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  • DE-10785 Berlin, DE-10707 Berlin
  • 10/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-199367)

Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung


  • 2. Rundgang


    Architekten
    O&O Baukunst, Berlin (DE), Köln (DE), Wien (AT) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: SCHIMMEL Beratende Ingenieure, Berlin (DE), Unterföhring (DE)
    Modellbauer: Architekturmodellbau Shortcut - Modellbau, Frässervice, Laserservice, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAU und ARCHITEKTUR

    Der Neubau positioniert das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung offensiv zur Stadt und tradiert die klassische Moderne von Walter Gropius. Mit dem Museum für Gestaltung und dem Bauhaus Archiv verbinden sich zwei starke architektonische Identitäten zu einem Gebäudekomplex . Durch vielfältige Bezüge in der Anlage, Gliederung, Materialität, Erschließung und Funktion entsteht bei höchster Autonomie von Museum und Archiv eine geradezu symbiotische Verbindung von Neubau und Bestand.

    Das neue Museum wird in der additiven Zusammenstellung zweier platonischer Körper zu einem Gebäude verschmolzen. Die beiden ineinander gestellten Gebäudetrakte des Neubaues vermitteln dabei gleichermaßen präzise und anschaulich die Maßstäbe urbaner Größe zu landschaftlichem Übergang. Der Neubau rückt mit der nördlichen Kante des Hauptbaus dicht an die Von-der-Heydt-Straße und erzeugt die größtmögliche Freistellung der landschaftlich geprägten Gartenanlage im Süden. Damit bleibt dem Bestandsgebäude der authentische Topos eines in die Landschaft komponierten Kunstwerkes erhalten.

    Als Parcours von Ein- und Durchblicken wird das signifikante Motiv der "Promenade Architectural" integraler Teil des Gebäudekomplexes. Eine im Inselpark angelegte Rampenanlage führt ganz im Sinne der Promenade zum Eingang des Museums. Die Stele Max Bills umrundend wird der klassische Blickbezug zwischen den SheddachHallen hindurch in Richtung Von-der-Heydt-Villa zum Bild. Eine wesentliche Beziehung zwischen den drei weißen Gebäuden bleibt unverstellt.

    Mit einer dünnen Hülle aus weißgetöntem Glas kultiviert der Neubau die Stofflichkeit in weiß glänzender Anmutung eines Porzellangefäßes. In Nachbarschaft mit der baulich überformten klassizistisch geprägten Von-der-Heydt-Villa und der strahlenden Moderne von Walter Gropius entsteht ein exemplarisches architektonisches Album in einem bilderbuchartigen baugeschichtlichen Dreiklang. In der Gestalt präsentiert sich der Neubau so ambivalent wie der Bestand typologisch zwischen Villa und Fabrik.

    Der Neubau rückt das neu formierte Ensemble selbstbewußt über die Blockkante hinaus in das Stadtgefüge. Zur Stadt erzeugt der Neubau mit klar geschnittenem Profil ein Abbild der inneren räumlichen Anlage. In dem Baukörperrelief der Eingangsfassade zeichnen sich das große Ausstellungshaus und das kleinere Besucherhaus ab. Hier liegt unter der Auskragung der Ausstellungshallen der Stadt zugewendet und signifikant auf einem Plateau als Point de Vue in die Stadt der neue Eingang. Hier ist die neue Adresse Bauhaus Archiv / Museum für Gestaltung und Zugang zum Bauhaus-Shop.

    Mit dem Neubau werden teilweise Defizite aus der Überformung des posthum erstellten Gropius-Baus behoben. Die unfertig erscheinende Integration des Baues in das naturgeprägte Umfeld wird in Teilen neu definiert. Die raumbegrenzende, stufige Terrassenanlage nördlich des Brückenbauwerkes wird durch das gänzlich schützende Ausstellungshaus ersetzt, die Hofanlage neu gefasst. Der Hof als

    zentraler Ort des feingliedrigen Gesamtkomplex wird zu einem gemeinsamen verbindenden Ausstellungsraum, einem Skulpturen- und Werkhof für Museum und Archiv, zusätzlich animiert über das Bauhaus-café. Das elementierte Brückenbauwerk der "Promenade Architectural" wird mit doppelter Wirkung angehoben: die Parkanlage zum Landwehrkanal wird erschlossen, der Veranstaltungssaal im Bestandsgebäude mit der Brückenrampe als Überdachung trockenen Fußes zugänglich.


