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  • DE-48308 Senden, DE-48308 Senden
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-203022)

Platzgestaltung am Kanal und Promenade


  • 3. Preis

    Visualisierung Bakenstraße mit Platz

    Landschaftsarchitekten, Stadtplaner
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dr. Franz Pesch

    Mitarbeit
    Hannes Bäuerle

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die Orientierung zum Wasser ist das neue Ereignis im Ortsbild Sendens, das sich über mehr als 1,1 km an der Uferlinie des Kanals entlangzieht. Der schmale Uferpark reagiert wie ein Seismograph auf die urbanen Bezüge – mit linearen Elementen wie Wegen und Vegetationsstrukturen im Außenbereich, mit dem Uferplatz, aber auch mit Anlegestelle, Tribüne und Balkonen auf die Bezüge zum Stadtkern.
    Die Schnittstelle des Ortskerns mit dem Dortmund-Ems-Kanal wird als Ort der Begegnung interpretiert; Stadt trifft Landschaft, Linie trifft Fläche. Bildlich gesprochen soll die Bewegung des Verkehrs auf Land und Wasser an dieser Stelle innehalten. Die Schnittstelle zwischen Stadt und Landschaft als Ort der Langsamkeit und des Verweilens.
    Die heute noch versteckten Potentiale des Ortes werden im Entwurf aufgespürt und durch gezielte landschaftsarchitektonische Eingriffe zur Identität der Sendener Uferlandschaft verdichtet.
    Die historische Lindeallee im Westen Sendens wird erhalten. Mit ihrer prägenden Gestalt als Hohlweg eignet sie sich ideal für die Aufnahme des Radwegs. Ein wasserdurchlässiger Belag bietet den Radlern Komfort und den alten Linden verbesserte Lebensbedingungen. Mit ihrer befestigten Wasserkante nimmt der zentrale Abschnitt Bezug auf die infrastrukturelle Geschichte des Dortmund-Ems-Kanals – Schifffahrt und Hafen.
    Am Uferplatz weitet sich das lineare Parkband zu einen attraktiven Raum auf und ermöglicht Bewohnern und Besuchern über eine Treppe mit integrierten Sitzelementen ans Wasser zu treten. Hier können sie einen offenen und besonnten Ort genießen, der zum Verweilen am Wasser einlädt. Ob jung oder alt kann man die Füße im Wasser baumeln lassen.
    Die urbane Schnittstelle wird so gestaltet, dass sie ihre Energie vornehmlich Richtung Wasser entfaltet, um dessen Anziehungskraft zu nutzen und die nahe gelegenen Wohnhäuser behutsam gegen das öffentliche Treiben abzuschirmen. Die Aktivitäten am Wasser werden durch das privat betriebene Café 1892 (Baubeginn des Kanals) zusätzlich bereichert. Durch den exponierten Standort sind der Pavillon und seine vorgelagerte Terrasse Blickfang und genuiner Umlenkpunkt für den uferbegleitenden Fuß- und Radweg; denn die wichtigen Wege sollen sich allen Besuchern – unabhängig vom Orientierungssystem – intuitiv erschließen. Das zentral platzierte große Pflanzbeet wird im Süden mit einer halbhohen Mauer abgeschlossen, vor der eine lange Holzbank besonders bequeme konsumfreie Sitzmöglichkeiten anbietet – eine einladende Chaiselongue als nördliche Platzkante.
    Die Promenade östlich des Uferplatzes bietet mit ihren Aufenthalts- und Spielangeboten die Möglichkeit, sich etwas aus dem Geschehen zurückzuziehen. In der Mitte platziert liegt die Anlegestelle für touristische Kanalboote. Die Promenade endet an der Brücke in einer Tribüne, die den Höhensprung mit Rasenterrassen neu interpretiert. Ein grüner Gehölzsaum zeichnet den Rand der Promenade nach und bietet eine Membran zum angrenzenden Quartier – die Bewohner sollen sich geschützt fühlen, ohne aber von der Lage am Wasser abgeschnitten zu sein.
    In der Ausbildung der Details ist das Konzept einer wertigen Zurückhaltung verpflichtet. Je nach Belastung und Prominenz der Fläche werden passende Beläge angeboten. Die Radverkehrsflächen, die im Mittelabschnitt gelegentlich auch von Pkw und Versorgungsfahrzeugen befahren werden müssen, werden mit einem Terraway-Belag ausgeführt, der den Wurzelraum der Linden schont. Fußwege und Promenade werden wassergebunden ausgeführt. Die Randbereiche des Uferplatzes erhalten ein Natursteinpflaster in freiem Verband („In der Passé“), der große Teppich in der Mitte des Platzes wird mit rechteckigen Betonplatten mit veredelter Oberfläche belegt. Die Stufenanlage und die Randeinfassungen werden in Ortbeton ausgeführt. Mit dieser Materialität erhält die Uferzone eine heitere Grundstimmung, die durch die Brücke im Hintergrund und die Metall-/Glaskonstruktion des Cafés mit ihrer dunklen Wirkung einen architektonischen Gegenpol erhält.

