loading
  • DE-09669 Frankenberg/Sa., DE-09669 Frankenberg/Sa.
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-202962)

8. Sächsische Landesgartenschau 2019


  • 3. Preis

    Visualisierung Mühlbachschleife

    Landschaftsarchitekten
    hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Henning Holk, Pauline Bruckner, Caroline Gabmeyer

    Preisgeld
    12.000 EUR

    Erläuterungstext
    FRANKENBERGER SCHLEIFEN

    Die Stadt Frankenberg ist geprägt durch die imposante Auenlandschaft der Zschopau, die mit ihren Hochwassern eine ständige Bedrohung der tieferliegenden Stadtteile darstellte. Ein neues System von Hochwasserschutzmaßnahmen (Mauern und Dämme) trägt dem Rechnung. Ein Industrie- und Gewerbeband trennt, zusammen mit der parallel zum Fluß verlaufenden B 169, der Jochen-Köhler-Straße, die Wasserlage von der Altstadt. Das wildromantische und fast unzugängliche Mühlbachtal liegt als verborgener Grünraum innenstadtnah zwischen Zschopau im Westen und Hammertal im Osten, mittendrin aber abgehängt, ohne Anbindung zum umgebenden Stadtraum und ohne innere Erschließung. Unzugängliche und zunehmend brachliegende Kleingartenanlagen und Privatgrundstücke blockieren die Durchgängigkeit und Erlebbarkeit des Talraumes. Das große Freiraumpotential beider Wasserlandschaften gilt es über die Altstadt miteinander zu einem harmonischen Gesamtgefüge zu verknüpfen.



    KONZEPT

    Die Frankenberger Schleifen verknüpfen – als kunstvoll-verschlungene Bänder - die beiden Freiräume Mühlbachpark und Zschopauaue mit der Frankenberger Altstadt. Sie greifen formal natürliche Fluss- und Bachschleifen auf und fügen sich so harmonisch in das Landschaftsbild ein. Während die Hauptwege ‚Große Zschopauschleife’ und ‚Große Mühlbachschleife’ die direkte Verbindung der beiden Grünräume ermöglichen, werden besondere bestehende und neu definierte Orte in der Altstadt wie auch in den zwei Parks von kleineren Schleifen angebunden und mitgenommen. Besondere Orte in der Altstadt wie der Marktplatz oder der neue Dammplatz wirken dabei als sogenannte Stadtscharniere wie Trittsteine zwischen Zschopaupark und Mühlbachtal. Die Qualifizierung der beiden Parkschleifen wertet die umgebenden Quartiere auf. Die Stadt Frankenberg wird durch die erweiterte Zugängigkeit aus einer neuen Perspektive erlebbar. Ergänzend dazu wird durch den Wechsel aus intensiv und extensiv belegten Orten ein spannendes Zusammenspiel des Freiraums mit der Landschaft evoziert, welches der Stadt und der Bevölkerung zu einer neuen Wahrnehmung dieser Kulturlandschaften verhilft.

    ZSCHOPAUSCHLEIFE

    Die bis Dato als ‚leergeräumte Aue’ bezeichneten Flächen der Zschopauaue werden durch ergänzende Baumpflanzungen entlang der Rad- und Wanderwege ökologisch aufgewertet. Extensive Wiesenflächen entlang der Flussufer, die von Schafen beweidet werden bereichern diese Kulturlandschaft.

    Die Zschopauschleife folgt als neue durchgängige Verbindung den Hochwasserbauwerken entlang der Uferlinie und schließt so die Lücke der Rad- und Gehwegverbindung in Nord-Süd-Richtung. Dabei ist der Nordteil des Parks eher extensiv, während der südliche Zschopaupark einen stärker urbanen Charakter durch seine Funktionsdichte erhält. Kleine Platzgelenke entlang des Hauptweges laden zum Aufenthalt ein, eröffnen beeindruckende Blickbezüge in die Wasserlandschaft und sind gleichzeitig Anbindepunkte an die städtischen Verbinder. Schleifenförmige Auenpfade ergänzen das neue Wegegeflecht. Sie suchen die ruhigen, naturnahen Uferlagen der Zschopau und binden diese an die zentralen Flächen an. Schmalkronige Baumreihen aus Augehölzen begleiten in angemessenen Abstand zum Deichbauwerk die Wege und unterstreichen die bandartige Linearität des neuen Zschopauparks.

    Rasenbänder durchfließen den Parkraum und dienen als multifunktionale Spiel- und Ruheorte, während blütenreiche Wiesenbänder ruhige Zwischenräume und ökologische Nischen zum naturnahen Ufersaum bilden. Gehölzbänder entlang der Jochen-Köhler-Straße markieren die Parkgrenze und dienen als Puffer zu dieser viel befahrenen Straße. Drei thematisch variierende Aktionsbänder werden vom schleifenartigen Wegesystem freigespült. Das Sportband bindet Flächen für verschiedene Sportarten, Fitness und den Tennisverein im Osten des Parks zusammen. Die Anfahrbarkeit des Tennisvereins wird über den Auenweg gewährleistet. Das zentral verlaufende Gewerbe-Kultur-Band nimmt Bezug auf die historische Nutzung des Geländes und integriert gleichzeitig das neue Fahrzeug- und Heimatmuseum unter dem Arbeitstitel ‚Zeit-Werk-Stadt’. Nördlich der ehemaligen Lisemahalle entsteht ein baumbestandener Vorplatz mit Stellplatzbereich. Im Süden schiebt sich eine großzügige Caféterrasse in den Park.

