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  • DE-66663 Merzig, DE-66663 Merzig
  • 10/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-216924)

Der Saarpark


  • Gewinner Zur Realisierung empfohlen Stadtpark


    Architekten, Stadtplaner
    WW+ architektur + management, Esch-sur-Alzette - Luxembourg (LU), Trier (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Ernst + Partner, Trier (DE)
    Bauingenieure: Ney & Partners, Brüssel (BE), Luxemburg (LU), Tokyo (JP)

    Erläuterungstext
    Erlebnis Saarmitte Merzig
    Die heute von der starken Barriere Saar getrennte Kernstadt und der vis-a-vis gelegene Stadtbereich mit seinen beliebten Sport- und Freizeitangeboten werden durch das neue Gesamtkonzept Erlebnis Saarmitte Merzig miteinander verbunden. Die Saar mit ihren Uferbereichen wird wieder in die Mitte der Stadt gerückt und von einem trennenden zu einem verbindenden Element transferiert. Mithilfe eines „Roten Wegebandes“ für Fußgänger und Radfahrer, welches die Gegebenheiten der Stadt aufgreift und bestehende Freiräume miteinander vernetzt, wird eine Vereinigung und funktionale Erweiterung der ehemals getrennten Stadtseiten erreicht. Das Band verläuft wie natürlich durch die Stadtlandschaft und schafft es, harte Barrieren wie die Bahnlinie und die Bundesstraße zu durchbrechen.
    Neben dem übergeordneten städtebaulichen Konzept werden drei weitere räumliche Schwerpunktbereiche vorgestellt:
    • die neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke,
    • der Stadtpark und das östliche Saarufer,
    • der Sport- und Freizeitpark und das westliche Saarufer
    Resultierend aus der anzunehmenden Katalysatorwirkung, welche sich aus den Gesamtmaßnahmen ergibt, wird ebenfalls der angrenzende Bereich um den Seffersbach als fakultative Entwicklungsoption beleuchtet.

    Das übergeordnete städtebauliche Konzept
    Die Ist-Situation

    Im Moment gibt es keine „natürliche“ Verbindung zwischen Stadt und Fluss. Stattdessen gibt es eine Reihe von künstlichen Barrieren zwischen dem Stadtzentrum und der Saar. Die erhöht liegende Eisenbahnlinie und die Bundesstraße auf dem Damm trennen Merzig sowohl visuell als auch physisch von der Saar. In der Vergangenheit durchgeführte Bauvorhaben, wie die Eisenbahnlinie, das Pumpwerk zum Hochwasserschutz, die Bundesstraße und die Kanalisierung der Saar, haben aus einer „Stadt am Fluss“ eine „vom Fluss getrennte Stadt“ gemacht. Merzig hat sich nach innen gekehrt – weg von der Saar, weg vom Seffersbach. In den letzten Jahren wurde begonnen, den Seffersbach mit seinen säumenden Freibereichen wieder ins Stadtbild zu integrieren und als zentrale strukturierende Ader zu bewerten.

