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  • DE-78462 Konstanz
  • 07/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-188798)

Vincentius Areal


  • ein 4. Preis


    Architekten
    röcker gork architekten, Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Investoren: Fränkel AG, Friedrichshafen (DE)

    Preisgeld
    24.000 EUR

    Erläuterungstext
    Der neue Vincetius - Wohnpark in Konstanz befindet sich am alten Standort des gleichnamigen Krankenhauses. Das Insel-artige Grundstück liegt zwischen der nord-westlichen Altstadt und dem "Paradies". Es wird in Ost-West-Richtung begrenzt durch die beiden annähernd parallel verlaufenden Strassen "Untere Laube" und Schottenstrasse sowie nach Süden durch die Gartenstrasse. Hier befindet sich auch das unter Denkmalschutz stehende und in das Gesamtkonzept zu integrierende "Vincentius-Stift". Ebenso prägend ist der im Norden gegenüberliegende Altbau des Alexander-von-Humbold-Gymnasiums. Zwischen der Schule und der nördlichen Grenze des Baufeldes befindet sich der halböffentliche Pausenhof der Schule sowie die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Schottenkapelle.

    Das alte Vincentius-Stift wird bis auf den Ursprungsbau zurückgebaut und aufgrund seiner guten Substanz und der bestehenden Einrichtungen und Infrastruktur zu Wohnungen für ältere Menschen ("Betreutes Wohnen") saniert und umgebaut.

    Die neu zu schaffenden Wohnungen werden auf drei Gebäude unterschiedlicher Grösse aufgeteilt und auf der nördlich angrenzenden Fläche errichtet. Der strenge orthogonale Bezug zum alten Stift schafft einen starken Zusammenhalt des neuen Wohnparks und löst das Ensemble auf sinnfällige Weise (aber von aussen kaum wahrnehmbar) aus dem Stadtgefüge. Durch diese leichte Verdrehung gegenüber den Strassenachsen, ergeben sich Aufweitungen der öffentlichen Gehwege, die wiederum die Vorbereiche zu den Eingängen aufwerten.

    Die Neubauten sind in der Höhe gestaffelt und nehmen so jeweils Bezug zu den ihnen gegenüberliegenden Nachbarn. Die Gebäuden sind ebenfalls auf Abstand gesetzt um deren jeweilige Eigenständigkeit zu betonen, die Gesamtbaumasse weiter zu gliedern und um eine grundsätzliche Durchlässigkeit durch das Areal zu ermöglichen.

    Die Tiefgarage wird im Innenhof komplett mit Freianlagen überbaut. Diese sollen ein vielfältiges Angebot für Jung und Alt anbieten und werden im Zusammenhang mit den Aussenanlagen des alten Stifts geplant. So finden sich hier Sonnenterrassen (auch für eine evtl. Aussengastronomie), eine Boule-Anlage, ein Kinderspielplatz sowie diverse Sitz- und Ruhebereiche (Liegewiesen). Erdhügel ermöglichen eine natürliche Anpassung an die bestehende Topographie (altes Stift) und die Anpflanzung auch grösserer Bäume und Gewächse.

    PKW werden bis auf gezielte Ausnahmen (Anlieferung, Behindertenstellplätze bzw. Besucherparkplätze im Bereich des Betreuten Wohnens) aus dem Areal herausgehalten und zentral in der Tiefgarage abgestellt. Die Zufahrt befindet sich im nordöstlichen Eck des Baufeldes von der Strasse „Untere Laube“ aus.

    Die drei Neubauten sind grundsätzlich gleich zoniert und organisiert. Die primäre Ordnung ergibt sich aus der Lage der vertikalen Erschliessungs- bzw. Versorgungselemente und den den Grundriss in etwa mittig teilenden Nebenraumspangen. Allen Wohnungen sind auf den Süd- bzw. Westseiten grosszügige Loggien vorgelagert. Die restliche Fläche kann prinzipiell sehr variabel unterteil werden, so dass eine hohe Vielzahl unterschiedlicher Grundrissvarianten möglich ist. Diese „Neutralität“ erlaubt es auch unterschiedliche Nutzungen vorzusehen bzw. zuzulassen. Gewerbeeinheiten können zu Wohnraum umgewandelt werden und umgekehrt.

    Durch Einfügen weiterer Erschliessungselemente können die Grundrisse theoretisch weiter unterteilt werden um das Größenspektrum zu erhöhen um ggf. mehr kleinere Wohnungen realisieren zu können.

    Grundsätzlich werden alle Einheiten direkt von den Strassenseiten aus barrierefrei erschlossen. Zum Garten gibt es jeweils Nebenausgänge. Vertikale Erschliessungselemente bestehen jeweils aus Treppe und Aufzug von Keller/Tiefgarage bis Dachgeschoss.

