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  • DE-86732 Oettingen, DE-86732 Oettingen
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-206119)

Neugestaltung des Flussfreibads und der Wörnitzinsel Mühlespan


  • Anerkennung

    © QuerfeldEins

    Architekten, Landschaftsarchitekten
    QUERFELD EINS Landschaft | Städtebau | Architektur PartGmbB, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Daniel Stöcker-Fischer , Annegret Stöcker , Frank Großkopf

    Mitarbeit
    Marie-Luise Tschirner, Jonathan Sironi

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: dd1 architekten, Dresden (DE)
    Landschaftsarchitekten: hanf Gartenarchitekten und Landschaftsplaner, Kassel (DE)

    Preisgeld
    2.000 EUR

    Erläuterungstext
    Landschaftsräumliche Einordnung

    Am Rande des Nördlinger Ries liegt die Residenzstadt Oettingen in Bayern am Fluss Wörnitz. Unweit der romantischen Altstadt mit ihren historischen giebelständigen Häusern umfließt dieser gemeinsam mit dem Mühlarm das Nah­erholungsgebiet »Wörnitzinsel-Mühlespan«, an dessen nördlicher Spitze sich das Wörnitz-Flussbad befindet.
    Das Gelände zeichnet sich durch einen abwechslungsreichen und größtenteils erhaltenswerten Gehölzbestand aus und ist idyllisch in den umgebenden Landschaftsraum eingebettet. Die unterschiedlichen Nutzungen – Wildgehege, Freibad, Minigolf und Eisstockschützenheim – fügen sich behutsam in das Gebiet ein und wirken sich nicht störend auf den natürlichen Wald- und Wiesencharakter der Insel aus.
    Das Freibad mit seine schilfgesäumten Ufern ist durch die zahlreichen historischen Umkleidekabinen und die großzügigen Liegewiesen geprägt.

    Erschließung und Anbindung

    Die Anbindung der Wörnitzinsel an das Zentrum Oettingens soll hauptsächlich über die Schießwasen erfolgen, die hierzu verkehrsberuhigt werden und von allen Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt genutzt werden können. Alternativ wird ein Rundweg entlang der Wörnitz angeboten, der eher kontemplativen Charakter besitzt, alle Attraktionen der Insel verbindet und an vielen Stellen durch Ausblicke und Sitzelemente aus Beton zum Verweilen einlädt. Rund um das Wildgehege befinden sich Hochsitze und eine Plattform, von denen aus sich die Tiere beobachten lassen. Neben der erneuerten Minigolfanlage und dem Freibad führt der Weg am Teich der Eisstockschützen vorbei, von dem sich der Blick auf die ehemalige Mühle am gegenüberliegenden Ufer öffnet. Um den Teich selbst besser erlebbar zu machen und die Verbindung zur Wildwiese zu stärken, kann langfristig das Vereinsheim verlagert werden. Das vorhandene Kneippbecken bleibt unter Austausch der Bepflanzung erhalten.
    Um die Insel Mühlespan nach Norden hin zu verknüpfen, ist eine zweite Brücke über den Mühlarm im Bereich des Teiches vorgesehen. Hierdurch wird auch die rad- und fußläufige Verbindung zu den nördlich gelegenen Gemeinden sowie zum Gelände der Landesgartenschau 2019 in Wassertrüdingen verbessert.
    Die Anbindung des Gebiets an den ÖPNV erfolgt von Norden kommend (Haltestelle a.d. Zeil) über die neu errichtete Brücke, von Süden aus über einen neu eingefügten Haltepunkt an der Ecke Mühlstraße / Schießwasen.
    Um einen baulichen Eingriff auf der Insel möglichst gering zu halten, orientieren sich die Wege am Bestand.

    Vegetation

    Die prägende Vegetation der Insel wird weitestgehend erhalten. Durch punktuelle und behutsame Entnahme standortfremder Gehölze soll sich langfristig eine standorttypische Vegetation durchsetzen können.
    Durch große Gehölze – teilweise Neupflanzungen – werden die Kanten betont und die vorhandenen Naturräume in ihren abwechslungsreichen Charakteristiken (Wäldchen, Hain, Lichtung, Wildwiese) gestärkt.

    Beleuchtung

    An den Hauptverbindungswegen werden begleitende Pollerleuchten installiert, die ein angenehmes Durchqueren der Insel und ein sicheres Erreichen des ÖPNV ermöglichen. Wichtige Kreuzungspunkte werden betont. Der Platz um das Eingangsgebäude zum Flussbad wird mittels Mastleuchten erhellt.

