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  • DE-38104 Braunschweig
  • 02/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-6581)

St. Leonhards Garten (Phase B)


  • Anerkennung

    Städtebau

    Architekten
    Kellner Schleich Wunderling, hannover (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Matthias Buchmeier, Karin Kellner Lutz Schleich Eckhard Wunderling Mitarbeit: Matthias Buchmeier , Modellbau: Czylwik + Lotze Hannover

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE)

    Erläuterungstext
    Das in unmittelbarer Lage am Innenstadtring gelegene Quartier ist geprägt durch die in spürbarer preußischer Strenge platzierten, gründerzeitlichen Solitärarchitekturen mit schmucken Vorder- und vernachlässigten Hinterseiten entlang der west- und nördlichen Blockränder und einer Zeile mit Schlichtwohnungsbau der Fünfziger Jahre auf der Ostseite zur Uhlandstraße. Während die gründerzeitlichen Wohngebäude mit ihren Schauseiten extremer Verkehrsbelastung ausgesetzt sind, hält sich der Verkehr auf den übrigen Seiten im Vergleich zum Altenwiekring in akzeptablen Grenzen.
    Beiden so unterschiedlichen Bauweisen gemein ist die außenraumfeindliche Haltung der ihnen eingeschriebenen Wohnungsgrundrisse, die heutigen Anforderungen an das innerstädtische Wohnen in keiner Weise gerecht werden. Es ermangelt an Außenraumbezügen in den Erdgeschossen, an Freisitzen in den oberen Geschossen und unmittelbar an das direkte Wohnumfeld angeschlossenen, natürlich gestalteten Frei- und Bewegungsräumen, die auch Parkanlagen in fußläufiger Entfernung nicht ersetzen können.

    Diese kurze Bestandsaufnahme des Vorgefundenen mündet in die zentrale Idee des St. Leonhards Garten, einem „Pocket-Park“, der den Wohnwert für alle im Quartier lebenden Bürger steigert und somit entschieden zu einer Verzahnung des Bestands mit dem Neuen beiträgt. Eingespannt zwischen den zentralen Quartiersplätzen St. Leonhard im Süden und dem Bouleplatz am Cafe im Norden reihen sich villenartige Punkthäuser ohne vorgelagerte Gartenzone mit eingezogenen Loggien und Dachgärten entlang der Parkpromenade – sie variieren das Thema der gründerzeitlichen Gebäude, die ihrerseits mit dem Angebot einer neu auszuweisenden Bauzone ihre Rückseiten mit Wintergärten, Loggien und Terrassen entsprechend aufwerten können.

    Über Freitreppen begehbar gelangt man in die halböffentlichen Freibereiche der vier „Nachbarschaften“ des Quartiers. Baulich-räumlich werden diese Grünräume von drei- bis viergeschossigen Reihenhäusern, bzw. Maisonette-Häusern gefasst. Die Wohngebäude dieser Nachbarschaften zeichnen sich im Gegensatz zu den westlich vorgelagerten Villen durch typische Merkmale des verdichte-ten Einfamilienhauses aus: Vielfältiges Angebot an blickgeschützten Freiflächen - Wohnen über mehrere Ebenen - kleine Gärten - Stellplätze direkt am Haus. Die Nachbarschaf-ten sprechen jeweils eine einheitliche Architektursprache in Dachform, Material und Geschossigkeit.

    Neben den tragenden Bausteinen der Stadtvil-len an der Parkpromenade und der Platzrandbebauung an der Georg-Westermann-Allee ist die Möglichkeit gegeben, auf der Grundlage eines einfachen, städtebaulichen Patterns unter Vorgabe der Raumkanten vier eigenständige Nachbarschaften zu entwickeln, um innerhalb eines ihnen eingeschriebenen Formen- und Gestaltungskanons differenzierte Wohnquartiere mit unterschiedlichstem Hausbesatz entstehen zu lassen. Der durch das Wettbewerbsverfahren zum Ausdruck gebrachte Wunsch nach einer nutzereinbeziehenden Planung wird durch diese einfachen, aber stringenten Vorgaben der städtebaulichen Grunddisposition Rechnung getragen. Je nach Besatz sind pro Baufeld zusätzlich zu den Wohnungen der Stadtvillen bis zu 26 Wohneinheiten realisierbar. Ihre U-förmige Anordnung bewahrt den Bewohnern des Schlichtwohnungsbaus den Blick in die Tiefe des Raumes.

    Den Schwerelinien des Entwurfs entsprechend erfolgt die Haupterschließung des Quartiers von Süden. Die verkehrliche Anbindung wird durch ein Torgebäude im Knickpunkt der Georg–Westermann-Allee gewährleistet. Dieser Visierbruch wird künftig mit dem kurzen Riegel entlang der Georg-Westermann-Allee baulich-räumlich unterstützt: Über die Kopfseite des Riegels wird der Blick umgelenkt auf die Kirche von St. Johannis und zugleich der Auftakt in die fußläufige, lärmgeschützte Wegebeziehung über den Platz hin zur Parkpromenade und in den St. Leonhards Garten geschaffen.


    S t e l l p l ä t z e

    Die öffentlichen Stellplätze sind in ausreichender Anzahl als Längsparkplätze entlang der Basisstraße untergebracht. Die privaten Stellplätze der Stadtvillen werden in Tiefgaragen nachgewiesen. Die Stellplätze der Nachbarschaften sind konzeptabhängig in Tiefgaragen, als Carports vor den Eingangsbe-reichen oder den gegenüberliegenden Gartenzonen, oder aber hausintern als Garage integriert angeordnet.


    M a i s o n e t t e w o h n u n g e n

    Die Wohnungen in den Obergeschossen sollen bevorzugt über hausweise Außentreppen (Wohnen am Hang) erschlossen werden. Laubenganger-schließungen sind zu vermeiden. Freibereiche der oberen Wohneinheiten werden als Dachterrassen und Patios nachgewiesen.


    V a r i a b l e r N u t z u n g s b e s a t z

    Die in den Grundrissen aufgezeigte Anordnung von Reihenhäusern, Geschoss- und Maisonette-wohnungen zeigt, wie variabel die Nachbarschaft auf individuelle Nutzerwünsche reagieren kann.

    Die Adresse ist gegeben, für den einprägsamen Charakter und die Unverwechselbarkeit die tragfähige Grundstruktur als übergeordnete Einheit entwickelt, für Aneignung und Individualität Raum und Freiheit gelassen – ohne das Maß für das Ganze aus den Augen zu verlieren. Alle weiteren notwendigen Nachweise der architektonischen Gestaltung bleiben einem anderen Maßstab vorbehalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.