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  • DE-45309 Essen, DE-45127 Essen
  • 12/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-203601)

Neubau der Gustav-Heinemann-Gesamtschule


  • 1. Preis

    Außenvisualisierung, © SEHW Architektur

    Architekten
    SEHW Architektur Berlin, Berlin (DE), Stuttgart (DE), Wien (AT) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Xaver Egger , Matthias Gall , Hendrik Rieger

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)
    Bauingenieure: Wetzel & von Seht, Hamburg (DE), Berlin (DE)
    TGA-Fachplaner: BLS Energieplan GmbH, Berlin (DE), Eisenhüttenstadt (DE), Greifswald (DE), Luxembourg (LU), Frankfurt a. M. (DE)

    Preisgeld
    100.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Die umfangreiche Gebäudemasse wird in einem differenzierten Baukörper aufgelöst. Durch die Gliederung entstehen klar definierte Außenräume im städtebaulichen Ensemble des Schulcampus. Die Verschiebung der beiden südlichen Gebäudeteile schafft eine gut erkennbare Eingangssituation mit einem einladenden Vorplatz. Im Zusammenspiel mit dem bestehenden Schwimmbad entwickelt sich ein großzügiger Zugangsbereich, der den Auftakt und die Adresse des neuen Schulareals darstellt. Richtung Osten entsteht im Zusammenspiel mit den Bestandsbauten der Turnhallen ein großer, gut nutzbarer Schulhof. Hier werden unterschiedlich gestaltete und vielfältig nutzbare Außenräume angeboten, die sich mit der Schule verzahnen. Die Außensportbereiche befinden sich gut erreichbar im direkten Umfeld der Turnhallen. In der Höhenentwicklung orientiert sich die neue Schule an der umgebenden Bebauung. Der Versatz der einzelnen Gebäudeteile sorgt für eine Maßstäbliche Einordnung in das städtebauliche Umfeld. Richtung Westen schützt die langgestreckte Gebäudefigur die benachbarte Wohnbebauung vor dem Lärm der Außen- und Pausenbereiche.

    Außenbereiche
    Das Freiraumkonzept sieht eine klare, nutzerorientierte Gliederung des Areals vor, wobei die Bestandsgebäude der Sporthalle und des Hallenbades mit dem Schulneubau zu einer Einheit zusammengeführt und von den Bestandsgehölzen gerahmt werden. Östlich des Neubaus sind die intensiv genutzten Pausenhöfe und Sportanlagen verortet, im Westen und Norden der neuen Schule befinden sich extensiv gestaltete Freiflächen. Das Entrée bildet ein zentraler öffentlicher Platz, welcher von dem Schulneubau mit integrierter Bibliothek der ersten Bauphase und der bestehenden Schwimmhalle gefasst wird. Der Charakter als zentraler Treffpunkt und Aufenthaltsort wird mit Bäumen, Hecken und Sitzbänken untermalt. Die benötigten 68 Stellplätze der Schule werden im Westen der Schwimmhalle neu organisiert, die 37 Stellplätze für die Hallenbesucher im Norden der Halle. Hier sind auch dezentral die erforderlichen Fahrradbügel angeordnet. Die bestehende Erschließungsstraße, an deren Ende sich der ‚Kiss + Ride‘ Bereich befindet, wird Bestandteil des Platzes. Mithilfe einer großzügigen Stufenanlage gelangt man von dem Höhenniveau der Straße von +40.90 m NN auf das Niveau von +43.00m NN des Vorplatzes. Über Städtebauliche Einordung eine großzügige Rampenanlage wird die Barrierefreiheit hergestellt.

    Bauabschnitte
    Unter Berücksichtigung des Kostenrahmens wird ein erster Bauabschnitt mit ca. 5500 qm BGF bis Ende 2018 realisiert. Die differenzierte Gebäudefigur schafft die Voraussetzungen für die schlüssige Errichtung eines einzelnen Gebäudemoduls bereits im ersten Bauabschnitt. In dem kompakten Gebäude entstehen stadtteilnahe Nutzungen wie die Bibliothek, der Mehrzwecksaal , sowie die Beratungsstellen und Verwaltungsbüros. Im 2.OG wird ein Jahrgangscluster mit den entsprechenden Klassen- und Aufenthaltsräumen realisiert. Die Baustelle der weiteren Abschnitte wird bei laufendem Betrieb des 1.Bauabschnitts über eine Zufahrt aus Westen über die Straße Schonnebeckhöfe gewährleistet.

