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  • DE-55116 Mainz
  • 10/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-185465)

Bahnhofstraße – Münsterplatz – Schillerstraße


  • 1. Preis

    Lageplan M=1:250 Münsterplatz - Bahnhofstraße, © BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten

    Architekten
    SCHOYERER ARCHITEKTEN_SYRA, Mainz (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: BIERBAUM. AICHELE. landschaftsarchitekten, Mainz (DE), Frankfurt am Main (DE)

    Preisgeld
    16.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitidee
    Bahnhofsstraße und Münsterplatz bilden nach dem Bahnhofsvorplatz den Auftakt in der Platzfolge über den Schillerplatz und Gutenbergplatz zum Domplatz und Fischtorplatz am Rhein.
    Das Bearbeitungsgebiet ist stärker als die weiteren Abschnitte dieser Platzfolge vom Verkehr und Infrastruktureinrichtungen belegt.
    Im Verlauf der Platzfolge wechseln Beläge und Ausstattungslinien entsprechend der Anforderungen und der Bauzeit der Flächen vielfach.
    Die Gesamtheit der für Mainz so wichtigen Raumfolge definiert sich daher vor allem über die räumliche Struktur, sowie durch besondere Bauten und Elemente und weniger über die die Vielzahl der Einzelelemente und Beläge der Flächen.
    Der Entwurf setzt daher auf eine besonders einfache und effektive Anordnung und Ausführung der Infrastrukturelemente und Flächen und schafft so Raum für Fußgänger und insbesondere auch Raum und Offenheit für die Wahrnehmung des Stadtraumes.

    Der Boulevard:
    Alle Infrastrukturelemente im Straßenraum wie Wartehäuschen Automaten, Masten etc. sowie auch die Bäume (Pyrus calleryana `Chantecleer`) reihen sich innerhalb eines schmalen Bandes entlang der Bewegungsrichtung auf und betonen mit zurückhaltendem einheitlichen Design den Verlauf des Boulevards. Die Flächen des Boulevards werden so für die Bewegung und den Aufenthalt offen gehalten. Eine glatte, ebene Pflasteroberfläche dient der barrierefreien Erschließung und geleitet den Weg vom Bahnhof zum Schillerplatz. Aufpflasterungen in einigen Bereichen verdeutlichen den Vorrang der Fußgänger und reduzieren die Fahrtgeschwindigkeit.

    Der Münsterplatz
    Der Münsterplatz gliedert sich in zwei unterschiedliche Abschnitte mit unterschiedlichen Nutzungen auf beiden Seiten der asphaltierten Hauptverkehrslinie. Während die westliche Seite als Zentrum der Premiumhaltestelle den funktionalen Anforderungen entsprechend ausgestattet wird, wird der östliche Teil des Platzes unter den frei angeordneten Gleditsien (Gleditsia triacanthos `Sunburst`) weitestgehend freigehalten um Gastronomie, temporären Einrichtungen und Veranstaltungen Raum zu geben.

    Die Bereiche Münsterplatz - Bahnhofstraße - Binger Straße unterscheiden sich funktional und stadträumlich – daher schlagen wir hier jeweils spezifische Architekturelemente vor.
    Für die Bahnhofstraße und die Binger Straße werden Wartehallen mit klarer und einfacher Formensprache vorgesehen, welche sich in die Umgebung integrieren, ohne diese zu dominieren. Am Münsterplatz wird vor der Ostfassade des Sparkassengebäudes eine großzügige und markante Überdachung vorgeschlagen deren hoher Wiedererkennungswert dem Ort eine neue Adresse verleiht. Zudem bietet in diesem Bereich ein kleiner Kiosk praktische Einkaufsmöglichkeiten. Trotz der komplexen Verkehrssituation entsteht hier ein stadträumlich attraktiver Bereich mit hoher Aufenthaltsqualität.

