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  • DE-88045 Friedrichshafen, DE-88048 Friedrichshafen
  • 09/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-215322)

Lachenäcker


  • 1. Rang


    Architekten, Stadtplaner
    WICK + PARTNER ARCHITEKTEN STADTPLANER, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Karl Haag , Michael Schröder

    Mitarbeit
    Kristin Kalbhenn

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitgedanke des Entwurfs ist es, das bisher stark isolierte Wohnquartier Lachenäcker und die stark zerklüfteten Teilflächen der nun geplanten Erweiterung über ein gemeinsames, grünes Rückgrat zu verknüpfen und an den Ortskern und die Markdorfer Straße anzubinden.
    Die neuen Siedlungsflächen werden an 3 Punkten an das übergeordnete Erschließungssystem angebunden:
    Der südliche Quartiersabschnitt (1. BA) wird über eine neue Zufahrt südlich des Traubenwegs und von einer Zufahrt von der Bahnhofstraße südlich des Kultur- und Gewerbeparks erschlossen. Die dazwischen gespannte Anliegerstraße als Mischverkehrsfläche stellt neben der Erschließungsfunktion auch eine attraktive Fuß- und Radwegeverbindung in Nord-Südrichtung dar. Der südliche Anschluss verknüpft zugleich das bestehende Quartier auf kurzem Wege mit der Bahnhofstraße und schafft so eine zweite Zufahrt für den Bestand. Der bisherige Knoten Traubenweg / Markdorferstraße wird dadurch entlastet.
    Von dieser zentralen Zufahrt zweigt eine bewusst auf Halbhöhenlage gewählte Nord-Süd-Erschließung in den 2 und 3. Bauabschnitt ab. Sie wird von einem grünen Anger und einem Fuß- und Radweg begleitet. Dieser bietet attraktive Spielmöglichkeiten und Wegeverbindungen in Quartiersmitte und bleibt durch seine zentrale Lage auch bei Dunkelheit und zu Zeiten niederer Frequenz ein sicherer, sozial kontrollierter Raum. Der zentrale Quartiersplatz verknüpft 1. + 2. Bauabschnitt und das bestehende Quartier an zentraler Stelle.
    Der bisher abknickende Traubenweg wird geradlinig bis zum Hohen Weg weitergeführt und schließt dort das bestehende Wohnquartier an. Diese neue Trasse bietet auch landwirtschaftlichen Fahrzeugen eine problemlosere Verbindung zwischen Hohem Weg und Markdorfer Straße.
    Bauabschnitt 2 und 3 nördlich des Traubenwegs sind geprägt von den in die Nord-Süd-Verbindung einmündenden Anliegerstraßen. Sie öffnen den Blick hangabwärts nach Osten Richtung Gehrenberg. Nach Westen führen sie zum "Hohen Weg" und eröffnen auf den westlich davon auf den abschließenden Landschaftsterrassen den Blick nach Westen und Süden zum See und zu den Alpen. Der "Hohe Weg" wird nur teilweise als Überfahrt für Müll- und Rettungsfahrzeuge genutzt und bleibt, teilweise abgepollert, als Fuß- und Radwegeverbindung sowie als wohnstandortnaher Spazierweg erhalten. Auf eine Durchfahrt vom Bestandsquartier über den „Hohen Weg“ zur Immenstaader Straße wird bewusst verzichtet, um dessen Qualität zu erhalten und keine zweite Haupttrasse neben der Markdorfer Straße aufzumachen.
    Westlich der Nord-Süderschließung sind Wohnhöfe angelagert. Sie verknüpfen, wenn möglich über Fuß- und Radwege mit der Markdorfer Straße.
    Entlang der Markdorfer Straße sind Wohn- und Geschäftshäuser vorgesehen,die die topografische Lage zur Parkierung in Tiefgaragen und einer vorgelagerten erdgeschossigen Einzelhandelsflächen nutzt. Die Markdorfer Straße kann in diesem Bereich durch einen neuen Querschnitt mit straßenbegleitenden Bäumen und Längsparkern aufgewertet werden.
    Im 4. BA ist die Fortführung des Stichs nach Süden mit einem angelagerten Wohnhof vorgesehen. Eine potentielle Fortführung dieser Erschließung nach Süden, so sie denn im FNP 2030 vorgesehen wird, wäre möglich. Sie könnte im Süden in die Verlängerung des Traubenwegs münden. Die bereits im 2. 3. BA angelegte Struktur könnte nach Westen gespiegelt fortgesetzt werden, so dass sich dann ein stimmiges Gesamtbild und klar strukturierte Wohnbauflächen ergeben würden.
