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  • DE-44623 Herne
  • 09/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-211533)

Planungswerkstatt Europaplatz Herne


  • 3. Rang


    Landschaftsarchitekten
    Planergruppe GmbH Oberhausen, Essen (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Heinrich Böll Architekt BDA DWB, Essen (DE)

    Erläuterungstext
    DAS STADTTOR FÜR HERNE

    HISTORISCHE ENTWICKLUNG
    Südlich des heutigen Standortes der Kreuzkirche wird im 11. oder 12. Jahrhundert die Dionysiuskirche errichtet, um die herum das Dorf Haranni entsteht, welches sich zur Stadt Herne weiterentwickelt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird schließlich die alte Kirche zu klein und die heutige Kreuzkirche wird gebaut. Das Kirchenbauwerk ist eng mit dem umliegenden Stadtgefüge verwoben. Es gibt keinen repräsentativen Kirchplatz, sondern lediglich einen Anschluss an die damalige Bochumer Straße, die von Nord nach Süd durch die Stadt läuft. Im Zuge des Kohlebooms im Ruhrgebiet wachsen Wohlstand und Einwohnerzahl der Stadt stetig an. In der Folge werden vor dem Hintergrund der Planungstheorien der 60er/70er Jahre des 20. Jahrhunderts die historischen Strukturen beseitigt um Platz zu schaffen für breite Verkehrsachsen durch die Stadt und Verdichtungsprojekte in Form von Wohnungsbau. Diese Elemente prägen bis heute das Stadtzentrum von Herne.

    DER EUROPAPLATZ HEUTE
    Die räumliche Situation am Europaplatzes stellt sich heute als sehr diffus dar. Auf dem Platz stehen der Solitärbau der Kreuzkirche und das CVJM-Haus. Im Osten und Norden wird der Platz von Wohnbebauung und einem Ärztehaus gefasst. Der Anschluss zur Fußgängerzone liegt in der Nord-West-Ecke des Platzes. Er wird räumlich durch das ehemalige C&A-Gebäude verengt. Diese Situation wird zudem durch Niveauunterschiede und Pflanzbeete weiter verunklart. Die Westseite des Platzes wird vom LWL-Museum für Archäologie besetzt. Das Konzept für dieses Museum sieht vor, die eigentlichen Ausstellungsräume im Boden zu versenken. Drei Gebäude erscheinen über der Oberfläche, zwei Oberlichter und das Eingangsgebäude mit Verwaltungsräumen. Alle drei Kuben sind wenig raumbildend, insbesondere zur Seite des Europaplatzes. Aufgrund dieser räumlichen Situation ist die ungenutzte Fassade des C&A-Gebäudes auf dem Platz sehr präsent. Im Süden wird der Platz von einer vierspurigen Straße begrenzt, der Holsterhauser Straße westlich des Europaplatzes und der Sodinger Straße östlich.

    RAUMVERSTÄNDNIS
    Der Europaplatz weist in seiner heutigen Orientierung sowohl städtebauliche und funktionale als auch gestalterische Mängel auf. Seine Raumkanten sind aufgrund der Eingriffe schlecht ablesbar. Die Nutzungen verschiedener Teilräume sind unklar. Diese Punkte sind mittelfristig nicht veränderbar und nicht Bestandteil der Wettbewerbsaufgabe. Die uneinheitliche Gestaltung verstärkt diese Situation noch zusätzlich.
    Um die Gesamtsituation des Ortes zu verbessern, ist es unserer Meinung nach entscheidend, die durch die Historie geprägte städtebauliche Situation in Ihren funktionalen Notwendigkeiten zu schärfen und gestalterisch aufzuwerten. Aus diesem Grund basiert die Leitidee unseres Entwurfes auf einer Re-Interpretation des Raumes, im Sinne eines Stadttores für die Innenstadt von Herne. Mit diesem Ansatz werden die vorhandenen Stärken des Platzes für die notwendige Aufwertung genutzt:

    1. Aufgrund der Lage und der Anbindung des Platzes wird er in der Zone zwischen Kirche und Museum stark in Nord-Süd Richtung frequentiert.
    2. Mit dem Museum und der Kirchengemeinde besetzen zwei zugkräftige Adressen diesen prägenden Auftakt zur Innenstadt.
    3. Sowohl die im Rasenspiegel liegenden Kuben des Museums, als auch der durch Kirche und CVJM-Haus gebildete Kirchenhof sind ablesbare, funktionierende Teilräume.

