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  • Engere Wahl

    Lageplan 1/1000

    Stadtplaner
    Zwischenräume Architekten + Stadtplaner GmbH, München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Dhruva Dinesh

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Stefan Kalckhoff Stadtplaner und Landschaftsarchitekt bdla, München (DE)

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAULICHES KONZEPT

    Die Neubebauung greift die Struktur der bestehenden Bebauung auf und schafft mit gezielten Maßnahmen einen neuen Kontext und ein neues städbauliches Konzept für das Wohngebiet Campus Süd/Baierbrunnerstraße.

    Forum am Hochhaus
    - alle wichtigen Gemeinbedarfsflächen werden im neuen Umfeld des Hochpunkts konzentriert,
    - dem solitär stehenden Hochhaus wird im Süden eine niedrige Bebauung als Rahmen für das Forum, den Quartiersplatz, vorgelagert,
    - am besonnten Fußpunkt des Hochhaus schließt die angehobene Terrasse an, die die neuen Nutzungen im EG barrierefrei in den Freibereich hinaus erweitert, belebt mit Cafe etc.,
    - der südlich vorgelagerte Baukörper mit Kita und Dienstleistungen entlastet die knappen EG-Räume im Hochhaus und sichert gut zugeordnete Freiflächen für die Kita. Im OG Hochhaus bleibt Raum für andere Gemeinschaftsflächen.
    - das Hochhaus wird eng mit dem neuen Quartier verwoben
    - Einzelhandelsnutzungen direkt am Baierbrunnerplatz ergänzen das bereits vorhandene Angebot

    Wohnquartier Süd:
    Zeilenstruktur neu verknüpft
    bietet Chance sich für Nachhaltiges Bauen zu entscheiden
    - das bestehende Grundgerüst der Zeilenstruktur ist von vornherein nachhaltig und wird als Neubau oder Bestand weiter entwickelt
    - höhere Kopfbauten E+VII akzentuieren die Achsen zur öffentlichen Grünfläche
    - Querbauten schließen Höfe
    - der Wechsel von Grün- und Erschließungshöfen differenziert die lineare Gebäudestruktur und fasst sie zu Gruppen zusammen.
    - so kann Bausubstanz erhalten werden (muss jedoch nicht) und nach Beispielen erfolgreicher Umstrukturierungen im modernen Quartier integriert werden
    Vorteile sind:
    - Nachhaltigkeit/ Energieeffizienz
    - die Entscheidungsoption kann länger offen bleiben
    - Nutzungsflexibilität durch größere Geschoßhöhe
    - höhere Dichte und Flexibilität bei größerer Gebäudetiefe
    - Potential für differenzierte neuere Wohnformen ob loftig oder gemeinschaftsorientiert,
    - Charakter + Historie des Gebiets werden weitergetragen

    Nord-Süd-Spange mit dem Oval
    - die lange Spange westlich des Hochhauses ist Rückgrat und Bindeglied Nord-Süd. Ihre hervorgehobene Position markiert die Gastronomie und Dienstleistungen im EG
    - sie fasst den nördlichen Vorplatz des Hochhauses und gliedert den zentralen Grünraum
    - das eingestellte Oval der Bewohner- u. Familientreffs mit Jugend am Park liegt zentral im Quartier im offenen Erdgeschoß der Spange

    FREIFLÄCHENELEMENTE

    Ost-West-Grünzug - GRÜNES BAND
    - ein baulich gefasstes Freiflächenband durchzieht das gesamte Quartier und verbindet es direkt mit der Umgebung
    - Bereiche mit unterschiedlichem Charakter und abgestufter Natürlichkeit laden zu vielfältigen Aktivitäten ein
    - nördlich des Hochhauses bildet eine großzügige baum-überstandene Platzfläche das Entree in das neue Quartier
    - als Auftakt des Grünraums mit unterschiedlichen Charakteren
    - Das grüne Band schiebt sich unter der aufgeständerten Nord-Süd-Spange hindurch mit freiem Blick und Wegebeziehungen,
    - die gemeinschaftlichen öffentlichen Nutzungen im Oval schaffen im Freiraum einen lebendigen Mittelpunkt und geben Anlass zu vielfältigen Nutzungen
    - hier wechselt der Charakter des Grünzugs
    - das freie, weitläufige Wiesenparterre bildet als grünes Zentrum des Quartiers einen starken Kontrast zum dichten, wertvollen Baumbestand des Wäldchens, daran schließt das Siemenswäldchen an

    Grünhöfe
    - der natürlich geprägte Landschaftsraum des Siemenswäldchens wird in den Grünhöfen aufgegriffen. Dadurch verschmelzen Quartier und angrenzender Landschaftsraum zu einem einheitlichen Grünraum

    Eingangsplatz am Endpunkt der Hofmannstraße
    - der Platz bildet den Zugang für die aus der Stadt kommenden, er ist räumlich gefasst durch einen Hochpunkt
    - gleichzeitig bietet er eine Aufenthaltsfläche für das nördliche Wohnquartier
    - er wird durch Räume für Dienstleistungen oder Gemeinschaftsflächen belebt

