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  • DE-73525 Schwäbisch Gmünd
  • 03/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-6575)

Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd 2014


  • Ankauf

    Perspektive Josefsbach

    Landschafts- / Umweltplaner
    RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn (DE), Hamburg (DE), Köln (DE), Mannheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Dipl. Ing. Philip Haggeney, Dipl. Ing. Kerstin Görlich, Dipl. Ing. Markus Piel, Dipl. Ing. Thomas Kißmann, Dipl. Ing. Karsten Lindemann , Martini Architekten Sönnichsen & Partner Ingenieure für Wasserbau-Wasserwirtschaft

    Erläuterungstext
    Stupor mundi – Das Erstaunen der Welt – Von Talenten, Patenten und anderem Hochkarätigem

    Die Region und die Stadt Schwäbisch Gmünd stehen für eine hohe Innovation in Wissenschaft, Technik, Design, Bildung aber auch für Traditionen des Handwerks, insbesondere im Hinblick auf Gold- und Silber¬schmiedekunst. Daraus resultiert der Ansatz für das Thema der Landesgartenschau aus dem Beinamen des berühmten Sohnes dieser Region, dem Hohenstaufer Kaiser Friedrich II. Barbarossa, der auf Grund seiner Bildung, Auffassungsgabe und Talenten von seinen Zeitgenossen als \'Erstaunen der Welt\' bezeichnet wurde. Diese Haltung kann als Basis des zukünftigen Handelns dieser Stadt formuliert werden.
    Diese Themenschwerpunkte, insbesondere im Hinblick auf Wissenschaft, Technik und Bildung werden Aus¬stellungsgegenstand in den Räumen der Hallenschauen. Das Thema Schmuck und Ornament wird der \'gol¬dene Faden\' der gärtnerisch inszenierten Ausstellungsflächen.

    24 Karat
    An hochkarätigen Plätzen der Kernstadt Schwäbisch Gmünds in räumlicher Anlehnung an 24 Sehenswür¬digkeiten der Stadt werden 24 Gartenschmuckstücke verortet. Reines Gold, 24 Karat, dient als Metapher für die Integration der Stadt als Ausstellungsraum. Funkende Gartenjuwele auf der Fläche bringen temporären Glanz auf die Gebäude in der Vertikalen. Als Gestaltungslinie dieser 24 Gärten dienen unterschiedliche Edel¬steinschliffarten wie Brillant-, Tropfen-, Quader-, Oval- und Triangelschliffbilder. Angereiht an einen Stadt¬rundgang bilden die Gartenstücke edle Setzsteine in der Stadt.

    Grüne Nuggets am Josefsbach
    Die 8 Platzaufweitungen an den Berührungspunkten der Stadt mit dem Josefsbach, welche in der Nachnut¬zung kleine Stadtplätze bilden und den Bezug zwischen Stadt und Bach stärken, werden Ausstellungsberei¬che. Wie Perlen an dem grünen Band des Bachraumes bieten die Plätze Raum für Themengärten wie \'Blatt¬gold\', \'Grünspan\' oder \'Grüner Schatten\', Kinderspielbereiche wie \'Goldwasser\' und \'Goldbären\'.

    Blühendes Sonntagskleid für den Stadtgarten
    Der Bereich des Stadtgartens erfährt eine Überplanung. Für den Ausstellungszeitraum werden die offenen Rasenflächen vor dem Kongresszentrum für Wechselflorpflanzungen genutzt - ein Paillettenkleid mit Blumenstrass als Motiv der eingestreuten Pflanzflächen.

    Gartenplatz Gamundia
    Auf dem Gartenplatz vor dem Bahnhof finden Themengärten, Hausgärten ihre Verortung. Einer Brosche gleich dient dieser Bereich als grünes Entrée und Nahtstelle zwischen den beiden Ausstellungsbereichen Ostbahnhof und Stadt. An der Mündung des Josefsbachs ist ein zentraler Gastronomiebereich konzipiert.

    Ehemaliger Güterbahnhof / Gleispark
    Handwerk und Design bringen neue Innovation zum ehemaligen Güterbahnhof. Dieser Bereich soll zukünftig städtebaulich erweitert werden. Zur Gartenschau wird das Feld mit Blumenschauen, Kultur- und Sportnut¬zungen bespielt. Wie an einer Perlenschnur ziehen sich die Nutzungen vom Entrée am Bahnhof bis zur \'Festplaza\' mit Bühne und den anschließenden Parkplätzen gen Westen im neuen Gleispark. Vom Bahnhof wird der Bereich fußläufig und behindertengerecht erschlossen. Die Grünstruktur bildet den Rahmen, nimmt die amorphe Formensprache der anderen Schaubereiche auf. Sie formt ebenfalls die Figur der späteren Bauflächen, auf denen sich während der Gartenschau die Parkplätze befinden. Grünzüge durchbrechen die einzelnen Felder und öffnen sich zum Neggerberg, eine grüne Querachse bildet die fußläufige Verbindung mit dem Bahnhof.
    Von der Neggerbergstraße werden später die Baufelder einzeln erschlossen und können wie Module flexibel realisiert werden.