    Konzeptionelles Ziel

    Die bereits bestehenden Qualitäten der Stadt Merzig, wie die geringen Distanzen innerhalb der Kreisstadt, sollen nun gestärkt und entlang eines „Roten Wegebandes“ für Fußgänger und Radfahrer von Ost nach West verbunden werden und dadurch zu einer „Stadt der kurzen Wege“ werden. So soll die Innenstadt, der Stadtpark mit der Stadthalle, die Saar mit ihren Uferbereichen und der Sport- und Freizeitbereich zu einer großen Mitte zusammenwachsen – die Stadtmitte Merzig wird zur Saarmitte Merzig. Dabei läuft das Band wie natürlich durch den vorgezeichneten Freiraumkorridor der Stadtmorphologie und reiht die Freiraum- und Platzbereiche aneinander auf. Dieses Band verläuft nicht nur von Brückenkopf zu Brückenkopf, sondern durch die gesamte Stadt und setzt daher auch an der natürlich geformten Stadtader Seffersbach an. Durch die Wahl des Korridors lassen sich Nadelöhr-Situationen wie die enge Bebauung im Bereich des Halfenhauses und der sehr enge Durchgang unter der Bahnlinie vermeiden. Eine Optimierung dieser Bereiche wäre sehr kostenintensiv und technisch aufwendig. Mit sehr geringem Aufwand lässt sich andererseits eine sichere Querungshilfe in der Mitte der Straße integrieren. Die offene Platzsituation „Am Viehmarkt“ leitet die Menschen intuitiv auf das Wegeband. Wichtiges Element dieser Synthese ist die neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke. Sie bietet den Menschen nicht nur die Möglichkeit auf schnellem Wege zwischen den Stadtteilen zu wechseln, sondern gibt durch ihre Lage und dem Spiel mit der Höhe zugleich auch die verschiedensten Ein- und Ausblicke in den umgebenden Stadt- und Naturraum. Durch das Einsetzen einer intuitiv zu verstehenden Wegeführung können Besucher der Saarmitte das Areal einfach erschließen. Im Innenstadtbereich setzt die neue Brücke am geschwungenen Seffersbach an und führt dessen weiche Linie entlang des nördlichen Bereichs des Stadtparks über die Saar bis zum Sport- und Freizeitpark und sogar darüber hinaus zu den westlich liegenden Stadtteilen (Hilbringen, Seitert, Ballern) fort. Dies führt auch hier zu einer Minderung der starken Barriere durch die Autobahn. Vervollständigt wird das Wegeband durch die auf beiden Saarseiten anschließenden Hauptwege, welche durch vielfältige neue Funktionen und Attraktionen im Bereich Freizeit, Erholung und Naturerlebnis aufgewertet, teilweise komplementär ergänzt und gestärkt werden. Dabei entwickelt sich eine Komplementarität zwischen dem Sport- und Freizeitpark und dem Stadtpark sowie der Innenstadt: sie ergänzen sich in ihren Funktionen und stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Sie stillen sowohl die alltäglichen Bedürfnisse, als auch die Bedürfnisse nach speziellen Aktivitäts- und Erholungsformen, die aufgrund ihrer touristischen Attraktivität auch stadtübergreifend Besucher anlocken werden. Diese neue Erschließung bildet ein starkes Rückgrat für die Stadt Merzig und den nicht-motorisierten Verkehr und erlaubt positive Wechselbeziehungen zwischen den Stadtteilen.

    Der Stadtpark und das östliche Saarufer
    Der Stadtpark
    Der Merziger Stadtpark besitzt bereits heute ein hohes Aufenthalts- und Erholungspotential und soll in seiner Struktur weitestgehend unverändert bleiben. Punktuell wird der Park behutsam durch kleinere Maßnahmen verjüngt und funktional gestärkt. Einige wenige Bereiche müssen eine Neuordnung erfahren:
    1. Der Bereich um die Stadthalle: Bisher ist die Stadthalle dem Stadtpark nicht eindeutig zugeordnet. Dies soll sich durch eine gestalterische und funktionale Einbindung ändern. Die Verzahnung mit dem Park erfolgt hauptsächlich durch eine breite Treppenanlage, welche an die vorgelagerte Promenade anknüpft und einen offenen Zugang zum Park ermöglicht. Die Promenade hat zudem auch eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen Saarufer und Kernstadt.
    2. Der Bereich um den Seffersbach: Da hier die neue Brücke ansetzt, ergibt sich die Möglichkeit, die bereits bestehenden Gehölze, den Bach und das Pumpwerk durch einen „Baumwipfelpfad“ in Szene zu setzen und aus der Höhe erlebbar zu machen. Das Areal wird naturnah gestaltet und als eher introvertierter Bereich erlebbar sein. Die Wegeverbindung zum nahe gelegenen Stadion, Campingplatz, Kanu-Club und Tierpark am Blättelbornweiher wird gestärkt.
    3. Im östlichen Parkareal entsteht des Weiteren ein großzügiger Sand-Spielbereich für die kleinsten Merziger Bürger. Vorgelagert befindet sich ein neues „Portalgebäude“ für den Stadtpark mit Informationen für die Bürger und Besucher der Stadt sowie ein barrierefreies WC. Es bildet einen klaren Auftakt in den Park, sowie einen Parkabschluss.
    4. Neuangelegte Rasenstufen zwischen Pumpwerk und Park überbrücken den Höhenunterschied und laden zum Entspannen ein. Sie bilden zugleich einen harmonischen räumlichen Abschluss des Stadtparks. Funktional und gestalterisch ist die sich hier befindende Bastion (mit ihrem ehemaligen Kiosk) als kaum erhaltenswert eingestuft worden. Dennoch wird dieser Bereich durch eine Schließung von der L174 getrennt, um einen ruhigen Aufenthalt zu gewährleisten.
    5. Um auch im direkten Inneren des Stadtparks Verweilmöglichkeiten für die Besucher zu bieten, werden verteilt unter den Bäumen „Boomerangs“ (Sitzsicheln) angeboten. Hier fusioniert der alte Baumbestand mit moderner Sitzarchitektur und lädt zum Verweilen im Schatten ein.

