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  • DE-96047 Bamberg
  • 06/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-186758)

Erweiterungsbau für das Staatsarchiv


  • 1. Preis Zuschlag


    Architekten
    Peter W. Schmidt Architekt BDA, Pforzheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Peter W. Schmidt

    Preisgeld
    20.000 EUR

    Erläuterungstext
    Für das Staatsarchiv Bamberg plant der Freistaat Bayern einen Erweiterungsbau zu errichten, dessen Nutzfläche fast ausschließlich für eine Magazinnutzung vorgesehen werden soll. Das Archivgebäude aus dem Jahre 1905 wurde 1961 um einen Magazinbau erweitert – an diesem soll nun der Neubau angebunden werden.

    Das Wettbewerbsgrundstück befindet sich im Haingebiet der Stadt Bamberg, welches unter Ensembleschutz steht. Die umgebende Nachbarbebauung besteht vorwiegend aus einer gewachsenen, das Umfeld prägenden, Struktur von Villen und Mehrfamilienhäusern.
    Das darin eingebettete und als Baudenkmal eingetragene Ensemble des Staatsarchivs bestehend aus Magazingebäude, Verwaltungsbau und Nebengebäude wird durch eine neobarocke Gartenanlage ergänzt. Dem fünfgeschossigen Magazinanbau von 1961 ist es anzumerken, dass er aus der Raumnot nach dem zweiten Weltkrieg entstanden ist. Er wirkt nahezu temporär – so als würde er auf eine zukünftige Entwicklung warten.

    Mit dem Entwurf des neuen Erweiterungsbaus wird ein präziser Stadtbaustein generiert, welcher unter Berücksichtigung der typologischen und städtebaulichen Einflussfaktoren das Ensemble in seiner Gesamtheit komplettiert. Dabei wird die besondere Topographie als Chance wahrgenommen und die „Grube“ mit einem Grundstück füllenden Sockelgeschoss besetzt, sodass sich das Motiv der historischen Mauer entlang der westlichen Ensemblegrenze im Neubau wiederfindet. Dadurch kann außerdem die Dimension des darauf liegenden Würfels minimiert werden. Dieser schiebt sich zwischen den Flügel und das Nebengebäude des Altbaus und bildet somit den neuen Abschluss der neobarocken Gartenanlage – ein Puzzlestück das sich wie selbstverständlich in das Ganze einfügt. Ganz bewusst soll das bestehende Ensemble nicht verstellt werden. Wichtige Blickbeziehungen bleiben dadurch erhalten und sowohl der Maßstab als auch der Rhythmus der Nachbarbebauung wird respektiert.

    Die einfache Kubatur hält sich vornehm zurück und soll dabei klar als funktionales Gebäude erkennbar sein. Über einen breiten Riegel, welcher sich in den Würfel einschneidet, sind beide Magazine im Erdgeschoss direkt bei der Anlieferung miteinander verbunden, wodurch ein niveaugleicher Übergang ermöglicht wird. Wie an einer Perlenschnur reihen sich hier die Arbeitsräume aneinander und werden mit Tageslicht versorgt. Raumhohe Verglasungen stellen den Bezug zur bestehenden Hofanlage her. Über einen zentral gelegen Erschließungskern sind sämtliche Geschosse erreichbar – eine Brücke im zweiten Obergeschoss ermöglicht die gewünschte Anbindung auch auf dieser Ebene. Diese ist bewusst ganz im Westen positioniert um den Durchblick zum Bestandsgebäude zu ermöglichen.
    Die klare Gliederung im Erdgeschoss ist auch im Untergeschoss wiederzufinden. Die Technikräume und Nebenräume, welche kein Tageslicht bedürfen, reihen sich entlang der streng funktional gegliederten Magazine. Die Stapelung der Geschosse und eine auf die Regalplanung abgestimmte Stützenstellung ermöglicht dabei ein Höchstmaß an Flexibilität und Wirtschaftlichkeit.
    Die Magazine werden gemäß der gültigen Vorschriften in entsprechende Brandabschnitte unterteilt. Dabei wird im Untergeschoss der zweite Rettungsweg über eine zusätzliche Fluchttreppe realisiert; in den Obergeschossen über Anleiterluken, welche in der Fassade integriert sind.

    Während das klare Gebäudevolumen eine gewisse Ruhe und Selbstverständlichkeit ausstrahlt, soll die Gliederung der Fassade Assoziationen zu der Funktion als Archiv ermöglichen. Das Lagern, Schichten, und Stapeln wird durch die Lamellen aus Betonfertigteilen thematisiert und lesbar. Ein sich je nach Sonnenstand ergebendes Schattenspiel löst dabei die Massivität des Gebäudes auf und erzeugt eine gewisse Tiefe und Plastizität.
    Der verglaste Einschnitt der Arbeitsräume liegt oberhalb der bestehenden Mauer und orientiert sich in Richtung Gartenanlage. Er stellt so eine Beziehung zum denkmalgeschützten Ensemble und dessen Außenraum her – ist sozusagen Bindeglied zwischen alt und neu. Die Übergänge nehmen sich in ihrer Materialität zurück und erzeugen durch gewisse Spiegelungen und Transparenz eine gewünschte Durchlässigkeit.

