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  • DE-50667 Köln, DE-50679 Köln
  • 09/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-211511)

Fassade Cäcilienstraße


  • 2. Preis


    Architekten
    Bieling Architekten AG, Hamburg (DE), Kassel (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Thomas Bieling

    Mitarbeit
    Indra Meyer, Johannes Fuß

    Erläuterungstext
    Lage

    Im Rahmen der Zielsetzung des Masterplans „Ost- West-Achse“ fügt sich die Bebauung des ehemaligen Parkhauses als neues Glied in die Reihe entlang der Cäcilienstraße. Der Baukörper versteht sich als Bindeglied zwischen denkmalgeschützter Nachkriegsbebauung im Westen und jüngeren Gebäuden im östlichen Straßenverlauf.
    Höhenentwicklung und Ausformulierung der Fassadengliederung des Gebäudes bestätigen den Anspruch, sich in die unmittelbare Umgebung zu integrieren.

    Fassade

    Grundstruktur der Fassade bildet einerseits ein klares Rasterwerk, welches sich aus der inneren Struktur ableitet, andererseits die Gliederung des Baukörpers in Basis, Korpus und Kopf.
    Die Klarheit und Strenge der benachbarten Bauten aus den 50er Jahren wird in eine zeitgemäße Architektursprache übersetzt. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen geschlossenen und offenen Fassadenflächen prägen den in sich ruhenden Gebäudekörper, welcher dadurch eine gewisse Präsenz im Straßenraum erfährt, ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen.
    Auf einheitlich großformatige Fensteröffnungen stützt sich der offenen Charakter des Gebäudes, in dem sich die Nutzung eines Hotels wiederspiegelt. Neben der äußeren Hülle wird die innere Fassadenebene ebenfalls Thema des Gesamtkonzepts. So bilden Vorhänge in den Hotelzimmern über einen Verlauf von braun-beigen bis zu blau-türkisen Farbtönen, in denen sich die Farbwelt des Hotelbetreibers wiederspiegelt, einen lebendigen Hintergrund und bereichern auf subtile Art die Fassade.

    Fassade Cäcilienstraße

    Die Gebäudekontur entlang der Cäcilienstraße berücksichtigt die unterschiedlichen Geschossigkeiten der Nachbargebäude und vermittelt. Die erfahrbare Teilung der Gebäudefront in drei Teile entwickelt sich aus der Maßstäblichkeit der umgebenden Bebauung.
    Das in den 50er Jahren prägende oberste Geschoss, mit einer sich in Stützen und Glasfronten auflösenden Wand, wird im Anschluss an die Nachbarbebauung aufgegriffen und in einem Loggia-Typus übersetzt, welcher sich aus der klaren Grundordnung entwickelt. So stellt die Ausbildung der obersten Geschossebene einen wesentlichen Bestandteil der Grundordnung der Fassade in Basis, Körper und Kopf da. Das ohnehin überhöhte Erdgeschoss setzt sich von den folgenden Geschossen durch die differenzierte Wahl des Fassadenmaterials und dessen Oberfläche ab. Ein glatter Betonstein im Langformat bildet den Sockel auf dem das gesamte Haus lastet. Kontrastierend dazu kleiden sich die Obergeschosse mit einem bruchrauen Betonstein, welcher sich klar von der ebenen Oberfläche des Erdgeschosses absetzt.

    Sämtliche Fassadenebenen eint in ihrer differenzierten Betrachtung das Ziel einer wertigen Gebäudehülle, welche sich in der Materialtreue im Detail der Fensterbänke und Attikaabschlüsse, sowie in den tiefen Laibungen zeigt.

    Fassade Kronengasse

    Das Gestaltungsprinzip des klaren Rasterwerks und der Zonierung der Fassade setzen sich auch entlang der Fassade der Kronengasse fort. Die Erdgeschosszone hebt sich mittels einer glatten und wertigen Oberfläche aus Betonstein von einem darüber liegenden Putzkörper ab. Innerhalb der Putzflächen werden die großformatigen Wandöffnungen mit einem Rahmen als Betonfertigteil hervorgehoben und entwickeln sich zu einem eigenständigen Thema innerhalb der Grundordnung.





    Fassade Innenhof

    Die beiden Innenhöfe gestalten sich nach den entwickelten Prinzipien und reduzieren dabei die Elemente auf das Wesentliche. Die Differenzierung zwischen Sockel und Körper erfolgt über die Körnung der verwendeten Putzarten. Die raumbildenden Wände der Nachbarbebauung werden optional mit einer vertikalen Fassadenbegrünung bepflanzt und steigern damit die Attraktivität und Aufenthaltsqualität der Innenhöfe.

    Fassade Technikzentrale

    Um einen Bruch in der Gebäudekubatur zu vermeiden wird die Grundordnung, wie auch das Fassadenmaterial in die Ebene der Technikzentralen auf der Dachfläche weitergeführt. Rahmen mit Bespannung aus Metallgewebe füllen die großformatigen Wandöffnungen.

    Beschilderung und Beleuchtung

    Entsprechend der Vorgaben reduzieren sich die Elemente der Fassadenwerbung auf ein Wesentliches, um den Gesamteindruck der Fassade und des Straßenraums zu beruhigen. Die Beschilderung der Zu- und Abfahrt der Tiefgarage wird in die Fassadenfront in das helle Farbspektrum der gesamten Fassade integriert. Großformatige hinterleuchtete Buchstaben weißen auf die Zufahrt hin. In der tieferen Fassadenebene im Bereich des Tores und der Abfahrt werden die Informationen entsprechend des vorgelegten Konzepts aufbereitet.
    Das Beleuchtungskonzept versteht sich als unterstützendes Element, welches, in die Fensterlaibungen integriert, die Fassadenstruktur in der Nacht mit einem sanften Lichtschein sichtbar macht.

