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  • DE-96047 Bamberg
  • 06/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-186758)

Erweiterungsbau für das Staatsarchiv


  • Anerkennung

    Lageplan, © Lehmann Architekten GmbH

    Architekten
    Lehmann Architekten GmbH, Offenburg (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das Staatsarchiv Bamberg befindet sich im unter Ensembleschutz liegenden Haingebiet der Stadt Bamberg. Es besteht aus einem als Baudenkmal eingetragenem Gebäudeensemble mit neobarocker Gartenanlage. Die Fläche für den zu planenden Erweiterungsbau liegt entlang der etwa in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Schützenstraße.

    Aus der städtebaulichen Situation sowie dem Raumprogramm ergeben sich folgende Grundsätze für den Entwurf des Erweiterungsbaus:

    • Bezugnahme auf die Maßstäblichkeit der umgebenden, villenartigen Bebauung unter
    Einbeziehung der vorhandenen Dachformen an der Schützenstraße.
    • Bezugnahme auf die Maßstäblichkeit, die Raumkanten sowie die Gartenanlage des
    bestehenden Gebäudeensembles.
    • Funktionale und wirtschaftliche Anbindung sowie Ausbildung des Erweiterungsbaus
    unter Beachtung der Grundsätze des nachhaltigen Bauens.

    Städtebauliche Setzung / Komposition
    Das Erweiterungsgebäude zeigt sich als neuer Stadtbaustein an der Schützenstraße. Mit seiner bewegten Dachform und der Gliederung der Fassade über vertikale Fensterbänder nimmt er die Maßstäblichkeit der umgebenden Wohnbebauung auf. Die Gebäudeflucht des bestehenden Magazingebäudes wird vom Treppenhaus des Erweiterungsbaus aufgenommen. Zu der neobarocken Gartenanlage sind die Büro und Aufenthaltsräume des Archives orientiert. Der zum Garten hin eingeschossige Außenflügel des Erweiterungsbaus nimmt die Fluchten des bestehenden Ensembles auf.

    Organisation / Grundrisse
    Das Gebäude wird über einen Verbindungsbau an den bestehenden Anbau angebunden. Direkt am Anschluss befinden sich das Treppenhaus sowie der Aufzug zur Erschließung des Erweiterungsbaus. Sämtliche Arbeitsräume sowie Aufenthaltsräume befinden sich in einer Nebenspange im Erdgeschoss. Sie sind zur neobarocken Gartenanlage des Bestandes orientiert.

    Je Geschoss sind zwei Magazinräume über einen in Nord-Südrichtung verlaufenden Flur erschlossen. Am Ende des Flures ist ein zweites Treppenhaus als zweiter Fluchtweg angeordnet.

    Die Archivregale in den Magazinräumen werden jeweils über einen Mittelflur erschlossen. Am Ende des Flures befinden sich raumhohe Fenster zur Belichtung bzw. Entrauchung der Räume.

    Konstruktion / Statik / Gründung
    Der Erweiterungsbau ist in einer Massivbauweise konzipiert. Sämtliche Außenwände sowie die wesentlichen Innenwände sind als tragende Wände geplant. Die Decken können als Flachdecken in Ortbeton, bzw. als Elementdecken ausgeführt werden. Für die Stellung der Stützen in den Archivräumen bieten sich zwei Szenarien an:

    Festlegung der Lage der fixierten Regalreihen, Integration der Stützen in dieser Ebene. Es ergeben sich Spannweiten von unter 7m und somit wirtschaftliche Flachdecken. Alternativ können die Stützen in die Ebene des Flurbereiches verschoben werden.

    Die Fassade ist als wärmegedämmte, vorgemauerte, geschlemmte Ziegelfassade in Farbton der Bestandsgebäude geplant. Ein umlaufender Gebäudesockel aus einer vorgehängten Natursteinfassade aus dem Naturstein der Bestandsgebäude verstärkt den Ensemblecharakter.

