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  • DE Kitzingen
  • 02/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-6308)

Natur in Kitzingen 2011


  • 3. Preis


    Landschaftsarchitekten
    plancontext gmbh landschaftsarchitektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Der vor allem durch den Abzug der amerikanischen Garnisonen ermöglichte Strukturwandel der Stadt Kitzingen bietet eine einmalige Chance, die Stadt über die Schau hinaus als attraktiven Wohn- und Arbeitsstandort mit eigener, starker Identität zu entwickeln, und sie als attraktives Naherholungs- und Ausflugsziel aufzuwerten. Die historische Altstadt und die Lage am Main sind dabei ein vorhandenes Potenzial, das durch attraktive Freiflächen weiter gesteigert werden kann. Hier gilt es, die Entwicklungsschwerpunkte des ISEK konsequent umzusetzen, in denen die Hinwendung der Stadt zum Fluss oberste Priorität hat. Die „Natur in Kitzingen“ wird dabei zum Schlüsselprojekt.

    Struktur
    Grundidee der Gestaltung ist die Überlagerung von Blickbeziehungen, Gartenräumen und Veranstaltungs- bzw. Aufenthaltsorten. Zentrales Rückgrad der Anlage ist die Uferpromenade, die die einzelnen Aktivitätszonen miteinander verbindet und den Besucher durch die Anlage führt.
    Durch Aufweitungen und Verengungen des Uferweges entstehen sich verändernde Räume und Raumabfolgen. Wegbegleitende, sich immer wieder abwechselnde Strukturen, und die Inszenierung von Blickpunkten und Richtungsänderungen lassen ständig neue Landschaftseindrücke und Ausblicke auf den Main und die Altstadt entstehen.
    Der besondere Reiz des Geländes liegt in der teilweise noch andauernden Nutzung der Flächen als gärtnerisches Anbaugebiet. Die vielfältigen Strukturen der kleinen Flurstücke werden bei der Parkgestaltung aufgegriffen. So entsteht eine Abfolge von abwechslungsreichen, interessanten Räumen für unterschiedliche ruhige und aktive Freizeit- und Sportaktivitäten, die sich in die Umgebung unauffällig einfügen. Am Mainufer entstehen zwischen vorhandenen Privatgärten die öffentlichen „Gärten der Stadt“.

    Nutzung
    Der neue Park am östlichen Mainufer erhält mit seinen vielfältigen bleibenden Attraktionen eine gesamtstädtische Bedeutung für Freizeit, Kultur und Sport. Er wird zum Anziehungspunkt für Anwohner, Besucher und Durchreisende auf ihrer Tour entlang des Mains. Es entstehen Räume für temporäre Festlichkeiten und Veranstaltungen. Eine besondere Attraktion ist der Besuch des neuen Gartenbaumuseums mit seinen Ausstellungsflächen und dem Staudenlehrgarten.