    PROGRAMM und FUNKTION

    Das zentrale Foyer ist der erste Ausstellungsraum des Museums. Als innerer Teil der "Promenade Architectural" öffnet sich eine großflächig transparente Fensteranlage mit Blick auf den Ausstellungshof und das Bauhaus-Archiv. Das Foyer ist die innere Piazetta des Museum-Neubaues mit Ein- und Durchblicken auf die Galerieräume im Inneren und die Architektur. Vom Foyer erschließen sich alle weiteren Bereiche: eingangs der Bauhaus-Shop, der Besucherservice und Lounge, die Anbindung an das Bauhaus-Cafe, der Zugang zu den Ausstellungen mit Einblick in die Wechselausstellung und das Brückenbauwerk von Cvijanovic.

    Das Eingangsfoyer liegt zu den Ausstellungsbereichen in einem Zwischengeschoss und führt damit auf kurzem Weg in die Ausstellungsbereiche. Über eine halbe Treppe erreicht man die Wechsel- und Sonderausstellung mit Anbindung zum Hof als Erweiterung der Ausstellungsfläche ins Freie. Mit dem baulichen Unterschnitt zum Hof wird der Ausblick auf den Walter-Gropius-Bau aufgeweitet und der Hof vergrößert. Von hier aus besteht die zweite Option trockenen Fußes zum Bestandsgebäude zu gelangen.

    Über eine halbe Treppe hinauf erreicht man die Dauerausstellung und Kabinette. Die zentrale Treppe ist hierbei der begehbare räumliche Schnitt durch das Ausstellungshaus. Auf diese Weise entsteht eine Raumstruktur mit hohem Maß an Flexibilität und Eingerichtetheit: aufgespannt zwischen den Erschließungskernen sind die Ausstellungshallen als einfache Werkhallen angelegt. Dauerausstellung und Kabinette sind schaltbar und bei Bedarf ungestört separiert zugänglich. Über die linear angeordnete Fortführung der Treppe erreicht man das zweite Geschoss der Dauerausstellung. Im auskragenden Kopfbereich des Gebäudes ist das Studiolo als beruhigte Zone eingerichtet. Fenster an den Stirnseiten ermöglichen exponierte Ausblicke: im Westen aus dem Studiolo mit Blick in die Stadt, leicht abgerückt von der Ausstellung mit Blick auf das Bestandsgebäude im Osten. Das Bauhaus-Archiv wird so selbstverständlich Exponat des inneren AusstellungsParcours
    Die Verwaltung und Werkstätten sind abschließend im Obergeschoss des Museums angeordnet und bieten mit dem zugeordneten Patio eine gute Aufenthaltsqualität.

    Die Einpassplanung des Bestandsgebäudes für Archiv- und Veranstaltungszwecke wird übernommen und bestätigt.


    MUSEUMSKONZEPT

    Alle Bereiche sind in weitgehender formaler Einfachheit gehalten und verbunden und erzeugen eine Kultur des Alltages, im übertragenen Sinne eine Kultur der "Gestaltung für Alle": die Exponate der Ausstellung, die im Shop zu erwerben und die im Cafe im Gebrauch und hierbei von allen Seiten zu sehen und zu erfahren sind. Die programmatische Verknüpfung und Sichtbarkeit der Funktionsbereiche und der Gegenstände, ob als Exponat oder Gebrauchsgegenstand, ist dem vorhandenen Funktionscode des Bestandsgebäudes entliehen. Natürlich ist das Museum auch in Bezug auf Barrierefreiheit und Zugänglichkeit aller Bereiche im gebräuchlichen Sinne "Design for all" eine inklusive Einrichtung.


    NACHHALTIGKEIT und WIRTSCHAFTLICHKEIT

    Das Gebäude ist ein kompakt gehaltener Museums-Bau mit optimiertem A/V-Verhältnis. Die Verkehrsflächen sind minimiert und in öffentlichen Zonen als fließende Räume durchgängig in die Nutzungszusammenhänge eingebunden.
    Die Vorliegende Gebäudeplanung erfolgt nach den Kriterien nachhaltigen Bauens gemäß dem Leitfaden Nachhaltiges bauen Stand April 2013 und auf Wunsch gemäß der Grundlagen entsprechender Zertifizierungssysteme.
    Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung kann während der Bauzeit ohne wesentliche Beeinträchtigung im Bestand betrieben werden.