    Die in dieser Phase geplanten Teilquartiere benötigen diese Erweiterung jedoch nicht.
    Im Zentrum des Gesamtquartiers liegt als Verknüpfung zwischen Bestand und Neuplanung, als Endpunkt des grünen Angers, ein Quartiersplatz. Er nutzt die topografische Situation um als Terrasse den Blick nach Osten in die nahegelegene Aue zu öffnen. Er stellt den zugleich den zentralen Trittstein auf der Ostwestverbindung zwischen Hohem Weg und Mühlkanal dar.
    Die Betreuungseinrichtung "Zieglersche" wird ebenfalls in diesem Bereich verortet. Zentral gelegen bietet sich den neuen Bewohnern die Nutzung der nahegelegen öffentlichen Grün- und Freiflächen. Die Lage direkt an der Markdorfer Straße ermöglicht eine unproblematische Erschließung, bietet eine Präsenz im Ortsbild und eine leichte Auffindbarkeit für Besucher. Ein möglicher Zweitstandort als Arbeitsstätte an der südlichen Zufahrt im Übergang zur freien Landschaft eröffnet den Bewohnern die Möglichkeit, normale Wege von und zur Arbeit in einem geschützten Raum zu erleben.
    Die Ableitung des Oberflächenwassers erfolgt aus den Höhenlagen über straßenbegleitende Retentionsmulden. Diese münden im grünen Anger in Retentionsbereiche, die, natürlich gestaltet, zur Aufenthaltsqualität in diesem Bereich beitragen. Ein Überlauf kann entweder an das Entwässerungssystem in der Markdorfer Straße angeschlossen werden oder, unter dem Traubenweg hindurch in die nach Süden führenden Retentionsmulden bis hin zum Retentionsbereich südlich den Kultur- und Gewerbeparks geleitet werden und erst hier dem Kanalsystem zugeführt werden.
    Das bestehende Kanalsystem, insbesondere im Süden des 1. Bauabschnitts wird in die öffentlichen Räume integriert.
    Schützenswerter Baumbestand kann, überwiegend in privaten Gärten gelegen, erhalten werden.
    Gegenüber dem Planungsstand zum Workshoptermin wurde maßvoll nachverdichtet. Dies war zu einen durch die Reduzierung der zum Workshoptermin teilweise noch sehr üppigen Grundstücksflächen von Einfamilienhäusern möglich. Zum anderen wurden an städtebaulich sinnvollen Bereichen (z.B. im Bereich der südlichen Zufahrt im 1. BA und den Zufahrtsbereichen in die Anliegerstraße im 2. + 3. BA) dichtere Wohnformen integriert. Dies stellt eine Option dar. Sollten diese Wohnformen nicht marktgängig sein können sie auch wieder durch individuellere Wohnformen ersetzt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser schlagen vor, über einen grünen Anger dem Bestand und der neuen Bebauung eine eigene Identität mit sehr hoher freiräumlicher Attraktivität zu verschaffen. Hier werden die unterschiedlichen Funktionen wie Erschliessung, gemeinsamer Grünraum, Retention, Spiel – und Aufenthaltsbereiche sowie öffentliche Parkierung in einer sehr hohen Qualität abgebildet. Dem Verkehr wird allerdings zu viel Raum gegeben. Fahrrad- und Autoverkehr müssten nicht getrennt sein, die Gestaltung könnte mehr Wert auf die Aufenthaltsfunktion im Wohnumfeld legen. Der harmlose, aber schlüssige Umgang mit dem Traubenweg bietet eine gute Lösung für die Übergangszeit, in welcher die Flächen des zweiten Bauabschnitts noch nicht zur Verfügung stehen. Dies wird ebenso honoriert wie die Rücksichtnahme auf den Baumbestand. Die Zieglerschen sind auf gesonderte Standorte für Wohnen und Arbeiten verteilt, was auch deren nachvollziehbarem Konzept entspricht. Das Wohnen ist dabei selbstbewusst an den Ort gerückt und für den Fußgänger abseits der Hauptstraße gut mit der Werkstatt verbunden. Die vorgetragene Bebauungsstruktur ist angenehm vielfältig und doch sehr robust, um auf sich ändernde Ansprüche reagieren zu können. An der Dichte müsste bei einer weiteren Bearbeitung nachgebessert werden. Insbesondere am westlichen Siedlungsrand zur freien Landschaft könnte dies durch eine kräftigere Bebauung erreicht werden.