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  • DE-96047 Bamberg
  • 06/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-186758)

Erweiterungsbau für das Staatsarchiv


  • Anerkennung

    Staatsarchiv Bamberg - Ensemble

    Architekten
    o5 architekten bda - raab hafke lang, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: TRAGRAUM Ingenieure PartmbB vormals Dr. Kreutz+Partner BERATENDE INGENIEURE mbB, Nürnberg (DE), Oberschleißheim (DE), Bamberg (DE), Münnerstadt (DE), Regensburg (DE)
    Bauphysiker: Wolfgang Sorge Ingenieurbüro für Bauphysik GmbH & Co. KG, Nürnberg (DE)

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Auszug aus dem Erläuterungstext
    Das Staatsarchiv Bamberg verwahrt einmaliges schriftliches Kulturgut der staatlichen Behörden und Gerichte im Regierungsbezirk Oberfranken vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Die Magazinreserven im historischen Archivgebäude von 1905 und dem Erweiterungsbau von 1961 sind seit Jahren erschöpft.
    Aufgrund archivfachlicher und wirtschaftlicher Überlegungen kommt zur längerfristig befriedigenden Lösung der Platzprobleme des Staatsarchivs Bamberg nur ein neues Magazingebäude in direkter Nähe zum Archiv und mit räumlicher Anbindung in Frage.

    Lage und Form – Ensemble
    Die Archivbauten des Staatsarchivs Bamberg sind nicht nur Speicher einer großen Menge einmaliger schriftlicher Kulturgüter. Denn mit seinen Gebäuden unterschiedlichen Alters, Größe und Stilistik ist der Komplex auch bauliches Zeugnis der jüngeren Geschichte und Entwicklung des Sammelns und Verwahrens von Dokumenten. So ist der Neubau des Archivgebäudes auch eine Chance, die Geschichte der Bamberger Archivbauten weiterzuschreiben, das Ensemble der Archivbauten zu komplettieren und den Standort zu stärken.
    Der Archivneubau wird im Kontext der kleinteiligen Wohnbebauung als kompakter Baukörper auf dem Grundstück an der Sodenstraße in direkter Nachbarschaft zum Archivbau von 1961 vorgesehen. Als städtebauliche Bezugslinien gelten im nördlichen Bereich die gegenüberliegende Wohnbebauung und als westliche Grenze die vorhandene Baulinie. Gestalt prägendes Merkmal des Baukörpers ist die segmentweise Gliederung der Baumasse und der Fassaden. Diese Gliederung entspricht der inneren Struktur, der Typologie des Verwahrens. Sie referenziert aber gleichzeitig auch auf die vertikale, tektonische Gliederung der historischen Archivfassaden und ermöglicht die kleinteilige Ausformung der Dachlandschaft gemäß der umgebenden Körnung.

    Typologie und Erschließung
    Die Anbindung an den bestehenden Archivkomplex erfolgt über einen Verbindungs-Baukörper auf der südlichen Gebäudeseite. Dabei entsteht die räumliche Verbindung im Bereich der Anlieferung im Erdgeschoss und im Bereich des Vorraumes im zweiten Geschoss des Archivgebäudes von 1961.
    Die Typologie und die Dimensionen des zweibündig organisiert und erschlossenen Baukörpers ergeben sich aus der strukturellen Ordnung der straßenseitig orientierten Archivbereiche in Kombination mit einem dienenden Riegel (Neben- und Sonderräume, Vertikalerschließung) auf der Innenhofseite. Alle Archivgeschosse funktionieren nach dem gleichen Erschließungs- und Organisationsprinzip. Der Archivbau verfügt über vier Archivgeschosse (UG-2.OG) und ein Dachgeschoss als Technik- und Nebenfläche.

