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  • DE-78462 Konstanz, DE-78464 Konstanz
  • 10/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-215584)

Gemeinbedarfsfläche Jungerhalde Nord


  • 3. Preis

    Lageplan

    Architekten
    BFK Architekten, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Nico Weber

    Mitarbeit
    Michael Becker, Manuel Stütz

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauunternehmer: Wolfer & Goebel Bau GmbH, Stuttgart (DE)
    Landschaftsarchitekten: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln (DE), Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)
    Modellbauer: Architekturmodelle Degen - Modellbau, Frässervice, 3D-Druck, Lasergravur, Esslingen (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    9.000 EUR

    Erläuterungstext
    Architektonische Konzeption:

    Entwurfsziel ist es, einen attraktiven Stadtraum zu schaffen, der die Überleitung zwischen Siedlungsfläche und der freien Landschaft bildet. Besonderen Wert wurde darauf gelegt, die neuen Baumassen an den städtebaulichen Maßstab des Umfeldes anzupassen.
    Hierfür wird das Gebäudevolumen in zwei 3-geschossige Gebäudeteile gegliedert. Durch die Verschiebung des Eingangsvolumens nach Norden wird ein Vorplatz generiert, der einen fließenden Übergang zwischen Straßenraum und Altenpflegeeinrichtung schafft. Dieser wird im Osten von der geplanten Kindertagesstätte gefasst. Eine Aktionsfläche KiTa belebt diesen Vorplatz und bringt die beiden Nutzung in einen Dialog.
    Für eine bessere Vernetzung des Gebiets werden 2 neue Fuß- und Radwege in Ost-West-Richtung hergestellt. Ein „grüner“ Weg durch den Park und ein „städtischer“ Weg entlang der Jungerhalde. Diese verbinden die öffentlichen Nutzungen Studentenwohnheim, Altenwohnheim, KiTa und Schule mit dem Ortskern.
    Die Parkplatzflächen und der Eingangsbereich des Altenpflegeheims schaffen eine direkte Wege- und Blickbeziehung zwischen diesen beiden Fußgängerachsen.
    Jede Wohngruppe ist um einen begrünten Lichthof und den gemeinsamen offen gestalteten Koch-/ Wohn- und Essbereich gegliedert. Die hieraus resultierenden Gangflächen werden zu offenen und attraktiven Kommunikationspunkten. Es entsteht der Charakter einer familienähnlichen Einheit, die jedoch durch Loggien und Nischen auch im gemeinschaftlichen Bereich genügend Raum zum Rückzug bietet. Die Zimmereinheiten haben stets eine gute Orientierung nach Süden, Osten und Westen. Durch die Anordnung des gemeinsamen Koch-/ Wohn- und Essbereich zwischen der Außenfassade und dem Innenhof wird eine optimale beidseitige Belichtung mit Außenbezug ins Grüne erzielt. Die Zimmer bieten eine „Stube“ als Puffer zwischen dem gemeinschaftlichen Flur und dem intimen Wohn- und Schlafraum. Diese schafft dem Bewohner die Möglichkeit, Blickbeziehungen zum Leben der Wohngruppe zu haben, ohne den privaten Bereich zu verlassen.
    Die durch die Zimmertyplogie entstandenen Nischen, werden mit verschiedenen Nutzungen wie Bibliothek, Sitznische, Ausstellung, etc. besetzt, um den Bewohnern noch mehr Anregungen zur Kommunikation / Begegnung und eine bessere Orientierung innerhalb der Flurbereiche zu bieten.


    Landschaftsplanung:

    Der neu entstehende „grüne“ Ortsrand wird durch die bestehenden Feldgehölze und ergänzende dichte Strauch- und Gehölzpflanzungen gebildet, die gezielt in den Bereichen der „Landschaftsfenster“ unterbrochen werden.
    Diese Fenster in die offene Landschaft schaffen spannungsvolle Blickbeziehungen und holen die Landschaft bis ins Quartier hinein. Etwa 420 m² des Biotops nördlich der Kindertagesstätte werden erhalten und in den Entwurf integriert. Der Altenpflegeeinrichtung ist ein geschützter, leicht zugänglicher Demenzgarten zugewiesen. Ein flacher Rundweg mit Aufenthaltsmöglichkeiten führt entlang einer blühenden Wiese und duftenden Pflanzungen, die die Sinne anregen und den Wandel der Jahreszeiten erlebbar machen.
    Die 1500 m² Außenspielflächen der Kindertagesstätte gliedern sich in drei Bereiche: Eine große, zusammenhängende Spielwiese im Norden des Gebäudes, an die im Gehölz liegende „Spiellichtungen“ angebunden sind, ein Dachgarten und eine „Aktionsfläche“ im Vorplatzbereich.


