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  • DE-52062 Aachen, DE-52064 Aachen
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-198309)

Altstadtquartier Büchel - Nikolausviertel


  • 3. Preis

    Perpsektive Büchel, © ISR Stadt+Raum & Konrath Wennemar, Willi Landers

    Architekten
    Konrath und Wennemar Architekten Ingenieure, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Oliver Konrath , Harald Wennemar

    Mitarbeit
    Lisa Schröder

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: ISR Innovative Stadt- und Raumplanung GmbH, Haan (DE), Düsseldorf (DE)

    Preisgeld
    10.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Einbindung

    Der östliche Innenstadtbereich „Büchel“ der Stadt Aachen wird derzeit von dem aus den 60er Jahren stammenden Parkhaus geprägt. Durch die Zurücknahme der Bausünden der 60er Jahre und das daraus resultierende Aufgeben des öffentlichen Parkhauses, besteht die große Chance, im Herzen der Aachener Altstadt ein „Stück“ Stadt mit innenstadttypischer Nutzungsmischung zu generieren. Das geplante Altstadtquartier stellt eine Reparatur des Stadtgrundrisses dar, welche die angrenzenden Stadträume miteinander vernetzt und verknüpft. Das neue Gefüge der öffentlichen Räume wird in Anlehnung an die stadträumliche und stadtstrukturelle Kleinteiligkeit eine eigene identitätsstiftende Atmosphäre kreieren.

    Erschließung

    Die Aachener Altstadt lebt durch die verwinkelten kleinen Gassen und die immer neu zu entdeckenden Platzabfolgen, Höfe und Raumaufweitungen. Der Entwurf setzt dieses historische innerstädtische Gassensystem und die damit verbundene Vitalität fort. Der derzeitige „Hinterhof“ Antoniusstraße wird schwerpunktmäßig als Wohnstraße entwickelt und baut ein neues Image auf. Der öffentliche Raum erhält durch zwei weitere „Öffnungen“ ins Blockinnere eine kleinteilige Gliederung und zusätzliche soziale Kontrolle.

    In Anlehnung an den vorhandenen Stadtgrundriss wird in Ost-West-Richtung ein neuer Erlebnisbereich, ein Stadtraum mit einer Abfolge von Plätzen, geschaffen, der die Verknüpfung zwischen Büchel und Dahmengraben herstellt. Das Viertel wird Bestandteil des innerstädtischen Rundlaufs, von dem benachbarte Lagen stark profitieren werden. Alle entstehenden öffentlichen Räume sind autofrei.

    Aufweitungen und akzentuierte Raumkanten spiegeln die altstadttypischen Raumentwicklungen wider. Die neue Ost-West-Beziehung und die topographiebedingte Situation ermöglichen Sichtbezüge zu Rathaus und Dom.

    Für die notwendigen Stellplätze der neuen innerstädtischen (Wohn-)Nutzung wird ein modulares Tiefgaragenkonzept entwickelt, das abschnittsweise realisierbar ist. Die Zufahrt in die Tiefgarage befindet sich, wie die alte Zufahrt ins Parkhaus, an der Nikolausstraße. Die derzeit vorhandene Verkehrsführung kann zukünftig für die Anwohner übernommen werden. Die Anlieferung der geplanten Handelsnutzungen kann innenstadttypisch über den Büchel und die Nikolausstraße erfolgen.

    Bebauung und Nutzungsaufteilung

    Das städtebauliche Grundgerüst für das neue Altstadtquartier Büchel wurde so entwickelt, dass sich die vorhandene Stadtstruktur wie selbstverständlich ergänzt. Jedes der fünf „Carrés“ kann einzeln und abschnittsweise realisiert werden. Die unter Denkmalschutz stehenden und stadtbildprägenden Gebäude sind im Entwurf integriert, kommen neu zur Geltung und tragen dazu bei, eine hohe Aufenthaltsqualität mit einzigartigem Charakter zu schaffen.

    Die Attraktivität und Anziehungskraft wird mit einer Vielfalt an Nutzungen aus den Bereichen Einzelhandel, Gastronomie und Wohnen steigen. In der Erdgeschossebene (+163.00m ü NN) entsteht eine lebendige Nutzungsmischung, die sich in der Vertikalen zu vielfältigem urbanen Wohnen weiterentwickelt. Es wird großer Wert darauf gelegt, altstadttypische Größen für die Handelseinheiten vorzuschlagen. Diese reichen von kleinteiligen „Shops“ über größere Ladeneinheiten mit bis zu 1500m² NF bis hin zum kleinen Geschäftshaus mit ca. 2500m² NF.

