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  • DE-71404 Korb, DE-71404 Korb
  • 10/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-198359)

Umbau und Erweiterung Gemeinschaftsschule Korb, Standort Urbanstraße


  • Anerkennung

    Perspektiv-Skizze neuer Schulhof, © KTP

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
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    Lage und Grundstück

    Die neue Gemeinschaftsschule nutzt mit der Erweiterung die Chance zur Klärung der Bestandssituation. Das viergeschossige Bestandsgebäude wird um einen Anbau an der Nordfassade erweitert. Die neue Mensa wird im Norden des Grundstücks angeordnet.
    Die Bestandssolitäre (Schule, Sporthalle) und der Neubau werden durch eine filigrane, in Teilen opake Holz- Pergola zu einem wirkungsvollen Ensemble zusammengeschlossen:

    - Sie definieren einen gemeinsamen Freiraum auf der Nord- Süd- Seite.

    - Die Eingangssituation für Neu und Alt wird geordnet - Es entsteht ein neues Entrée für die Gemeinschaftsschule. Die Eingänge von Schule, Mensa und Sporthalle konzentrieren sich nun um einen Platz, der unmittelbar von der Eugen- Ruoff- Straße erreicht wird.
    Das Niveau des Pausenhofs schließt an das Obergeschossniveau des Bestands an.

    - Die Platzfläche, die sich zwischen den Gebäuden aufspannt, wird zu einem geschützten, sonnendurchfluteten, grünen Schulhof. So schafft das filigrane Schattendach neben einer überdeckten Eingangssituation auch neue Pausenbereiche. Es entstehen Bereiche für Ballspiel, Essen im Freien und Rückzug.

    Der Bestand wird optimal genutzt, die Eingriffe sind sehr moderat. Das äußere Erscheinungsbild wird mit möglichst geringen Mitteln überarbeitet und mit den beiden Erweiterungsbauten formal abgestimmt. Funktionale Ergänzungen und Reorganisationen berücksichtigen stets die Struktur des Tragwerks. Kurze Wege und neue attraktive Außenräume mit guter Orientierung prägen das städtebauliche Bild des Konzepts.


    Erschließung

    Die Erschließung des Grundstücks erfolgt von Westen über die Eugen- Ruoff- Straße. Der bestehende Spielplatz auf der Südseite des Grundstücks wird erhalten, einschließlich der möglichen Erschließung von Süden. Die Anlieferung der Mensa erfolgt störungsfrei zum Schulbetrieb über die Eugen- Ruoff- Straße.


    Die neue Gemeinschaftsschule

    Das bestehende Treppenhaus der Schule wird durch eine barrierefreie Treppenanlage im Anbau ersetzt. Das neue Foyer wird mittig an der Nordfassade der Bestandsschule (an den Erweiterungsbau) angeordnet.

    Die Verteilung der Funktionen im Gebäude erfolgt sinnfällig und entsprechend den Vorgaben:
    Die Bibliothek schließt direkt an das Foyer im ersten Obergeschoss an und nutzt die neu gewonnene Hofsituation als Erweiterungsfläche.
    Der Verwaltungs- und Lehrerbereich befindet sich zentral im Erdgeschoss. Er wird über eine separaten Eingang erschlossen und ist in sich organisiert ohne Wegekreuzung mit dem Schulbetrieb.
    Der Theaterraum, der Mehrzweckraum und die Werkstatt bleiben im Bestand erhalten.
    Die sechs Cluster verteilen sich in den drei Obergeschossen. Jedem der Cluster wird ein eigener Lernflur zugeordnet. Zum Flur werden die einzelnen Klassenräume durch Sichtfenster geöffnet, um eine transparente und offene Lernatmosphäre zu ermöglichen.

    Die neue Mensa, als kommunikativer Treffpunkt, kann zusammen mit dem Foyer als Aula für die Schulgemeinschaft genutzt werden. Die Mensa erhält auf der Südseite einen sonnengeschützten Außenbereich.


    Konstruktion und Material

    Die Konstruktion des An- und Neubaus bestehen in seinen tragenden und erdberührenden Bauteilen aus Stahlbeton.
    Großzügig liegende Holzfenster schaffen, sowohl im Bestand, also auch in den neuen Gebäudeteilen, eine gute Tagesbelichtung aller Klassenräume. Die opaken Bestandsfassadenflächen erhalten eine Wärmedämmung mit hinterlüfteten, hellfarbigen Faserzementtafeln. Der An- und Neubau, sowie der südliche, bestehende Anbau, erhalten neben dem Vollwärmeschutz einen hellen horizontal gestrichenen Putz.
    Die Flachdächer sind extensiv begrünt und ermöglichen so auch eine optisch und ökologisch gute ‚fünfte Ansicht‘.


    Energiekonzept

    Die Wärmeerzeugung erfolgt primär durch eine Luft- Wasser- Wärmepumpe. Bedarfsweise kann der vorhandene Gaskessel dazu geschalten werden.
    Alle Klassenzimmer werden mit einem dezentralen Lüftungsgerät beheizt und belüftet. Die Bestandsheizkörper entfallen, die vorhanden Wasseranschlüsse der Heizungen werden aber für das dezentrale System verwendet.
    Die Mensa wird durch eine zentrale mechanische Quelllüftung belüftet und beheizt.
    Die Klassenzimmer erhalten einen außenliegenden Sonnenschutz mit Lichtlenkoption.
    Die Südfassade der Mensa wird baulich durch das auskragende Dach verschattet.

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    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Idee, den Haupteingang der Urbanschule von Norden über den neugestalteten bisherigen Bolzplatz zu entwickeln wird positiv bewertet. Folgerichtig liegt die Mensa mit beiden Gruppenräumen am Nordrand des Grundstücks. Der mehrgeschossige nördliche Anbau an die Schule nimmt richtigerweise die Maße des Baukörpers der 30er-Jahre auf. Die Eingangssituation mit Foyer und Bibliothek ist angenehm.

    Die Orientierung der gemeinschaftlichen Nutzungseinheiten Mensa, Sportshalle und Bibliothek um den Schulhof herum schafft Angebote für einen belebten Mittelpunkt der Anlage. Die Mensa ist im Abend- oder Ferienbetrieb gut für externe Veranstaltungen nutzbar.

    Die barrierefreie Erschließung der Schule im Neubauteil ist richtig. Die Cluster funktionieren. Im Turm wird ein Raum aufgegeben und eine Zwischendecke eingezogen, um ein 3er Cluster auf einer Ebene zu gewinnen. Kritisch ist die Trennung von Schulhof und überdachter Pausenhalle, die nur über das Treppenhaus erreicht wird.

    in Bezug auf die Kennwerte, Konstruktion und Materialien ist die Arbeit sehr wirtschaftlich zu bewerten. Bauen unter laufendem Betrieb ist grundsätzlich möglich. Die angebotenen Fassaden sind der Bauaufgabe angemessen, die Veränderungen im Musiksaal sind nicht notwendig. Das Geflecht überdachter Verbindungswege im Schulhof ist überzogen. Leider kann die architektonische Gestaltung die konzeptionelle Qualität nicht weiterführen.

    Insgesamt gelingt den Verfassern eine ansprechende Lösung für die komplexe Aufgabenstellung.


INFO-BOX

Angelegt am 20.10.2015, 14:27
Zuletzt aktualisiert 21.10.2015, 16:40
Beitrags-ID 4-110653
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