    Das östliche Saarufer
    Auf der Seite des Stadtparks wird die „Stadtterrasse“ mit Stufenelementen zum Wasser geführt, welche die Bürger und Besucher zum Rasten, Ruhen und Beobachten einlädt. Die Saar wird für die Menschen an dieser Stelle zugänglich und erlebbar. Hier legen auch die Fahrgastschiffe an. In Form von mobilen „Foodboxen“ wird für Getränke und kleinere Snacks gesorgt. Bei Hochwasservorkommnissen können sie einfach vorübergehend versetzt werden.
    Flussabwärts finden sich städtisch geprägte Elemente in Form von einfachen glatten Flächen, die für zahlreiche Spieleaktionen genutzt werden können. Außerdem lassen sich die etwa 10cm in den Boden eingelassenen „Quai-Squares“ im Winter fluten und als befahrbare Eisfläche nutzen. Sie machen das Ufer zu einem spannenden Treffpunkt für Aktive und Zuschauer.

    Fazit
    Das Erlebnis Saarmitte Merzig ist weit mehr als nur eine Stadteilverbindung durch eine Rad- und Fußwegebrücke. Die Brücke bildet zwar ein wichtiges und unverzichtbares Element, ist aber nicht alleiniger Hauptakteur der Konzeption. Ausschlaggebend ist die Vision eines „Roten Wegebandes“, das sich wie selbstverständlich in die Stadttopografie und -morphologie einfügt und teils vorhandene, teils neu geschaffene Freiräume miteinander verbindet. Es bildet ein starkes Rückgrat für den nicht-motorisierten Verkehr der Stadt Merzig und lässt sich dabei intuitiv und ohne Stadtplan benutzen. Das vorhandene und in der Stadt Merzig bereits schlummernde Potential als Stadt der kurzen Wege, wird erst durch dieses „Rote Wegeband“ aktiviert. Die wohldosierte und definierte Angebotserweiterung aus dem Bereich Erholung, welche sowohl die täglichen Erholungsbedürfnisse, als auch die besonderen nichtalltäglichen Erholungsformen beinhaltet, führt zu einer Funktionsstärkung der beidseitigen Frequentierung der Brücke. Die Funktionserweiterung stellt eine weitere wichtige Komponente für die Stadtteilvernetzung mit dem Herzstück der neuen Saarbrücke dar.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Gesamtkonzept führt eine neue Verbindungslinie vom Bereich Seffersbach aus der Innenstadt am Stadtpark vorbei über die neue Saarbrücke, das Sport- und Freizeitgelände und konsequenterweise über eine neue Anbindung bis zum Stadtteil Hilbringen. Die neue Anbindung nach Hilbringen ist die konsequente Fortführung der funktionalen Querbezüge, erfordert aber eine zusätzliche bauliche Querung der Autobahn.

