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  • DE-78462 Konstanz
  • 07/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-188798)

Vincentius Areal


  • 1. Preis

    Blick Schottenplatz

    Architekten
    Braun + Müller Architekten BDA, Konstanz (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Lena Zölle, Devin Belic, Jürgen Oswald, Haydar Dalci

    In Zusammenarbeit mit:
    Investoren: Doser+Partner Baugesellschaft mbH, Konstanz (DE)
    Landschaftsarchitekten: w+p Landschaften, Berlin (DE), Offenburg (DE), Schiltach (DE)

    Preisgeld
    64.000 EUR

    Erläuterungstext
    Situation

    Durch die Verlegung des Vincentius Krankenhauses ergibt sich die aussergewöhnliche Chance das Umfeld des Humboldt Gymnasiums sowie des historischen Vincentius Spitals neu zu ordnen und vergessene stadträumliche Qualitäten wiederzubeleben.

    Städtebau

    Ein präzise gesetzter quadratischer Baukörper mit Innenhof reagiert selbstverständlich auf die verschiedenen Peripherien und greift historische Raumkanten auf. Innerhalb des Ensembles aus neuem Wohncarré, historischem Spital und Schottenkapelle entstehen spannungsvolle Aussenräume mit verschiedenen timmungen. Gleichzeitig erhält der neue Schottenplatz seine südliche Platzkante zurück und wird wieder zur erkennbaren Platzsituation zwischen Humboldt Gymnasium, Paradies, Niederburg und dem neuen Wohnquartier „Schottengarten“.

    Architektur

    Im neuen Quartier entstehen insgesamt 84 Wohneinheiten im Neubau und 15 Wohnungen im Altbau. Diese werden in verschiedenen Häusern organisiert und bilden den im Handlungsprogramm Wohnen festgeschriebenen Nutzungsmix. Das historische Vincentius Stift wird zu seniorengerechten Wohnungen umgebaut. Der gemeinschaftliche Wohngarten ist von allen Wohnungen barrierefrei über die bestehende Aufzugsanlage erreichbar. Der fünfgeschossige Neubau besteht aus 6 Häusern, die sich um einen quadratischen Innenhof anordnen. Alle Hauszugänge sind von dort barrierefrei erreichbar. Entlang der Laube werden über vier Geschosse der sozial geförderte wie auch der gedämpfte Wohnungsanteil ausgewiesen. Wohnungsgrössen und –mix entsprechen den Anforderungen förderfähiger Wohnungen. Im Erdgeschoss befinden sich frei einteilbare
    Gewerbeflächen, die sich auch im Bereich des Schottenplatzes fortsetzen. Vorstellbar sind hier kleine Läden, ein Café oder auch Flächen für Anwälte und andere Freiberufler. Die beiden nord-südorientierten Wohnhäuser beinhalten Geschosswohnungen verschiedener Grössen. Entlang der Schottenstrasse sollen Haus im Haus Modelle,
    Maisonettewohnungen und Geschosswohnungen miteinander kombiniert werden. Alle Wohnungen verfügen über Loggien, Dachterrassen sowie Gärten, die sich in der Regel nach Westen oder Süden in ruhige und grüne Bereiche orientieren. In der von
    der Laube erschlossenen zweigeschossigen Tiefgarage werden 159 Stellplätze nachgewiesen, die den Stellplatzbedarf der neuen Anwohner und Gewerbetreibenden mit einem Schlüssel von 1,5 grosszügig decken. Alle erforderlichen Keller und
    Nebenräume befinden sich in den Untergeschossen. Durch plastische Einschnitte und grosszügige Durchgänge im Neubau werden die verschiedenen Wohnadressen erkennbar und gleichzeitig durch den Innenhof zu einer Einheit verbunden. Es entsteht ein Quartier, das neben seiner Zonierung in öffentliche, halböffentliche und private Bereiche eine verträgliche soziale Durchmischung anbietet. Die verschiedenen Wohnungsangebote erhalten differenzierte Standorte und sind dennoch als übergeordnetes Ganzes lesbar. Der neue Stadtbaustein ist einerseits ordnendes Element im städtischen Gefüge und andererseits Raum für stadtnahes Wohnen im Grünen. Die angebotenen Wohnungen bieten flexible Raumkonzepte, die in unterschiedlicher Weise belegt werden können. Das Angebot reicht von Schalträumen, Wohnungskombinationen für Mehrgenerationenwohnen sowie familiengerechtes Wohnen in verschiedensten Wohntypologien. Kleinere Wohneinheiten eignen sich sowohl für Senioren, Singles, Alleinerziehende und junge Paare. Die barrierefreie Erreichbarkeit der Wohnungen ist auch in den Stadthauskonzepten gesichert.

