loading
  • DE-55130 Mainz
  • 06/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-184647)

Heiligkreuz-Areal


  • 3. Preis

    Grüner Knoten

    Stadtplaner
    rheinflügel severin, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Treibhaus Landschaftsarchitektur Berlin/Hamburg, Berlin (DE), Hamburg (DE)
    Landschaftsarchitekten: LAVALAND Laura Vahl, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Das Heiligkreuzquartier gliedert sich in 5 Teilbereiche mit einer Staffelung in der Nutzung von Gewerbe im Südwesten zu reinem Wohnen im Nordosten. Zwischen beiden Polen befindet sich eine Schicht mit 3 gemischten Quartieren, von denen jeweils Teilflächen als Mischgebiet ausgewiesen sind. Da die gemischten Quartiere jeweils deutlich von Wohnnutzung geprägt sind, ergeben sich insgesamt 4 Nachbarschaften des Wohnens im Zentralbereich des Heiligkreuz-Areals.

    Zwischen den 4 Nachbarschaften verlaufen Grünzüge unterschiedlicher Breite und Bedeutung, die sich an ihrem Kreuzungspunkt zu einem „Knoten“ als zentralem Element des gesamten Quartiers verdichten. An den End- oder Umlenkpunkten der Grünzüge befinden sich zumeist Schulen. Darüber hinaus bestehen Verbindungen nach Weisenau in Richtung Osten, zum Volkspark und dem Rosengarten im Nord-Osten sowie zum Pariser Tor und den dortigen Sportanlagen im Nord-Westen. Aufgrund der starken Belastung der umgebenden Hauptverkehrsstraßen, stellen die Grünzüge ein attraktives Alternativangebot für den Fuß- und Radverkehr innerhalb des Mainzer Südens dar.

    Die Identität der Nachbarschaften ist stark mit dem Konzept der Grünzüge verknüpft. Jede Nachbarschaft verfügt über einen, sich zum Freiraum der Grünzüge öffnenden Platz als zentralem identitätsstiftenden Element. Die Grünzüge gewinnen hierdurch an Öffentlichkeit, die Plätze an Großzügigkeit. Die Kopplung erleichtert zudem die Entwicklung der Plätze als informelle Treffpunkte mit vielfältigen Angeboten für Jung und Alt. Neben den Nachbarschaftsplätzen markieren platzartige Aufweitungen die wichtigsten Quartierseinfahrten mit jeweils unterschiedlicher Widmung. Im Nord-Westen bildet das Nahversorgungszentrum den Rahmen für einen Platz des Handels, der regulär als Parkplatz dient, jedoch temporär auch für Wochen- bzw. Trödelmärkte zur Verfügung steht. In der Bedeutung an zweiter Stelle folgt die Quartierszufahrt im Süd-Osten gegenüber der Max-Hufschmidt-Straße. Unter Einbeziehung von Bestandsbäumen wird hier ein grüner Platz mit Gastronomieschwerpunkt vorgeschlagen. An dritter Stelle folgt die Zufahrt über einen Business-Platz am IBM-Hochhaus. Analog zu diesem springt das südlich davon vorgesehene Hotel mit seiner Eingangsfront zurück und erhält ebenfalls eine Vorfahrt, sodass die Adresse an Großzügigkeit und öffentlichem Charakter gewinnt.

    Neben der unterschiedlichen Ausrichtung und Beschaffenheit der Nachbarschaftsplätze im Innern und der auf Adressbildung ausgerichteten Plätze an den Hauptzufahrten von außen, wird die Identität des Heiligkreuzquartiers mit Ausnahme des Gewerbegebiets durch den Typ des offenen Blocks geprägt. Der offene Block vermittelt zwischen innerstädtischer Urbanität und suburbaner Vorstadt. Er vermag darüber hinaus verschiedene Gebäudetypologien und Wohnformen miteinander zu verknüpfen. Der offene Block lässt auf der Skala zwischen einer fast vollständig geschlossenen Blockrandbebauung und einer im Rechteck gesetzten Punkthausbebauung unterschiedliche Wohnformen zu und stellt auf diese Weise ein flexibles und damit solides städtebauliches Gerüst dar. Der Hofraum verbindet sich je nach Öffnungsgrad mit dem Außenraum, wodurch vielfältige Blickbeziehungen entstehen. Zweifach orientierte Treppenhäuser erlauben den Zentralbereich der Höfe als Bewohnertreffs zu aktivieren. Neben den Gemeinschaftsflächen sind die Höfe durch die von Hecken umfassten Privatgärten der Erdgeschosswohnungen geprägt, wodurch sich eine kleinteilige Gliederung der Hofbereiche ergibt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau
    Die Arbeit entwickelt ein tragfähiges, filigranes Gerüst, das in seiner Maßstäblichkeit zwischen innerstädtischer Urbanität und suburbaner Vorstadt vermittelt. Ein zentraler gut proportionierter „grüner Knoten“ wurde über ein grünes, von motorisierten Verkehr getrenntes Netz geschickt mit der Umgebung verknüpft und schafft eine klar ablesbare, Identität stiftende Mitte.

    Die Raumkanten werden jedoch als eher unruhig kritisiert. Es entstehen vier jeweils um einen zentralen Platz organisierte, überschaubare Nachbarschaften. Von außen wird die Adressbildung über drei Entreéplätze und die Ausbildung einer differenzierten städtebaulichen Kante entlang der Hechtsheimer Straße erreicht.

    Die städtebaulichen Übergänge nach Süden und Osten werden jedoch kritisch gesehen. Der Typ des offenen Blocks und die Größe der Baufelder lässt eine abschnittsweise Realisierung des Quartiers zu.

    Die dargestellten Baufelder sind wirtschaftlich und funktional gut umsetzbar. Der geförderte / preisgünstige Wohnungsbau wird auf eigenen Baufeldern nachgewiesen. Die Stellplätze hierfür werden in den Gemeinschaftsparkhäusern untergebracht.

    Die weiteren Baufelder bieten den Nachweis des geforderten Wohnungsmixes. Die Erschließung erfolgt vom öffentlichen Raum. Bei einigen Bebauungsvorschlägen werden die Innenhöfe teilweise stark verschattet.

    Die Handelsnutzungen im Erdgeschoss sind funktional angeordnet. Es sind ausreichend Parkplätze vorhanden. Die Anordnung der Wohn und Büroeinheiten erscheint realisierbar.

    Die Lage der Tankstelle und Systemgastronomie entsprechen der Auslobung. Das Gewerbegebiet ist gut erschlossen, eine Aufteilung / Zusammenlegung der Baukörper ist möglich und eine Vermarktbarkeit erscheint realistisch.

    Insgesamt ist die Arbeit ein guter Beitrag zur gestellten Aufgabe und lässt robuste Gebrauchs- und Nutzungsqualitäten erwarten.