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  • DE-15230 Frankfurt/Oder
  • 09/2006
  • Ergebnis
  • (ID 2-6423)

Wettbewerb "Universitätsplatz Viadrina"


  • 2. Preis

    Perspektive Universitätsplatz

    Landschaftsarchitekten
    LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Mitarbeiter: Gesa Königstein Katrin Eisfelder, Polnische Übersetzung: Izabela Coqui-Malachowska

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: magma architecture, Berlin (DE), Berlin (DE), Berlin (DE), Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Die heutige städtebauliche Situation des Universitätsplatzes ist gekennzeichnet durch weitgehend fehlende Raumkanten nach Süden und eine, bezogen auf das städtische Gesamtgefüge, überdimensioniert erscheinende Platzfläche. Der vom Auslober geäußerte Wunsch einer nördlichen Raumkante zum Stadtraum an der St. Marienkirche wird von uns geteilt. Für eine Erweiterung der Universitätsbibliothek erscheint uns die Baupotenzialfläche städtebaulich und funktional nicht geeignet. Stattdessen schlagen wir hier den Bau eines Boarding Hauses für Gastwissenschaftler, Studenten und Mitarbeiter vor und nehmen so Bezug auf die am Kirchplatz vorhandene Wohnbebauung.

    Baupotenzialfläche am Oberkirchplatz / Boarding Haus
    Das Boarding Haus schafft eine klare Differenzierung zwischen dem Stadtraum des historischen Oberkirchplatzes und dem modernen Universitätsgelände. Zum Oberkirchplatz entwickelt sich das Gebäudevolumen aus der geometrischen Struktur der angrenzenden Bebauung mit Lochfassade und straßenseitig abfallenden Dachflächen. Es fügt sich so nahtlos in den historischen Stadtraum um die St. Marienkirche ein. Zum Universitätsplatz wird die Fassade als Glasfassade mit Südbalkonen ausgebildet, die eine optimale natürliche Belichtung der Wohnräume des Boarding Hauses erlaubt. Das Gebäude hat eine BGF von 2550 qm, und eine von NF 1900 qm.

    Nördliche Platzkante / Bibliothekserweiterung
    Darüber hinaus schlagen wir die Ausformulierung einer baulich gefassten Platzkante vor, die sich an der Bauflucht des Audimax orientiert. Hier halten wir einen weiteren Baukörper z.B. für die Bibliothekserweiterung für sinnvoll. Das neue Bibliotheksgebäude ist eine Erweiterung der Universität mit Schließung der Platzkante um den neu gestalteten Universitätsplatz. Es nimmt in seiner Kubatur und Höhe Bezug auf das Audimax und schafft die historische Enge der Priestergasse mit der Marienkirche als definierten Blickbezug. Ein erdgeschossiger Rücksprung in der Fassadenschicht markiert den Eingangsbereich vom Universitätsplatz. Die Fassaden sind allseitig mit schmalen Fensterbändern versehen, durch die ein gefiltertes Licht in die Freihandbereiche der Bibliothek fällt. Das Gebäude hat eine BGF von 4350 qm, und eine NF von 3200 qm.

    Bis zur Realisierung schlagen wir an seiner Stelle ein sich aus dem nach Süden abfallenden Geländeniveau herausbildendes und mit Apfelbäumen bestandenes Rasenplateau vor. Ausgestattet mit einem W-LAN-Anschluss bietet sich hier den Studenten die Möglichkeit, unter Bäumen im Netz zu surfen und zu arbeiten. Eine zu dem Plateau hinaufführende Stufenanlage formuliert eine deutliche Platzkante und bietet Sitzgelegenheiten am Platz.

    Temporäre Gestaltung Baupotenzialfläche
    Die Plateaufläche läuft bis zum Oberkirchplatz in einem Wechsel aus Rasen- und Plattenstreifen aus. Dieser Übergang stellt gleichsam unseren Vorschlag für die temporäre Gestaltung der Baupotenzialfläche dar. Als weitere Aufwertung dieser Fläche und temporäre städtebauliche Setzung schlagen wir einen kleinen Pavillon vor. Ausstellungen der Studierenden, Präsentationen der Viadrina und kleinere Feiern können darin stattfinden und ihn zu einem informellen Begegnungsort von Universität, Bürgern und Besuchern machen.

    Südliche Platzkante
    Die im Konzept „Südöstliches Stadtzentrum“ vorgeschlagene städtebauliche Fassung des südlichen Universitätsplatzes halten wir für wünschenswert. Da aber auch hier eine Umsetzung in den nächsten Jahren ungewiss erscheint, schlagen wir eine temporäre Raumbildung vor. Diese besteht aus einer mit rotem Kunststoffgewebe bespannten ca. 2,50 Meter hohen Holzkonstruktion. Sie ist transluzent und wird von der Rückseite beleuchtet. Die dahinter vorgeschlagene Nutzung für informellen Sport wie Beachvolleyball oder Skaten erhält auf diese Weise einen durchscheinenden Rahmen, ohne aber optisch den Platz zu dominieren.

