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  • DE-38104 Braunschweig
  • 02/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-6581)

St. Leonhards Garten (Phase B)


  • 1. Preis

    Quartiersplatz

    Architekten
    HINRICHS WILKENING ARCHITEKTEN, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Sven Hinrichs , Ralf Wilkening

    Mitarbeit
    Wadja Soenario, Mitarbeiter Wadja Soenario, Modellbau Katrin Helmbold

    Erläuterungstext
    Das freiwerdende Areal des Stadtbahndepots im Blockinnenbereich macht eine Neudeterminierung des gesamten Blockes am südlichen Rand des östlichen Ringgebietes in Braunschweig möglich. Das Entwurfskonzept sieht eine Bebauungsstruktur mit städtischen Reihenhäusern, Doppelhäusern, Punkthäusern und Stadthäusern vor. Ein neues Quartier entsteht und orientiert sich um einen zentralen öffentlichen Ort, den Baumhain. Dieses Zentrum mit identitätsstiftender Funktion knüpft an die Geschichte des St. Leonhards Gartens als öffentlicher Platzraum an. Die öffentliche Grünanlage im Inneren des Blocks zwischen Uhlandstrasse, Grünstrasse, Altewiekring, Helmstedter Strasse und Georg-Westermann-Allee besetzt signifikant die Stelle des Stadtbahndepots.

    Das neue Quartier gliedert sich in vier Bereiche. Der Baumhain wird von Einfamilienhäusern in Form von städtischen Reihenhäusern umgeben. Die fragmentarische Blockstruktur zwischen Herderstrasse, Helmstedter Strasse und Georg-Westermann-Allee wird durch die Fortsetzung der offenen Randbebauung mit Stadthäusern als Geschosswohnungsbauten geschlossen. Im Inneren dieses Blocks entsteht um die grosse alte Rotbuche herum ein neuer öffentlicher Grünraum mit Spielbereich. Zwischen Bienenstrasse und neuer Quartiersgasse entstehen Grundstücke für Doppelhäuser, diese ergänzen den offenen Blockrand zwischen Altewiekring, Helmstedter Strasse und Herderstrasse. Auch in diesem Blockinneren entsteht eine öffentliche Grünanlage mit Spielbereich. Der langestreckte Grünraum zwischen der 30er Jahre Bebauung an der Uhlandstrasse und neuer Reihenhausbebauung am Baumhain wird im südlichen Teilbereich durch eine lose Punkthausbebauung zum neuen Quartier hin geöffnet. Ein weiteres Stadthaus reiht sich in die offene Randbebauung an der Georg-Westermann-Allee ein. Die einzelnen Nachbarschaften des Quartiers sind durch ein Wegesystem miteinander vernetzt, die einzelnen Grünbereiche werden miteinander verknüpft und das Quartier an die Umgebung angebunden. Der zentrale Platz mit Baumhain stellt einen wichtigen öffentlichen Bereich auch für die weitere Umgebung dar.

    Die verkehrliche Anbindung erfolgt über die Helmstedter Strasse und die Herderstrasse, hier ist auch die Zufahrt zu der Quartiersgarage angeordnet. Über Einbahnstrassen sind alle Wohnhäuser mit einer Zufahrt ausgestattet, so dass die Möglichkeit der Unterbringung von Privatgaragen im Erdgeschoss möglich ist. Der Richtungsverkehr verhindert die Durchquerung des Quartiers für den übergeordneten Verkehr. Die Besucherstellplätze sind strassenbegleitend unter Bäumen angeordnet.

    Das neue Wohnquartier wird geprägt durch grosszügige Grünanlagen von unterschiedlicher Qualität. Daneben stehen kleine Privatgärten durch Heckenpflanzungen voneinander abgegrenzt. Die spezifische Atmosphäre des Quartiers wird durch den zentralen Platz unter dem Baumhain bestimmt, hier ist der Treffpunkt für Jung und Alt. Ein Quartierstreff als Cafe entsteht im Erdgeschoss des Reihenhauses am südlichen Rand des Platzes. Der Baumhain ist die Begegnungsstätte für die Bewohner und der Aktionsort für vielfältige Ereignisse.