    Bauablauf
    Das Projektziel, den 1. Bauabschnitt bis Ende 2018 fertigzustellen, wird erreicht. Unter Berücksichtigung der erforderlichen Planungs-, Prüf- und Vergabefristenverbleibt für den 1. Bauabschnitt eine Bauzeit von 18 Monaten inkl. Inbetriebnahme und Probebetrieb. Die klare Struktur des Gebäudes und die bewährte Bauweise mit Mauerwerk, Stahlbeton und Trockenbaulösungen ermöglichen einen sicheren Bauablauf und vermeiden größere Risiken in der Baudurchführung. Halbfertigteile, z.B. als Flachdecken verkürzen die Rohbauphase. Ebenso wird durch die Vermeidung von technisch hochkomplexen Bauweisen in der Vergabe ein breiter Wettbewerb mit ortsansässigen Handwerksbetrieben ermöglicht, der zum einen die Einhaltung des Baubudgets unterstützt, zum anderen Verzögerungen in den Vergabeabläufen deutlich reduziert. Unmittelbar nach Fertigstellung des 1. Bauabschnittes kann mit den drei anderen Baukörpern und dem Großteil der Außenanlagen als zusammenhängender größerer 2. Bauabschnitt begonnen werden.

    Bodenverhältnisse, Topographie
    Aufgrund der Bodenbeschaffenheit wird das Gebäude zwischen 1,0 bis 1,5 m angehoben. So kann ein einheitliches Erdgeschoss-Niveau auf 43,00 m NN = ±0,00 Erdgeschoßniveau hergestellt werden. Eine mit Schleppstufen inszenierte Zuwegung überwindet dien Höhenversprung zwischen 40,90 m auf dem Niveau der Erschließungsstraße auf 43,00 m Eingangsniveau.

    Das Gebäude
    Die klare außenräumliche Struktur setzt sich im Inneren fort. Die Gliederung der Gebäudefigur spiegelt die innenräumliche Organisation wieder. Thematisch geordnete Raumfamilien werden in Gebäudeeinheiten zusammengefasst und über eine zentrale Erschließungsachse miteinander verbunden. Der Vorplatz als Treffpunkt und Auftakt für das Gebäude geht fließend in das zweigeschossige Forum über. Das Forum ist ein vielfältig nutzbarer, kommunikativer Raum für Versammlungen jeglicher Art. Hier ist das Herz der Schule. Die Aula und die Bibliothek reihen sich um das zentrale Forum und komplettieren den mit gemeinschaftlichen Nutzungen belegten südlichen Teil des Schulneubaus. Die in Nord-Süd-Richtung verlaufende zentrale Achse, die "Schulstraße" sorgt für eine einfache und übersichtliche Orientierung und Verbindung der einzelnen Funktionsbereiche miteinander. Die wechselseitige Anordnung der Clustereinheiten erzeugt eine abwechslungsreiche und gut belichtete Durchwegung des Gebäudes. Im Erdgeschoß verzahnen sich Innen- und Außenraum auf vielfältige Art und Weise. Der Pausenhof verbindet sich großzügig mit dem Schulgebäude, Mehrzweckraum und Mensa besitzen direkt zugeordnete, unabhängig voneinander nutzbare Außenbereiche. Der Bereich Kunst/Werken erhält einen Werkhof.

    Die Bibliothek
    Der Bibliothek kommt als öffentlich genutzter Bereich der Schule eine besondere Bedeutung zu. Gut auffindbar befindet sie sich dem Stadtteil zugeordnet im südlichen Teil des Schulneubaus. Die Bibliothek stellt das Verbindungsglied zwischen Stadt und Schule dar und erhält sowohl durch ihre Anordnung als herausgestellter Baukörper, als auch in ihrer Materialität eine besondere Ausformulierung. Die Terrassierung im Außenraum wird innenräumlich aufgenommen und sorgt für eine besondere Raumatmosphäre. Innere Struktur

    Forum, Aula, Mensa
    Das zweigeschossige Forum ist das Herz der Schule und Raum für Veranstaltungen verschiedenster Art. Das leichte Gefälle in diesem Bereich sorgt für eine spannungsvollen Übergang in den direkt angebundenen Mehrzweckraum, der dadurch gleichzeitig eine angemessene Raumhöhe erhält. Der Mehrzweckraum ist unterteilbar und kann zusätzlich mit dem Forum zusammengeschaltet werden. Für externe Veranstaltungen ist er auch außerhalb des Schulbetriebs bereits im 1. Bauabschnitt nutzbar. Die Mensa befindet sich ebenfalls in Nachbarschaft der anderen gemeinschaftlichen Nutzungen und erhält eine direkt zugeordnete Terrasse Richtung Süden.

