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  • DE-88348 Bad Saulgau, DE-88348 Bad Saulgau
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-216586)

Kaiserstraße / Friedrichstraße


  • 2. Rang

    lageplan

    Architekten
    bächlemeid, Konstanz (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Bächle , Karin Meid-Bächle

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE)

    Erläuterungstext
    mehrfachbeauftragung kaiserstraße / friedrichstraße bad saulgau

    das grundstück kaiserstraße / friedrichstraße liegt zentral am rand der historischen altstadt in bad saulgau, am städtebaulichen übergang von öffentlichen gebäuden, mit bezug zur stadt im norden und den anschließenden wohngebäuden im süden.
    der ort wird durch unterschiedliche räumliche erschließungen und bezüge geprägt.
    zum einen durch die friedrichstraße und der nahen fussgängerzone, sowie der stark befahrenenen bundesstraße der kaiserstraße, zum anderen durch eine urbane rückwärtig liegende, versetzt angeordnete, fussläufige erschließung, vom westlichen altenwohnen über das hotel kleber post, das bürogebäude, das klosters und das volksbankgebäudes, auf das zur verfügung stehende grundstück.

    städtebau
    zu den angesprochenen öffentlichen markanten bauwerken, in dessen zentrum das kloster als museum liegt, wird das neue bauwerk als östlicher abschluß gesetzt.
    gemeinsam mit dem bestehenden westlichen altenzentrum bildet der neue baukörper eine klammerfunktion, umschließt den öffentlichen teil der anlage und bildet den abschluß zur kaiserstraße.
    es wird vorgeschlagen die kreuzung hauptstraße/friedrichsstraße als platz auszubilden und die friedrichsstraße als 30er zone auszubilden, somit bindet sich das südliche gebäudeensemble an die innenstadt an, das zentrum erweitert sich.
    das neue bauwerk zeigt sich an der friedrichstraße in fortführung der volksbank viergeschossig und zur kaiserstraße, analog den vorhandenen punktbebauungen, dreigeschossig mit punktuellen abgesetzten dachgeschossen.

    diese beiden gebäudeschenkel schließen die ankommende blockrandbebauung schlüssig ab, geben durch einen angemessenen abstand zur volksbank den blick und bezug zur stadtmitte frei und weiterhin werden hierdurch die zukünftigen städtebaulichen entwicklungsmöglichkeiten im sanierungsgebiet berücksichtigt.
    um die urbane durchwegung vom kloster kommend weiterzuentwickeln, wird am südlichen rand des grundstücks ein zwei - dreigeschossiger baukörper, entsprechend dem bestehenden wohngebäude im innenhof, entworfen.
    zwischen den beiden kleinbauten entsteht der gewünschte geschützte gartenbereich.
    es entsteht eine u förmige anlage die sich nach westen öffnet und die besucher und bewohner mit einer gartenanlage mit pflanzungen und wasserspielen empfängt.
    das ankommenden fussläufige wegenetz aus westen wird über den neuen platz weitergeführt und an zwei stellen durch das neue bauwerk zur bundesstraße hindurchgeführt.
    über die neuen arkaden werden im überdachten bereich der gebäudegelenke sämtliche eingänge zu den funktionen und nutzungen angeboten

    freianlagen
    abgeleitet aus der umgebenden städtebaulichen struktur inszenieren die freiflächen im innern den kontrast zur umgebenden steinernen stadt mit einem dichten floral geprägten garten.
    umspielt von filigranen kirschhainen wechseln in einem leicht fraktalen spiel, befestigte flächen für terrassen, zuwege und stellplätze, mit gärtnerischen themen wie rasen, stauden oder einem kontemplativen wasserspiel, abgeleitet aus dem historischen vorhandenen wasserlauf an dieser stelle, ab und verweben sich zu einem urbanen gartenbild von dezenter farbigkeit.