    Gesamtanlage – wandelnde Landschaft

    Im Gegensatz zur eher steinernen Promenade auf der Altstadtseite führt dieser Weg in eher landschaftlicher bzw. „gärtnerischer“ Atmosphäre durch verschiedene Gartensequenzen und Spielräume. Die Kitzinger Altstadt bietet immer wieder eine reizvolle Kulisse für Blickbeziehungen. Die an die öffentlichen Flächen angrenzenden privaten Gärten und Anbauflächen verschmelzen optisch mit den Gestaltungselementen der Parkanlage zu einer gestalterischen Einheit. Die Abgrenzung von privaten und öffentlichen Flächen erfolgt durch breite erhabene Betonbänder. Dadurch bleiben die Besitzverhältnisse und Pflegezuständigkeiten der Einzelflächen klar getrennt, werden aber optisch als einheitliche Fläche wahrgenommen. Den angrenzenden Privatbesitzern bleibt es offen, ihre Flächen durch dem Konzept entsprechende Pflanzungen vor unbefugtem Betreten zu schützen. Zäune sollen allenfalls in den Pflanzungen geduldet werden. Wo nötig, kann auf öffentlicher Seite ein störender Zaun verdeckt werden. Die gesamte Anlage sollte möglichst von Blicke verstellendem Buschwerk freigehalten werden, so dass die einzelnen Baumsolitäre in ihrer Wirkung nicht beeinträchtigt werden. Räume werden allein durch Baumkanten und offene Wiesen definiert. Der Schilfgürtel entlang des Mains wird an einigen Stellen unterbrochen, um den Fokus auf herausragende Architektur und Ansichten der Stadt lenken. Gleichzeitig entstehen Zugänge zum Main für Fischer, Spaziergänger und Wasserliebhaber. Im Bereich der Mainterrasse springt der Schilfgürtel in Form eines hohen Gräserstreifens auf die Landseite des Weges, um den Blick auf die Altstadt und die Alte Mainbrücke frei zu halten.
    Die öffentlichen Rasen- und Wiesenflächen werden zu verschiedenen Zeiten gemäht, so dass die wechselnde Struktur der Privatgärten im öffentlichen Raum fortgesetzt wird. Dadurch reizt die Anlage durch immer neue Ansichten und Eindrücke. Blühende Wiesen weichen in einer bestimmten zeitlichen Folge ruhigen grünen Rasenflächen die bespielt werden können. Anbauflächen auf privaten Flächen ergänzen des Bild der sich verändernden Landschaft.
    Querende Wege werden Gesamtkonzept in Ausformulierung und Materialverwendung angepasst um eine stimmige Gesamtanlage zu erhalten, die dem Besucher die Orientierung erleichtert. Der Uferweg wird durch Plätze mit einheitlichem Pflasterbelag strukturiert. Der Hauptweg wird durch die Wahl der Materialien (wassergebundene Wegedecke im Bereich der Aufweitungen und ein durchgehend 3 m breiter asphaltierter Streifen als überregionaler) zu einem „Weg der zwei Geschwindigkeiten“.
    Die Ausstattung soll an die Möblierung einer Gartenanlage erinnern. Bänke in Form einer klassischen Gartenbank aus farbbeschichtetem Stahl, vermitteln das Gefühl eines romantischen Gartenweges ohne die Beanspruchung einer modernen öffentlichen Außenanlage zu ignorieren. Beleuchtungselemente und sonstige Ausstattungen werden dem Konzept eines „Stadtgartens“ angepasst. Nachts tauchen farbige Bodenstrahler besondere Bäume in verträumtes Licht. Die Brückenbögen der Alten Mainbrücke werden von unten mit blau schimmernden Licht akzentuiert.

    Ideenbereich Nord – der Spiel- und Sportpark
    Der sich am gewundenen Lauf des Main entlang ziehende Rad- und Gehweg verbindet die verschiedenen Aktivitätszonen des Ufers. Der Spiel- und Sportbereich mit vielfältigen Frei-zeiteinrichtungen im Norden zeigt den Auftakt des innerstädtischen Uferweges an. Dieser Parkbereich besticht durch seinen attraktiven Altbaumbestand, der zwingend zu erhalten ist. Wir sehen die hauptsächliche Gestaltungsaufgabe in diesem Parkteil in der Ordnung der vorhandenen Aktionsbereiche. Um die Gesamtheit der Parkgestalt wahrzunehmen ist es erforderlich, störende Verbuschungen und Auffüllungen zu entfernen. Auch die Uferzone am Main sollte an besonderen Bereichen vom Buschwerk befreit werden um eine Blickbeziehung mit der Kitzinger Altstadt zu erreichen.
    Um den Fahrverkehr im zentralen Uferparkbereich zwischen Alter Mainbrücke und Konrad-Adenauer-Brücke zu reduzieren empfehlen wir, den Campingplatz auf dem Bereich der ehemaligen Minigolf-Anlage zu errichten.
    Vorhandene Einrichtungen wie die Skate-Anlage, der Spielplatz und die Sportanlage werden in das Konzept integriert, durch geeignete Maßnahmen und Einbauten ergänzt und in ihrer Aussage gestärkt. Interessante Objekte ergänzen die Skate-Anlage nach dem Prinzip des „Growing Concept“ und verwandeln den asphaltierten Platz nach und nach zu einem beliebten Treffpunkt der Jugendlichen. Der Spielplatz wird zum Themenspielplatz „Spielen am Fluss“. Neben der bespielbaren Schiffskulptur stellen wir uns eine Schatzinsel, einen wippenden Fischschwarm, große Findlinge und Bootskajüten zum Spielen vor. Die Thematik der Flusslandschaft findet sich in den Spielgeräten genauso wie in der Modellierung der Spielanlage. Die Sportanlage wird um einen öffentlich zugänglichen Bereich ergänzt und erhält ein Beachball – Feld und einen Platz für Streetball- Spieler. Der Platz um die Brunnenanlage am Spielplatz wird zum zentralen Treffpunkt dieses Abschnittes. Seine Ausformulierung wir an die Gestaltsprache der Gesamtanlage an. Das vorhandene Brunnenbecken wird durch eine einheitliche Möblierung ergänzt, Staudenbeete bilden Rückzugsorte.