    Beläge:
    Alle Flächen werden mit einem als H-Verband verlegten, hochwertigen Betonsteinpflaster (Farbe Umbra in Abstufungen) mit Natursteinvorsatz belegt. Dieser richtungslose Verband fügt sich ideal in die unterschiedlichen Flächen ein und weist eine hohe Verbundwirkung auf.
    Konfetti
    Einwürfe unterschiedlicher Kontraststufen in wechselnder Dichte schaffen ein belebtes Bild. Die ebene und robuste Oberfläche der Flächen gewährleistet eine barrierefreie gut begehbare und leicht zu reinigende Fläche. Die einfachen Steinformate (30*20 / 20*20) gewährleisten maximale Robustheit und gute Wartungsmöglichkeiten.
    In den unmittelbaren Bushalteflächen können Ortbetonflächen im gleichen Farbton und mit besonderer Standfestigkeit integriert werden.
    Das Blindenleitsystem wird entsprechend der Vorgaben der Stadt Mainz integriert.

    Licht
    Die Lichtfarbe und der Leuchtentyp in der Bahnhofs- und Schillerstraße werden beibehalten.
    Nur der Münsterplatz erhält eine besondere Ausleuchtung. Hier sorgen hohe Mastleuchten für eine optimale Grundbeleuchtung des Platzes und der Straßenflächen während das Dach und die großen frei angeordneten Bäume durch eine besondere Unterleuchtung betont werden.



    Konzeption der Haltestellenbereiche

    Zur Architektur - der Wartehallen
    Die Wartehallen an der Bingerstraße und Bahnhofstraße sind als klar strukturierte und zurückhaltend gestaltete Infrastrukturelemente den jeweiligen Fahrtrassen zugeordnet. Auf einem 50 cm breiten Bodenbelagsband zwischen Haltestellenbereich und Boulevard sind alle Haltestellenmöbel, Stadtmöbel und Baumstandorte platziert. Auch die Wartehallen selber „wurzeln“ auf diesem grauen Band und werden in Längsrichtung als „L-Figuren“ und in Querrichtung als „Bilderrahmen“ wahrgenommen. Auch die Sitzflächen, Fahrscheinautomaten und Fahrplantafeln liegen auf diesem 50 cm breiten Streifen. In die Architektur der Wartehallen sind 4er, oder 6er Sitzbänke aus Eichenholz integriert, die Automatenaufstellfläche kann alternativ auch als zusätzliche Sitzbank ausgebildet werden. Ein Durchgang an der rückwärtigen Windschutzwand bietet maximale Durchlässigkeit zwischen Boulevard und Haltestellenbereich.
    Bei der Konstruktion der Wartehallen wird großer Wert auf Robustheit, Nachhaltigkeit, Funktionalität und einfachen Betrieb und einfache Wartung gelegt. Alle Oberflächen sind strapazierfähig und leicht zu reinigen. Die tragenden Stahlblech-Bauteile werden im Farbton DB703 beschichtet. Die Sitzauflagen aus Eichenholzstäben lassen sich nach einer gewissen Nutzungsdauer einfach austauschen. Sämtliche Dächer sind oberseitig aus funktionalen und architektonischen Gründen mit Gitterrost abgedeckt und unterseitig mit Streckmetallelementen abgehängt, über denen die Haltestellenbeleuchtung und Lautsprecher Vandalismus sicher angeordnet liegen. Die Rückwände der Wartehallensitzbereiche bestehen aus einer robusten 4-fach VSG-Verglasung. Die Automaten liegen in einer Blechverkleidung integriert und darüber ist die Haltestellenbezeichnung gut lesbar.