    Clustereinheiten
    Die Cluster sind die organisatorisch und pädagogisch bestimmende Raumgruppe, die auch das baukörperlich dominierende Element sind. Die einzelnen Raumgruppen reihen sich als ablesbare „Jahrgangs- oder Lernhäuser“ entlang der zentralen Erschließungsachse. Sie bilden eigenständige Raumfamilien. Sie sind die Heimatbereiche für die verschiedenen Altersgruppen. Die einzelnen Klassen und Informellen Lernbereiche eines Clusters gruppieren sich um einen Hof was eine gute Orientierung und Belichtung der Flurbereiche garantiert.
    Im Zentrum eines jeden Clusters befinden sich die Gruppenräume, die zum Flur erweitert werden können. In diesem Bereich des entstehen differenzierte Raumzusammenhänge für individuelle Lernformen und großzügige Aufenthaltsbereiche. Die Sekundarstufe II erhält im 3.OG ihr eigenes Geschoss.

    Materialität
    Der Neubau erhält eine robuste Mauerwerksfassade aus hellen, geschlämmten Ziegeln, die im Erdgeschoss durch große, verglaste Öffnungen und die einladende, hölzerne Fassade der Bibliothek aufgelockert wird. Unterschnitte im Erdgeschoss markieren die Ein- und Zugänge des Hauses. Eine gleichmäßige Abfolge von großen Klassenfenstern mit hölzernen Öffnungsflügeln gliedert die obergeschossigen Klassen- Fachraumfassaden. Auch der Innenbereich wird durch die gezielte Verwendung von Holzwerkstoffen atmosphärisch aufgewertet. So erhalten die Lernräume neben einem widerstandsfähigen Industrieparkett, Decken aus hölzernen Akustiklamellen. Alle erforderlichen Einbaumöbel werden aus phenolharzbeschichteten Birkensperrholzplatten geschreinert.

    Energiekonzept
    Aufgrund der massiven Bauweise und der hybriden Lüftung kann auf aufwendige Technologien verzichtet werden. Das Low-Tec-Konzept setzt nur die notwendigen Technologien ein, die vorrangig zur Einhaltung der CO2-Performance efroderlich sind. Ein hoher konvektiver Luftaustausch (Stoßlüftung) erfordert ein Hochmperatursystem der Heizung, für den ein Pellet-Kessel (Nutzung der natürlichen Ressourcen) die beste Performance leistet (ggf. kann auch ein Pellet-BHKW zum Einsatz kommen). Es wird eine PV-Anlage mit kleiner Batterie zur Eigestromversorgung genutzt. Durch diese wird auch die E-Mobility Ladestation gespeist

    Lüftungskonzept
    Es wird der Ansatz der Hybridlüftung verfolgt, um die Vor- und Nachteile der Fenster- und der mechanischen Lüftung optimal auszunutzen. Die Lüftung erfolgt hier primär durch manuelles Öffnen der Fenster in den Pausen. In den anliegenden Flächen ohne Fenster (Verkehrsflächen, WCs) wird die Lüftung mechanisch über eine RLT-Anlage erfolgen ("Sowieso-RLT"). Durch Kombination von mechanischer und natürlicher Lüftung kann sowohl bei normalen, als auch bei extremen Witterungsbedingungen eine hohe Nutzerakzeptanz erziehlt und die CO2 Performance so effizient wie möglich gestaltet werden

