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  • DE-55130 Mainz
  • 06/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-184647)

Heiligkreuz-Areal


  • Anerkennung

    Lageplan M 1:1.000, © Machleidt/sinai

    Stadtplaner
    Machleidt GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Carsten Maerz , Benjamin Wille , Ilja Haub , Steffen Wörsdörfer , Gregor Borg

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Das neue Stadtquartier auf dem Mainzer Heiligkreuz setzt sich aus einer Mischung verschiedener Nachbarschaften zusammen, die jeweils auf die angrenzenden Bestandsstrukturen reagieren und diese in zeitgemäßer Weise weiterentwickeln. Es entstehen vielfältige Stadtfelder, urban und gleichsam durchgrünt, mit unterschiedlichen Atmosphären und individuellem Charakter. Zusammengehalten werden sie über ein zentrales Freiraumkreuz, welches die wichtigsten Wegebeziehungen der Umgebung aus allen Himmelsrichtungen aufnimmt und im schlanken Promenadenpark weiterführt.

    Morphologie und Typologien
    Der äußere, harte Saum entlang der Hauptstraßen integriert die Bestandsbauten und nimmt deren Nutzung und Körnung auf. Besondere bauliche Akzente werden an den Quartierseingängen und an der Südspitze des Gebietes durch städtebauliche Hochpunkte gesetzt, welche Orientierung im Stadtgefüge bieten und dem Quartier prägnante Adressen an prominenter Stelle verleihen. Darüber hinaus fungiert der Saum als visueller und akustischer Puffer zu den Verkehrsräumen.
    Zum inneren Kerngebiet hin werden die Gewerbe- und Mischtypologien kleinteiliger und bilden Adressen zu den beiden Erschließungsschleifen aus. Das Kerngebiet selbst setzt sich aus gemischten, offenen Stadtfeldern zusammen, die jeweils aus einen Mix verschiedener Wohntypologien wie Geschosswohnungsbau, gefördertem Wohnungsbau, Reihenhäusern und freistehenden Stadtvillen gebildet werden. Dabei nimmt die bauliche Dichte von Südwesten nach Nordosten hin ab, um einen angemessenen Übergang zu den Wohngebieten Richtung Volkspark zu schaffen. An Orten mit besonders zentraler Lage und Funktion werden kleinere Quartiersplätze vorgesehen, während die entstehenden Innenbereiche der Stadtfelder als Nachbarschaftsplätze und Pocket Parks mit wohnungsnahen Spielflächen und Aufenthaltsmöglichkeiten ausgestaltet werden. Am Handels- und Dienstleistungszentrum Hechtsheimer Straße entsteht ein kleiner grüner Stadtplatz als merkantiles Zentrum und Treffpunkt des Quartiers.

    Freiraum
    Die freiräumliche Quartiersstruktur ist gekennzeichnet durch die markante Figur eines Grünen Kreuzes in seinem Zentrum. In Anlehnung an den Rahmenplan durchzieht in Nord-Süd-Richtung ein schlanker Promenadenpark die Siedlung, eingespannt zwischen Theresianum und neuem Schulstandort. In Ost-West-Richtung erstreckt sich ein Grünkeil als zentraler Freiraum des Quartiers. Er knüpft als grüne Fuge an die Querung der Hechtsheimer Straße an und weitet sich nach Osten zu einem kompakten Parkfenster auf. Der östliche Abschluss ist geprägt von der Baumkulisse des Friedhofs. Hier, am Kopf des Parks und an der Schnittstelle zum rahmenden Freiraumsystem kann ein Begegnungsort mit der Nachbarschaft in Verbindung mit einem Spielort entstehen. Das Vereinsheim der Kleingärtner wird mit einem Außenbereich einbezogen.
    Trotz der unterschiedlichen Dimensionen: die Freiräume des grünen Kreuzes weisen ähnliche Gestaltungsmerkmale auf. Ihre Raumbilder sind geprägt vom Wechselspiel lockerer Baumhaine mit klaren Reihungen attraktiver Blütenbäume und Feldern mit Obstbäumen. Sie nehmen damit vorhandene Motive der umgebenden Landschaftsräume auf. Der Schnittpunkt des Achsenkreuzes wird als Zentrum der Freiräume gesehen. Ein Spielhaus bildet hier als Kleinarchitektur einen Blick- und Bezugspunkt.
    Das Gehölzband am Brezenheimer Weg wird behutsam erschlossen und visuell geöffnet, um Beziehungen zu den Nachbarquartieren herzustellen. Jeweils an den neuen Querwegen bilden kleine Spielpunkte Begegnungsorte für Eltern und Kinder.

