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  • 3. Preis

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    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Arch.: Mathias Hähnig Martin Gemmeke Mitarbeit: Anthony Carimando Tanja Kupski

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Edmund Spengler Freier Garten- und Landschaftsarchitekt, Blaustein (DE)

    Erläuterungstext
    Erläuterungsbericht

    Ziel der städtebaulichen Konzeption für die Stadtmitte von Spaichingen ist es, die baulichen Entwicklungen der letzten Jahre, die Bebauungsstrukturen der 70er Jahre und den historischen Ortskern zu einem Ganzen zusammen zu fügen.
    Rückgrat dieser Entwicklung war und bleibt die Hauptstraße. Entlang dieser Spange befinden sich von der historischen Stadtmitte mit der Kirche bis hin zum Marktplatz im Norden die entscheidenden Nutzungen und Einrichtungen des Stadtzentrums. Der bestehende Marktplatz liegt auf Grund seiner erhöhten Topographie und durch eine Barriere von Stellplätzen und Verkehrsgrün räumlich neben der Hauptstraße. Der vorliegende Entwurf integriert den neuen Marktplatz mit Markthalle wieder in das städtebauliche Gefüge. Der Platz wird auf das natürliche Straßenniveau der Hauptstraße heruntergesetzt. Die spürbaren Raumkanten des Platzes sind im Osten die Bestandsbebauung, im Norden, Westen und Süden die bestehenden Bebauungen der 70er Jahre und als neuer Identifikationspunkt und Mittelpunkt die neue „Markthalle“.

    Durch die Tieferlegung des Platzes auf das Niveau der Hauptstraße wird der neue Marktplatz Bestandteil, Auftakt bzw. Endpunkt der wichtigen innerstädtischen Achse vom historischen Ortskern zum Marktplatz.
    Im Bereich des neuen Marktplatzes ist es möglich, durch Berücksichtigung der bestehenden Baustruktur, Ergänzung bestehender Gebäude und neue eingefügte Bausteine eine neue räumliche und funktionale Qualität zu entwickeln.

    Im südlichen Bereich des Platzes wird die Bestandbebauung aufgewertet, sie orientiert sich zum Platz hin, zu dem neu geplanten Wasserbecken. Der neu geplante Bürgertreff definiert die südliche Platzbegrenzung und dient als Gelenk zu dem südlich angrenzenden baumüberstellten Brunnenplatz.
    Die eingestellte offene „Markthalle“ bildet den Mittelpunkt des Marktplatzes und schafft differenzierte Zonierungen im Platzbereich. Durch die bauliche Ergänzung der „Markthalle“ erhält der Marktplatz eine, der Stadt Spaichingen angemessene Proportion und Dimension. Die entstehenden Platzräume ermöglichen differenzierte Nutzungen und Aufenthaltsqualitäten.

    Mit einem neuen Erschließungsfoyer für das Rathaus rückt das Rathaus an den Platz in die Stadtmitte und versteckt sich nicht mehr in der vorhandenen Bebauungsstruktur. Das Rathaus erhält ein neues Gesicht, eine neue Adresse am Platz.
    Wesentlicher und entscheidender Ansatz für den Umgang mit der Bestandsbebauung der 70er Jahre und die verschiedenen Erschließungsebenen ist die Rückführung auf die Ebene 0, die Stadtebene. Alle Hauptfunktionen sollen zukünftig von dieser Stadtebene erschlossen werden. Die Passagen werden geöffnet und die entstehenden Wege, Gassen erhalten natürliches Licht, werden in den Stadtraum mit seine Wegeverbindungen und Bezügen integriert und durch Freiflächengestaltung entschieden aufgewertet. Durch die Freilegung der Passagen entstehen wieder Baukörper- und Gebäudeproportionen mit Durchwegungen die der umgebenden Stadtstruktur in Proportion und Körnung angemessen erscheinen.

    Vom neuen Marktplatz entwickelt sich nach Westen eine zentrale Erschließungsspange zu den Schulzentren, dem Busbahnhof und dem neuen Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Hogri-Areal. Langfristig ist in diesem Bereich durch Abbruch eines Gebäudes diese wichtige Verknüpfung zu den angrenzenden öffentlichen Funktionen umsetzbar. Es entsteht zukünftig ein öffentlicher Raum, eine Fußgängerzone von der „Markthalle“ zum Postgebäude, welches auf Grund seiner neuen räumlichen Präsenz eine Aufstockung, eine Erweiterung erhält. Durch den angedachten Abbruch eines Gebäudes besteht die Möglichkeit, den Bebauungen der 70er Jahre entlang der Fußgängerzone einzelne neue Bausteine, Vitrinen, Anbauten vorzulagern und in den Raum zu integrieren und somit einen spannungsreichen, lebendigen und der Nutzung angemessenen öffentlichen Straßenraum zu entwickeln.