    Konstruktion / Fassade:

    Die tragende Konstruktion des Gebäudes besteht aus Stahlbetonstützen und Ortbetonwänden.
    Putzflächen zeichnen das Hauptvolumen des Gebäudes ab. Die Fassade des Eingangsbereiches im Erdgeschoss des Nordostflügels wird mit einer Holzfassade als „offene Holzlamellenfassade“ verkleidet. Um eine bandartige Struktur auch in den Wohnbereichen zu erhalten, werden mehrere Fenster über Holzelemente optisch zu einem Band zusammengefasst.


    Energiekonzept:

    Die Anlage unterschreitet die hohen Anforderungen der Energieeinsparverordnung EnEV2014 mit modernster Anlagetechnik sowie weiteren Komponenten, wie dreifach verglasten Fenster, Fußbodenheizung u.a. Sie entspricht den Vorgaben der KfW an das Effizienzhaus 70. Die erforderliche Wärmeenergie für Heizzwecke und die Warmwasserbereitung wird zum einen über eine gasbefeuerte Heizungsanlage und zum anderen über ein gasbefeuertes Blockheizkraftwerk bereitgestellt. Die Spitzenlastabdeckung wird durch einen gasbefeuerten Brennwertkessel garantiert.
    Über ein nach EnEV gedämmtes Rohrnetz wird die Wärmeenergie der Fußbodenheizung zugetragen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Grundsätzlich sehr positiv beurteilt wird die Platzsituation, die von der Pflegeeinrichtung zur Kita überleiten soll. Dieser Ansatz, durch einen gemeinsamen Vorplatz eine freiräumliche Fuge nach Norden zu schaffen, wird jedoch konterkariert durch den Parkplatz an der prominenten Stelle am Übergang zur Landschaft. Dieser Parkplatz entwertet die Zugangssituation zur Kita.

    Der Aktionsraum Kita, der i.d.R. eingezäunt ist, überfrachtet diese gemeinsame Plattform. Kritisch wird die Positionierung und baukörperliche Ausgestaltung der Kita gesehen, die den geplanten nachbarschaftlichen Kontext im Süden und den Verlauf der Topographie wenig berücksichtigt. Die Differenzierung der Gruppenräume der Kita in einer langen Rechteckform ebenso die Orientierung der Freiräume nach Norden erscheinen schwierig.

    Sehr positiv beurteilt wird die Anordnung der Wohngruppen jeweils um Innenhöfe, sodass durchaus angenehme und klar strukturierte Bewegungsräume entstehen.

    Erstaunlich ist, dass trotz des entstehenden Eindrucks großer baulicher Kompaktheit die mit Abstand größte Bruttogeschossfläche aller Wettbewerbsbeiträge generiert wurde. Dies liegt daran, dass der Eingangsbereich zusammen mit dem Veranstaltungsraum überdimensioniert ausgelegt ist, die Individualräume größer als erforderlich gestaltet wurden und in Teilbereichen die Erschließungsflächen in den Wohngruppen zu weitläufig sind.

    Besonders die Anordnung und Nutzbarkeit des Veranstaltungsraums und die architektonische-räumliche Qualität wird kritisch hinterfragt, da er entgegen der Topographie vertieft angelegt und an 2 Seiten ausschließlich mit Nebenräumen flankiert
    wird.

    Die Anbindung der Obergeschosse über das Eingangsfoyer ist nicht selbstverständlich und räumlich unattraktiv. Das zentrale Treppenhaus liegt in einer Dunkelzone. Die Gäste-WC befinden sich direkt gegenüber der Haupterschließung.

    Die Anordnung der Küchen-, Ess- und Wohnbereiche mit Blick in die freie Landschaft wird positiv gesehen.

    Die äußerst sorgfältig und detailliert gestalteten Flurzonen können überzeugen. Dadurch entstehen in der jeweiligen Wohngruppe hohe Qualitäten.