    FASSADE und MATERIAL

    Die Fassade zeigt sich in einer dünnen Schale. Die dezente Plastizität der vorgefertigten Fassadenhülle unterstützt den klaren Ausdruck von gewünschter Sachlichkeit. Durch die filigrane Gliederung mit weißen Keramikprofilen werden die mit einer weißen Glashaut überspannten Bauvolumen zusammengefasst.
    Deren insgesamt transluzenter Ausdruck wird durch unterschiedliche Graduierungen von Bedruckungen bewirkt, die von Opak bis Transparenz reichen.
    Den hohen Anforderungen an die Gebäudehülle nach Passivhausstandard und der Notwendigkeit, den Anteil des Tageslichtes auf ein angemessenes Maß zu reduzieren kann damit umfassend entsprochen werden.


    AUSSENRAUM

    Die Freiflächengestaltung ist Ergänzung von Bestehendem, Wiederherstellung und Erneuerung. Die begehbaren Belagsflächen werden mit Betonplatten gleich zum Bestand belegt. Rasenflächen und Hecken und wenige Baum- und Großstrauchpflanzungen werden als ursprüngliche Gestaltungselemente der Gartenplanung für die erweiterten und veränderten Bereiche verwendet.

    Der Skulpturenhof erhält einen Rahmen aus Betonplatten mit zentraler Rasenfläche in die eine mehrstämmige und hochkronige Felsenbirne gepflanzt wird.
    Fahrstellplätze sind entlang des Uferweges vor dem Bestand sowie am Eingang des Neubaus vorgesehen. Eine optische Beeinträchtigung des denkmalgeschützten Innenbereiches der Anlage wird vermieden.
    Die erforderliche Anlieferung entlang der Von-der-Heydt-Straße verläuft hinter der dort wachsenden Feldahornhecke. Die bestehenden Silberahorne müssen gefällt werden. In Nähe des ursprünglichen Standortes wird ein neuer schlitzblätteriger Silberahorn gepflanzt.


    KONSTRUKTION

    Der Entwurf besteht aus zwei konstruktiv miteinander verbundenen rechteckigen Baukörpern mit unterschiedlichen Gesamthöhen. Beide Körper bestehen im Wesentlichen aus Stahlbeton.

    Der Lastabtrag der Gebäude erfolgt über Stahlbetonstützen und -wände. Bis auf die beiden Seitenwände der innenliegenden Treppen im Bereich des Kabinetts 2 im 2. Obergeschoss und den darüber liegenden Ebenen sowie der Außenwand zum Eingangsgebäudes werden alle Stützen und Wände ohne Versatz bis zur Gründung geführt.
    Die Wände parallel zur Treppe können aus funktionalen Gründen nicht bis zur Gründung geführt werden sondern werden als sogenannte Wandartige Träger ausgeführt, die als geschosshohe „Balken“ die Lasten an den angrenzenden Treppenhauskern bzw. die Wände im Bereich des 1. Kabinetts weiterleiten.

    Die Außenwand zum Eingangsbereich wird über zwei Geschosse als wandartiger Träger ausgebildet. Die über die gesamte Gebäudelänge weitestgehend freitragend.
    Die Decken im Ausstellungsgebäude sind abgesehen von den stirnseitigen Kernbereichen Rippendecken. Die Rippen haben einen Abstand von 1,76m, entsprechend dem Gebäuderaster des Bestandes. Zwischen den Rippen spannt eine schlanke Stahlbetondecke, so dass das Eigengewicht der Konstruktion minimiert werden kann. Die Decken spannen in der Regel bis zu den Seitenwänden der längslaufenden Innentreppe. Zur Minimierung der Deckendurchbiegung werden die Rippen vorgespannt. Die Decken können dabei grundsätzlich als Fertigteile hergestellt werden, was in qualitativ hochwertigen Oberflächen und einem schnellen Baufortschritt „resultiert“.