    Erhalt des wertvollen und
    ortsbildprägenden Baumbestands
    - von Anfang an entsteht der Charakter eines durchgrünten Quartiers
    - Einbindung vorhandener Grünstrukturen
    - Weiterführung der parkartigen Baufelder
    - vernetzte, begrünte Innenhöfe schaffen großmaßstäbliche Verbindungen

    Erschließung
    - flächenschonende Erschließung über direkt angebundene Tiefgaragenzufahrten und ohne öffentliche Straßen im Gebiet
    - 2-hüftige Erschließung in den Höfen
    - die Erschließungshöfe orientieren sich in die städtische Umgebung
    - Herzstück eines jeden Hofes sind zentral gefasste, in Lage und Größe vorformulierte Aktivitätsfelder, welche den halböffentlichen Höfen eine eigene Identität geben
    - die kompakte Bauweise mit großen Baukörpertiefen und die Option des Erhalts sorgen für eine wirtschaftliche Baustruktur
     

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebauliche Konfiguration mit zwei Quartieren, gruppiert um einen linearen öffentlichen Raum, basiert auf einem schlüssigen Konzept. Der städtebauliche Entwurf folgt sowohl im Grundriss der Gesamtanlage wie auch in der Stellung der Baukörper konsequent dem Fußabdruck des Bestandsgebiets. Die Gebäudezeilen werden durch geschickt gesetzte Neubauten ergänzt, so dass im Ergebnis ein durchaus tragfähiger städtebaulicher Entwurf entsteht. Mit dieser konsequenten Bestandsorientierung wollen die Verfasser erreichen, dass die Geschichte des Ortes präsent bleibt und die in den Gebäuden gebundene graue Energie gesichert werden kann. Ob und inwieweit die Umnutzung und Aufstockung der tiefen Bürobauten zu überzeugenden Wohnungsgrundrissen führt und ob die Umnutzung bei einer wirtschaftlichen Gesamtbetrachtung zu realisierbaren Ergebnissen führt, kann im städtebaulichen Maßstab nicht abschließend beurteilt werden. Sollte dies nicht gelingen, zeigen die Verfasser in der Variante mit reduzierter Dichte auf, wie die Bestandsgebäude durch Neubauten ersetzt werden können.
    Durch die konsequente Ost-West-Orientierung der Wohnungsgrundrisse schaffen die Verfasser die Voraussetzung für eine gute Wohnqualität in den Quartieren. Allerdings erscheint der Abstand der nord-süd-gerichteten Gebäudezeilen für ein hochwertiges Wohngebiet etwas zu gering bemessen und ist aufgrund der Zwangspunkte im Gebäudebestand nicht veränderbar. Die Fugen zwischen den Wohnzeilen – im Wechsel als Erschließungs- und Grünhöfe gestaltet – öffnen sich sinnvoll zum zentralen Grünzug, über den das Siemenswäldchen schlüssig an den Platz vor dem Hochhaus herangeführt wird. So kann die attraktive grüne Mitte aus dem Wohnumfeld heraus erlebt und auf sicheren Wegen ohne die Überquerung von Verkehrsstraßen erreicht werden. Die Verbindung zwischen der grünen Mitte und dem Forum fällt – der Erhaltung des Gebäuderiegels am Hochhaus geschuldet – sehr eng aus und wird deshalb durch zwei Durchgänge in Erdgeschoss ergänzt. Diese Lösung vermag nicht vollends zu überzeugen, zumal hier ein eingeschränkter Windkomfort zu erwarten ist, der die Aufenthaltsqualität im Umfeld der Durchgänge einschränkt.
    Mit der Konzentration der öffentlichen Einrichtungen im direkten Umfeld des Hochhauses
    – dem Forum – treffen die Verfasser eine gute Entscheidung, um den öffentlichen Raum zu beleben. Der zweigeschossige Anbau im Süden erscheint als funktional plausible und architektonisch vertretbare Erweiterung der Nutzflächen. Zur Siemensallee im Süden werden die Zeilen mit Querriegeln geschlossen. Dieser Kunstgriff schirmt Bebauung und Freiräume gegen den Verkehrslärm ab und erzeugt hochwertige Innenräume. Im nördlichen Quartier wird die Verbindung aus dem Quartiersinneren zur grünen Mitte leider durch Gebäuderiegel verstellt. Der Versuch, den westlichen Quartierseingang mit einem
    Hochhaus zu akzentuieren, muss angesichts der Dominanz des Maurer-Gebäudes scheitern.
    Die Qualität der Freiräume überzeugt in der Durcharbeitung nur bedingt. So findet zum Beispiel die gute Idee des Forums keine Entsprechung in einem attraktiven Platzraum. Der Pavillon und die Zufahrten zu den Erschließungshöfen greifen in wertvollen Baumbestand ein. Die Verkehrserschließung über kurze Wohnstraßen ist plausibel.

    Insgesamt wird von den Verfassern ein qualitätvoller Beitrag angeboten, dem es bei insgesamt positiver Wohnqualität nicht gelingt, eine adäquate stadträumliche Prägnanz zu erreichen.