    Das städtische Einfamilienhaus als Reihenhaus oder „Townhouse“ ermöglicht eine städtebauliche Verdichtung im Innenstadtbereich durch private Bauherren. Durch die Einpassung des Quartiersplatzes mit den Reihenhäusern in das Fragment eines städtischen Blocks entsteht ein neues Ganzes. Das einzelne Haus wirkt in den Stadtraum. Durch die Vorgabe eines Bebauungssystems mit individuellen Wohnhäusern, die sich einer Grammatik unterordnen, entsteht eine Variabilität, die den Bedürfnissen der Bauherren gerecht wird. Durch das Thema und seine Variation wird ein Qualitätsstandard als verbindliche Spielregel eingeführt. Es wird eine Häuserbreite von 5-7 Metern angeboten, die Tiefe liegt bei 11 Metern. Die Gliederung des Volumens ist in 3-4 Geschossen vorgesehen, ein schmaler Rücksprung ab dem 1. Obergeschoss strassenseitig als Balkon und ein breiterer Rücksprung ab dem 3. Obergeschoss gartenseitig als Dachterrasse ist möglich. Die Unterbringung einer Garage im Erdgeschoss kann an der Stelle eines Arbeitsraumes erfolgen, eine Unterkellerung ist möglich. Die Stadthäuser als Geschosswohnungsbauten sind viergeschossig, das 4. Geschoss staffelt sich zum Blockinneren zurück und bildet eine Dachterrasse. Erdgeschossig sind Ladenlokale und Büroeinheiten denkbar. Insgesamt entstehen 90 Wohnungen als Einfamilienhäuser und 80 Wohnungen im Geschosswohnungsbau.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit besitzt urbane Präsenz innerhalb des Quartiers und im Stadtteil sowohl durch die klare figürliche Setzung wie auch durch ihre Maßstäblichkeit. Eine zu starke Privatisierung des Quartier-Innenbereichs wird vermieden. Der Stadtteil erhält einen neuen attraktiven öffentlichen Ort. Es werden die vorhandenen Blockränder sinnvoll ergänzt, so dass ein harmonisches Zusammenspiel des Neuen mit dem Bestand entsteht. Nachbarschaften werden weitgehend in behutsamer Weise berücksichtigt, notwendige Abstände gewahrt, wenn auch die Quartiereingänge von der Georg-Westermann-Allee und vom Altewiek-Ring verbesserungswürdig sind.

    Der vorgeschlagene „square-ähnliche“ Quartiersplatz und die Erschließungswege schaffen klare Vorder- und Rückseiten und damit eine deutliche Hierarchisierung der öffentlichen und privaten Freiräume. Unterschiedliche urbane Typologien und Wohnformen sind in dem städtebaulichen Rahmen vorstellbar, ohne dass die städtebauliche Klarheit verloren geht. In diesem Sinne versteht die Jury den Wettbewerbsbeitrag als hervorragend ausbaufähiges räumliches Grundgerüst, welches geeignet ist, auch über die vorgeschlagenen Bautypen hinausgehende Varianten, differenzierte Wohnformen und /oder Infrastruktur- und Gemeinschaftseinrichtungen aufzunehmen.

    Die Vernetzung des Entwurfes mit der Umgebung ist in jeder Beziehung gut gelöst, der Verfasser nutzt die wenigen realistischen Vernetzungsmöglichkeiten überzeugend und konsequent. Auch die verkehrliche Erschließung hat der Verfasser insgesamt überzeugend gelöst. Der Vorschlag einer zentralen Tiefgarage unter dem baumbestandenen Quartiersplatz erscheint jedoch nicht angemessen und im Hinblick auf eine schrittweise Realisierung ungeeignet. Private Einstellplätze in den Sockel- bzw. Erdgeschossen werden angeboten, sollten jedoch in der Überarbeitung differenzierter herausgearbeitet und dargestellt werden.

    Positiv bewertet werden die Ideen zu den eingesetzten Grünelementen, die allesamt urbanen Charakter besitzen, so der prägende baumbestandene Platz, öffentliche Landschaftszonen, Alleebepflanzungen und Hecken als raumbildende und trennende Elemente. Sie werten das Quartier auf und verleihen ihm eine, dem Namen „St.Leonhards Garten“ entsprechende Identität.

    Eine abschnittweise Realisierung ist gut möglich. Beginnend mit dem Quartiersplatz wäre eine schrittweise Umsetzung mit relativ geringen Störungen in den späteren Bauabschnitten denkbar. Die Blockarrondierungen erlauben, je nach Klientel, die Anordnung von mehrgeschossigem Mietwohnungsbau bis zum Privateigentum. Trotz der Strenge des Konzeptes ist eine große typologische Vielfalt möglich.

    Flexibilität bietet die stabile und klare Grundstruktur des Konzeptes. Bei der Ausformulierung und arch. Interpretation der Arbeit ergeben sich Spielräume für die Gestaltung der Baukörper und Fassaden.

    Die Thematik dieses Entwurfes entspricht in hohem Maße den aktuellen Tendenzen in der Diskussion um neue innerstädtische Wohnformen und lässt für die nächste Bearbeitungsphase interessante Beiträge erwarten, die dem Modellcharakter des Vorhabens gerecht werden.