    Das westliche Band auf dem ehemaligen Lisema-Gelände ist der ‚Frankenberger Strand’. Auf diesem Band finden sich in prominenter Lage Funktionen wie die Freilichtbühne, ein großer Kletterspielplatz ‚Inselspitz’, sowie eine Boule-Lounge mit Liegestühlen und ein Beachvolleyballfeld zu einer strandartigen Landschaft zusammen. Die Fläche zwischen Strommast und Beachvolleyballfeld wird durch eine leichte Modellierung als Düne mit Strandgräsern gestalterisch integriert.Das neue Flußbad auf der westlichen Zschopauseite lädt mit Liegewiesen und großem Holzdeck zum Baden ein.

    Ein zentral gelegener Aussichtsturm in Verlängerung der Mühlenstraße am Wasserwerk schafft die visuelle Verbindung der beiden Parkteile untereinander und erlaubt Panoramablicke in die Aue als auch zur Stadt. Eine vorgelagerte großzügige Rasenfläche bietet Raum für Kunst, Land Art und freies Spiel und kokettiert mit dem Thema Künstlichkeit und Landschaft. Diese Fläche wird integriert in das Thema eines Skulpturenpfades. Nördlich zieht sich das Wiesenband ostseitig des Deichbauwerks als ‚Au-Terrasse’ weiter und bietet Platz für Picknick, Naturerfahrung und ein ‚Treibholzspiel’. Zurückhaltende Treppensituationen am Zschopauufer ermöglichen den direkten Kontakt mit dem Wasser der Zschopau sowie die Beobachtung der Flora und Fauna in der Au. Eine neue Brücke in Verlängerung der ‚Dammplatzgasse’ verknüpft den Zschopaupark mit der Innenstadt und schließt so eine wichtige Lücke in Richtung Mühlbachtal.

    MÜHLBACHSCHLEIFE

    Das Mühlbachtal mit seinem wilden Baumbestand wird zu einer zugängigen Oase inmitten Frankenbergs entwickelt. Ein Bürgerpark der quartiers- und zentrumsnah durch seine malerischen Teilräume im Tal für alle Generationen zu einem Erlebnis- und Erholungsraum heranreift.

    Der Mühlbach wird in seiner Lage nur minimal, entsprechend den Vorgaben, angepasst. Er wird von dichtem Unterwuchs befreit und zusammen mit markanten Bestandsgehölzen freigestellt. Eine behutsame Neumodellierung lässt ihn leicht mäandrieren und verschafft ihm naturnahe Aufweitungen. Gleit- und Prallhänge, wechselnde Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten werten das Gewässer ökologisch auf. Der Durchflussquerschnitt wird den Anforderungen an den Hochwasserschutz entsprechend (18-19 cbm/s) angepasst. Dadurch ergeben sich spannende Räume für Spiel und Zugang zum Bach, die das individuelle Naturerlebnis steigern.

    Die große Mühlbachschleife erschließt und inszeniert die Tallage des Mühlbaches von der Veranstaltungshalle ‚Stadtpark’ am Hammertal aus kommend über die Sachsenstraße hinaus. Dort schwingt sie hinab in den Talraum entlang der Kleingartenanlagen als städtische Promenade, dem Bachlauf spielerisch folgend und kreuzend und wird dabei ergänzt durch kleinere Wegeschleifen, die den Talraum mit den Hanglagen verbinden. Im Westen des Mühlbachtals übernimmt die Mühlbachschleife die Funktion der ehemaligen Bachgasse und führt zur Zufahrt der beiden Privatgrundstücke südlich des Mühlbaches, bevor sie am Ende auf den Platz am Baderberg trifft. Dieser Platz ist Trittstein und Verknüpfungspunkt zwischen Park und Innenstadt und bietet Platz für temporäre Bespielungen wie Märkte oder Ähnliches. Ein Staudenband, welches sich aus dem Park entlang des Mühlbaches auf den Platz zieht unterstreicht den repräsentativen Charakter dieses Ortes. Nahe des Platzes schafft eine leichte Stufe zum Mühlbach eine terrassenartige Situation. Der freigelegte Mühlgraben wird als schmale Wasserader wiederentdeckt. Der begleitende Mühlgrabensteig führt als schmaler Pfad auf halber Höhe entlang des nördlichen Wiesenhanges durch das wildromantische Tal. Er endet mit dem Wasserspielplatz ‚Mühlkaskaden’ (am Standort der ehemaligen Mühle) mit dem anschließenden flachen Matschbecken ‚Wassernixe’ und verknüpft spielerisch die Hanglage des Grabens mit dem tieferliegenden Wiesenraum.

