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  • CH-8400 Winterthur, CH-8090 Zürich
  • 09/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-190753)

Erweiterung Bezirksanlage


  • 3. Rang

    kein Bild vorhanden
    Projekt
    Averell

    Landschaftsarchitekten
    Andreas Geser Landschaftsarchitekten AG, Zürich (CH) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Menzi Bürgler Architekten, Zürich (CH)
    Bauingenieure: Thomas Boyle + Partner AG, Zürich (CH)
    TGA-Fachplaner: Elintec AG, Glattbrugg (CH)
    TGA-Fachplaner: Müller.Bucher, Zürich (CH)
    TGA-Fachplaner: Beag Engineering AG, Winterthur (CH)

    Preisgeld
    35.000 CHF

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfassenden schlagen einen rechteckig geschnittenen, dreigeschossigen Gefängnisbaukörper vor, der parallel zum Verwaltungsbau und mit zwei großen Höfen zur Bahnlinie orientiert wird. Die Erweiterung der Verwaltung wird als Verlängerung des Altbaus und leicht versetzt zu diesem platziert und bildet an der Schnittstelle einen gut erkennbaren neuen Eingang zu den Verwaltungsnutzungen.

    Die räumliche Intention des Projekts erschließt sich erst in der nächsten Bauetappe. Diese sieht eine Aufstockung des erweiterten Verwaltungsbaus, ein zusätzliches, leicht versetztes Gefängnismodul und eine Überbauung des Freiraumes zur Hermann-Götz- Straße vor. Die Volumen erzeugen in ihrer Setzung angenehm proportionierte und gestreckte Platzräume, die sich teilweise zu größeren Freiräumen erweitern und mit Grünanlagen bespielt sind. Die Eingänge sind dabei immer auf die Plätze orientiert. Das Bebauungsmuster überzeugt trotz hoher Dichte, da es spielerisch, spannend und flexibel mit der Höhenentwicklung der Volumen, aber auch mit Enge und Weite der Abfolge der Außenräume umgeht. Auch spätere, in der Quartiererhaltungszone liegende Bauetappen folgen diesem Muster und bilden so einen fließenden Übergang zum Wohnquartier Inneres Lind.

    Die Fassadengestaltung gegen die Bahnlinie wirkt leicht, transparent und freundlich, ohne die dahinterliegende Gefängnisnutzung zu verleugnen. Sie bietet eine mögliche Antwort darauf, wie mit einer Gefängnisfassade gegenüber einem Wohnquartier umgegangen werden kann. Architektur und Gestaltung der Verwaltungserweiterung beziehen sich auf den Altbau, ohne sich diesem anzubiedern oder ihn zu kopieren, und stricken das bestehende System mit Büroanordnung und Gurtgesimsen der Fassade geschickt weiter.

    Der Grundriss des Verwaltungsbaus ist zweibündig, sehr effizient und pragmatisch; die Vertikalerschließungen sitzen richtig und sind gut erkennbar. Die gegenüber dem heutigen Zustand verlängerten Geschosse ermöglichen die Anordnung größerer zusammenhängender Funktionseinheiten auf einem Geschoss. Nicht wie dargestellt realisierbar ist der durch den Verwaltungsbau führende Zugang zum Gefängnis für Besucher, der sich mit der internen Erschließung der Kantonspolizei kreuzt. Unverständlich ist, dass die heutige Einstellhalle, eine Erdgeschossfläche an bester Lage, als disponibler Restraum verbleibt. Das Gefängnis ist im Gesamten gut organisiert. Die inneren Erschliessungswege sind zwar etwas lang, aber gut belichtet, und die Einsichtproblematik zwischen Gefängnis und Verwaltung ist mit den seriell angeordneten eingezogenen Lichthöfen hervorragend gelöst. Die gut proportionierten Gefängnisspazierhöfe weisen eine geringe Kollusionsgefahr auf, da nur wenige Zellen einander direkt gegenüberliegen. Die Trennwand zwischen Gefängnis und Bahnlinie ermöglicht eine optimale Belichtung der Zellen und stellt gleichzeitig den notwendigen Schallschutz sicher. Die Anordnung von Besucherparkplätzen im zweiten Untergeschoss ist fragwürdig; die Ausgänge für Fußgänger sind knapp und schlecht auffindbar.

    Die Etappierung ist gewährleistet, allerdings muss das Gefängnis vor der Erweiterung der Verwaltungsnutzungen erstellt werden. Der Ressourcenaufwand für die Erstellung des Gefängnisneubaus ist hoch. Insbesondere der Flächenaufwand in den Untergeschossen, die notwendige Abfangung des Bestandesbaus, aber auch die aufwändige Fassadenkonstruktion in Zweischalenbeton begründen dieses Resultat. Die Primäranforderung Minergie-P ist mit dem Gefängnisneubau dagegen gut erreichbar. Das Schachtkonzept für die Lüftung ist funktionstüchtig, der sommerliche Wärmeschutz ist gewährleistet. Der Verwaltungsbau lässt einen mittleren Ressourcenaufwand in der Erstellung erwarten, und die Erreichbarkeit des Minergie-P-Standards ist gegeben. Ungünstig wirkt sich jedoch der sehr hohe Fensteranteil an den Fassaden aus. Die Investitionskosten liegen beim Projekt Averell mit Abstand am höchsten. Dies ist unter anderem auf die im Vergleich niedrige Kompaktheit der Bauten sowie auf die in den Schnitten gut ersichtliche aufwändige Konstruktion der Untergeschosse zurückzuführen.

    Die moderate Höhenentwicklung, das im weiteren Ausbau lockere und fließende Bebauungsmuster sowie die Gestaltung der Zellenmodule mit ihrer hohen Aufenthaltsqualität machen Averell zu einem sehr sympathischen Vorschlag. Negativ ins Gewicht fallen demgegenüber der große Fußabdruck, die konstruktiv aufwändige Organisation der Untergeschosse sowie die vergleichsweise hohen Kostenkennwerte.