    Zukünftige Entwicklung und Erweiterung
    Das Archivgebäude von 1961 ist weder baukünstlerisch noch funktional und technisch dauerhaft tragfähig. Mittelfristig wird das Gebäude ersetzt werden müssen, spätestens zum Zeitpunkt der nächsten Ausbaustufe der Archivflächen. Zugunsten des historischen Archivgebäudes und des Ensembles wird für die kommende bauliche Erweiterung keine Lösung mit einem weiteren, frei stehenden Baukörper angestrebt.
    Vielmehr ermöglicht die Konzeption des Archivneubaus eine direkte räumliche Erweiterung: Die Typologie des linear organisierten Zweibundes ermöglicht die lineare Vergrößerung des Archivs in südlicher Richtung bei gleicher Funktionsweise der Raumbereiche.

    Kontext, Materialität und Konstruktion
    Die Materialität des Gebäudes referenziert wie auch die Dachform und die Fassadengliederung auf den baulichen Kontext des Archivensembles und der umgebenden Wohnbebauung des Haingebiets. So ist das Dach des Gebäudes als vierteilige Walmdachform mit Einschnitten ausgeführt. Jene Einschnitte erzeugen eine angemessene Kleinteiligkeit des Baukörpers und prägen die Fassadengliederung. Wand und Dach sind mit Ziegelmauerwerk verblendet. Dabei sind die Wandziegel in einem vertikalen Zierverband angeordnet, der über Prägungen, versetzte Schichten und Perforationen in Variationen immer wieder Analogien zu den bei der Lagerung von Schriftstücken wichtigen Ordnungsmustern, Reihen, Schichten und Stapeln, herstellt.
    Die Einschnitte sind Gestalt prägend. Einschnitte und sonstige Öffnungen werden über durchlaufende Bänder (Dachgesims, Lisene, Sockel) aus Betonwerkstein verbunden und akzentuiert. Hier wird eine Nähe zu den Natursteinelementen an den historischen Fassaden aufgebaut.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt durch eine klare innere Organisationsstruktur und Grundrissanordnung. Entlang einer zentralen Achse sind im Osten die Archivflächen übersichtlich angeordnet. Auf der Westseite des Erschließungsganges befinden sich Büro- und Sonderräume sowie die vertikale Erschließung. Aus Sicht der Nutzung überzeugt diese Anordnung.

    Der Baukörper ist kompakt und konstruktiv logisch aufgebaut. Die lässt eine wirtschaftliche Ausführung erwarten. Die geforderte Nutzfläche wird unterschritten.

    Die Verbindung zum vorhandenen Beständehaus ist richtig angeordnet. Die Gestaltung des Verbindungsbauwerkes mag jedoch nicht überzeugen. Trotz der vorgeschlagenen Gestaltung in Glas entfaltet der Verbindungsbau städtebaulich die Wirkung einer geschlossenen Wand. Der Freiraum zwischen dem bestehenden Gebäude aus den 60er Jahren und dem Neubau wirkt hierdurch wenig einladend.

    Der Entwurf nimmt die Baulinie und die Traufhöhe des historischen Gebäudes auf. Über den vier Archivebenen wird ein Technikgeschoss entwickelt, das nach außen mit einer geneigten Dachfläche abschließt. Tatsächlich verbirgt sich dahinter jedoch ein Flachdach. Die Gestaltung von Dach und Fassade ist geprägt von dem Bemühen, dem großen Volumen des Baukörpers eine Gliederung zu verleihen. Die stellt jedoch die formale Gesamtqualität des Entwurfs in Frage.

    Grundsätzlich ist diese Zielsetzung zu begrüßen. Ob die hieraus resultierende Formensprache der umgebenden Bebauung und der inneren Funktion gerecht wird, kann jedoch angezweifelt werden.

    Das Technikkonzept ist überwiegend plausibel und zeichnet sich durch eine gute Luftführung und Zonierung aus. Einige technische Aspekte wurden nicht erwähnt, so wurde z.B. nicht auf regenerative Energien eingegangen.

    Die funktionelle Qualität der Arbeit wird leider durch den überzogenen formalen Willen abgemindert.