    Die Wegeschleifen eröffnen neue Blickbezüge und erlauben durch ihre Ausformung und Lage – teilweise als Steg durch den dichten verwunschenen Gehölzbestand, teilweise als Panoramapfad über dem Talgrund - ein Höchstmaß an Erlebbarkeit der verschiedenen Parkfacetten. Zentraler Punkt des Mühlbachtals ist der wiederhergestellte Mühlteich im Herzen des wiesenumsäumten Talgrundes. Hier spannt sich ein Holzdeck mit weiteren Sitzmöglichkeiten auf, welches diesen zentralen Punkt zugleich zu einem kontemplativen Ort macht und zum Verweilen, Lesen, Kommunizieren oder einfach nur zum Genießen der grünen Parkkulisse einlädt. Im Hintergrund verläuft ein Weg, den topografischen Kanten folgend, langsam hinauf bis zu einem Landschaftstheater. Dort könnten temporäre Events stattfinden oder der Park als Bühne fungieren, von der man einen malerischen Überblick hat. Gefasst wird der Teilraum um das Landschaftstheater von einer weiteren kleinen Pfadschleife, die als Natur- und Erlebnispfad angelegt, den Fokus auf das Thema der Gartennatur legt.

    Dem Weg in Richtung Sachsenstraße folgend durchquert man auf einem Steg den mystisch-wilden Sumpfwald bevor man im Süden am Eingangsbereich Sachsenstraße ankommt. Eine platzartige Aufweitung sorgt für eine verbesserte Übersichtlichkeit, eine Rampe für einen barrierefreien Zugang in das Mühlbachtal. Ein Steg über dem Mühlbach ermöglicht die Unterquerung der Sachsenstraße und wirkt so als direkter Verbinder zum östlichen Parkende. Diese östliche Parkfläche am Hammertal ist Auftakt und Quartierspark in einem. Eine Bolzwiese und ein großer Spielplatz – ‚Wilde Insel’ bilden hier den Schwerpunkt. Der Anschluss an die Veranstaltungshalle ‚Stadtpark’ und weiter ins Mühlbachtal wird durch die Wegeführung unterstützt.

    VERKNÜPFUNGBEREICH IDEENTEIL

    Eine wichtige Aufgabe, nicht nur während der Gartenschau, kommt dem Herausarbeiten der Potentiale der Verknüpfung der Parks über die Innenstadt hinweg zu. Zum einen überbrücken Stadtscharniere, kleine baumbestandene Plätze, als grüne Trittsteine zwischen Mühlbachtal und Zschopauaue die dichte Innenstadt. Zum anderen verbinden materialeinheitliche Mischverkehrsflächen aus regionalem Natursteinpflaster, analog der bestehenden Altstadtgassengestaltung, die Stadtscharniere untereinander.

    Um die Lesbarkeit der städtischen Strukturen und somit die Orientierung im Ort zu stärken wird die bewusste Setzung von Gebäuden auf historisch bebauten Flächen als Mittel der Stadtreparatur gewählt. So wird unter anderem in der Mühlengasse durch den Neubau von insgesamt fünf Gebäuden der historische Grundriss wieder erlebbar. Auch an den Ecken Chemnitzer Straße/Altenhainer Straße und Leopoldstraße/Schumachergasse soll durch die Schließung der Blockränder verhindert werden, dass sich diese historischen Bereiche der Stadt auflösen und dadurch ein desolates Bild entsteht. Während die Grundstücke an der Straße Mühlengraben für Wohnnutzung prädestiniert sind, bieten gerade die Eckgebäude an den anderen Orten der Stadtreparatur die Möglichkeit zur flexiblen Einbindung von Dienstleistungen, zumindest im EG.

    Die Fläche zwischen Dammplatz und Badergasse eröffnet die Möglichkeit durch den Rückbau der dortigen leerstehenden Gebäude den Grünzug um den Mühlbach zu stärken und einen grünen Hof auszuformulieren. Ein zur Carolastraße gewandter Gebäudekopf verhindert eine Entwicklung dieser Straße zur reinen Rückseitenlage und kann mit einem Kulturzentrum und Café stadtgesellschaftlich wichtige und belebende Funktionen entlang dieses wichtigen Bindeglieds zwischen den Grünräumen übernehmen.

    GARTENSCHAU

    Mit der Gartenschau 2019 in Frankenberg feiert die Stadt einen neuen Abschnitt ihrer Geschichte. Im Mittelpunkt stehen die bewusste Öffnung ihrer Wasserlagen für die Bevölkerung und generationenübergreifende Angebote, die Aktivität und Belebung forcieren. Die neuen Perspektiven und Wahrnehmungen rund um die Themen Natur, Wasser, Energie, Bewegung, Kultur und Stadt, die durch die beiden Parkschleifen entstehen, werden im Rahmen der Gartenschau feierlich intensiviert.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.