    Nutzungen
    Analog zum bestehenden Rahmenplan wird entlang der Hechtsheimer Straße nördlich ein Mischgebiet mit Nahversorgungseinrichtungen, einem Kitastandort sowie Wohn- und Dienstleistungsgebäuden vorgesehen, welche sich flexibel in unterschiedlich große Einheiten aufteilen lassen. Daran schließt südlich des IBM-Hochhauses der GEE-Bereich an, in dem neben der vorgegebenen Hotelnutzung weitere Dienstleistungs-, Büro- und Gewerbeflächen sowie am Kreuzungsbereich mit dem Heiligkreuzweg die Tankstelle mit Systemgastronomie geplant sind. Weiter östlich entlang des Heiligkreuzweges folgen die Bestandsnutzung von Sensitec, das südliche Mischgebiet (optional auch als Schulstandort zu entwickeln) und das gemischte Quartier am Friedhof.
    Der Kernbereich des neuen Stadtquartiers wird durch Wohnnutzungen geprägt, an den Quartiersplätzen ergänzt um kleinere soziale, gastronomische und Versorgungseinrichtungen sowie eine weitere Kita nördlich des Mischgebietes/Schulstandortes.

    Erschließung und Verkehr
    Das Mobilitätskonzept zielt auf ein möglichst breites Angebot unterschiedlicher Verkehrsträger ab, die je nach Bedarf genutzt und kombiniert werden können. Begünstigt wird dies im neuen Stadtquartier durch die gute Anbindung mit mindestens einer das Gebiet durchquerenden Buslinie Richtung Hauptbahnhof sowie den S-Bahn-Anschluss im Nordosten, der per Fahrrad zu erreichen ist. Die vorhandenen guten Rad- und Fußwegeverbindungen, an die der Entwurf anknüpft, werden durch die direkte Führung im zentralen Freiraum komplettiert. Um insbesondere alternative Mobilitätsformen zu stärken, werden im Straßenraum viele Fahrradstellplätze verortet. Zudem werden mehrere Mobilitätsstationen in den Quartiersgaragen vorgesehen, an denen ein Wechsel zwischen den unterschiedlichen Angeboten (Nachbarschaftsauto, Leihfahrräder, Pedelec,...) möglich ist. Durch diese Maßnahmen kann der Kfz-Schlüssel zukünftig reduziert werden.
    Der MIV wird über zwei Schleifen geführt, die an den Quartierseingängen an den Heiligkreuzweg bzw. die Hechtsheimer Straße anbinden. Zwischen beiden Schleifen besteht die Möglichkeit der Durchquerung des Gebietes für Buslinien und den Rad- und Fußgängerverkehr sowie die Feuerwehr.

    Der westliche Anschluss an den Heiligkreuzweg dient der Erschließung des GEE-Bereiches und insbesondere der direkten Anfahrbarkeit von Tankstelle und Systemgastronomie. In gleichem Maße ist der südliche Anschluss an die Hechtsheimer Straße der Andienung des IBM-Hochhauses und der angrenzenden Quartiersgarage vorbehalten. Somit werden wesentliche Verkehre vom Wohngebiet entkoppelt. Beide untergeordneten Anbindungen können für Fahrradfahrer und Fußgänger auch zur Erschließung des gesamten Quartiers genutzt werden.
    Die beiden Quartiersplätze sowie die Zugänge innerhalb der westlichen Wohnbebauung werden als Mischverkehrsfläche ausgebildet. Die Promenaden entlang der Freiräume sind bei Bedarf befahrbar. Das Quartier wird für Fußgänger und Radfahrer durch den Anschluss an die bestehenden Wegeverbindungen und deren differenzierte Fortführung in den Freiräumen feingliedrig erschlossen.

