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  • DE-38118 Braunschweig, DE-38100 Braunschweig
  • 10/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-197266)

Wohnbebauung Feldstraße


  • 3. Preis

    Perspektive Innenhof

    Stadtplaner
    sprenger von der lippe architekten, Hannover (DE), Hamburg (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Dem Entwurf liegt die Absicht zugrunde, zwischen den angrenzenden, bebauten Gebieten zu vermitteln und diese städtebaulich zusammenzuziehen. Die Straßen- und Parzellenraster der Nachbarquartiere werden in das Areal geführt und dort zu einer eigenständigen Struktur verwoben. Erschlossen wird das Neubaugebiet über drei, nicht miteinander verbundene Zufahrten – über die Feldstraße von Norden und über zwei südliche Anbindungen von der Kreuzstraße. Die Trennung der Erschließungswege dient der Entzerrung des Verkehrs, der Vermeidung von Schleichwegen, der Gliederung des Areals und der Adressbildung. Die Feldstraße gibt innerhalb des nördlichen, orthogonalen Gefüges eine neue Richtung vor. Als Pendant dazu wird entlang der südöstlichen Zufahrt das dortige städtebauliche Raster bewusst gebrochen. Ein aus östlicher Richtung kommender, vielgenutzter Fuß- und Radweg setzt die Struktur des östlich gelegenen Gebietes in das Neubaugebiet fort. Aus den sich verschneidenden Achsen und Rastern entwickelt sich auf dem Areal eine in das Umfeld eingebundene und dennoch eigenständige, städtebauliche Struktur.

    Die drei Angerbereiche, die aus unterschiedlichen Richtungen von Norden und Süden angefahren werden, dienen nicht nur der Erschließung des Areals sondern stellen einen großzügigen aber baulich gefassten Raum dar, der unterschiedliche Funktionen erfüllt. Neben der Unterbringung eines Großteils der Stellplätze, die sich in unmittelbarer Nähe zu den Wohnquartieren befinden, dienen die Anger als Grünräume, in denen sich – im Gegensatz zu den privateren Innenhöfen – das öffentliche Leben abspielt. Die Anger enden jeweils an kleinen Quartiersplätzen, die sich von Norden und Süden an die, das Quartier in Ost-West Richtung durchlaufende Fuß- und Radwegverbindung anlehnen. In der Mittelachse der Anger befindet sich jeweils eine Grünzone, die der zentralen Regenentwässerung bzw. Versickerung der öffentlichen Verkehrs- und Grünflächen dient. Diese findet teils in Rigolen teils in offenen Bachläufen statt, die an das – das Areal umgebende System von Entwässerungsgräben (kleine Mittelriede / Schölkegraben) angebunden sind. Die Grünzonen sind von einer für Bachläufe und Uferzonen typischen Vegetation geprägt. Die Bepflanzung mit einer bestimmten, signifikanten Baumart verleiht jedem Anger seinen besonderen Charakter und trägt zur Adressbildung und Identifikation der Bewohner mit dem eigenen Anger (Ahorn-, Birken- und Buchen-Anger) bei. Die Grünbereiche der Anger sind von Trampelpfaden und Wegen durchzogen, die sich stellenweise zu kleinen Plätzen auf weiten, die an das die Innenhöfe verknüpfende Wegenetz angebunden sind.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Dem Entwurfsverfasser gelingt es, mit der vorgeschlagenenen heterogenen städtebaulichen Idee unterschiedlicher Blockstrukturen und der konsequenten Ausbildung der Erschließungsachsen an die angrenzenden Bestandsquartiere seine Idee zu verwirklichen, eine eigenständige neue Mitte als vernetzendes Element zwischen der umgebenden Bebauung zu schaffen. Das zentrale Element, der neue Quartiersplatz, überzeugt durch die Vernetzung der drei Erschließungsstränge und die übergeordnete Freiraumachse zwischen dem Waldrand im Westen und dem Ringgleis im Osten. Es vermag durch die Lage des Wegenetzes sowie die mehr geschlossenen Platzstrukturen und Nahversorgungsangebote die ihm zugedachte Funktion als Treffpunkt mit einer hohen Aufenthaltsqualität und als Identifikationsort des neuen Quartiers überzeugend zu erfüllen und den Freiraum und Stadtraum zu vernetzen. Der Entwurf zeichnet sich ferner durch eine Vielfalt an unterschiedlichen Bautypologien und damit ein Angebot an unterschiedliche Nachfragegruppen aus.
    Anerkannt wird der Versuch, Freiraumqualitäten im Inneren durch die drei zentralen "Angerbereiche" zu schaffen und gleichzeitig durch unterschiedlich interpretierte Blockrandstrukturen öffentliche und private Räume klar gegeneinander abzugrenzen. Auch die Ausformung eines Ortsrandes zum Freiraum ist konsequent durchgestaltet, lärmschutztechnisch günstig und nachvollziehbar.
    Im Detail wirft der Entwurf jedoch einige Fragen auf, die im Falle einer Umsetzung der Überarbeitung bedürfen. So führt die an sich lobenswerte Idee oberidischer Stellplätze in den Angerbereichen zu einer Minderung der Aufenthaltsqualtität. Hier ist die Dimension und Auftretung insgesamt zu hinterfragen, insbesondere im südöstlichen Anger verliert der Entwurf durch die Zuordnung nicht wertiger Gassenbereiche und die großzügigen Platzräume an Spannung. Zudem ist die Fortsetzung der Erschließungsstraße nach Süden derzeit unklar und genauer zu definieren.
    Städtebaulich scheint die Anordnung der Reihenhäuser in den Blockinnenbereichen nicht schlüssig. Hier lassen sich die gewünschte Dichte und die Anordnung passender Typologien noch besser in Einklang bringen, ohne die grundsätzlich passende Entwurfsidee zu verlassen.
    Im Ergebnis scheint der Entwurf mit den genannten Nachbesserungen geeignet, ein funktional gemischtes Quartier für unterschiedliche Nutzungen zu schaffen, das ein Scharnier zwischen den angerenzenden Quartieren bildet und dem westlichen Ringgebiet insgesamt einen neuen Identifikationsort bringt.
    Auch wenn der Entwurf keine selbstständige orthogonale Textur entwickelt, ist diese am Bestand orientierte städtebaulich vielschichtige Figur ein robustes, wirtschaftliches und nachhaltiges Grundgerüst für unterschiedlichste Wohnansprüche, welches flexibel auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren und lebendige städtische Räume entstehen lässt, die zudem nach Süden und Nordenwesten ohne Brüche im späteren Areal erweitert werden können.