    Materialien

    In Anlehnung an die ornamentalen Stuck- und Natursteinfassaden der umgebenden Gebäude erhält der Neubau eine Putzfassade mit Bändern und einer differenzierten Putzstruktur. Während eine warmtonige dunkle Fassade mit Edelkratzputz das Äussere des Gebäudes schützt und gleichzeitig mit dem Grün des historischen Baumbestands harmoniert, wird die private Innenhoffassade als Kontrast hell und glatt gestaltet. Raumhohe Fenstertüren mit textilem Sonnenschutz erzeugen grosszügige Ausblicke in die grüne Umgebung. Die kompakten Neubauten erhalten extensive Gründächer und energieeffiziente Aussenhüllen. Das neue Wohnquartier wird über ein zentrales BHKW mit Energie versorgt.

    Freiraum

    Den Freiräumen des neuen Quartiers werden verschiedene Gartenthemen zugeordnet, die den vorhandenen Baumbestand weitestgehend erhalten. Um das historische Stift wird der bestehende Wohngarten ergänzt. An der Schottenstrasse entstehen analog zur historischen Einfriedung des Stifts leicht angehobene Privatgärten für die zweigeschossigen Haus im Haus Modelle. Der Wohnhof wird als ruhiger Ort verstanden, der geschützter Aufenthalts- und Spielbereich ist. Durch die Öffnungen zur Schottenkapelle im Norden und zum Stift im Süden entsteht eine selbstverständliche Vernetzung der Aussenräume. Eine zentrale leicht angehobene Rasenfläche mit eingestreuten Bäumen ist Spiel- und Aufenthaltsfläche. Zu den Gewerbeflächen
    entsteht eine rahmende Sitzkante, über die die Belüftung der Tiefgarage erfolgt. Die Gewerbeflächen entlang der Laube erhalten eine keilförmige Vorfläche, die ihrem historischen Vorbild folgend in den Schottenplatz einleitet. Dieser soll sich künftig vom
    Humboldt Gymnasium bis zur Neubebauung im Süden spannen. Der Baum- und Heckenbestand wird den Bedürfnissen einer als Gesamtheit wahrnehmbaren Platzfläche angepasst. Die Platzfläche erhält eine wassergebundene Wegedecke, die mit der
    Oberfläche des angrenzenden Walzasphalts harmoniert. Die Schottenkapelle wird dabei als Element auf dem Platz wieder erkennbar. Entlang der Neubebauung sind Aussenbestuhlungen der angrenzenden Gewerbeflächen denkbar. Unter den Baumgruppen können im Bereich des eigenen Grundstücks weitere Spiel- und Aufenthaltsflächen eingestreut werden

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt das Preisgericht in der Setzung des Baukörpers im Stadtraum.
    Er steht selbstverständlich ruhig als weiterer Baustein im historischen Kontext. Auch unter denkmalpflegerischer Sicht überzeugt der Entwurf, da der Neubau zu beiden Baudenkmalen genügend „Luft“ und Raum lässt, ohne diese unangemessen in Achsbezüge zu setzen. Er bietet für beide Gebäude einen ruhigen Hintergrund wie ein passe-par-tout. Wichtig erscheinen uns die Einschnitte in dem Baukörper, wobei die Proportionen von Höhe zu Breite noch im Detail geprüft werden müsste. Der Baukörper erscheint trotz einer leicht überdurchschnittlichen Dichte verhältnismäßig klein und lässt dadurch genügend Abstand zur Straße. Zur Schottenstraße ergeben sich großzügige Vorgärten.

    Der Innenhof ist in seiner grundsätzlichen Anlage als grünes Karree überzeugend im Zusammenspiel mit der Gesamtfigur. Die angedeuteten Bäume sind ungemein wichtig im Innenhof.

    Das Preisgericht kann die Entscheidung der Verfasser gut nachvollziehen, zur Stadt hin einen dunklen Strukturputz und zum Innenraum einen weißen Putz anzubieten. Dadurch wird der Hof lichter und reflektiert die Fassadenwände und nach außen zur Stadt wirkt der dunkle graue Putz prägnant. Die Wohnungsgrundrisse sind im Ansatz gut gelöst, die Erschließungstypologien entsprechen den unterschiedlichen Lagen im Stadtraum.