Für Notfälle ist der Zugang nicht getrennt und damit zu «öffentlich». Der Intensivbereich verfügt über keine Aussenräume, und das Isolationszimmer ist problematisch positioniert (ungenügender Sichtschutz). Die Akutstationen verfügen über sehr grosse, eingeschobene Terrassenflächen; es ist jedoch fraglich, ob bei diesem Hoftyp mit grossem Bezug zum Garten so gross - zügige Terrassen auf den Stationen einen zusätzlichen Gesundheitsnutzen mit sich bringen. Die Privatstation verfügt über grosszügige Patientenzimmer mit guter Aus - sicht und einer schönen Dachterrasse. Anbindung und Erschliessung des Gebäudes sind eher ungünstig: Die Besucher- und die Patientenführung sind nur über den Aussenraum vorgesehen. Ebenso sind lange Ver- und Entsorgungswege in Kauf zu nehmen. Zwar sind genügend Lifte vorgesehen, der Zugang zum Lift ist jedoch direkt in den Stationen geplant.

    Die Qualitäten des Entwurfs liegen im sensiblen Vorschlag, das grosse Erweiterungs - volumen auf überschaubare Einheiten aufzuteilen. Auch hinsichtlich der zu erwartenden Baukosten wird der Vorschlag positiv beurteilt. Betrieblich zeigt das Projekt jedoch wesentliche Mängel, und in ihrem architektonischen Ausdruck wirkt die Erweiterung wenig prägnant.