    Die Vegetation ist von der Vielzahl erhaltenswerter Bestandsbäume geprägt. Die Fortführung der Lindenallee in transformierter Weise, als Einzelreihe entlang der Promenade, gliedert sich harmonisch in den Bestand ein.
    Im zentralen Platzbereich entsteht auf der Fläche des privaten Gartengrundstücks ein leicht erhöhtes Pflanzbeet, das mit Gräsern und mehrstämmigen Sandbirken bepflanzt wird. Der lichte Habitus der Bepflanzung ist Gegenspieler zur befestigten Platzfläche an der Uferkante. Über eine gewisse Zeit kann die Fläche auch im Besitz des Eigentümers verbleiben ohne die Entwurfsidee zu beinträchtigen.
    Entlang des Weges in die Ortsmitte werden die Bestandsbäume, ebenfalls Linden, durch Neupflanzungen ergänzt und leiten den Besucher vom Platz am Kanal in die Ortsmitte Sendens.
    Die Beleuchtung des Raumes soll in den Abendstunden Atmosphäre und Wohlbefinden erzeugen. Die Promenade, Baken- und Münsterstraße sowie weitere verkehrsbedeutsame Verbindungen in die Ortsmitte erhalten Lichtstelen mit 4,5 Meter Lichtpunkhöhe. Die zentrale Baumgruppe auf dem Uferplatz wird durch Bodenstrahler von unten beleuchtet. Die beiden Endpunkte der neuen Promenade, Marienkapelle im Westen und Tribüne im Osten werden ebenfalls mit Licht inszeniert

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Umgang mit der Lindenallee, die sich an drei Punkten als Terrasse bzw. „Balkon“ zum Kanal öffnet, ist klar, selbstverständlich und geradlinig gestaltet. Die Wege aus „TerraWay“ und wassergebundene Decke fügen sich gut ein. Der Uferplatz öffnet sich auf einer angemessenen Breite hin und lässt, auch mit der vorgeschlagenen mittigen Grünfläche, einen wohlproportionierten Platz erwarten. Die Grünfläche kann den heutigen Kleingarten gut einbinden. Mit der langen Bank davor wird eine attraktive Aufenthaltsfläche geschaffen. Die Stufen mit den Sitzkanten bieten einen guten, jedoch nicht barrierefreien Zugang zum Wasser. Allerdings scheint die Lage des Cafe-Gebäudes zu eng und eine Realisierung ist aufgrund der wasserwirtschaftlichen Belange nicht möglich. Ob der Uferplatz ohne ein Gebäude diese Ausdehnung benötigt, wäre zu prüfen.
    Die Uferpromenade nach Osten stellt ein ruhiges, dem Ort angemessenes Element dar, die Zonierung schafft eine selbstverständliche Trennung in Rad- und Fußweg.
    Die östliche Ausdehnung der Promenade, die beinahe bis zur Brücke geführt wird, wirkt jedoch fast als Konkurrenz zum Uferplatz. Die Weiterführung als grüne Promenade nach Osten mit einer Baumreihe und einer breiten Grünfläche ist schlüssig, eine Abschirmung der Wohnbebauung durch den Gehölzsaum schützt zwar einerseits die Anwohner, der attraktive Ausblick aus den Wohnungen wird damit aber eingeschränkt.
    Das Beleuchtungskonzept setzt seinen Schwerpunkt auf die Promenade und die Bakenstraße hin zum Zentrum und ist zurückhaltend und stimmig. Der Vorschlag, den Weg mit „TerraWay“ herzustellen, muss hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und Funktionalität überprüft werden. Auch für die Bakenstraße ist eine TerraWay-Decke funktional nicht geeignet. Mit dem mittigen Betonplattenfeld am Uferplatz wird zwar der Platz akzentuiert, allerdings steht die Vielzahl der Belagsarten im Widerspruch zu der ansonsten klaren Gestaltung.
    Insgesamt ist dies ein guter Beitrag, die Verknüpfung zwischen dem Kanal mit der neuen Promenade und dem Ortskern herzustellen.


INFO-BOX

Angelegt am 27.10.2015, 09:34
Zuletzt aktualisiert 08.02.2016, 08:59
Beitrags-ID 4-110982
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