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  • DE-64295 Darmstadt, DE-64295 Darmstadt
  • 09/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-192870)

Neubau Rheinstraßenbrücke


  • Anerkennung


    Architekten
    Dierks Blume Nasedy Architekten BDA, Darmstadt (DE), Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Jörg Blume

    Mitarbeit
    Jörg Blume

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: Kinkel und Partner, Neu Isenburg (DE)

    Preisgeld
    11.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Qualität und Einfügung in das Stadt- und Landschaftsbild

    Die Rheinstraße ist geprägt durch eine lange Sichtachse mit dem „Langen Ludwig“ am Ende. Begleitet wird die Rheinstraße durch prominente Bauwerke. Daher ist eine übermäßige Akzentuierung der Brücke z.B. durch einen Bogen oder Portale nicht zielführend, eher eine leisere, unscheinbare aber qualitätsvolle Ausformulierung das Ziel.

    Architektonische Gestaltung

    Die moderne Formfindung für die Brüstung die gleichzeitig die Funktion des Übergreifschutzes erfüllt und in Ihrer geschlossenen Wirkung sich an der historischen Brüstung orientiert, führt zu einem interessanten Spiel von „neu“ und „alt“ . Die heute erforderlichen Geländerhöhen wurden durch Faltung der Brüstung den ehemaligen Proportionen angepasst. Die vorhandenen Brückenköpfe sind so erhöht, dass die Oberkante Geländer wie ehemals an die Profilieungen anschließt. Die mit Sandsteinquadern verkleideten Widerlager stehen in einem wirkungsvollen Kontrast zu den glatten Weißbetonfertigteilen. Die Profilieung der Brückenuntersichten lässt ein interessantes Licht- und Schattenspiel erwarten.

    Konstruktion

    Überbau:
    Die Konstruktion besteht aus einem dreifeldrigen Träger aus Fertigteilen mit Ortbetonergänzung. Im Gegensatz zu der Machbarkeitsstudie sind vorgespannte U-förmige Halbschalenelement geplant. Der wesentliche Vorteil besteht in der Möglichkeit des Einbaus einer zusätzlichen geschwungenen Vorspannung, die auch im Stützbe-reich an der Oberseite wirksam ist. Die Halbschalen selbst dienen als Traggerüst und verlorene Schalung um das Frischbetongewicht des Vergussbetons abzutragen. Der Verbund zwischen Halbschalen und Ortbetoner-gänzung erfolgt durch Verbundbewehrung in Bügelform. Die Halbschalenelemente werden im Spannbett mit Litzen vorgespannt und von der Vorspannung ohne Verbund nachträglich ergänzt.Im Bereich der Widerlager ist ein tiefer gelegter Endquerträger vorgesehen, der einen Querverschub ermög-licht. Durch den erhöhen Endquerträger kann die Rippenstruktur des Überbaus in die Widerlagerebene über-führt werden, was der historischen Gestaltung entspricht. Das robuste Brüstungselement bildet den Absturzschutz, gewährleistet den Anfahrschutz und bildet durch den großen Überstand gleichzeitig den Berührschutz der Oberleitung.

    Unterbau:
    Die Unterbauten bestehen aus klassischen Widerlagern, und perforierten Pfeilerscheiben. Entsprechend den geotechnischen Erfordernissen und der beengten Bauverhältnisse wird eine Tiefgründung erforderlich. Alle Sichtflächen der Widerlager und der Pfeiler sind ebenfalls in Halbfertigteilen geplant. Im unteren Widerlagerbereich wird die historische Verkleidung mit Sandsteinquadern der Widerlagerwand wieder aufgenommen.
    Die Unterbauten werden analog der Machbarkeitsstudie angeordnet und werden durch Öffnungen transparen-ter gestaltet. Die Gründung der Pfeilerscheiben erfolgt über Ortbetonpfähle.

    Nachhaltigkeit und Unterhaltungsaufwand

    Die Spannbetonkonstruktion zeichnet sich durch besonders geringen Unterhaltsaufwand aus. Die Bauweise mit Fertigteilen ist technisch ausgereift und wirtschaftlich. Eine hohe Güte der Betonoberflächen wird durch die Qualität der Schalung und durch eine witterungsgeschützte Fertigung in den Fertigteilwerken erreicht. So kann die Dauerhaftigkeit weiter gesteigert werden. Unterhaltungsmaßnahmen wie Korrosionsschutz oder ähnliches sind nicht erforderlich. Die geringe Stützweite der Brücke und die dadurch bedingte geringe Konstruktionshöhe führen zu einer ressourcenschonenden Bauweise. Die hohe Fertigungsgenauigkeit ermöglicht auch ein gestalterisch ansprechendes Bauwerk.