    Im südlichen Bereich des Quartiers wird ein Geschäftshaus den neuen Impuls für die Entwicklung des Areals geben. Der Haupteingang öffnet sich markant zum Büchel. Die Verkaufsflächen erstrecken sich auf der Erdgeschoss-, der 1. und 2. Obergeschossebene des westlichen Baublocks.

    Am Büchel wird am Standort des historischen Hotels „Großer Monarch“ optional ein neues Hotel entwickelt. Der historische Ort und die vorhandenen Quellen schaffen einen neuen Anziehungspunkt für Touristen. An den neu gestalteten Plätzen werden gastronomische Angebote integriert, welche die Aufenthaltsqualität der öffentlichen Räume zusätzlich erhöhen. Alternativ ist hier auch ein weiteres Geschäftshaus mit 3 Ebenen Handel mit ca. 2000m² NF und darüber angeordneter Wohnnutzung vorstellbar.

    Die Bausubstanz in der Antoniusstraße wird städtebaulich neu strukturiert. Die ein- bis zweigeschossige Bebauung wird durch zeitgemäße, kleinteilige Baukörper ergänzt. Im östlichen Bereich der Straße wird das Laufhaus um einen geschlossenen „Kontakthof“ entwickelt. Um übermäßige Präsenz im öffentlichen Raum zu vermeiden, bekommt das Laufhaus eine bauliche „Ummantelung“ nach Süden und Westen mit Nutzungen wie Studentenwohnungen oder Büroflächen für Start-up-Unternehmen. Das Altstadtquartier wird zusätzlich durch die Planung einer Kindertagesstätte im südöstlichen Bereich bereichert. Die Anordnung einer ca. 700m² großen Aussenspielfläche für die Kita, wie sie die Auslobung wünscht, erscheint aufgrund der ebenfalls gewünschten hohen Verdichtung nicht darstellbar. Die Planung zeigt eine Kita, die auf die altstädtische Lage zugeschnitten ist und hier eine hohe Aufenthaltsqualität im ruhigen Blockinnenbereich eines typischen Innenstadtbaublocks erzeugt.

    Die Figur der Bauwerke mit entsprechender Materialität und Fassadengestaltung sowie ihrer Dachlandschaften zeigen eine moderne Interpretation des Altstadtgefüges auf. Giebelhausstrukturen sind der gestalterische Archetypus der Stadt Aachen. Angelehnt an diesen Archetypus setzt das neue Baukonzept bewusst auf kleinteilige Fassaden. Als abstraktes Zitat wird die kleinteilige Maßstäblichkeit aufgegriffen und eine zeitgemäße und zukunftsweisende Antwort gegeben. Die Fassadengestaltung zeigt indikativ eine frische Formensprache, die auch typisch Aachener Elemente, wie das Drei-Fenster-Haus berücksichtigt.

    Frei- und Grünraum

    Kaiser-, Nikolaus- und Rosenquelle sowie die Quelle „Großer Monarch“ prägten bis ins 20. Jahrhundert mit verschiedenen Bädern und Hotelbauten das Viertel. Das Thema der Thermalquellen wird als Wasserband freiraumplanerisch aufgegriffen, ohne zwangsläufig Thermalwasser für das Wasserband zu verwenden. Das Wasserband funktioniert vielmehr als Symbol für das Thema der Thermalquellen. Die geplante Abfolge von Plätzen schafft Räume mit unterschiedlicher Aufenthaltsqualität. Das Quartier ist ein Teil der Thermalwasserroute Aachen. Die Sitzstufen am Wasser schaffen einen kommunikativen Ort mit Blick auf Rathaus und Dom.

