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  • DE-73525 Schwäbisch Gmünd
  • 03/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-6575)

Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd 2014


  • 4. Preis

    Gesamtkonzept

    Landschaftsarchitekten
    LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Eike Richter, Rüdiger Amend, Mitarbeiter: Gesa Königstein, Alessandro Drescher, Esther Riepert

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Weinmiller Großmann Architekten PartGmbB, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Das Grüne Band und Staufers Rippen – Neue Freiräume im Kontext der historischen Stadt

    Schwäbisch Gmünd beschreitet mit der Landesgartenschau einen Weg des Stadtumbaus, der in mehrfacher Hinsicht paradigmatisch ist für die Transformation postindustrieller Städte im Übergang zum 21. Jahrhundert. Mit der Konversion einstiger Bahn- und Verkehrsflächen, Industriebrachen und kanalisierter Flusslandschaften in attraktive Wohnstandorte, Parks und Freiräume gewinnen die Städte verloren gegangene Attraktivität zurück. Es gilt, sehr unterschiedlich überformte Areale für die Stadt zurück zu gewinnen, zu ordnen und miteinander zu verbinden sowie eine Landesgartenschau auszurichten.

    Die durch den Tunnelneubau mögliche Umlegung der B29 bietet die Chance einer städtebaulichen Neuordnung des Gamundia-Areals. In Verbindung mit dem bestehenden Stadtpark wird dieses Gebiet zu einer großzügigen Parkanlage – dem Gamundia-Park - entwickelt und bildet das grüne Stadtentree am Zusammenfluss von Rems und Josefsbach. Mit dem Bedeutungszuwachs der Rektor-Klaus-Straße und den neuen städtebaulichen Setzungen des Hotelneubaus und der Blumenhalle stellt der Gamundia-Park auch die Arrondierung der westlichen Vorstadt nach Norden hin dar, die in der Folge ebenfalls eine Aufwertung und bessere Anbindung an die historische Altstadt erfahren sollte. Um die konzentrisch gewachsene Altstadt mit der westlichen Vorstadt zu vernetzen, erweitern wir das Konzept des Grünen Bandes um das Bild der Rippen, die sich von der Altstadt durch das Grüne Band des Josefsbachs bis in das Schriftstellerviertel ziehen.

    Dieses von den Staufern entwickelte Rippensystem mit Hauptachse und bauchigem Marktplatz sowie rechtwinklig darauf zulaufenden Seitenstraßen ist auch heute noch gut im Stadtgrundriss im Verlauf u.a. der Leder- und Bocksgasse, der Asyl- und Klösterlestraße ablesbar.

    Neben der Neuordnung des Gamundia-Areals bietet sich mit der Landesgartenschau die Chance, das ehemalige Güterbahnhofgelände nördlich der Bahntrasse zu entwickeln und besser an die Stadt anzubinden.

    Die im Zuge der Landesgartenschau zu entwickelnden Bereiche Gamundia, Josefsbach, Salvator, Zeiselberg und das Güterbahnhofareal zeichnen sich durch eine markante Topografie aus. Übergeordnetes Gestaltungsprinzip unseres Beitrages ist es, die spezifische Topografie des jeweiligen Ortes durch gestalterische Interventionen einerseits herauszuarbeiten, zu akzentuieren bzw. zu kontrastieren und andererseits durch die Art der Wegeführung für den Besucher auf abwechslungsreiche, fließend-bewegte Weise erlebbar zu machen.

    Das Grüne Band – Trennungen überwinden

    Der Josefsbach
    Tangential zur westlichen Altstadt verlaufend, tief eingeschnitten und dicht bewachsen, stellt der Josefsbach derzeit einen Nicht-Ort zwischen Altstadt und westlicher Vorstadt dar. Wir verstehen den Josefsbach als ein urbanes Gewässer und schlagen als Leitbild einen naturnahen Ausbau vor, der die Eingriffe und Umbaumaßnahmen in diesen Baches nicht kaschiert, sondern thematisiert.