    Realisierungsteil Flussbad

    Das Freibad erhält einen einladenden Vorplatz, der großzügig die geforderten Fahrradstellplätze und einen der beiden Außenbereiche des Kiosks einbindet. Durch Integration erhaltenswerter Bestandsgehölze gewinnt er einen hainartigen Charakter, der sich in der Minigolfanlage fortsetzt.
    Das neue, modular aufgebaute Eingangsgebäude beherbergt neben dem Kassenbereich und zahlreichen Umkleidekabinen auch die sanitären Anlagen, sowohl für die Kioskgäste als auch für die Freibadbesucher. Die mit lackierten Fichtenlatten vorgeblendete Fassade bietet eine Neuinterpretation der Holzästhetik der übrigen Bauten des Freibadgeländes an und fügt das Gebäude trotz seines zeitgemäßen Äußeren in sein bestehendes Umfeld ein.
    Das Gelände des Bades behält seine derzeitige Einteilung bei: In unmittelbarer Nähe zum Eingangsgebäude und den Rettungseinrichtungen befinden sich der Nichtschwimmer- und Kinderbereich. Hier werden ein Becken für Kinder und ein Wasserspielplatz unter Verwendung von zum Teil vorhandener Spielgeräte integriert. Auffälligstes Element ist der Wasserlauf, der über die Wiese und die EPDM-Fläche des Spielplatzes mäandriert und mittels eingebauter Stauwehre bespielt werden kann. Eine Abschottung im Falle von Hochwasser ist möglich.
    Im Süden schließt sich der Sportbereich an, mit Bolzplatz, Tischtennisplatten, Basketball- und Beachvolleyballfeldern. Die beiden Liegewiesen im Norden werden für einen angenehmeren Aufenthalt mit schattenspendenden Gehölzen bepflanzt und an den Rändern mit einer Strauchpflanzung abgegrenzt, um Störfaktoren auszublenden. Die vorhandenen Umkleidekabinen auf der westlichen Liegewiese können langfristig umgesetzt werden, um die derzeitig trennende Wirkung aufzuheben und die Raumkanten des Flussbadgeländes zu stärken.
    Zusätzlich zu der vorhandenen Rutsche, dem Sprungturm und dem Wassertrampolin wird im Norden eine Seilbahn über die Wörnitz angeboten.
    Als Querung des Mühlarms kann die vorhandene Brückenneuplanung übernommen werden.

    Festplatz

    Das Gelände nördlich des Schützenhauses bleibt als Festwiese erhalten und wird sowohl an die direkte Verbindung zur Stadt als auch an den Rundweg angeschlossen. Zur Wörnitz hin laden Sitzstufen zum Herantreten an den Fluss ein.

    Vertiefungsbereich Campingplatz

    Auf dem brachliegenden Schreitmüller-Gelände nördlich des Festplatzes entsteht neben einer Erweiterung der Wohnmobilstellplätze ein Campingplatz für ca. 100 Zelte samt Bootsverleih. Direkt angrenzend sind am Zusammenfluss von Mühlarm und Wörnitz ein Spielplatz und eine Grillstelle vorgesehen, von welcher der Blick über malerische Schilfinseln hinweg auf den Fluss gleitet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Konzept überzeugt durch eine behutsame Herangehensweise an die natürlichen und funktionalen Gegebenheiten. Die Wegeführung folgt wesentlich den vorhandenen Trassen und sensible Bereiche werden umsichtig in das Gesamtkonzept integriert. Die westliche Anbindung an das übergeordnete Radwegenetz scheint derzeit allerdings wenig relevant.
    Im südlichen Vertiefungsbereich überzeugt die Wegeführung entlang der Wörnitz und die Anordnung der drei Nutzungsbereiche Festplatz, Wohnmobilstellplatz und Zeltwiese. Allerdings beschränkt die starke Abpflanzung im Süden des Wohnmobilstellplatzes die Flexibilität in der Nutzung der Festwiese und auch den Blick zur Stadtsilhouette. Die interne Gliederung des Schreitmüllergeländes unter Beibehaltung der Bestandsgebäude ist schlüssig und schafft gute Nutzungsqualitäten.

    Die Flächengliederung des Bades erlaubt die Ausbildung unterschiedlicher Nutzerschwerpunkte. Besonders positiv wird die Erweiterung des Liegebereichs im Südosten gesehen. Die Verlagerung des Minigolfplatzes verbessert dessen Lage zur Gastronomie. Seine Einfassung mit Heckenelementen gibt ihm einen Rahmen ohne Blickbeziehungen einzuengen.
    Der Eingangsbereich ist großzügig und gut erschlossen, die Fahrradparkierung glaubwürdig.
    Allerdings erscheint die befestigte Fläche auf beiden Seiten des Eingangsgebäudes überdimensioniert.
    Der Kernbereich des Bades ist für Familien mit Kindern gut nutzbar. Einige Spieleinrichtungen wirken allerdings in diesem Kontext überambitioniert, wie die EPDM-Flächen oder der „Bach am Bach“. Der Kinderspielplatz ist jedoch gut platziert und stellt eine echte Aufwertung dar.
    Ebenso überzeugt der Umgang mit dem Streichwehrkopf und das Angebot neuer Sitzstufen unterhalb des Wehrs. An der Nordkante wäre ein großzügiger Zugang zum Wasser wünschenswert.
    Die Anordnung der Gebäude ist gut vorstellbar. Im Eingangsbereich überzeugt die Position des Neubaus zum Bestandskiosk. Die räumliche Öffnung zum Steilufer des Hauptarms der Wörnitz im Osten der Familienwiese wird jedoch kritisch gesehen.
    Insgesamt leistet die Arbeit einen guten Beitrag, der mit einer Reduzierung der Flächenbefestigung auch wirtschaftlich im Rahmen liegt.

    Der Festplatz wird leider zum Stellplatz abgeriegelt, das Bootshaus ist überflüssig, das Sanitärgebäude gut.
    Auf der Insel gibt es kaum eine Attraktivitätssteigerung, der Ruhebereich wurde jedoch durch Bänke aufgewertet.
    Der „Kinderflusslauf“ ist eine nette Idee, jedoch im Betrieb und in der Umsetzung problematisch.