    funktion
    die erweiterung der bestehenden volksbank und des innenhofs wird an der friedrichsstraße platziert,
    in bezug zur stadt, straßenraum und geschützten neuen innenhof das cafe bar restaurant angeboten.
    weiterhin kann an der straßenecke zur kaiserstraße ein ladengeschäft entstehen.
    der eingang für die obergeschosse ist dem gartenbereich mit anbindung zur friedrichstraße zugeordnet.
    hier entstehen kurze und schöne anbindungen zum bestehenden internen eingang der volksbank.
    im ersten und zweiten obergeschoss entwickeln sich die dienstleistungen und im dachgeschoss die wohnungen die nach süden in den innenhof orientiert sind.
    die oberirdischen stellplätze werden der östlichen volksbankfassade mit baumgrün vorgestellt.
    die räume der caritas befinden sich zentral erdgeschossig mittig im bauwerk, zum einen an den straßenraum mit den öffentlichen stellplätzen zugeordnet, zum anderen mit den beratungs- und gruppenräumen zum ruhigen sonnigen innenhof ausgerichtet.
    die sozialstation wird im südlichen erdgeschoss platziert und entlang der südlichen arkaden gesetzt.
    die tagespflege und ruheräume richten sich zum geschützten gartenbereich und zum innenhof aus.
    über zwei treppenanlagen werden die wohnungen in den obergeschossen entwickelt, die erschließungen als verweilräume und treffpunkte entworfen.
    alle wohnungen folgen einem ordnungsprinzip, sind jedoch unterschiedlich in größe und form und immer der sonne, der ruhe und dem innenhof zugewandt.
    im zweiten obergeschoss wird eine gemeinschaftsterrasse nach südwesten angeboten.
    im dachgeschoss legen sich im duktus der weiteren wohnungen penthouses mit großen terrassen auf.

    gestalt
    die funktionen und die gesamtform des bauwerks wurden in feinster abstimmung mit dem vorgefundenen städtischen raum entwickelt.
    im sinne der landeshauptstadt der biodiversität möchten wir das bauwerk entwickeln.
    es wird vorgeschlagen das gebäude als monolitischer baukörper zu betrachten und diesen gesamthaft in beton-/ziegelbauweise, ohne zusätzliche aussendämmung, mit mineralischem verpresstem mineralputz auszuführen.
    dies gibt dem gebäude die bindung zu den bestandsgebäuden und ist doch in der oberfläche nicht glatt, sondern nuanciert unperfekt und im licht und schatten handgemacht.
    holzsichtige fensterelemente, holzdielenböden beim wohnen und naturstein und teilweise linoleum in den öffentlichen räumen, binden an ein natürliches konzept an.
    neben den ökologisch sinnvollen materialien muss das energiekonzept des bauwerks in einer interdisziplinären zusammenarbeit mit dem bauherr und fachingenieuren entwickelt werden.
    mit dem vorgeschlagenen konzept wird eine präzise idee für dieses projekt an diesem ort formuliert.
    durch eine sorgfältige dem entwurfsansatz exakt nachfolgende realisierung, entsteht ein neues, den inhalten angemessenes, unverwechselbares bauwerks- und freianlagenkonzept, für den bauherr, die benutzer, die besucher und die stadt bad saulgau.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die vorgetragene Blockrandbebauung zeigt sehr gekonnt einen sensiblen Übergang von der Bebauung Volksbank zur Körnung in der Kaiserstrasse. Sie achtet auf die angrenzenden Strukturen und wird dadurch angenehm verträglich und vermittelnd.

    Entlang der Kaiserstrasse wird trotz geschickten Kerben im Dachgeschoss eine Gebäudelänge produziert, die nicht zu unterschätzen ist.

    Diese wohl proportionierten Kerben setzen sich leider in der Fassadensprache der darunter liegenden Geschosse nicht fort. Im Gegenteil: die vorgetragene Bandfassade entspricht nicht dem Charakter des Ortes.

    Im Innenhof besticht die sehr lyrische, weiche und mit allen Konsequenzen für Innen- und Aussenräume entwickelte gefaltete Fassade.

    Die Erschliessung erfolgt über Laubengänge, die man hier aber als Erlebnisräume wertschätzen kann.

    Der Anteil der Erschliessungsflächen ist aber dadurch insgesamt sehr hoch.

    Zum Innenhof gibt es einen überzeugenden Bezug aller Nutzungsarten, der allgemein anerkannt wird.

    Hinsichtlich Erschliessungsbreite der Zufahrt und innerer Organisation ist die Tiefgarage wohl nicht mit der selben Ernsthaftigkeit bearbeitet worden wie der Hochbau. Dem Auslober ist aber hier eine wirtschaftliche Lösung wichtig.

    Die oberirdische Parkierung im Innenbereich belastet das Wohnen zum Hof.

    Der Jury imponiert ein mutig vorgetragener Entwurf, der den Anspruch erhebt auf die vorhandene Situation sensibel einzugehen, hier aber nicht die richtige Antwort in der Gestaltung der Fassaden findet und sich in der Wirtschaftlichkeit leider verliert