    Es wird mit zwei Untergeschossen geplant, wobei lediglich das 2. Untergeschoss im Erdreich liegt. Die Gründung liegt damit über dem Grundwasserpegel, im sogenannten Schwankungsbereich. Das Untergeschoss wird daher in WU Qualität ausgeführt. Aufwendige Maßnahmen im Bereich der Erdarbeiten sind nicht zu erwarten.

    Gebäudetechnik
    Die Räume für die Gebäudetechnik (Wärme, Kälte, Sanitär und Elektro) sind im 2. Untergeschoss angeordnet, die Anlagen der Lüftung befinden sich im 3. Obergeschoss unter dem Dach. Die Lüftung kann so wirtschaftlich betrieben werden. Die Hauptstränge der Lüftung können unter der Dachdecke (erhöhtes 3. Obergeschoss) verteilt werden und dann vertikal in den jeweiligen Bereich geführt werden.

    Sämtliche Räume verfügen über ausreichend große Fenster bzw. Öffnungen, so dass eine natürliche Entrauchung möglich ist.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der fünfgeschossige Baukörper besetzt einen großen Teil des Wettbewerbsperimeters.
    Gleichzeitig versucht der Verfasser durch ein, in drei Flächen geneigtes Dach auf vorhandene Traufhöhen, des fünf geschossigen Bestandsanbau im Süden und ein zwei geschossiges Wohnhaus im Norden, zu reagieren. Diese Geste wird von der Jury kontrovers diskutiert.
    Nahezu zwei Geschoße des Entwurfs werden als Untergeschoße vorgeschlagen. In der Folge entsteht ein umlaufend unterschiedlich hoch ausformulierter Sockel.
    Das tiefer gelegene, vorhandene Gelände wird umlaufend, z.T. deutlich, an den Baukörper nivelliert. Die festgesetzte Baulinie wird eingehalten.
    Trotzdem wirkt das Gebäude im Kontext des vorhandenen Ensembles fremd.

    Die gezeigte Konstruktion eines gedämmten Stahlbetonmassivbaus mit geschlämmter, vorgeblendeter Mauerwerksfassade wirkt schlüssig und verspricht einen wirtschaftlichen Bauunterhalt.

    Die gewählten Spannweiten und Dimensionen erscheinen plausibel. Die gezeigten Geschoßhöhen erscheinen zu gering. Die gestalterischen Merkmale der geschoßübergreifenden, durch Metalllamellen verdeckten Fensteröffnungen die der mineralischen Wand der Fassade hinzugefügt werden wirken überzogen. Insgesamt kann weder Lage noch Proportion der gezeigten Fensteröffnungen überzeugen. Die geneigten Dachflächen lassen eine robuste Dachentwässerung erwarten.

    Die interne Organisation des Entwurfs ist klar gegliedert und lässt funktionale Arbeitsabläufe erwarten. Die Anordnung aller Arbeitsräume in einem eingeschossigen, hofseitigen, anbauartigen Teil des Erdgeschosses und der Dunkelräume unmittelbar darunter erscheint günstig. Die Verbindung zwischen Bestandsgebäude und dem Neubau ist, als Folge der Dimension des Bauwerks sehr kurz, aber auf drei Geschoßen geschlossen.
    Bei der Nutzfläche und der Gesamtfläche werden die vorgebebenen Kennwerte z.T. erheblich überschritten. Die Arbeit erreicht dadurch allerdings einen sehr hohen Wert an laufenden Regalmetern.

    Die Arbeit hat sehr wenig Aussagekraft im Hinblick auf das technische und energetische Konzept. Viele technische Aspekte werden nicht beschrieben.
    Die Technikflächen erscheinen ausreichend.

    Insgesamt kann der intern gut organisierte Baukörper aufgrund der gewählten gestalterischen Mittel sowie der formale Geste der bewegten Dachkontur, im gegebenen Kontext, städtebaulich nicht überzeugen.