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  • DE-55130 Mainz
  • 06/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-184647)

Heiligkreuz-Areal


  • 1. Preis Zuschlag

    Gesamtplan Heiligkreuzareal, © Latz+Partner/ Hermann & Valentiny und Partner

    Landschaftsarchitekten
    LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung, Kranzberg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Hermann & Valentiny u. Partner, Wien (AT), Remerschen (LU), Leipzig (DE)

    Erläuterungstext
    Latz + Partner gewinnen gemeinsam mit Hermann & Valentiny und Partner ZT GmbH Wien den städtebaulichen Wettbewerb für das Heiligkreuzareal in Mainz. Auf dem rund 32 Hektar großen, ehemaligen Gewerbeareal der IBM Deutschland im Stadtteil Mainz-Weisenau galt es ein Stadtquartier mit sozial durchmischtem Wohnungsbau für sämtliche Einkommensstufen sowie Flächen für Gewerbe zu entwickeln.
    Unser vorrangiges Ziel war es ein langfristig tragfähiges städtebauliches und freiraumplanerisches Grundgerüst zu entwerfen, das eine Varianz in der architektonischen Ausprägung einzelner Baufelder und Bauabschnitte zulässt. So konnte der Entwurf auch die Jury durch seine „prägnante und identitätsstiftende städtebauliche Struktur“ überzeugen.
    Gewerbe- und Dienstleistungsbauten definieren einen schützenden Rand für das neue Wohnquartier im Inneren, in dem zwei großzügige Quartiersparks kommunikative Zentren bilden. Eine zentrale Grünachse ist Rückgrat und Bindeglied zwischen angrenzenden Wohngebieten und Infrastruktureinrichtungen. Großzügige Fußgängerpromenaden vernetzen das neue Quartier intern und mit den übergeordneten Freiräumen der Umgebung. Der PKW-Verkehr wird auf zwei Ringstraßen reduziert. Die Typologie des Wohnhofs differenziert klar zwischen privaten Gärten im Inneren und den außerhalb gelegenen Erschließungszonen. Auf Sockeln gelegene Vorgärten entlang der Promenaden schaffen Räume für Begegnung und Kommunikation. Eine Kette aus Solitärgebäuden ist behutsam in den bestehenden Grünzug am Bretzenheimer Weg integriert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau
    Die Arbeit überzeugt durch eine prägnante, identitätsstiftende Makrostruktur. Markante, durchgeformte Gebäudestrukturen sind die Visitenkarte des neuen Quartiers. In gleicher Weise sind die öffentlichen Grünräume akzentuiert und raumbildend eingesetzt.

    Quartiersprägend sind u.a. der in Ost-West-Richtung verlaufende Grünzug, wie auch die beiden in den jeweiligen Quartiersmitten angeordneten Parkflächen. Die wesentlichen Anforderungen an die Gliederung des Areals auf der Grundlage des Rahmenplans sind erfüllt. Als Nachteil wird jedoch die wenig prägnante Ausbildung der Nord-Süd-Verbindung gesehen, welche lediglich über befestigte Flächen geführt wird.

    Bei den vorgeschlagenen Bautypologien des Wohnungsbaus überwiegen Hoftypologien und Solitäre als mäandrierende Großformen. Die Qualitäten dieser Typologien liegen in raumbildenden Kanten, welche deutlich zwischen öffentlichem und privatem Raum differenzieren. Die Baufeldproportionen sind funktional und wirtschaftlich umsetzbar. Die vorgeschlagene Baustruktur weist in Teilen vielfältige Ecksituationen auf, die hinsichtlich der Grundrissentwicklung kritisch gesehen werden. Die Erdgeschosszonen weisen Probleme der z.T. unzureichenden Ausweisung von privaten Freiflächen, wie auch Überlagerungen von unterschiedlichen Nutzungsbereichen im Blockinnenbereich auf. Die Erschließung der Gebäude erfolgt über die öffentlichen Flächen. Durch die gewählten Blockstrukturen werden die Innenhöfe teilweise stark verschattet. Die mäandrierende Bebauung an der Ost-West- Verbindung wird hinsichtlich ihrer Proportion bemängelt.

    Als sehr gut gelöst wird die Solitärbebauung am Bretzenheimer Weg im Norden des Quartiers gesehen. Hier wird die vorhandene Topgraphie geschickt genutzt, um die Gebäude sinnfällig mit dem Landschaftsraum zu vernähen.

    Die vorgeschlagene Großform des Nahversorgungszentrums wird als stadträumlich sinnfälliger Beitrag verstanden, welcher eine urbane Kantenausbildung an der Hechtsheimer Straße favorisiert. Die Dimension des Riegels, sein hybrider Nutzungsmix mit vielfältigen, sich funktional z.T. widersprechenden Anforderungen, wird jedoch in Bezug auf eine Realisierung kritisch gesehen. Die Anordnung der Gewerbeeinheiten im Süden des Quartiers ist überwiegend gut gelöst. Die das Quartier nach Süden abschließende Großform ist hier jedoch ebenfalls nicht einmütig positiv bewertet.

    Die Quartierseingänge an der Hechtsheimer Straße / Bretzenheimer Weg wie auch am Heiligkreuzweg / Max-Hufschmidt-Straße sind treffend ausformuliert. Die Erschließung der unterschiedlichen Quartiersbereiche erfolgt weitgehend analog der formulierten Vorgaben und ist gut gelöst. Negativ anzumerken ist der Kurzschluss im Süden des Wettbewerbsquartiers, welcher einen nicht gewünschten Durchgangsverkehr über Gewerbeflächen ermöglicht. Die Anschlüsse an das bestehende Fuß- und Radwegenetz sind gut gelöst.

    Die Handelsnutzungen im Erdgeschoss sind funktional angeordnet. Es sind ausreichend Parkplätze mit guter Anbindung vorgesehen. Die Wohnungsnutzungen in den Obergeschossen sind aufgrund Ihrer Lage als Studentenappartements vorgesehen. Der dafür vorgesehene Baukörper ist jedoch so groß, dass eine Vermarktung in dieser Größenordnung für Studentenappartements fraglich ist. Eine alternative Nutzung für Wohnungen und Büros ist ebenfalls wegen der Größe und Lage des Baukörpers fraglich. Eine Gliederung des Baukörpers in kleinere Abschnitte würde eine Vermarktung wesentlich erleichtern.

    Die Baukörper im Süden für die Gewerbeeinheiten sind ebenfalls von großer Körnung, eine Vermarktung in dieser Größenordnung und Geschossigkeit ist fraglich. Die Lage der Tankstelle und Systemgastronomie entsprechen der Auslobung.

    In Bezug auf die städtebaulichen Flächenwerte weist die Arbeit die geringsten Nettobauland-Werte der Gesamtfläche, wie auch in der differenzierten Betrachtung des Kernbereichs auf. Dieses Ergebnis steht in direktem Zusammenhang mit den andererseits sehr hohen Werten für öffentliche Freiflächen und Verkehrsflächen.

    Die Qualitäten der Arbeit liegen in der Gesamtschau in der Prägnanz ihrer städtebaulichen Raumbildung. Sie zeigt hingegen Schwächen in Bezug auf Nutzungs- und Funktionsqualitäten. Insgesamt stellt sie jedoch einen prägnanten und entwicklungsfähigen Beitrag zur Lösung der Aufgabe dar.