    Bauverfahren
    Die Bauphasen von Abbruch bis Neubau werden unverändert aus der Machbarkeitsstudie übernommen. Die schnelle Verlegbarkeit der Halbschalenelemente führt zu einer kurzen Bauzeit und erhöht somit die Wirtschaftlichkeit.

    Verkehrliche Vorgaben
    Der Verkehr im Endzustand und im Bauzustand wird analog der Machbarkeitsstudie geführt. Der nördliche Überbau wird in Querrichtung analog verschoben. Prinzipiell können alle Brückenteile in Querrichtung verschoben werden. Da auf ein obenliegendes Tragwerk verzichtet wurde, ist eine quasi beliebige Verkehrsführung auf der Brücke möglich.

    Denkmalpflegeisches Konzept
    Wiederverwendung historischer Bauteile wie Brückenköpfe aus Lavatuff und Sandsteinquader für die Verkleidung der Widerlager erfolgt wie selbstverständlich. Obwohl die Brücke völlig andere Längen-, Breiten und Höhenabmessungen hat als das historische Bauwerk wurden die Proportionen übernommen und des Spiel zwischen „leicht“ und „schwer“ interpretiert. Die Sandsteinquader der Pfeilerreihen werden für die Verkleidung der Brückenköpfe verwendet.

    Beleuchtungskonzept
    Lineare LED-Leuchten zur Erhellung der Brüstungsinnenseiten und der Fuß- und Radwege. Die übrige Brücken-beleuchtung wird in die Straßenbeleuchtung für das Gesamtkonzept „Rheinstraße“ integriert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Entwurfsverfasser orientieren sich mit ihrem Beitrag an der historischen Vorlage des ursprünglichen Brückenbauwerks von 1912. Hierbei verzichten sie zugunsten der Sichtachse Rheinstraße und Langer Ludwig auf eine übermäßige Akzentuierung der Brücke durch konstruktiv bedingte Aufbauten oberhalb des Straßenniveuas. Stattdessen wird ein Dreifeldträger aus Fertigteilen mit Ortbetonergänzung vorgeschlagen, die aus U-förmigen Halbschalenelementen geplant sind. Die Halbschalen selbst dienen als Traggerüst. Im Bereich der Widerlager ist ein erhöhter Endquerträger vorgesehen, dessen Rippenstruktur gestalterisch in die Widerlagerebenen überführt wird. Die als Massibvbauteil vorgeschlagene Brüstung oorientiert sich in ihrer geschlossenen Wirkung an den historischen Proportionen und erfüllt durch die Faltung sowohl die Anforderungen an die Absturzsicherung sowie an den Berührungsschutz. Vom Preisgericht gewürdigt wird die Ausformulierung eines insgesamt "leisen" und "unscheinbar" wirkenden Entwurfs. Aufgrund seiner deutlich ablesbaren Kontur zwischen dem in Weißbeton gehaltenen Neubauteilen und den dunklen in Naturstein verkleideten Bauteilen der Brückenköpfe und der Widerlager wird ein interessantes Spiel von "alt" und "neu" erwartet. Während die Untersicht des Brückenbauwerkes sehr genau ausformuliert ist und ein Wechselpiel von Licht und Schatten verspricht sind die Gestaltungsvorschläge und der Detaillierungsgrad der Bauteile oberhalb der Fahrbahn nur sehr vage angedeutet. Zur Beleuchtung der Brücke wird lediglich ein LED Band in der Brüstung vorgeschlagen und Aussagen zur Befestigung der Fahrbahgnleitungen fehlen komplett. Isgesamt liefert der Beitrag einen lobenswerten Ansatz mit historischem Bezug, lässt aber leider die erforderlichen Aussagen zur Umsetzung der infrastrukturell und verkehrstechnisch notwendigen Anlagen offen. Die Geländer sind bei einer Umsetzung nicht wie dargestellt herzustellen und entsprechend zu überarbeiten.