    Der zentrale Platz am Wasserband unter Bäumen strahlt Ruhe in den urbanen Kontext aus. Ausreichend Lauf- und Präsentationsbereiche für die geplanten Ladenlokale sind vorgesehen. Ein markanter Solitärbaukörper am Platzkopf erzeugt eine spannende architektonisch-städtebauliche Form und dient als Ventil zwischen Dahmengraben und dem neuen Altstadtquartier.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Preisgericht reflektiert die Beurteilungstexte der 1. Phase und ergänzt die Texte wie folgt:
    Konrath und Wennemar mit ISR (Arbeit 1062); 3. Preis (8.823,53 EUR/netto)
    Das Grundkonzept des Entwurfs, die neue städtebauliche Schicht durch 5 „Carrés“ zu formulieren,
    wird begrüßt. Damit entsteht ein Gerüst an öffentlichen Räumen, dass vor allem zum Bäderstieg einen
    überzeugender Auftakt und Anschluss an die öffentlichen Räume im Umfeld erfährt. An dem gut dimensionierten
    Platz schließen sich Nutzungen an, insbesondere auch die Kita, die zur Belebung beitragen.
    Die Außenfläche der Kita ist zu klein. Das Nutzungsangebot und die Positionierung der einzelnen
    Nutzungen sind überwiegend schlüssig und tragen zur Belebung des inneren Bereichs bei. Lage
    und Erschließung des Laufhauses sind richtig gewählt.
    Die einzelnen „Carrés“ werden in den oberen Geschossen mit giebel- und traufständigen Haustypologien
    besetzt, deren Anordnungsmuster sich wiederholt. Wünschenswert wäre eine stärkere Raffung
    der einzelnen Bereiche. Die Darstellung der Höhen im Lageplan und in der Fassadenabwicklung
    stimmt nicht überein. Die in der Fassadenabwicklung gezeigten, zweigeschossigen Zwischenbauten
    können nicht überzeugen.
    Die modulhafte Anordnung von Häusern sollte stärker differenziert werden. Nach Süden - zum Büchel
    - wird eine klare städtebauliche Haltung erwartet. Wünschenswert wäre die Aufnahme der Parzellierung
    in der vertikalen Fassadengestaltung. Die thematisierten Blickbeziehungen sollten im Rahmen
    der Konkretisierung des Entwurfes stärker räumlich sichtbar werden. Die Baudenkmäler sind insgesamt
    gut eingebunden. Allerdings erfordert die Umsetzung der Höhenabwicklung zwingende Festsetzungen
    im Bebauungsplan, welche im geplanten Angebots-Bebauungsplan schwierig sind. Zudem
    sollten die notwendigen Abstandsflächen zwischen den Giebeln beachtet werden.
    Insgesamt bietet der Entwurf einen interessanten räumlichen und städtebaulichen Ansatz, der von
    einer modularen Typologie hin zu einem spezifischen Raumgefüge weiter zu entwickeln ist.

    Ergänzt wird die Beurteilung wie folgt:
    Die Anregungen und Kritikpunkte der 1. Bearbeitungsphase sind von den Entwurfsverfassern ernsthaft
    und konstruktiv aufgegriffen und in der Konzeption umgesetzt worden. Die vorgeschlagene Erschließung
    knüpft selbstverständlich an die Stadträume der Nachbarschaft an (Bädersteig, Londoner
    Hof und Büchel). Der bewusste Verzicht auf einen größeren Stadtplatz führt in der Konsequenz zu
    eher gleichförmig dimensionierten Stadträumen.
    Die starke geometrische Struktur kann dem Standort nicht hinreichend gerecht werden. Spezifische
    stadträumliche Qualitäten werden vermisst. Die Thematik des Wassers wird mit dem Wasserbecken
    und dem Wasserband im Stadtraum sichtbar gemacht und stellt den unmittelbaren Bezug zur Thermalroute
    her.
    Der Entwurf führt mit den Haustypologien einen kleinteiligen Maßstab ein, der durch seine charakteristischen
    giebelständigen Bauten und die Dachlandschaft geprägt wird. Dabei entspricht die Kleinteiligkeit
    im Erscheinungsbild überwiegend nicht der großflächigen Gebäudenutzung.
    Die Baudenkmäler sind angemessen in die Neubebauung integriert. Jedoch führen die engen Gassen
    zu Einschränkungen in der Nutzungsqualität. Die Nutzungen (KITA, Laufhaus, Hotel) sind richtig verortet.
    Insgesamt stellt der Entwurf einen diskussionswürdigen Beitrag zur gestellten Aufgabe dar.


INFO-BOX

Angelegt am 01.12.2015, 10:12
Zuletzt aktualisiert 02.12.2015, 10:45
Beitrags-ID 4-112807
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