    Realisierungsbereich Daueranlage
    Die Treppenanlage an der Alten Mainbrücke wird durch einen Treppenturm in Form eines einfachen Betonbauwerks mit klarer Strukturierung ersetzt, der über einen Metallsteg mit den Brückenkonstruktion verbunden ist. Die moderne Konstruktion der Treppenanlage steht im bewussten Gegensatz zur historischen Mainbrücke und wird vom historischen Bauwerk abgerückt. Der Treppenabgang von der Konrad-Adenauer-Brücke auf das Gelände wird in die Böschung integriert und verläuft unauffällig zwischen den Kronen der alten Bäume.
    Der vorhandene Parkplatz bleibt als Festplatz erhalten. Er erhält eine neue Fassung aus Naturstein und wird in seiner südlichen Ausdehnung verlängert.
    Mittig schiebt sich die „Mainterrasse“ als Platzfläche in den Main. Ein Sommercafé und eine Touristeninformation sind mobile Einbauten am Platz, die bei Hochwasser versetzt werden können. Die Terrasse ist auf die Kitzinger Altstadt ausgerichtet und verbindet so optisch die beiden Uferseiten miteinander. Gegenüber befindet sich die Anlegestelle für die Ausflugsschifffahrt, die in gleicher Weise wie die „Mainterrasse“ gestaltet ist. Hochwertige Materialien heben den Platz vom übrigen Festplatz ab und betonen so seine Wichtigkeit. Die Stufen zum Main verbinden den Festplatz mit dem Fluss. Der steinerne Platz wird zum beliebten Treffpunkt und zur Tribüne für Theater oder Kinoinszenierungen auf dem Main.
    Das Strauchwerk entlang des Ufers wird entfernt, wichtige Bäume bleiben hochgeastet als Strukturgeber erhalten. Die Schilfzonen im weiter südlich verlaufenden Parkteil bleiben als Flächen für den Naturschutz bestehen. An wichtigen Stellen und an den Wegeaufweitungen wird die Schilfzone durch Rasenstufen unterbrochen und Verbindungen mit dem Wasser erreicht. Gleichzeitig werden so Fenster geschaffen, die die Blickbeziehungen zur Altstadt auf Dauer ermöglichen und den Fluss erlebbar machen.
    Eine Baumreihe mit hoch aufgeasteten Stämmen begleitet den gesamten Uferweg auf der dem Main abgewandten Seite. Lockere Obstpflanzungen markieren die einzelnen Quartiere zum Main hin.
    Intensivere Pflanzungen beschränken sich auf das nähere Umfeld des Gartenbaumuseums mit seinen Ausstellungs- und Seminarräumen, die auch nach der Durchführung der „Natur in Kitzingen“ weiter genutzt werden sollen. Der Stauden-Lehrgarten wird unter Berücksichtigung des bestehenden Geländeniveaus als Senkgarten ausgebildet. Der Höhensprung zwischen Museum und Senkgarten wird mit Blockstufen und sanften Rampen abgefangen.
    Die Frühbeetkästen bleiben in Teilsequenzen erhalten, dazwischen führen streifenförmige Staudenpflanzungen die Struktur der Kästen fort. Locker eingestreute Birken tauchen den Bereich in einen lichten Schatten.
    Die alten Gewächshäuser werden teilweise in einen Seminarraum mit entsprechender Infrastruktur, ein Schaugewächshaus und den Museumstrakt umgebaut. Nicht wieder herzustellende Gewächshäuser werden in einzelnen Abschnitten beispielhaft verglast um die Geschichte des Unterglasanbaus zu demonstrieren. Die übrigen Teile bleiben als Gerippe für Kletterpflanzen und als temporär nutzbare Ausstellungsflächen bestehen.
    Die große Wiese am Beginn des Mainarmes wird zur Picknickwiese. Langgestreckte Bänke laden die Besucher zum Verweilen unter verschiedenen Obstbäumen ein. Die sanfte Abstufung der Wiese zum Main hin wird durch die Anlage von großzügigen Rasen- und Blockstufen strukturiert. Sie bilden einen Zugang zum Main mit Blick auf die Altstadt Kitzingens.
    Die große Freifläche im Süden der Anlage wird als offene Spielwiese für Ballspiele, Veranstaltungen und andere temporäre Nutzungen gestaltet.

