loading
  • DE-86150 Augsburg, DE-86150 Augsburg
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-201107)

Neugestaltung der Vorplätze und des Umfelds des Hauptbahnhofs


  • 1. Preis Bahnhofvorplatz Ost

    Bahnhofsvorplatz Ost, © Atelier LOIDL Landschaftsarchitekten Berlin

    Landschaftsarchitekten
    Atelier Loidl, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Martin Schmitz, Joana Carvalho

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Eine zentrale Platzfläche, gerahmt von Baumfeldern im Norden und Süden, präsentiert den Hauptbahnhof in angemessenem Maßstab in Richtung des Stadtzentrums.

    Der weiträumige und in der Materialwahl angenehm reduziert gestaltete Bahnhofsplatz schafft dabei eine direkte Beziehung zwischen dem Bahnhofsgebäude und der an der Viktoriastraße gegenüberliegenden Bebauung. Der Entwurf erhält weitgehend den vorhandenen Altbaumbestand, was als großer Gewinn angesehen wird. Der Platzraum wird durch das auf wenige Standorte reduzierte und großmaßstäblich angelegte Lichtkonzept auch in der Nachtwirkung überzeugend inszeniert.

    Die nördlichen und südlichen Platzränder werden von einer funktional und gestalterisch sinnhaften und gut differenzierten Schichtung hin zu den jeweiligen Bebauungen geprägt. In Richtung Norden markiert die Setzung des Brunnens stadträumlich folgerichtig die Einleitung der Bahnhofsstraße in den Bahnhofsplatz und schafft gleichzeitig eine diskrete Überleitung der Platzfläche in Richtung Fuggerstadt-Center. Von der durch Fußgängerströme geprägten Platzfläche über das Brunnenfeld, platzbegleitende Bänke, das nördliche Baumfeld mit Fahrradstellplätzen bis hin zur gastronomischen Außenfläche des Centers ergibt sich eine allmähliche, gut dimensionierte Entschleunigung und qualitätsvolle Schichtung der notwendigen Funktionen in Richtung der platzbegrenzenden Bebauung.

    Im Süden schaffen die Bankreihen am Rand der fußläufigen Verkehrsströme eine hohe Aufenthaltsqualität, die Fahrrad- und Motorrollerstellplätze grenzen diese funktional sinnvoll von den Kfz-Parkplätzen ab. Kritisch wird im Süden allerdings die vorgeschlagene Durchquerung der Stellplatzzufahrten durch den ausfahrenden Regionalbusverkehr gesehen.

    Kontrovers wird die Situierung der Taxi-Warteplätze an der Viktoriastraße diskutiert. Die Freihaltung des Bahnhofsplatzes von motorisiertem Verkehr in das unmittelbare Vorfeld des Bahnhofsgebäudes steht der großen Distanz zu den Taxiwarteplätzen gegenüber, bei gleichzeitig aber hervorzuhebender guter Sichtbarkeit selbiger. Die Anforderungen des Individualverkehrs sind insgesamt ausreichend aufgenommen, teilweise übererfüllt. Lediglich die geforderte Haltestelle für städtische Busse ist nicht nachgewiesen. Ebenso ist eine regelwerkskonforme barrierefreie Erschließung des Bahnhofsgebäudes zwingend zu realisieren.

    Die fußläufige Überquerung der Viktoriastraße von und in Richtung der Bahnhofstraße löst der Entwurf durch eine Zweiteilung der Verkehrsströme und leitet die Fußgänger damit auf direktem Weg auf den Süd- und Mittelzugang des Bahnhofsgebäudes zu. Auch die nördliche, dritte Querung der Viktoriastraße führt die Fußgänger in gleicher Systematik aus der Prinzregentenstraße folgerichtig auf direktem Weg zum Nordzugang des Bahnhofsgebäudes. Durch diese Aufteilung der Fußgängerströme kann im Verbund mit der Einführung des Mittelstreifens in der Viktoriastraße eine sichere Querung der hohen Fußgängerzahlen sichergestellt werden.

    Mit dem auf das Bahnhofsgebäude ausgerichtete Querungssystem wird die als Allee gestaltete Bahnhofsstraße nicht in einer breiten Achse auf den Platz geführt, wiewohl diese als Sichtverbindung klare Bezüge zum Hauptbahnhof herstellt. Das entspricht dem angemessenen Gestaltungsprinzip der Bahnhofsstraße, die vom Königsplatz bis zur Viktoriastraße mit beidseitig den straßenbegleitenden Bebauungen vorgesetzten Gastronomieflächen eine funktionsfähige und höchst abwechslungsreiche
    Durchwegung des dichten städtischen Raumes verspricht. Der motorisierte Verkehr wird dabei funktional gut in die Mittelachse integriert, der von den Entwurfsverfassern verwendete Begriff des Shared Space jedoch wird angesichts der klaren Ausweisung der Bereiche für ruhende und bewegte Nutzungen nicht eingelöst.

    Die Arbeit lässt durch die sorgfältige Berücksichtigung der vielschichtigen Anforderungen eine gute öffentliche Akzeptanz erwarten und kann insgesamt durch eine klare und bis ins Detail differenziert ausgeprägte Entwurfshaltung überzeugen.


INFO-BOX

Angelegt am 24.11.2015, 10:52
Zuletzt aktualisiert 28.11.2015, 12:35
Beitrags-ID 4-112397
Seitenaufrufe 1032