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  • DE-06295 Lutherstadt Eisleben, DE-06295 Lutherstadt Eisleben
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-217045)

Neubau der Wiesenfesthalle


  • 2. Preis


    Architekten
    JORDAN BALZER SCHUBERT Architekten PartG mbB, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Rico Schubert

    Mitarbeit
    Peter Balzer

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Architekturbüro Raum und Bau GmbH BDA/BDIA, Dresden (DE), Lichtenstein (DE), München (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Entwurfsverfasser platzieren auf dem Bauplatz einen orthogonalen eingeschossigen Baukörper, aus dem der Kubus der Festhalle nochmals um 3,5 m herauswächst. Dieser klare, rationale Baukörper nimmt die Axialität der Wiesenstraßen und die Umgebungshöhen auf und setzt sich dabei selbstbewusst und seriös in Szene.

    Die großzügige Aufglasung an der Südwestecke wird in Verbindung mit dem Vorplatz als einladende Geste in Richtung der Lutherstadt und der von dort ankommenden Bürger und Gäste verstanden. Die stringente Platzierung erlaubt keine weiteren Vorbereiche an der Südseite und wird an der Nordseite mit einer Restfläche erkauft, die mehr der Andienung als dem Aufenthalt dient.

    Minimalistisch ist die ausgewogene und zugleich spannungsvolle Fassadengestaltung mit Glas- und Metallflächen, die auf den zweiten Blick durch die unregelmäßigen Sicken der Trapezprofilbleche rhytmisiert ist. Der Aufsatz der Festhalle mit hellen Faserzementtafeln steht im Kontrast zur kompakten Ummantelung im Erdgeschoss und scheint sich mit dem Himmel über dem Mansfelder Land zu vermählen. An der Ostseite wäre ein deutlicherer Absatz der EG-Fassade zum Aufsatz zu wünschen.

    Die rationale Architektur mit klaren Proportionen, offenen und geschlossenen Flächen kann überzeugen, vermittelt jedoch ein wenig die Anmutung einer Stadthalle oder eines Kongresszentrums – ein Eindruck, der durch die Innenperspektive verstärkt wird. Ebenso rational sind auf orthogonalem Raster die Räume entworfen und funktionell miteinander verbunden. Der großzügige Vorbereich ist zugleich Haupteingang, Foyer und bei Abtrennung auch Kleiner Saal an exponierter Stelle. Die Nordachse mit den Funktionsräumen ist selbstverständlich gegliedert, die Sanitärbereiche im Norden des Foyers sind an gut erreichbarer Stelle gelegen. Nur das nördliche Stuhllager ist vom Saal her etwas umständlich über schmale Flure zu erreichen.

    Die Baustruktur mit robusten Materialien und Tragwerken (Stahlbeton, Brettschichtholz) und modulartigem Raster unterstützt das Gebäudekonzept und lässt eine effiziente Bauweise und berechenbare Baukosten erwarten. Eine natürliche Belichtung der Festhalle über Dachoberlichte erscheint nicht erforderlich und würde für erhöhte Investitions- und Wartungskosten sorgen. Positiv vermerkt wird die Möglichkeit einer dezenten Führung der Haustechnik (insbesondere Lüftung) in den Feldern zwischen den BSH-Bindern, sodass die Innenraumwirkung der Festhalle durch Lüftungsrohre wenig eingeschränkt wird.

    Der Entwurf unterstützt in hohem Maße das energiesparende Bauen. Das betrifft sowohl den architektonischen Entwurf als auch die technischen Konzepte. Die Umsetzung der Anforderungen der ENEV 2016 und des EEWärmeG wird gewährleistet.

    Alles in allem ein konsequenter und baulich-funktional gelungener Entwurf, der allein in der architektonischen Erscheinung etwas zu nüchtern und neutral in Bezug auf die besondere Nutzung als Volksfesthalle bleibt.