    Die benötigten Stellplätze für die Wohnnutzungen im Kernbereich werden direkt unter den Gebäuden in Tiefgaragen vorgesehen; meist in Verbindung mit Nachbargebäuden, um die Anzahl der Ein- und Ausfahrten zu minimieren. Innerhalb dieser Garagen sind zudem Flächen für Car-/Bike-Sharing und private Fahrräder vorgesehen. Durch ein flexibles Achsmaß kann die Größe der Garagen in der weiteren Planung an die konkreten Bedarfe angepasst werden.
    Unter den Gebäuden für geförderten Wohnungsbau werden keine Tiefgaragen vorgesehen. Die Anwohner parken hier entweder auf zugeordneten Stellplätzen im Straßenraum unmittelbar vor dem Haus oder in einer der drei dezentralen Quartiersgaragen an den Hauptzufahrten zum Gebiet, welche darüber hinaus als Mobilitätsstationen genutzt werden können. Ebenerdige Besucherstellplätze werden in ausreichender Anzahl verteilt im gesamten Gebiet angeboten. Die Gewerbeeinheiten können neben dem eigenen Firmengelände auch Teile der Quartiersgaragen zum Nachweis ihrer Stellplätze nutzen.

    Phasierung
    Das Stadtquartier auf dem Heiligkreuz-Areal ist als außergewöhnliche Flächenressource in der Mainzer Stadtentwicklung behutsam und bedarfsgerecht zu entwickeln. Hierzu sind unterschiedlich intensive Entwicklungsphasen notwendig, die neben der Bereitstellung von Wohn- und Gewerbeflächen auch die in der näheren Umgebung befindlichen Sozial- und Freiraumangebote ergänzen sollen. Da heute von einem umfangreichen Abriss der Bestandsgebäude, insbesondere der Fabrikanlagen, ausgegangen wird, kann das Gebiet in diesen Bereichen nach der Altlastensanierung zunächst als extensiver Freiraum zwischengenutzt werden.

    Das beräumte Gelände im Südwesten kann davon unabhängig jederzeit mit wenigen Eingriffen ergänzt bzw. die GEE-Einheiten umgebaut werden. Das Gleiche gilt bei Bedarf auch für den Schulstandort am Heiligkreuzweg.
    Der erste Neubauabschnitt besteht aus dem nördlichen Teilquartier, welches in drei Bauabschnitten von West nach Ost entwickelt werden kann. Die Anlage der gliedernden Freiraumverbindungen wird parallel vorangetrieben und auf die jeweiligen Stadtfelder abgestimmt. Der zentrale Bereich des südlichen Teilquartiers kann während dieser Zeit temporär als großer extensiver Freiraum bestehen bleiben.
    Als zweiter Realisierungsabschnitt wird in den Folgejahren das südliche Teilquartier in drei Bauabschnitten von Ost nach West entwickelt.

    Realisierbarkeit
    Zur Sicherstellung der nachhaltigen Realisierbarkeit sind die einzelnen Entwicklungsphasen so gewählt, dass sich auch bei einer zeitlich gestreckten Realisierung schlüssige Teilquartiere und attraktive Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität ergeben. Die Wohn- und Gewerbebereiche sind zudem so zusammengesetzt, dass eine Unterteilung in kleinere und größere Einheiten bedarfsgerecht in der weiteren Planung durchgeführt werden kann.
    Neben der Phasierung spielt die funktionale Ausgestaltung von Straßenräumen und Hofbereichen eine besondere Rolle bei der weiteren Umsetzung. Der Entwurf für das Stadtquartier berücksichtigt daher die Vorgaben zur Erschließung durch Feuerwehr und Entsorgungsdienste ebenso wie die für eine Aneignung durch die Bewohner wichtige eindeutige Gliederung der Freiflächen in private, halböffentliche und öffentliche Bereiche.

    Energie und Wasserhaushalt
    Die Gebäude sind weitgehend an ein optimales Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen angelehnt, um energieeffiziente Bauten zu ermöglichen, die über die heutigen EnEV-Standards hinausgehen. Zudem werden die Dachflächen zu großen Anteilen begrünt. Diese Bereiche können auch als Freiflächen der Bewohner (z.B. durch Terrassen, Beete, etc.) genutzt werden. Die restlichen Flächen sind für die Nutzung von solaraktiven Systemen wie Photovoltaik oder Solarthermie vorgesehen.