    Konstruktion

    Der Entwurf sieht zwei, den Fassaden entsprechenden, gängige Konstruktionsarten vor. Eine hinterlüftete zweischalige Wandkonstruktion mit Kerndämmung bildet das Prinzip für die Betonsteinfassade entlang der Cäcilienstraße.
    Die Fassadenflächen der Innenhöfe und entlang der Kronengasse werden in einem Verbundsystem mit Platten aus Mineralwolle und einer Putzoberfläche ausgeführt.

    Freiraum

    Die Gestaltung des Vorplatzes steht im engen Kontext zur Aufwertung des Straßenraums. Trotz des erhöhten Verkehrsaufkommens entlang der Cäcilienstraße, wartet der Öffentliche Raum mit eigenen Qualitäten auf, welche vor allem in der Tiefe des Gehweges, dem Baumbestand und dem direkten Gegenüber mit dem Kölner Kulturquartier liegen. So lässt sich der zukünftige Außenraum in zwei Zonen gliedern. Entlang der Fassadenfront erfolgt die fußläufige Erschließung, in einer Tiefe, welche eine Außenbestuhlung durch das Hotel ermöglicht. Des weiteren nimmt die Fläche zwischen Fußweg und Straßenraum unterschiedliche Funktionen auf. Darin werden die Vorfahrt des Hotels und die Zu- und Abfahrt der Tiefgarage organisiert. Dazu entwickelt sich eine weitere durch das Hotel bespielbare Freifläche zwischen Gehweg und der Baumreihe entlang des Straßenrands. Pflanztröge und Sitzelemente, welche diesen Bereich separieren, können sowohl von Hotelgästen, wie auch von Passanten zum Verweilen genutzt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeichnet sich durch ein klares architektonisches Konzept aus. Dieses zieht sich von der präzisen städtebaulichen Einbettung über die Fassadengliederung bis hin zur fein entwickelten Materialisierung und angemessenen Detaillierung.

    Subtil werden Körnigkeit und Höhenstruktur der Nachbarschaft aufgenommen und durch die Gliederung der Fassade mit der Ausbildung von drei durch Fugen getrennten Bereichen mit jeweils eigener vertikaler Entwicklung ortsgemäß interpretiert.

    Der Baukörper zeichnet sich durch eine große Plastizität aus, die durch die Ausbildung der zurückliegenden Fensterelemente gegeben ist und dabei jedes Zimmer abbildet. Die gleichbleibend breiten Fensterachsen entwickeln sich sinnvoll vom Erdgeschoss über das erste Geschoss in die Regelgeschosse und differenzieren sich subtil in den jeweils obersten Geschossen entsprechend der Nachbarschaft und der Lage im Gebäude entweder als ‚besonderes Staffelgeschoss‘ oder als ruhige Mitte.

    Durch die ruhige Fassadengliederung im Erdgeschoss sind die Adressbildung von Hotel aber auch die Auffindbarkeit des Parkhauses gegeben. Geschlossene Fassadenbereiche betonen im Kontrast zu den Öffnungen die Schwerpunktnutzungen des Gebäudes. Hier muss allerdings angemerkt werden, dass eine großzügigere Verbindung von Lobby zur Straße und Stadt wünschenswert wäre. Die werblichen Anlagen sind im Bereich der Vordächer richtig platziert. Die Vordächer bei den schmalen Fenstern, die nicht als Eingang genutzt werden, scheinen fragwürdig.

    Die oberen Fassadenabschlüsse in den seitlichen Bauteilen mit den doppelt zurückspringenden Fassaden sind aus städtebaulicher Sicht gut nachvollziehbar, sind aber im Hinblick auf die Zimmergrößen problematisch.

    Die Fassaden zur Kronengasse,. aber auch zu den Höfen, sind angemessen, zurückhaltend und klar gegliedert. Durch das gleichmäßige Fassadenbild mit den ortsbezogen unterschiedlichen Fenstertypologien wird das Hotel überall durchgängig erlebbar.

    Die Funktionalität der Fenstertypen ist im Hinblick auf die Reinigungsfähigkeit der Fenster insbesondere im Bereich der Kronengasse kritisch.

    Das Gebäude ist feinfühlig detailliert, der Kanon aus mineralischen Fassadenmaterialien von glatt über gebrochen zu Putzqualitäten unterschiedlicher Körnung fügt sich in die Umgebung ein.

    Dabei hebt sich der gebrochene langformatige Betonstein der Obergeschosse an der Cäcilienstraße weitgehend ab und bildet so eine eigene Identität für das Hotel aus.

    Die Außenanlagen geben dem Pkw zu viel Raum; hier müsste ein ausgeglicheneres Gefüge von ruhigem Vorbereich, Trottoir und Vorfahrt unter Berücksichtigung von Radverkehr gegeben sein.

    Das Preisgericht würdigt ein Gebäude mit einer angemessenen Zurückhaltung und gleichzeitig präzisen und starken Haltung: Ein sehr gutes Projekt, das mit wenigen Weiterentwicklungen innerhalb des Konzepts Ort und Aufgabe hervorragend löst - ein guter Baustein für ein besonderes Quartier in der Stadt!


INFO-BOX

Angelegt am 28.09.2015, 12:23
Zuletzt aktualisiert 01.10.2015, 13:41
Beitrags-ID 4-109687
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