    DAS STADTTOR
    Der Raum zwischen Museumspark und Kirche bildet in der historischen Wegebeziehung zur Innenstadt den Auftakt. Neu gepflanzte Bäume auf der linken und der ausgedünnte und ergänzte Bestand auf der rechten Seite unterstützen die Raumbildung des Stadttores beidseitig. Leuchtenstelen aus der Leuchtenfamilie der Fußgängerzone betonen die Nord-Süd-Verbindung. Der Bedeutung des Ortes angemessen, schlagen wir einen Pflasterbelag aus Grauwackekleinpflaster vor, das im Bereich der Laufzonen gesägt und geschliffen ist und so die Barrierefreiheit gewährleistet.

    DER KIRCHHOF
    Die Kreuzkirche und das CVJM-Haus bilden ein gut proportioniertes Ensemble auf dem östlichen Teil des Kirchplatzes. Der Bereich zwischen diesen beiden Gebäuden befindet sich leicht zurückgesetzt aus der Hauptwegeverbindung, ist baumüberstanden, leicht emissionsgeschützt und wird bereits heute rege genutzt. Diese Situation wird durch die Positionierung des Gemeindezentrums gestärkt. Dieses besetzt die heute vom eigentlichen Platzraum abgehängte und daher problematische Freifläche des ehemaligen Pfarrhauses. Sie wird an das CVJM-Heim angeschlossen und bildet mit diesem eine funktionale Einheit. Der unmittelbar angebaute Gebäudeteil orientiert sich an der Traufhöhe des Altbaus und nimmt den Gemeindesaal sowie die weiteren, zweigeschossig organisierten Nutzräume auf. Zwischen diesem Gebäudeteil und der Südfassade des Querhauses der Kreuzkirche wird ein eingeschossiger, weitgehend transparent ausgebildeter Baukörper eingefügt. Dieser Bauteil wird mit einer deutlichen Fuge von der Kirche abgesetzt, um die geforderte Umlaufbarkeit der Kirche zu erhalten und bildet das Eingangsfoyer des neuen Gemeindezentrums. Der Eingang erfolgt über die zum Europaplatz orientierte Westfassade. Somit wird zum einen eine einladende Geste zum Platz hin formuliert, zum anderen stärkt die räumliche Fassung nach Osten hin die Qualität des zwischen Kirche und Gemeindezentrum aufgespannten Kirchhofs.
    Zwischen Kirche und CVJM-Haus wird eine wassergebundene Wegedecke hergestellt, die mit Einzelstühlen bestückt ist und so Aufenthaltsqualitäten bietet. Die Nutzung der Flächen als Spielraum in der jetzigen Form, sind mit den Angeboten an freien Bewegungsspielen mit Bällen und Fahrzeugen ein wichtiger, anerkannter Bestandteil des Platzlebens. Dieser Aspekt wird durch die neue Orientierung gefördert ohne zusätzlich monofunktionale, ausgewiesene Spielflächen anzubieten.
    Die Bäume im Bereich des Kirchhofes werden unterleuchtet, die Kirche angestrahlt, so das durch die Reflektion in der Dunkelheit eine einladende Lichtwirkung entsteht.