    Zur Architektur – des Daches am Münsterplatz:
    Die große Überdachung hebt sich architektonisch von den Wartehallen ab. Neben dem funktionalen Aspekt des Wetterschutzes und dem Service-Aspekt des Kiosks geht es hier um eine stadträumliche Aussage als neuer Treffpunkt am Münsterplatz mit hohem Wiedererkennungswert und hoher Aufenthaltsqualität in Mitten des großen Verkehrstrubels und der Heterogenität der angrenzenden, teilweise provisorischen Platzrandbebauung. Dieses prägnante Dach verleiht in Verbindung, bzw. im Dialog mit der gegenüberliegenden Baumgruppe dem gesamten Umfeld eine große Ruhe und eine eindeutige Adresse.
    Als Dach wird eine Konstruktion mit neun auf Edelstahl-Rundstützen und ruhenden umgekehrten, flachen Edelstahl-Pyramidenformen vorschlagen. Die Pyramidenform der einzelnen Edelstahl-Dachelemente ist nicht nur als spiegelnde/ changierende Dachuntersicht architektonisch attraktiv, sondern auch statisch wirksam, denn die Kantungen der Stahlflächen übernehmen zugleich auch die Funktion des Dachtragwerks inkl. Dachaussteifung! Diese statisch wirksamen Edelstahlflächen funktionieren somit als Deckenuntersicht und gleichzeitig oberseitig als wasserführende Schicht Jede Einzeldachfläche wird über eine Rundstütze entwässert. Die gesamte Dachfläche ist mit Gitterrostelementen abgedeckt und ergibt somit auch als Dachdraufsicht ein architektonisches Bild. Die Beleuchtungselemente und Lautsprecher sind flächenbündig in die Unterseite integriert und können vom Wartungspersonal (Rollgerüst wegen 4,60m Höhe notwendig) einfach entnommen und gewartet werden. Durch diese wirtschaftliche Konstruktion gleicht sich der Mehrpreis des Edelstahls gegenüber beschichtetem Stahl aus und seine qualitativen Eigenschaften wie Attraktivität, Nachhaltigkeit, Wartungsfreundlichkeit und Vandalismussicherheit überwiegen.

    Im rückwärtigen Bereich der überdachten Platzfläche liegt ein Kiosk. Als dienendes Element steht dieser Kubus im Gestaltungskanon mit den Wartehallen. Aus einem kleinen Verkaufsraum heraus kann der Kioskbetreiber über einen nachts vollkommen verschließbaren Tresen seine Kunden bedienen. Der Kiosk verfügt zudem über ein kleines Lager und eine von außen erreichbare Toilette (Schlüssel beim Kioskbetreiber). Die Kioskkonstruktion ist in Leichtbauweise geplant, mit einer DB 703 beschichteten Stahlblechfassade. Auf dem Kioskdach werden Strahler die Dachuntersicht der Edelstahldachfläche beleuchten, sodass sich auch abends die Lebendigkeit dieser attraktiven Platzfläche spiegelt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf schafft durch wenige, gut gesetzte Gestaltungselemente ein überzeugendes räumliches Gesamtkonzept. Die Verbindungsfunktion vom Bahnhof Richtung Innenstadt ist gut bewältigt. Notwendige Einbauten werden in der Bahnhofstraße und Schillerstraße in einem 'Ausstattungsband' gebündelt. Wie die Baumstandorte sind auch die Haltestellendächer gut platziert. Am wichtigen Gelenkpunkt Münsterplatz / Bahnhofstraße wird nördlich der Bingerstraße ein Dach mit Kiosk vorgeschlagen, dem eine gute Treffpunktfunktion zugewiesen wird. Die Art der Gestaltung überzeugt jedoch leider nicht und wird im Preisgericht kontrovers diskutiert. Die niveaugleiche Führung von ÖPNV-Trasse und Gehwegbereich, lediglich durch eine niveaugleiche Rinnenplatte abgegrenzt, wird ebenfalls kritisiert. Die einheitliche Oberflächengestaltung mit einem robusten Betonsteinplattenbelag mit eingestreuten 'Konfetti' wird als tragfähiges Gestaltungsmotiv gesehen. Der Belag bindet den Stadtraum Bahnhofstraße – Münsterplatz – Schillerstraße zu einem übergreifenden Raumkontinuum zusammen. Die Akzentuierung der Aufenthaltsbereiche durch andersfarbige Platten wird positiv bewertet. Die geforderte Bauklasse auf der ÖPNV-Trasse in der Bahnhofstraße und der Schillerstraße wird nicht erfüllt. Die Baumarten in der Bahnhofstraße (Chinesische Birne) und auf dem Münsterplatz (Gleditschie) sind gut gewählt. Die Baumgruppe auf dem Münsterplatz ist gut platziert. Für das Preisgericht nicht nachvollziehbar ist in diesem Zusammenhang die vorgeschlagene Rodung der hier vorhandenen Bäume. Insgesamt überzeugt die Arbeit durch ihre zurückhaltenden und robusten, gut komponierten Gestaltungselemente.