    Konstruktion
    Der Schulneubau wird als Mischbauweise von Mauerwerk und Stahlbeton geplant. Durch die Clusterstruktur der Klassenzimmer und Büroeinheiten kann mit Ausführung einer tragenden Flurwand eine wirtschaftliche Bauweise mit Halbfertigteilen für die Deckenkonstruktion ermöglicht werden. Die Trennwände zwischen den einzelnen Klassenräumen werden nichttragend geplant. Dadurch wird auch während der Nutzungsdauer die Möglichkeit gegeben, die Trennwände flexibel zu positionieren und die Räume alternativ aufzuteilen. Die Geschossdecken sind als unterzugsfreie Flachdecken geplant, so dass eine flexible Führung von Medien gewährleistet wird. Zur Realisierung einer wirtschaftlichen Deckenhöhe werden für die Decke über dem Forum Überzüge angeordnet. Mit Ausnahme von Wänden oberhalb der Aula und des Eingangsbereiches sind alle vertikalen Bauteile grundfest, wodurch Abfangkonstruktionen nur im geringen Maße erforderlich werden und der großflächige Einsatz von Mauerwerk ermöglicht wird. Die Stützenfreiheit in der Aula wird durch die Anordnung von wandartigen Trägern im 1. Obergeschoss erreicht. Für den Eingangsbereich ist der Lastabtrag sowohl mittels außenliegender Stützen oder mit Wandschotten im 1. Obergeschoss möglich. Die Gebäudeaussteifung wird horizontal über die fugenlosen Deckenscheiben und vertikal über die grundfesten Wände und Aufzugskerne erbracht, so dass die Aussteifungslasten direkt in den Baugrund eingeleitet werden Die Bauwerksgründung erfolgt mittels einer elastisch gebetteten Bodenplatte als WU-Konstruktion, so dass eine wirtschaftliche setzungsarme Gründung gegeben ist.

    Tageslichtversorgung
    Nutzungsszenarien der Unterrichtsbereiche eingehalten wird. Gleichzeitig wird die thermische Belastung in den Sommermonaten minimiert. Das Konzept berücksichtigt die unterschiedlichen inneren (räumlichen, lichttechnischen und gestalterischen) Anforderungen und reagiert auf die äußeren Bedingungen, indem für die verschiedenen Orientierungen und inneren Anforderungen spezifische Sonnenschutz- und Tageslichtsysteme entwickelt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt durch eine klare Strukturierung in Lernclustern, die an eine zentrale Erschließungsachse angegliedert sind. Die einzelnen Jahrgangsstufen sowie die thematischen Raumgruppen öffnen sich wechselseitig zu den Außenräumen und sorgen damit für eine gute Belichtung. Die Cluster gliedern die Außenberieche und ermöglichen eine differenzierte Benutzung des Schulhofes durch verschiedenen Altersstufen. Der Haupteingang orientiert sich zum Stadtteil. Der Verkehr verbleibt außerhalb des Schulgeländes. Die Freianlagen verweben geschickt den Neubau mit den zu erhaltenden Turnhallen. Eine weitergehende Verknüpfung mit dem Stadtteil über den Radweg ist nicht im Detail ersichtlich.
    Die Gemeinschaftsräume sind direkt vom Haupteingang aus begehbar. Das der Aula vorgelagerte Forum dient als Pausenraum und ermöglicht eine erweiterte Nutzung von Aula und Mensa. Die Organisation von Küche, Elternküche und Mensa sowie eine Öffnung der Mensa zur Aula sind nicht hinreichend dargestellt.
    Die Cluster mit Lehrerstation entsprechen den pädagogischen Anforderungen und ermöglichen eine Differenzierte Nutzung der Räume. Die Lage der Fachräume ist vom Grundsatz her ebenfalls gut gelöst; die des Hauswirtschaftsraumes und der Heizzentrale kann nicht überzeugen. Die der Magistrale zugeordneten Räume (Tanzraum und Kunstatelier) sind in ihrer dargestellten Offenheit im Schulalltag wenig funktional. Die Brandschutzanforderungen sind in einigen Punkten nicht nachgewiesen. Der Verwaltungsbereich funktioniert in der dargestellten Form, wobei im Detail teilweise Änderungen wünschenswert wären.
    Die bauliche Gliederung unterstützt die Maßstäblichkeit des Entwurfes. Der Architektonische Ausdruck des Gebäudes entspricht dem eines Schulgebäudes. Die vorgeschlagenen Ziegelfassaden sind auch im Sinne der Nachhaltigkeit überzeugend.
    Die Realisierung in Bauabschnitten ist gegeben. Bei Kosten wird der vorgegebene Kostenrahmen überschritten. Insgesamt ist der Entwurf ein sehr überzeugender Beitrag zur gestellten Aufgabe.