    Realisierungsbereich Ausstellungskonzept

    Das Konzept der Ausstellung „Natur in Kitzingen“ basiert auf den sieben Gebieten des Gartenbaus: Baumschule, Friedhofsgärtnerei, Garten- und Landschaftsbau, Gemüsebau, Obst- und Weinbau, Staudengärtnerei und Zierpflanzenbau und Floristik. Jeder dieser Fachsparten wird ein Bereich der Ausstellung gewidmet. Darüber hinaus sind Einrichtungen wie Festzelt, Bühne, Gärtnermarkt, Sonderausstellungen und temporäre Spielbereiche in die Flächen integriert.
    Der Festplatz wird auch während der „Natur in Kitzingen“ in diesem Sinne genutzt. Ein großes Festzelt mit Freisitzbereich und entsprechender Infrastruktur und der Gärtnermarkt finden hier statt. Sonderausstellungen zum Thema Mainschifffahrt und Fischerei werden in ge-sonderten temporären Hallen präsentiert. Die Mainterrasse wird während der Schau zu einer Präsentationsfläche für Kübelpflanzen und exotische Blütensträucher. Im Zentrum der Terrasse steht der so genannte „Stadtpavillon“. Hier kann sich die Stadt ihren Besuchern präsentieren und mit wechselnden Ausstellungen auf die Vielfältigkeit der Stadt aufmerksam machen. Jeweils zu Beginn und zum Abschluss der „Natur in Kitzingen“ wird der Stadtpavillon zum Haus des Frankenweins. Alle ansässigen Winzer der Region präsentieren sich mit einem eigenen Stand im Pavillon. Von hier aus können auch Besuchstouren zu den Kitzinger Weinkellern gestartet werden.
    Der Main wird im Bereich der Mainterrassen zur Ausstellungsfläche für die Mainschifffahrt. Verschiedene regionaltypische Schiffs- und Bootstypen können hier von den Besuchern besichtigt werden.
    Auf seinem Weg weiter nach Süden kommt der Besucher am Ausstellungsbereich der Friedhofsgärtner vorbei. Malerisch unter einem lichten Robinienhain gelegen werden hier aktuelle Trends zum Thema Grabgestaltung gezeigt.
    Eine Bühne und weitere Glashäuser für Sonderausstellungen schließen sich östlich des Hauptweges an den Bereich der Friedhofsgärtnerei an.
    Ein Ausstellungsbereich zum Thema historischer Gartenbau, eine artenreiche Sammlung an Stauden, zusammengefasst in einen attraktiven Senkgarten, ein Grünes Klassenzimmer und Seminar- und Ausstellungsräume verbinden sich zum Komplex des Gartenbaumuseums. Für Schulklassen und Kinder steht der „Kinder-Garten“ zur Verfügung. Hier können die Kinder selbst Blumen pflanzen. Nach und nach entsteht so ein buntes Blütenfeld. Ein Infopavillon dient der Beratung der Besucher bei allen Fragen zum Thema Gartenbau.
    Der Weg führt weiter zum Themenbereich Obst- und Weinbau. Eine weite Obstwiese mit locker eingestreuten Sitzbänken markiert diesen Ausstellungsbereich. Hungrige und durstige Besucher werden mit regionalen Spezialitäten verwöhnt.
    Zusätzlich zum großflächigen Wechselflor entlang des Hauptweges stellt sich der Fachbereich Zierpflanzenbau und Floristik in modernen, temporär montierten Glashäusern vor. Wechselnde Hallenschauen und interessante Vorträge zeigen Besonderheiten und Möglichkeiten dieser Fachrichtung auf.
    Am südlichen Eingangsbereich präsentiert sich die Fachrichtung Gemüsebau. Neben historischen Gemüsesorten werden hier auch Neuerungen und Trends vorgestellt.
    Der Garten- und Landschaftsbau zeigt seine Leistungsfähigkeit unter anderem in Form eines Nachwuchswettbewerbs.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.