    Der Neubau soll mit einer massiven Konstruktion aus Stahlbeton realisiert werden. Tragende Wände und eine entsprechende Stützenstellung ermöglichen Flachdecken mit einer Stärke von 24 cm. Dies hat den Vorteil, dass die Konstruktion ohne Unterzüge ausgeführt werden kann. Die Aussteifung des Gebäudes erfolgt über die massiven Kerne für Treppenhaus und Aufzug. Zusätzliche Wandscheiben werden tragend und zur Aussteifung herangezogen. Sämtliche statischen Elemente sind übereinander angeordnet, sodass eine hohe Kosteneffizienz erreicht wird.
    Durch den Verzicht auf ein zweites Untergeschoss befindet sich das Gebäude zudem außerhalb des Grundwasserstandes und macht somit entsprechende Maßnahmen für Wasserundurchlässige Gebäude aus Beton obsolet.

    Mit der kompakten Gebäudekubatur wird ein optimales Verhältnis von Gebäudehülle zu konditioniertem Gebäudevolumen erreicht und somit der Transmissionswärmeverlust reduziert. Die massive Stahlbetonkonstruktion generiert zudem thermisch wirksame Speichermasse. Sowohl durch gestalterische als auch bauliche Maßnahmen und die Anwendung moderner Anlagentechnik wird den gewünschten Anforderungen an die EnEV Genüge getan und die Anforderungen an den Primärenergiebedarf erfüllt.
    Raumlufttechnischen Anlagen, welche die Magazinräume gemäß den klimatischen Anforderungen versorgen, werden im Sinne der Nachhaltigkeit mit hocheffizienten Wärme- bzw. Energierückgewinnungssystemen ausgestattet. Lediglich in den Arbeitsräumen werden Heizkörper für eine nutzerabhängige Klimatisierung vorgesehen. Die energetischen Berechnungen werden im Zuge der Objektplanung detailliert - mit allen getroffenen Maßnahmen wird ein energieoptimiertes Gesamtkonzept erreicht.

    Die Reduzierung der gestalterischen Elemente, der bewusste Einsatz robuster und reparaturfähiger Materialien, sowie die Verwendung von Baustoffen aus der Region sind ein wesentlicher Bestandteil des ökologischen Konzeptes und einer wirtschaftlichen, als auch nachhaltig qualitativen Architektur. Das Gebäude ist so angelegt, dass ein effizienter wirtschaftlicher Standard gewährleistet ist.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit dem Entwurf des neuen Erweiterungsbaues wird ein präziser Kubus generiert, welcher das bestehende Ensemble in seiner Gesamtheit komplettiert. Das tiefer gelegte Gelände wird mit einem grundstückfüllenden Sockelgeschoß besetzt.

    Der darauf liegende 5-geschößige Kubus bildet somit einen Abschluss der neobarocken Gartenanlage. Der Maßstab und Rhythmus der Nachbarbebauung werden respektiert.
    Das klare Gebäudevolumen strahlt eine gewisse Ruhe aus.

    Die Übergänge zum Beständebau nehmen sich in ihrer Materialität zurück und erzeugen durch ihre Transparenz eine gewisse Durchlässigkeit.

    Die Baulinie wird eingehalten. Die Traufhöhe des historischen Archivgebäudes wird deutlich überschritten. Im Gegenzug wird die obertägige überbaute Grundstücksfläche aber minimiert. Hierdurch wird ein großer Abstand zur nördlichen Wohnbebauung ermöglicht. Außerdem werden durch die kompakte Bauform und die Ausbildung der Verbindungsbrücke Blickbeziehungen von der Schützenstraße in das Archivensemble erhalten.

    Die Lage der Verbindungsbrücke im zweiten Obergeschoß ist zu überprüfen.
    Die Außenwände bestehen aus vorgehängten Fassadenelementen aus durchgefärbten, reliefartigen Sichtbetonfertigteilen. Die Gesamtgestaltung der Fassade ist der Aufgabe angemessen.

    Der Entwurf erfüllt die allgemeinen Anforderungen und ist wirtschaftlich realisierbar.
    Die klare Gliederung im Erdgeschoß ist auch im Untergeschoß wiederzufinden.
    Die Magazine werden in Brandabschnitte unterteilt, allerdings haben die Obergeschosse nur Anleiterluken; der 2. Fluchtweg fehlt.
    Durch den Verzicht auf ein zweites Untergeschoß befindet sich das Gebäude außerhalb des Grundwasserstandes.

    Baukonstruktion, Kubatur und Flächenwerte lassen eine wirtschaftliche Lösung erwarten.
    Die Arbeit hat sehr wenig Aussagekraft im Hinblick auf das technische und energetische Konzept.
    Die Technikflächen sind knapp bemessen.
    Insgesamt stellt die Arbeit durch Ihre Klarheit einen wertvollen Beitrag zur Architektur dar.