    Gamundia / Stadtentrée
    Der Bahnhof erhält durch den großzügigen Vorplatz eine neue Bedeutung. Zwischen dem Bahnhofsplatz mit seinem funktionalen Charakter als Verkehrsfläche zwischen Bahnhof, Busbahnhof und Stadtentrée/ Bahn¬hofsbrücke und der Rems mit dem dahinter liegenden historischen Stadtgarten entsteht ein neuer Freiraum. Auf der zum Wasser der Rems \'abkippenden\' Platzebene arbeiten sich in der Bewegung zum Wasser amor¬phe Gartenkörper heraus, die eine Symbiose aus Stadtplatz und Stadtgarten bilden, den \'Gartenplatz\'. Diese 3 Gartenkörper sind durch Mauerscheiben gegliedert. So entstehen 3 \'horti conclusi\' – stille Räume in einem stark urbanen Umfeld. Sie entwickeln 3 verschiedene Dynamiken: der östliche Gartenraum verharrt in der Bewegung zum Bach, der mittlere bewegt sich durch die Sitzstufenanlage zum Bach hinunter, der westliche Gartenraum \'springt\' mit seinem Fußgängersteg über die Rems und verbindet so direkt den historischen Stadtgarten und seine Neuinterpretation auf der anderen Uferseite. Das Wasser der Rems ist schon vom Bahnhofsplatz erlebbar.
    Ein einheitlicher Plattenbelag erstreckt sich über aller Fußgänger- und Radfahrerbereiche.

    Josefsbach
    Der neu gestaltete Bachraum wird auf 3 Ebenen erfahrbar: dem Uferweg mit seinen Sitzstufen und Aufent¬haltsbereichen am Wasser, der vollständig erhaltenen Lindenallee und im Bereich der Ziegelgasse auf einer Mittelebene zwischen Bach und Allee. Entlang des Baches reihen sich kleine Plätze mit sich ähnelnder, wie¬der erkennbarer Platzgestaltung aneinander. Sie nehmen die Bewegung bzw. die Ausrichtung der aus der Stadt führenden Straßen auf und bilden so eindeutig gefasste Verknüpfungspunkte zwischen der Stadt und dem Bach. Persönlichkeiten der Stadt Schwäbisch Gmünd wie Peter Ustinov, Emanuel Lentze oder Calvaro dienen der Namensgebung.
    Es entsteht eine eindeutige Markierung sowohl des Bachraumes als auch der Stadt.
    Die Verkehrsführung am Sebaldplatz wird neu geordnet. Hier entsteht eine großzügige Platzfläche, auf der sich der vegetative Gestaltungsansatz der sich zum Wasser hin auflösenden Pflanzstreifen fortsetzt und so den Josefsbach mit der neuen Aussichtsterrasse Zeiselberg verbindet.

    Der Umgestaltung des Baches wird die Längsschnittvorgabe des Fachbüro BGS zugrunde gelegt. Ein eigener Querschnitt für den Mittelwasserabfluss wird unter der empfohlenen Sohle angeordnet, um das Gewässer auch bei niedrigen Abflüssen auch als solches sichtbar zu machen und um Fließtiefe/Tiefenvarianz für die Aquafauna zu gewinnen.
    Folgende Überlegungen und hydrologische, hydraulische Vorgaben bestimmen die Gestaltung:

    Mittelwasserbett:
    In dem übergroßen Querprofil wird ein Bach eingebettet, dessen benetzte Breite natürlichen Verhältnissen entspricht. Geschätzter mittlerer Abfluss Mq = 15 l/s/km², MQ = 0,75 m³/s.
    Abfluss MQ = 0,75 m³/s, mittlere Wassertiefe 0,4 m, mittlere Breite 4,0 m, erforderlicher Fließquerschnitt von 1,5 bis 2,0 m².

    Bachbegleitweg:
    Der Bachbegleitweg sollte nicht häufiger als einmal jährlich überströmt werden, damit er nicht zu oft ge¬sperrt und gereinigt werden muss. Das entspricht einem Abfluss von Hq = 200 l/s/km², HQ >1 = 10,0 m³/s.
    Abfluss HQ>1 = 10,0 m³/s, mittlere Wassertiefe 1,2 m, mittlere Breite 9,0 m, erforderlicher Fließquerschnitt 10,0 m². Die Wegegradiente wird also um 1,2 m über der Sohle angeordnet. Bei Mittelwasser befindet sich der Wasserspiegel 0,8 bis 0,9 m unter Wegekante und damit in \'greifbarer Nähe\'.

    Bachbettgestaltung:
    Mit dem vorhandenen hellen, attraktiven Jurakies wird eine natürliche Sohle geformt. Diese ist in unregel¬mäßigen Abständen durch Sohlenschwellen aus großen Blocksteinen oder Holz zu sichern. Durch deren ungleichmäßige Höhe werden Untiefen und pendelnde Strömungsrichtungen erzwungen. Im Grundriss schlängelt sich das 3,0 bis 5,0 m breite Mittelwasserbett in dem 8,0 bis 10,0 m breiten Lichtraumprofil zwi¬schen Weg und linker Böschung. Der Wegrand wird mehrfach so gestaltet, dass man ans Wasser gehen kann. Trittsteine lassen den Bach zu den unwirtlichen Tagen des Jahres begehen. Im Sommer kann die Be¬völkerung in den Josefsbach steigen und auf der kiesigen Sohle wandern, wozu die Gewässergüte II bis III durchaus einlädt.

    Hochwasserabfluss:
    Gabionen, lückig gesetzte Blocksteine und übererdete Steinschüttungen sichern das Hochwasserabfluss¬profil. Einzelbäume werden reihig in Fließrichtung gepflanzt. Strauchbewuchs wird nur oberhalb des Hoch¬wasserabflussquerschnittes in Gruppen angeordnet.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.