    Diese gestalterisch räumlich aufgewertete Ost-West-Achse bindet über die freigelegten Gassenräume (ehem. Passagen) nach Norden die Stadthalle, das Altenzentrum, den Grünzug und die Parkanlagen entlang der Prim und das neue Einkaufszentrum an.
    Der Busbahnhof liegt städtebaulich richtig an dem wichtigen Gelenkpunkt zur Stadthalle und den Schulzentren. Die Schulen werden über diese neue zentrale Spange zum Marktplatz fußläufig und für Radfahrer an die Stadtmitte angebunden.
    Der Stadtraum wird für den Fußgänger wieder erlebbar, spürbar. Blickbezüge entstehen und schaffen bisher fehlende Orientierungen. Der Stadtraum erhält seine fehlenden Konturen zurück.
    Die bestehenden Stellplätze und Parkierungen können größtenteils erhalten bleiben und liegen zentrumsnah. Im Marktplatzbereich entfallen ca. 12 Stellplätze um die räumliche Integration der östlichen Bebauung als Platzkante zu gewährleisten. Im rückwärtigen Bereich des neuen Rathauses werden übergeordnete städtebauliche Raumkanten definiert und auf dem bisherigen Marktplatz Umstrukturierungen vorgeschlagen, die einen baumüberstandenen Parkplatz bzw. langfristig ein begrüntes Parkdeck ermöglichen.

    Ziel der vorgeschlagenen städtebaulichen Entwicklung muss es sein, die Nutzungen, Wege, Öffentlichkeit auf die „wesentlichen“ Punkte zu konzentrieren.
    Stärkung des Marktplatzes und der Ost-West-Spange durch Orientierung der Nutzungen und Einrichtungen zu diesen öffentlichen Räumen.
    Die Neuorientierung spiegelt sich auch in der Gestaltung der öffentlichen Freiflächen wieder. Der Marktplatz erhält einen durchgängigen Belag aus großformatigen Platten. Im Norden und Westen wird der Platz durch Sitzstufen und im Süden durch eine großzügige Wasserfläche begrenzt. Der neue Bürgertreff, mit den erforderlichen Sanitäreinrichtungen sitzt am Kopf dieser Wasserfläche. Ein Steg und eine Rampe überbrücken die Wasserflächen und schaffen barrierefreie Erlebbarkeit.
    Die neue „Markthalle“ ist Nord-Süd ausgerichtet und erstreckt sich vom Marktplatz auf die Ost-West-Spange. Diese, den Marktplatz nördlich begrenzende Fußgängerzone wird als Natursteinpflasterfläche ausgebildet. Die angeschlossenen Wege zur Stadthalle werden gestalterisch differenziert abgesetzt. Die ehemaligen Passagen erhalten eine raumbegleitende Baumreihe. Die Nordseite der Bebauung zur Sallancher Straße wird unter Berücksichtigung der bestehenden Anlieferbereiche als Grünfläche gestaltet und schafft somit die Verknüpfung, das Gelenk zu den nördlich angrenzenden Solitären der Stadthalle, des Altenzentrums und dem Park entlang der Prim.
    Die Fußgängerspange zwischen Marktplatz und Busbahnhof erhält eine raumbegleitende Baumreihe. Auf dem Platz ist eine Linde als Baumdominante geplant. Die vorhandenen Skulpturen und Brunnenplätze werden integriert und in die Neuordnung eingebunden.
    Der Wochenmarkt, die Krämermärkte, der Bauernmarkt können auf dem 2.500 qm großen Marktplatz statt finden und erhalten durch die „Markthalle“ eine zusätzliche überdachte Qualität. Für größere öffentliche Veranstaltungen wie z.B. den Weihnachtsmarkt wird die neue Spange bis zum Busbahnhof in das Märktekonzept integriert.

    Das vorgeschlagene Beleuchtungskonzept stärkt und unterstützt die angedachten stadträumlichen Kanten und Freiflächenfunktionen. „Markthalle“, Bürgertreff und die Sitzstufen bilden die, den Platz prägenden Lichtpunkte und Ausleuchtungen.
    Im Bereich zwischen Busbahnhof und Marktplatz wird neben den angestrahlten neuen Bausteinen, möglichen Erweiterungsbauten, Vitrinen ein Lichtnetz gespannt, welches eine eigene den Ort prägende Atmosphäre schafft. Der öffentliche Raum als spürbarer, räumlich gefasster Lichtraum. Lichtstelen begleiten die Nord-Süd-Wegeverbindungen zur nördlichen Stadthalle zum Einkaufszentrum und zur Parkanlage an der Prim.

    Alle Zugangshöhen und Eingänge auf der Ebene 0 werden in das Konzept aufgenommen und bleiben erhalten. Dies lässt eine hohe Wirtschaftlichkeit in der Umsetzung der Entwurfsideen erwarten.

    Unter Berücksichtigung des Bestandes zeigt der Entwurf eine städtebauliche Entwicklung auf, die mit umsetzbaren Eingriffen angemessene Stadtraumproportionen schafft. Die vorgeschlagenen Entwurfselemente lassen sich unabhängig in einzelnen Abschnitten und Zeithorizonten umsetzen.






    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.