    Die Idee Stadt und Freizeitpark über die lange Brücke zu verbinden ist als tragendes Element überzeugend und gestalterisch gut entwickelt. Es entspricht dem Wunsch, die Stadtseite städtisch zu stärken und dem Freizeitpark auf der westlichen Saarseite einen starken Akzent zu verleihen.

    Das Konzept befasst sich auch auf der Innenstadtseite mit dem Seffersbach und bildet dort neue qualitätvolle städtische Uferzonen aus.

    Auf der Seite des Freizeitparkes befasst sich der Entwurf nur mit dem Bereich Jachthafen, Folgelandschaft Kiesabbau, verpasst jedoch die Chance, die bestehenden Bereiche Schwimmbad, Zeltpalast, Tennisplätze etc. konzeptionell einzubinden. Der neue Bereich um die Freizeitseen ermöglicht interessante Wegeführungen, ist aber mit zahlreichen Aktivitäten überfrachtet und vermutlich pflegeintensiv. Die benannten Aktivitäten der neuen Freizeitnutzung lassen vermuten, dass keine offene landschaftliche Nutzung entstehen wird, sondern ein prominenter Weg zwischen unterschiedlichen Freizeiteinrichtungen, Parkplätzen und eingefriedeten Bereichen entsteht. Es fehlt der Blick über den Tellerrand.

    Das Erschließungskonzept für den MIV wird im Bereich des Sport- und Freizeitbereichs beibehalten und ergänzt. Aussagen über den ruhenden Verkehr werden nicht getroffen.

    Der Brückenentwurf ist zur Imagebildung gut geeignet.
    Die Brückenbreite beträgt 4m (Gehbahn). Es handelt sich um eine „übliche“ Konstruktion, die statisch beherrschbar ist.
    Es wird ein Materialmix vorgeschlagen: Bogen Baustahl vollverschlossene Seite, Überbau wetterfester Stahl (Rostfassade).

    In der weiteren Planung sollte im Hinblick auf den wetterfesten Stahl auf Detailgenauigkeit höchsten Wert gelegt werden; „korrosionsbedingte“ Planung ist erforderlich. Die jetzt sehr filigran dargestellten Geländer mit Edelstahlnetzen werden nach der statischen Bearbeitung sicher kräftiger ausfallen.
    Grundsätzlich entstehen im Vergleich zu Brücken aus anderen Materialen aufgrund des Rostzuschlags höhere Materialkosten.
    Die Unterhaltung ist wegen des exzentrischen Bogens und den Seilen aufwendig.
    Die Kostenschätzung beinhaltet einige „unübliche Kostenansätze“, vieles wurde berücksichtigt, manches viel zu hoch und manches zu gering, z. B. Planungskosten und Bauüberwachung.
    Die Kostenschätzung wird von 7,35 Mio € auf netto 8,0 Mio € angehoben.

    Die Nutzbarkeit der Wege und Brücken für alle Benutzergruppen (einschließlich Rollstuhlfahrer) wird durch ausreichende Rampenlänge gewährleistet. Eine direkte Anbindung an den Leinpfad wird über Treppen beidseitig erreicht.

    Die zweimalige Überquerung des Seffersbaches durch die Brücke ist aus der Fußgängerperspektive nicht überzeugend gelöst und wird daher vom Preisgericht überwiegend kritisch gesehen. Auch wird der Einstiegspunkt für die Brücke nördlich des Pumpenhauses kritisch diskutiert.

    Der Bereich des Stadtparkes wird behutsam in den Randbereichen ergänzt und aufgewertet. Besondere Anerkennung findet der Vorschlag der direkten Wegeverbindung aus der Stadt nördlich der Stadthalle hin zur Saar und zur neugestalteten Anlegestelle. Das neue Portalgebäude am Beginn dieses Weges wird vom Preisgericht ebenso begrüßt wie die Aufwertung des Umfeldes der Stadthalle.