    Die Robert-von-Ostertag-Promenade und der Josefsbach werden als ein kontrastreicher und abwechslungsreicher städtischer Grünzug entwickelt, in dem landschaftliche und architektonische Elemente in spannungsreicher Beziehung stehen. Das tief eingeschnittene Bachbett wird angehoben (siehe Längsschnitt). Abweichend vom Konzept des Büros BGS fällt der Josefsbach ab der Waldstetter-Brücke in mehreren kleinen fischgerechten Abstürzen, Kaskaden und Stufen zum Bereich der Remsmündung, um die Anreicherung des Baches mit Sauerstoff, aber such die Erlebnisvielfalt zu erhöhen. Differenziert gestaltete Rauhbettbereiche, Kiesbänke und Trittsteine, weite und enge Passagen, harte und weiche Uferlinien strukturieren und beleben den Bachlauf und machen diesen und das Element Wasser in differenziert gestalteten Facetten erlebbar.

    Die östliche Uferseite mit der Robert-von-Ostertag-Promenade erfährt als Teil der übergeordneten Grünverbindung des Grünen Bandes eine intensivere Durchgestaltung als der Uferbereich entlang der Uferstraße, wo kleinere Plätze und Balkone markante Situationen akzentuieren. Ein Uferweg auf der Ostseite des Josefsbaches führt von der neuen Wasserterrasse an der Remsmündung bis zur Waldstetter-Brücke und ermöglicht den direkten Zugang zum Bachlauf.

    Das Motiv der fließenden Bewegung aufgreifend, werden die Auf- und Abgänge zwischen der erhöht liegenden Robert-von-Ostertag-Promenade und dem Uferweg neben vereinzelten Treppenanlagen als behinderten gerechte Rampen ausgebildet. Kleine Plätze, Mauerscheiben und Stützwände akzentuieren ihren Übergang zur Promenade. Die Böschungen werden als sonnige Rasenböschungen mit locker gesetzten Baumgruppen und Staudensäumen gestaltet. Rasen-Stufen bzw. -Terrassen laden als Sitz- bzw. sonnige Liegebereiche an ausgewählten Stellen zum Verweilen ein.

    Die Promenade und der Josefsbach werden als ein zusammenhängender Freiraum mit einheitlicher Gestaltungssprache und Materialität entwickelt. Die Promenade wie auch der Uferweg erhalten einen hellen Belag. Der Promenadenweg wird bachseitig von einem Grandstreifen begleitet, der sich in den Übergangsbereichen zum tiefer liegenden Uferweg zu kleinen Plätzen bzw. Balkonen aufweitet. Die vorhandene Allee wird ab dem Kroatensteg bis zum neuen Platz am Stadtentree fortgeführt.


    Promenadenplätze
    Das Band der Promenadenplätze beginnt am Stadtentree und setzt sich über den Sebaldplatz entlang der Zeiselberg-Promenade bis zur Buchsstraße fort. Die Knotenpunkte der rechtwinklig in die Altstadt führenden Seitenstraßen der Leder- und Bocksgasse, der Asyl- und Klösterlestraße, der Paradiesstraße und der Ziegelgasse mit der Robert-von-Ostertag-Promenade werden In Materialität und Ausstattung als weitgehend harte, multifunktionale Stadtplätze gleichwertig gestaltet, da zum gleichen System gehörend. Sie markieren den Übergang in die staufersche Rippenstruktur der Altstadt, deren natursteinerne Materialität in einer zeitgemäßen Formensprache hier zitiert wird. Im Belag verlaufende Metallbänder nehmen die Richtung der angrenzenden Altstadt auf und verweisen auf die Metall verarbeitende Tradition Schwäbisch Gmünds.


    Grüne Rippen
    Die Rippenstruktur der o.g. Straßen und Gassen setzt sich über den Josefsbach in die westliche Vorstadt fort. An der Uferstraße beginnende und bis an die Rektor-Klaus-Straße heranführende neu gepflanzte Baumreihen markieren diesen Bezug der Katharinen-, Lessing-, Goethe- Uhland- und Schillerstraße mit der Altstadt, vernetzen diese aber gleichzeitig mit dem Grünen Band am Josefsbach. Grüne Eingangsplätze an der Rektor-Klaus-Straße markieren den Beginn dieser als Grüne Rippen zu lesenden Struktur.