    Die primäre Tragkonstruktion besteht aus Stahlbeton (z.T. sichtbar). Die in grossen Teilen raumhoch verglast Fassade soll als Holz-Aluminium-Elemente eingebaut werden. Die Loggien erhalten ein „Holz-Futteral“. Aussenliegende Sonnenschutz-Markiesen schützen vor übermäßiger Sonneneinstrahlung.
    as alte Vincentius-Stift wird, wie bereits beschrieben, bis auf den Ursprungsbau zurückgebaut und aufgrund seiner guten Substanz und der bestehenden Einrichtungen und Infrastruktur zu Wohnungen für ältere Menschen ("Betreutes Wohnen“) saniert und umgebaut. Durch den bestehenden Aufzug sind alle Ebenen barrierefrei erschlossen. Innerhalb des Gebäudes besteht die Möglichkeit unterschiedliche Wohnungsgrössen anzubieten (Einzelappartement, Doppelapartment und/oder Wohngemeinschaften). Ergänzt wird das Angebot durch gemeinsam nutzbare Räumlichkeiten und Räume für das betreuende und pflegende Personal.

    Die Wohnflächen in den Neubauten können innerhalb der vorgegebenen Erschliessung- und Versorgungselemente und des Ausbaurasters ebenfalls weitestgehend individuell unterteilt und angepasst werden, so dass ein breites Spektrum an unterschiedlichen Wohnungs- und/oder Gewerbegrößen angeboten werden kann.

    Zur Stärkung des öffentlichen Lebens in dem Areal aber auch als zusätzliches Angebot für das gesamte Quartier werden in der Erdgeschosszone kleinere Einheiten für gewerbliche Nutzungen angeboten. Vorstellbar sind hier Gastronomie (mit Aussenbestuhlung), Dienstleistung (Büro), und/oder kleinerer Einzelhandel.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Beitrag ordnet auf dem Grundstück drei im Ausdruck absolut gleiche und ihrer Organisation gleich zonierte Neubauten an. Durch die orthogonale Anordnung der Neubauten zum Vincentius Stift öffnet sich der Straßenraum der Laube zum Schulhof am Schottenplatz, führt gleichzeitig jedoch zu einer Verjüngung in der Schottenstrasse, die von der Jury hinterfragt wird. Die Baukörper reagieren ausschließlich in ihrer Höhenentwicklung auf die Umgebung. Hieraus ergeben sich Konflikte in Teilbereichen auf die Abstandsflächen, zudem wird in diesen Bereichen die Wohnqualität wesentlich eingeschränkt. Durch das Auflösen eines gedachten Blockes in drei Baukörper kann der Verkehrslärm der Laube ungehindert in den Hofraum eindringen und mindert somit die Aufenthaltsqualität im Hof als auch der angrenzenden Wohnungen.

    Die durch Loggien horizontal gegliederten Fassaden lassen den Baukörper nicht als städtischen Baustein wirken und verorten ihn dadurch nicht zwischen Altstadt und Paradies. Vor allem täuschen die Fassaden an der Laube und dem Pausenhofplatz eine Loggiensituation vor, die im Grundriss nicht gegeben ist. Die Erdgeschosse der Neubauten werden von den Verfassern fast vollständig mit gewerblichen Nutzungen belegt. Die angebotene Gastronomie zur Schottenplatz/Pausenhof kann ein wichtiges Element zur Belebung des Platzes darstellen. Im Bereich der Schottenstraße ist dem dringend notwendigen Wohnraumbedarf Vorrang zu geben.

    Die Wohnungsgrundrisse sind klar strukturiert und überzeugen in den angebotenen Wohnqualitäten. Durch ein überdurchschnittliches Angebot an 3- und 4-Zimmer Wohnungen stellt die Arbeit einen sehr guten Beitrag zur Förderung eines familienfreundlichen Wohnungsbaus dar, der unbedingt erhalten bleiben muss.

    Die offene Hofstruktur bietet eine öffentliche Durchwegung an. Für die topographische Gestaltung des Außenraumes werden planerische Vertiefungen erforderlich, um den Baumbestand zu schützen und zu erhalten.

    Die Arbeit gibt eine Klarheit und Großzügigkeit vor, die sie jedoch bei genauer Betrachtung sowohl innenräumlich als auch im Außenraum nicht einhalten kann. Die vorgeschlagene Flexibilität führt vielmehr zu einer Beliebigkeit und Austauschbarkeit. Durch die vorgesehene geringe Dichte liegt die Arbeit im unteren Drittel der wirtschaftlichen Kenndaten.

    Insgesamt überzeugt die städtebauliche Prägnanz, sowie die angebotenen Wohnqualitäten die allerdings nur Wirkung zeigen können, wenn diese in entsprechender architektonischer Qualität umgesetzt werden.