    DER MUSEUMSPARK
    In sich bilden die Hochbauten und die zurückhaltenden Freianlagen ein stimmiges Bild, das seine Schwächen am Übergang zum Stadtraum hat. Im Kontrast zum gegenüber liegenden Kirchenhof ist die Ausrichtung des Museumsvorfeldes die eines Vorgartens. Neue Pflanzaspekte stärken diesen Aspekt. Am Übergang vom Platz zum Museumspark begleiten Grasfelder die Fußgänger in Richtung Fußgängerzone und lenken von der C&A Fassade ab. Hecken und Bänke betonen deutlich die Wege zum Museum und bieten geschützte und kommunikative Aufenthaltsmöglichkeiten. Die informellen Spielanlässe auf den Rasenflächen werden durch die Zonierung optimiert. Wir schlagen die Einfriedung der Freiräume zwischen den Einzelgebäuden des Museums vor. Aus dem Museumspark wird so ein Museumsgarten innerhalb des Museumsparks. Das gestalterische Konzept der in eine Rasenfläche komponierten Backsteinkuben bleibt davon unberührt. Die zwischen den Kuben eingefügten Einfriedungen folgen der hochwertigen Detaillierung der Museumsbauten in Formensprache und Materialität, so dass sie als Teil der Architektur wirken.
    Durch diesen Eingriff werden zum einen die problematischen, weil schlecht einsehbaren öffentlichen Räume zwischen den Gebäuden zu einem für das Museum intensiv nutzbaren Außenbereich transformiert. Zum anderen verbessert sich dadurch die heute bemängelte Auffindbarkeit des Museumseingangs. Da eine Durchwegung zwischen den Bauten nicht mehr möglich ist, werden die Wege der Besucher eindeutiger zu der eigentlichen Eingangsseite am Europaplatz geführt. Vom Europaplatz aus ist der Eingang dann eindeutig erkennbar.

    GEDANKEN ZUR WEITEREN ENTWICKLUNG DES MUSEUMS
    Als erweiterte Überlegung zum Museumseingang schlagen wir eine optionale Umstrukturierung der Flächen im EG vor. Um den Besucher bereits im Erdgeschoss in Empfang nehmen zu können, wäre eine Verlagerung der Foyerfunktionen mit Kasse und Shop in Teile des heutigen Cafébereichs denkbar. Als Folge daraus könnte man dem Café neue Flächen zwischen Hauptgebäude und dem Oberlicht der Dauerausstellung anbieten, sowie eine Erweiterung als offene Empore innerhalb des Oberlichtraums der Dauerausstellung. Die bauliche Verbindung zwischen den Backsteinkuben wäre in diesem Fall als vollverglaster, eingeschossiger Pavillon denkbar. Als Folge dieser Maßnahme würde sich das Café stärker als heute in Richtung Osten, zum Europaplatz hin, präsentieren.
    In dem eingefriedeten Außenbereich des Museums ist ein Spielanlass im Sinne der Museumsnutzung möglich und würde die Aufenthaltsqualität für besuchende Familien erhöhen.

    DER UMGANG MIT DEM BESTAND
    Der vorgefundene Baumbestand ist räumlich prägend, in Teilen aber ohne erkennbaren Bezug. Der Zustand der Bäume lässt einen notwendigen Ersatz innerhalb der nächsten 5 bis 10 Jahre vermuten (Notwendigkeit zur Schaffung vitaler, funktionsfähiger Stadtbäume für die Zukunft durch rechtzeitige Verjüngung des Bestandes). Wir haben uns daher entschlossen, die Bäume im Bestand dort zu erhalten wo sie für die räumliche Qualität der Idee notwendig sind und durch weitere zu ergänzen. Bäume, die dem Ziel der Belebung des Platzes und der Schaffung nutzbarer Freiräume im Wege stehen, werden entfernt, durch die Neupflanzung aber kompensiert. Der Fahrradunterstand kann an der jetzigen Stelle verbleiben, weitere Angebote aus diesem Nutzungsumfeld (z.B. Metroradstation, E-Bike Ladestation) werden an dieser Stelle ergänzt. Kunstwerk und U-Bahn-Infotafel sind in der Laufzone sinnvoll positioniert.

    Eine abschnittsweise Realisierung ist auf Grund der räumlichen Zonierungen denkbar (Stichwort Bau des Gemeindehauses), die Angebote der Ideenteile sind additiv nach Fertigstellung des Platzes ergänzbar.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 29.09.2015, 10:00
Zuletzt aktualisiert 02.10.2015, 16:18
Beitrags-ID 4-109704
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