    Der Sebaldplatz
    Der Sebaldplatz stellt vom Zeiselberg kommend den Auftakt des Grünen Bandes, sowie einen markanten Übergang in die Altstadt dar. Im Zuge der Gartenschau wird er zu einem Quartiersplatz mit attraktiven Spiel- und Ausstattungselementen umgestaltet. Die nach Süden ansteigende Topografie wird mittels einer Sitzmauer auf der Südseite herausgearbeitet und grenzt den Platz von der Straße ab.


    Der Platz am Stadtentree
    Der neue Platz am Stadtentree bildet Auftakt und Abschluß des Bandes der Promenadenplätze. Eine großzügige Treppenanlage führt zu einer Terrasse an der Rems. Eine weitere Treppenanlage im gegenüberliegenden Gamundia-Park akzentuiert diese städtebaulich markante Situation des Zusammenflusses von Rems und Josefsbach, macht sie auf verschiedenen Ebenen erlebbar und verbindet sie mit dem neuen Gamundia-Park. Es entsteht ein spannungsreicher, innenstadtnaher Ort am Wasser.


    Der Gamundia-Park
    Die vorhandene topografische Exposition aufgreifend wird der Gamundia-Park zu einem großzügigen, sich zur Rems hin terrassierenden multifunktionalen Wiesenpark gestaltet. Ein Gebäudewinkel akzentuiert diese städtebaulich markante Situation. Ein Hotelneubau schirmt den Park zur nördlich verlaufenden Bahnhofstraße hin ab. Ein flacher Riegel schließt den Park zur Lorcherstraße. Hier schlagen wir die Blumenhalle für die Gartenschau vor. Parkseitig den Gebäuden vorgelagert befindet sich der Stadtbalkon für Außenveranstaltungen und Gastronomie. Von hier aus überblickt man den Park mit der nahen Stadtsilouhette. Ein diagonaler Parkweg führt vom Eingangsplatz am Hotel über die zur Fußgängerbrücke umgebaute Bahnhofstraßen-Brücke in die Stadt und verbindet den neuen Park mit dem historischen Stadtpark. Das vorhandene Gebäude Lorcher Straße 1 wird erhalten und in den Gamundiapark integriert. Während der Gartenschau ist hier eine gastronomische Nutzung denkbar. Eine großzügige Treppenanlage an der Bahnhofstraße sowie Rampen führen zu einem sich platzartig aufweiteten Uferweg an der Rems. Sitzstufen und Bänke laden in dieser südexponierten Partie des Parks zum Sonnen am Fluss mit Blick auf den historischen Stadtgarten ein. Eine mit umgeleiteten Remswasser gespeiste Wasserwand lässt die Geräusche der Stadt in den Hintergrund treten und lädt zum Planschen ein. Die Wasserkaskaden der Rokokogärten zitierend, kann die Wasserwand auch als ein verbindender Verweis auf den gegenüberliegenden Stadtgarten gelesen werden.


    Der Historische Stadtgarten
    Diese Parkpartie und der Uferstreifen werden behutsam in die Gartenschau integriert und weiterentwickelt. Der achsiale Parkweg wird bis zu den Rasenstufen am Josefsbach weitergeführt. Die jetzige Bahnhofstraße wird zu einem, autofreien Platz umgestaltet, über den die Erschließung der Bestandsgebäude sowie des Rokokoschlösschens aber weiter erfolgen kann. Die durch den Park verlaufende Wegeverbindung Hauberweg – Ledergasse wird gestärkt. Angelagerte Uferbalkone stellen den Bezug zur Rems her.


    Der Park am Güterbahnhof
    Durch die städtebauliche Neuordnung des Gamundia-Areals wird der Bahnhofsbereich direkt mit dem Gamundia-Park und dem Grünen Band verbunden. Durch die Unterführung gelangt man zum Park am Güterbahnhof. Über eine Treppe an der Taubentalstraße sowie über eine die Nepperbergstraße begleitende Rampe gelangt man in den durch Baumreihen und die Topografie aufgreifende Plateaus strukturierten Park, der für Bewegungssportarten vorgesehen ist. Ein asphaltierter Skateloop rahmt den Park und erschließt Kleinspielfelder und Skateanlagen. Ein Platz an der Vogelhofstraße formuliert den westlichen Eingang. Eine neue Wegeverbindung bindet den Park über eine neue Brücke für Fußgänger und Radfahrer an die Lorcher Straße und darüber hinaus an den Hauberweg an der Rems an.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.