    Die Dachdecke des Eingangsgebäudes ist ebenfalls gewichtsoptimiert als Rippendecke ausgebildet. Im 1. Obergeschoss überspannt die Decke das Foyer/ die Lounge stützenfrei. Auf Seite des Ausstellungsbereichs lagert die Decke auf den wandartigen Trägern auf, die die Außenfassade im 2. und 3. Obergeschoss bilden. Die Decken über dem Unter- und dem Erdgeschoss sind schlanke, massive Flachdecken, da in diesen beiden Ebenen aufgrund der erforderlichen Wände geringere Spannweiten realisiert werden können.
    Das Staffelgeschoss, in dem die Unterbringung der Werkstätten und der Verwaltung vorgesehen sind, ist als einziges Bauteil des Neubaus als leichte Stahl- oder Holzkonstruktion konzipiert, da die Lasten auf diesem Geschoss nicht direkt in vertikal lastabtragende Elemente sondern in die Stahlbetondecke über dem 3. Obergeschoss eingeleitet werden.
    Wegen der aus der Nutzung resultierenden geschlossenen Ausbildung der Fassaden und der beiden, an den Kopfenden des Ausstellungsgebäudes angeordneten Erschließungskerne, sind ausreichend aussteifenden Bauteile vorhanden, die dafür sorgen, dass sowohl eine hohe Rotations- als auch Translationssteifigkeit erreicht wird.
    Basierend auf dem zur Verfügung gestellten Baugrundgutachten kann der Neubau flach gegründet werden. Aufgrund der infolge der großen Deckenspannweiten relativ hohen Fundamentlasten aus den Wänden und um das Setzungsverhalten zur vereinheitlichen werden auch die Innenwände im Untergeschoss aus Stahlbeton ausgeführt, so dass ein steifer Kellerkasten entsteht, der über eine elastisch gebettete Bodenplatte gegründet wird.


    ERSCHLIESSUNG und ANLIEFERUNG

    Die fußläufige Erschließung des Neubaues erfolgt über den barrierefreien Zugang an der Klingelhöferstraße, mittels der Rampe in Richtung Lützowplatz, für Besucher von PotsdamerPlatz und Tiergarten kommend mit der Treppe in Richtung Von-der-Heydt-Straße. Die Anlieferung und PKW-Zugang erfolgt über die bestehende Zufahrt, die neue Anlieferung schließt unmittelbar an die Anlieferung Bestand an.
    Der Hof bietet die einfachste Verbindung zwischen Neubau und Bestandsgebäude. Oberirdisch sind beide Gebäudeteile trocken unter dem Brückenbauwerk und unter der Auskragung des Neubaus zum Hof verbunden. Zwischen Anlieferung Bestandsgebäude und Anlieferung Neubau werden Archiv und Museum im Untergeschoss baulich auch für Kunstguttransporte verknüpft.

    Die neue Anlieferung dient Museum, Archiv, Werkstätten und Shop und ist mit dem Pförtnerraum kontrollierter Zugang für Logistik und Personal. Das extern
    betriebene Bauhaus-Café erhält eine untergeordnete Anlieferung über die südliche Zuwegung an der Klingelhöferstraße, die auch die gewünschte zweite Feuerwehrzufahrt aufnimmt. Das Untergeschoss ist den notwendigen Lagerräumen vorbehalten Funktional ist das Museum über zwei Erschließungskerne an den Stirnseiten des Neubaus erschlossen. Der Lastenlift führt aus der Anlieferung in alle Geschosse. Die Ausstellungsbereiche lassen sich weitgehend unabhängig voneinander andienen. Ein Personenlift am Eingangsbereich bietet Besuchern eine selbstständig nutzbare barrierefreie Erschließung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Auszug aus dem Ergebnissprotokoll:
    - Städtebauliches Konzept: In Nord-Süd-Richtung gestaffelter, 5- bzw. 2-geschossiger (+ UG) Baukörper, in Ausrichtung und Konturen auf den Bestand bezogen, Gesamthöhe des Riegels an der Von-der-Heyd-Straße 21: 65 m, Höhe des südlich vorgelagerten Flachbauteils: 9,60 m, Abstand zur nördlichen Grundstücksgrenze ca. 0,5 m
    - Gestaltung: Fassung des Baukörpers in "formaler Einfachheit", kompakte kubische Bauformen
    - Funktion: Insgesamt im wesentlichen funktionsgerechte räumliche Organisation der Bereiche und Einzelräume sowie Trennung interner und externer Nutzungen, ggf. Überlagerung von Mitarbeiter- und Besucherwegen - belichtung und Belüftung den Nutzungsanforderungen entsprechend
    -Realisierbarkeit: Sehr kompakte Bauform (A/V 0,25), geringe Energieverluste, schlüssiges Technikkonzept, teure-aber umweltfreundliche Kühlung durch Absorptionskältemaschine