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  • DE-10785 Berlin, DE-10707 Berlin
  • 10/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-199367)

Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung


  • 2. Preis

    © Bruno Fioretti Marquez Architekten

    Architekten
    Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Piero Bruno

    Mitarbeit
    Lion Schreiber, Benedikt Breitenhuber, Gloria Moreno Merlo

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: ifb frohloff staffa kühl ecker, Berlin (DE)

    Preisgeld
    38.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Der Neubau besteht aus einem Sockel und einem schlanken Riegel, welche durch ein transparentes Foyer verbunden sind und sich in die orthogonale Ausrichtung des vorhandenen Ensembles einfügen. Der L-förmige Sockel übernimmt und entwickelt die Elemente des bestehenden Gartens, und definiert durch eine geometrisch abgetreppte Böschung den ursprünglichen Skulpturenhof. Der getrennte Riegel bildet eine klare Kante entlang der Klingelhöferstraße, passt die neue Anlage dem geänderten Maßstab der Umgebung an, verstärkt die Präsenz des neues Museums und schützt den Garten vor Verkehrslärm. Durch diese Setzung werden zwei unterschiedliche Seiten klar definiert: ein urbaner Vorplatz und ein Park, eine grüne Oase, entlang des Landwehrkanals. Das Foyer ist als Übergangsraum konzipiert, als Fortsetzung des Vorplatzes und als transparente Einrahmung des vorhandenen Gropiusbaus.Die absichtliche Reduzierung, der Elementen des Neubaus, verbessert die Lesbarkeit der verschiedenen Zeitschichten.

    Architektur
    Der Sockel beinhaltet entlang der Von-der-Heydt-Straße die dienenden Funktionen des Museums (Werkstätten, Logistik, Sammlungsbewahrung, Verwaltung), in unmittelbarer Nähe zum ähnlich belegten Nordtrakt des Bestandes. Die Kunsttransporte sind klar von den Besucherwegen getrennt. Entlang der Klingelhöferstraße in Korrespondenz zum Riegel, befinden sich Wechsel- und Sonderausstellungen im Sockel.Im Riegel sind die Dauer- und Kabinettausstellung untergebracht. Die Ausstellungsräume sind flexibel und von Tageslicht abgeschirmt. Das transparente Foyer bildet ein überdimensioniertes Fenster zum Gropiusensemble. Dort und auf der anliegenden Gartenterrasse können Einweihungen, Events und Veranstaltungen stattfinden. Bauhausshop und Cafe sind direkt ans Foyer angebunden. Sie erhalten separate Eingänge und sind von den Öffnungszeiten des Museums unabhängig. Das Cafe blickt auf den Landwehrkanal und ist auf zwei Ebenen organisiert, um den Vorplatz und den Garten zu beleben. Das liebevoll unzweckmäßige Schlendern über die Rampe, das die vermeintliche Funktionalität des Gebäudes zu konterkarieren scheint, wird im Neubau als kompositorisches Thema übernommen und fortgeschrieben. Die „promenade architecturale“, ihr Mut, ihre Aufforderung zur Langsamkeit, wird nicht nur als Verbindungselement zwischen Alt und Neu eingesetzt, darüber hinaus dient sie als Haupterschließung, bricht die strenge und introvertierte Logik des Museums, schafft Pausen im konzentrierten Erlebnis der Ausstellung, setzt die Besucher in den urbanen Kontext, gewährt differenzierte Blickbeziehungen der existierenden Anlage als „größtes Exponat“ des Bauhaus Archivs und dient als überdimensionierte Vitrine, als Schnittstelle zwischen Gebäude und Stadt. Entlang dieser Haupterschließung werden Räume aneinandergereiht (Studiolo, Leselounges) die zum informellen Selbstlernen auffordern und das Museumsangebot erweitern können. Diese Räume mit ihrem Wohnzimmercharakter sowie die gesamte verglaste Rampe können kuratorisch frei bespielt werden. Die zwei konzentrierten Erschließungskerne befreien die Rampe von Brandschutzanforderungen und gewährleisten die barrierefreie Erschließung.

    Material und Konstruktion
    Der Neubau ist als monolithischer Baukörper konzipiert. Die tragende äußere Schale aus Ortbeton wird im Inneren mit einer diffusionsoffenen Dämmung und einer Wand aus Kalksandstein mit Lehmputz verkleidet. Diese Konstruktion nimmt Rücksicht auf die spezifischen Anforderungen des Museums (eine freie und flexible Aufhängung der Exponate).

    Die Betonoberfläche des Riegels wird zusätzlich gewaschen. Dieser Prozess wird die leicht unterschiedliche Körnung des Betons freilegen. Eine charakteristische Betonveredelung der 60er bis 70er Jahre wird hier thematisiert und mit den zeitgenössischen Möglichkeiten der Technik ausgeführt. Die abnehmende Körnungsgröße der Betonoberfläche deutet auf eine einfache, fast klassische, tektonische Logik hin. Die Artikulation der Fassade, die durch die unterschiedliche Lichtbrechung entsteht, könnte als Referenz an die Lichtarbeiten und Lichtstudien von Lazlo Moholy Nagy betrachtet werden. Im Kontrast zum Betons werden die Lounge und die Rampe mit einer warmen, geölten Holzverkleidung versehen. Im Foyer ist die Konstruktion aus Stahlbeton den Blicken freigegeben. Der Boden besteht dazu korrespondierend aus geschliffenem Beton.

    Nachhaltigkeit
    Bei der Entwicklung der gebäudetechnischen Konzeption wurden besondere Anstrengungen hinsichtlich einer ökologisch, wirtschaftlich und technisch optimalen Lösung im Zusammenspiel mit den architektonischen Gestaltungsmöglichkeiten unternommen. Aus Sicht der Ökologie und der Nachhaltigkeit ergibt sich damit eine Gebäudekonzeption, die durch Nutzung passiver Wärmeschutzmaßnahmen und bedarfsangepasster anlagentechnischer Maßnahmen hohe Ansprüche an geringe Betriebskosten, geringen Energieeinsatz sowie optimierte CO2-Bilanz erfüllt. Durch die Kombination aus Wärmeschutzmaßnahmen der Gebäudehülle, Speichermassen des Gebäudes sowie dem optimierten Verhältnis der transparenten zu nichttransparenten Flächen werden die inneren- und äußeren Lasten effektiv gedämpft. Passive Wärmegewinne können realisiert werden und über das Gebäude selbst ist eine sehr gute Raumklimastabilisierung zu erreichen.
    Die klare und kompakte räumliche Struktur des Gebäudes, ermöglicht eine optimierte Konstruktionsform und die Aktivierung der energetischen Potenziale dieser Struktur.
    Die Masse wird als Temperatur und Feuchte regulierendes Element eingesetzt. Die Integration einer gezielten Technik, wie zum Beispiel der in die Dachform integrierten Photovoltaikanlage oder die einfache Versorgung des Gebäudes durch die zwei Kerne, führt zu einer effizienten Gebäudetechnik.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.