    Die ebenfalls in dem o.g. Konzept vorgeschlagene Lösung einer platzartigen Aufweitung am Europaplatz wird von uns nicht geteilt. Stattdessen schlagen wir hier eine durchgehende westliche Raumkante vor, die zur südlichen Vorstadt überleitet. Ein neuer Platz am ehemaligen Straßenbahndepot bildet den Abschluss der innerstädtischen Raumfolge.


    Der Universitätsplatz
    Unser Entwurf für den Universitätsplatz entwickelt eine emblematische und auf den Ort bezogene Gestaltungssprache. Die alltäglichen Nutzungen des Verweilens, Wartens, sich Ausruhens nach den Vorlesungen bilden dabei die funktionale Basis der Platzgestaltung. Frei verteilte rot-weiße Sitzelemente machen den Campus zu einer „Skulptur des Alltäglichen“. Einzelne Blutpflaumen treten als markante vegetative Setzung hinzu. Bewusst wird dabei von uns auf eine räumliche Schwerpunktsetzung und Hierarchisierung verzichtet. Der Platz gibt keine Richtung vor; er ist zu allen Seiten hin durchlässig und für Außenveranstaltungen der Viadrina nutzbar. Die Farbwahl nimmt Bezug auf die Gestaltung des Europaplatzes bzw. des Audimaxgebäudes.

    Der Aspekt des grenzüberschreitenden Austausches und Wissenstransfers (insbesondere mit Polen) inspirierte uns darüber hinaus zu der Auseinandersetzung mit Sprache als dem wesentlichen Medium der Kommunikation. In die roten Auflagen der Sitzelemente sind jeweils ein deutscher und ein polnischer Begriff eingelassen. Sie setzen farbliche und typografische Akzente in der mit hellen, großformatigen Platten belegten Platzfläche. Je nach Standort des Betrachters ergeben sich aufgrund der Verteilung der Sitzelemente unterschiedliche Begriffskombinationen. Wie beim Scrabble-Spiel können die Begriffe zu deutschen bzw. polnischen Worten bzw. Sätzen kombiniert werden. Exkurs: Dieses Spiel kann in ähnlicher Weise auch auf dem Vorplatz des Collegium Polonium in Slubice fortgeführt werden und hierdurch den inhaltlichen Zusammenhang der beiden Standorte im Außenraum dokumentieren.

    Die helle Platzfläche führt in Farbe und Materialität die Gestaltung des Europlatzes fort und stellt auf diese Weise den Zusammenhang der beiden Plätze her. Gefasst wird die Platzfläche von einem roten Klinkerrahmen, der sich auf die Gestaltung des Audimaxgebäudes bezieht. Die vorhandene Klinkerfläche vor dem Audimax wird in diesen Rahmen integriert. Ein Umbau der Fläche ist hierzu nicht notwendig. Wünschenswert ist aus unser Sicht jedoch eine Verkürzung der vorhandenen Sitzmauer, um den Eingangsbereich des Audimaxgebäudes besser an den Platz anzubinden. Aus dem gleichen Grund schlagen wir eine Verlegung der Fahrradständer an die Platzränder vor.

    Beleuchtungskonzept
    Die skulpturale Kraft des Platzes wird durch das Beleuchtungskonzept unterstützt: In die Sitzelemente eingebaute Lampen hinterleuchten die in die Bankauflagen eingestanzten Begriffe. Bodenstrahler akzentuieren die Blutpflaumen. Die Beleuchtung der Stufenanlage des W-LAN-Plateaus sowie die von hinten angestrahlten Gewebewände an der Logenstraße betonen die Raumkanten. Die westliche Priestergasse wird mit der Innenstadtleuchte ausgeleuchtet.

    Pflanzkonzept
    Der Universitätsplatz wird als harter Stadtplatz mit wenigen rotlaubigen Einzelbäumen (Prunus cerasifera ‚Nigra’) gestaltet. Die Zierkirschen am Audimax bleiben erhalten. Die sonstigen Bestandsbäume werden aus den oben genannten städtebaulichen Gründen gefällt. Als Ersatz werden Zier-Apfelbäume auf dem W-LAN-Plateau gepflanzt.

    Priestergasse / PKW-Stellplätze
    Die Priestergasse wird als 9 Meter breiter Straßenraum ausgebildet und an die Logenstraße herangeführt. Die Zufahrt erfolgt nur von der Regierungsstraße. Versenkbare oder herausnehmbare Pollern verhindert die Zufahrt von der Logenstraße. Die geforderten PKW-Stellplätze für Mitarbeiter der Viadrina stehen hier als Längsparker zur Verfügung. 10 Stellplätze für das Studentenwerk werden südlich vom Wohnheim angeboten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.