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  • DE-88178 Markt Heimenkirch
  • 07/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-196016)

Neugestaltung der Freiflächen im Ortskern


  • ein 3. Preis


    Landschaftsarchitekten, Stadtplaner
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Ursula Hochrein , Prof. Axel Lohrer

    In Zusammenarbeit mit:
    Lichtplaner: DAY & LIGHT LICHTPLANUNG, München (DE)

    Preisgeld
    10.000 EUR

    Erläuterungstext
    Konzept | Die historische Inszenierung des Blickes schon aus der Ferne auf die Kirche und der räumlichen Abfolge hin und um die Kirche als visueller Mittelpunkt wird wieder bewusst herausgearbeitet - eine Folge, die durch die neue großzügige Treppe zur Kirche zusätzlich betont wird.
    Eine fließende Folge von Plätzen prägt zukünftig die Ortsmitte. Der verbindende Belag spannt sich von Fassade zu Fassade. Den Häusern vorgelagerte Greetplatten fassen den Belag und unterstreichen die individuellen Vorzonen. Das Zusammenspiel der mittigen Rinnen mit den seitlich einspringenden Gärten und der bewussten Setzung von Sitzelemente Brunnen und Bäumen gibt innerhalb des verkehrsberuhigten Bereichs die erforderliche Lenkung und Sicherheit. Eine Folge von akzentuierenden Brunnen sowie aus dem Stadtlogo abgeleitete einladenden Sitzelemente unterstreichen ergänzend ortsprägende Individualität.

    Städtebauliche Ergänzung | Das Konzept bei einem Erhalt wie bei einem Neubau der „Sonne“. Im Falle eines Neubaus sollte der Baukörper im Volumen etwas kleiner, zurückhaltender sein um den öffentlichen Raum nicht zu sehr zu berängen, den Dialog mit der Umgebung zu stärken und die Sonderstellung der Kirche zu unterstreichen.
    Auf dem Raiba-Gelände könnte mit einem neuen adressbildenden Gebäude räumlich zusammenfassender sowie in der Abfolge belebender Auftakt in die neue Ortsmitte gesetzt werden.

    Verkehr | Die Ortsmitte wird als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich ausgewiesen. Die Stellplätze werden innerhalb des Pflasterbelages markiert. Die Anzahl entspricht dem Bestand, ist aber durch eine dezenttralere Gruppierung für die Mitte räumlich verträglicher angeordnet.
    Die Bushaltestelle wird an der Bahnhofstrasse im Schnittpunkt Bahnhalt / Schule am neuen „RaiBa Platz konzentriert. Diese gute verkehrliche Verknüpfung ermöglicht zudem eine ausreichende verkehrliche Beruhigung in der Ortsmitte.

    Materialität | für die Mitte wird ein strapazierfähiger Verband aus Granitgrosstein in wechselnden Formaten als Wildverband vorgeschlagen. Die gesägte Oberfläche ist ausreichend ebenflächig wie geräuscharm. Durch die Ebenflächigkeit, die Konzentrierte Setzung der Einbauten sowie ausreichend rückwärtigen Lagerraum für Schnee ist der Winterdienst gut gewährleistet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser präsentieren zwei große Leitideen. Die erste geht davon aus, die Kirche St. Margareta in den Mittelpunkt der Gestaltung zu stellen, die zweite, den Zentrumsbereich mit der Lindauer Straße als räumliches Kontinuum aufzufassen, das die typische abwechslungsreiche Stellung der Baukörper als bestimmendes räumliches Gestaltmerkmal nutzt. Beide ergeben im Zusammenspiel ein gutes und tragfähiges Gerüst zur Leitbildfindung für Heimenkirch.

    Das angesprochene räumliche Kontiuuum wird gestalterisch kosequent umgesetzt, indem Rinnen als unterbrochene Leitlinien gesetzt werden, räumliche Schwerpunktpunkte an Kirche, Rathaus und Paul-Bäck-Haus mit Brunnen akzentuiert werden. Einen gelungenen Beitrag stellt die neue Freitreppe zur Kirche dar, die sowohl aus der Achse der Lindauer Strasse als auch vom Vorplatz des ehemaligen Gasthauses Sonne aus erlebbar ist und die Einbindung der Kirche in den Zentrumsbereich erheblich verbessert. Die großzügige Pflasterung mit Naturstein im wilden Verband unterstützt zwar konsequent das Konzept des räumlichen Kontinuums, ist aber in ihrer Großflächigkeit fragwürdig. Die vorgeschlagenen Baumreihen beim Gasthaus Sonne werden kritisch gesehen. Bei Erhalt des Gebäudes würden sie dessen eindrucksvolle Fassadenwirkung beeinträchtigen. Die neue Freischankfläche vor dem Gasthaus zum Hirsch an der neu gestalteten Lindauer Straße wäre ein wichtiges, belebendes Element. Die im Grundgedanken richtige Akzentuierung der Schwerpunkte im räumlichen Kontinuum mit gleichartigen, wenig differenzierten Brunnen- und Sitzelementen bleibt leider sehr schematisch.

    Der neue Baukörper, der anstelle des Gasthauses Sonne vorgeschlagen wird, erscheint in seiner Dimension zu wenig stattlich geraten. Der am westlichen Ortseingang platzierte Neubau bleibt in seiner Stellung und Ausformung zu unentschieden, um eine klare Raumbildung zu bewirken. Der entstehende Vorplatz zur Raiffeisenbank wird leider nur als Parkplatz angeboten. Die bewusste Freihaltung des Grünraumes (Gemeinschaftswiese) hinter dem Rathaus wird hingegen sehr begrüßt.

    Die Lindauer Straße als verkehrsberuhigten Geschäftsbereich auszubilden, ist prinzipiell vorstellbar. Es wird jedoch bezweifelt, dass die vorliegende Ausprägung der Gliederungen im Pflasterbelag die verkehrsrechtlich erforderliche Abgrenzung der Verkehrsarten erfüllen kann. Die Umwidmung der Sürgenstraße in einen Fußweg wird grundsätzlich begrüßt, selbst wenn die Verdrängungseffekte beim Kraftverkehr problematisch werden könnten. Die Bushaltestelle an der Bahnhofstraße ist so nicht möglich. Die Lehrerparkplätze sind zwar funktional richtig platziert, können aber, trotz der dezenten Darstellung im Plan, keinen Beitrag zur Bereicherung des Vorplatzes leisten. Zu- und Ausfahrten der Feuerwehr funktionieren. Stellplätze werden insgesamt in ausreichender Zahl nachgewiesen, zusätzliche Stellplätze nicht angeboten. Die Stellplätze beim Einkaufsmarkt, nur mit 2,5 m Breite statt mit den geforderten 2,6 m nachgeweisen, sind bei Einhaltung der Breitenvorgabe nicht mehr in ausreichender Anzahl vorhanden. Die Investitionskosten bewegen sich im Durchschnitt aller Arbeiten. Die Natursteinmaterialien lassen einen nachhaltigen Unterhalt erwarten.

    Insgesamt ein interessanter Beitrag zur Ortsmittengestaltung, der aber leider in manchen Bereichen über schematische Ansätze nicht hinauskommt.