    Der lokale Wasserhaushalt wird in ideeller Weise an den natürlichen Kreislaufsystemen orientiert. Regenwasser (von Dächer und nicht befahrenen Wegen) wird dementsprechend gesammelt und zunächst über dezentrale Mulden versickert. Gründächer sorgen hierbei für eine Verzögerung des Abflusses. Durch die systematische Nutzung von Regenwasser im Freiraum (wie am Promenadenpark) wird eine Verbesserung des lokalen Mikroklimas erwartet. Weitere Konzepte eines Wassermanagements (z.B. Grau- oder Schwarzwasseraufbereitung) können bei Bedarf problemlos im Rahmen einer weiteren Planfortschreibung in das Gesamtkonzept integriert werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau
    Die Städtebauliche Konzeption baut auf einem zentralen Freiraumkreuz auf, das unterschiedliche Baufelder von innen heraus ordnet. Der als „Parkfenster“ bezeichnete, keilförmige Ost-West-Grünzug teilt das Plangebiet zunächst in zwei Teilbereiche, die dann durch die Ausbildung unterschiedlicher, offener Blockstrukturen in sogenannten Nachbarschaften weiter untergliedert werden.

    Zur Hechtsheimer Straße wird eine klare Raumkante gebildet, die nur vom bestehenden IBM Gebäude unterbrochen wird. Mit der Positionierung des Hotels an der Ecke Hechstheimer Straße / Heiligkreuzweg wird am Stadteingang eine klare Raumkante gebildet.

    Die Baustrukturen am Heiligkreuzweg treppen sich gegenüber dem Straßenverlauf ab und bilden eine grüne Kante zur Straße, die einen Rückseitencharakter hat.

    An den beiden wichtigen Quartierseingängen im Nord-Westen und Süd-Osten betonen städtebauliche Hochpunkte den Stadtraum.

    Das konzeptionell wichtigste Element in dieser städtebaulichen Grünfigur, der keilförmige Ost-West- Grünzug, wird allerdings durch die Erschließung der angrenzenden Wohnnutzungen in seiner Nutzbarkeit eingegrenzt. Am östlichen Ende läuft diese Aufweitung leider ins Leere.

    Beim Nord-Süd-Grünzug bleibt die Überlagerung mit der Erschließung unklar. Das Erschließungskonzept ist mit zwei ringförmigen Erschließungsstraßen einfach und klar, allerdings ist die stadträumliche Ausformulierung, z.B. mit der im Norden überdimensionierten und ebenfalls ins Leere laufende Aue unbefriedigend. Für die aufwendige Querschnittsgestaltung dieser Straße wird zudem ein Teil des Grünzugs am Bretzenheimer Weg geopfert.

    An den Zufahrtsstraßen werden insgesamt drei Quartiersgaragen angeordnet. Die Wohnbaufelder sind in der vorgeschlagenen Größe für die Wohnnutzungen gut geeignet, allerdings wirkt die bautypologische Mischung innerhalb der Blöcke beliebig. Insgesamt verliert das städtebauliche Konzept durch diese Mischung unterschiedlichster Bauformen seine Klarheit. Die gewerblichen Nutzungen in der zweiten Reihe hinter dem Hotel und dem Parkhaus verlieren ihre Adresse oder Sichtbarkeit von der Hechtsheimer Straße.

    Die bauabschnittsweise Realisierbarkeit ist gegeben. Die städtebauliche Flexibilität wird hier aber durch die gemischten Bautypologien zur städtebaulichen Beliebigkeit.

    Die Vermarktung der Handelsflächen ist erschwert, da zu wenig Stellplätze angeboten werden und die Flächen teilweise nicht an den Parkplatz angebunden sind. Eine Vermarktung der Gewerbeeinheiten an der Hechtsheimer Straße wird nicht möglich sein, da eine Sichtbarkeit durch das vorgelagerte Parkhaus nicht gegeben ist. Die Platzierung des Hotels an der Ecke Heiligkreuzweg / Hechtsheimer Straße ohne Vorfahrt / Stellplätze ist nicht möglich.

    Die Wirtschaftlichkeit der Arbeit dürfte – bedingt durch den großen Erschließungsanteil – im unteren Bereich liegen. Insgesamt bleibt die Arbeit im Formalen Ansatz der ersten Phase stecken und entwickelt diesen kaum weiter.