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  • DE-40721 Hilden, DE-40721 Hilden
  • 06/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-217454)

Revitalisierung Stadtpark und Fritz-Gressard-Platz


  • Teilnahme

    Lageplan, © Förder Landschaftsarchitekten GmbH

    Landschaftsarchitekten
    Förder Landschaftsarchitekten, Essen (DE), Luxembourg (LU) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Förder

    Erläuterungstext
    Das Gebiet des heutigen Stadtparks und Fritz-Gressard-Platzes hat sich im Laufe der Jahrhunderte von ihrem Ausgangszustand über ein Fabrikgelände für Textilfirmen und einer Villa mit Privatpark des Textilunternehmers Spindler, zu einer öffentlichen Parkanlage und zu einem urbanen Platz entwickelt.
    Auch heute ist das Gelände noch durch den historischen, artenreichen Baumbestand geprägt. Weitere historische Relikte sind jedoch kaum noch vorhanden. Bis zur Fertigstellung der Stadthalle im Jahr 1978 bestand ein direkter Bezug (Sichtbeziehung) von der Innenstadt (Mittelstr.) in den Stadtpark, dieser ist durch die Baumaßnahme verloren gegangen. Ebenfalls ist eine neue architektonische Formensprache (70er Jahre) in den Stadtpark transportiert worden, die sich mit der ursprünglichen Formensprache des Parks vermischt hat. Durch diese Ereignisse ist es zu einer Dreiteilung - Park, Villa mit Kindergartenbereich und Innenhof/Fritz-Gressard-Platz - gekommen. Die Spindlervilla die früher den Mittelpunkt der Parkanlage gebildet hat, liegt heute wie eine Insel abgeschottet zwischen der Grünanlage und dem Bereich Stadthalle/Steinhäuser-Zentrum und wird kaum noch wahrgenommen.
    Das ursprüngliche Raumgefüge mit freier Wiese hinter der Spindlervilla und der historische Baumbestand - die dem Park jahrhunderte seinen Charakter verliehen haben - werden nicht mehr wahrgenommen, weil durch die mangelnde Pflege und Rückschnitt der Vegetation ehemalige Sichtaxen versperrt werden und das Raumgefüge in viele kleine Einzelteile zerfallen ist.

    Aus der historischen Entwicklung und den Wünschen der Nutzer lassen sich für die Schwerpunktbereiche Fritz-Gressard-Platz, Umfeld Stadtparkkiosk, Innenhof zwischen Steinhäusercenter und Stadthalle folgende Zielsetzungen ableiten:

    - Aufhebung der Dreiteilung
    - Wiederherstellung des historischen Bezugs
    - Optimierung der Anbindung zur Innenstadt und zur Spindlervilla
    - Wiederherstellung der Erlebbarkeit zur Itter
    - Verbesserung der Wegeverbindung
    - Wiederherstellung einer ablesbaren Formsprache

    Um diese Zielsetzungen zu erfüllen schlagen wir in unserem Konzept die Reaktivierung der Zeitzeugen als identitätsstiftende Maßnahmen und das behutsame hinzufügen neuer Gestaltungselemente vor:
    Bürgerwiese, Textilgarten, Grüne Lounge, Event Terrasse, Drive, Itterbogen und Aktionsband.

    Das große Kapital des Stadtparks ist die Wiese mit ihren eindrucksvollen, historischen Bäumen aus aller Herren Länder. Eine Bestandsaufnahme zeigt, dass hier Bäume aus Asien (Taschentuchbaum und Magnolie), Amerika (Tulpenbaum und Amberbaum) und Europa (Rosskastanie und Hainbuche) aufeinander treffen. Diese Bäume sind die Botschafter aus einer vergangenen Zeit, sowie der drei erwähnten Kontinente. Die Bäume als Botschafter ihrer Herkunftsländer stehen auch für die multikulturellen Besucher des Stadtparks.
    Um diese Bäume gekonnt in Szene zu setzten, werden sie freigestellt und der Unterwuchs im Park teilweise entfernt. Dabei sollen die Lebensräume der einheimischen Tierwelt erhalten bleiben. So werden Einzelbäume und Baumgruppen inszeniert, ins Bewusstsein gerückt und zu einem eindeutigen Ort entwickelt. Diese Maßnahme dient auch der Minimierung von Angsträumen im Park.
    Es entsteht „Die freie Mitte“, das neue Zentrum des Stadtparks, eine Bürgerwiese für Alle egal welchen Alters und welcher Herkunft passend zu den Baumbotschaftern der drei Kontinente.
    Die innere Erschließung erfolgt über leicht anmutende, unbefestigte Wege, die es ermöglichen die Wiese zu kreuzen.
    Diese neue Mitte kann für die unterschiedlichsten Aktivitäten genutzt werden. Sie dient den Besuchern als Treffpunkt, Kommunikations- und Erholungsort, zum Beispiel bei einem Picknick im Schatten des historischen Baumbestands. Gleichzeitig kann sie aber auch für sportliche Aktivitäten (Volleyball, Slackline, Fußball) genutzt werden. Vorstellbar ist auch die Durchführung von Veranstaltungen, wie Konzerten oder einem Stadtparkfest.

    Der Textilgarten gibt der Spindlervilla ein würdiges Vorfeld und fungiert als Verbindungsglied zwischen Villa, Stadtpark und Innenstadt (Mittelstraße). Er ist eine Willkommensgeste an die Parkbesucher und stellt die neue Eingangssituation zum Park aus der Innenstadt dar. So entsteht ein neuer Blickfang von der Innenstadt (Mittelstraße) in den Park.
    Der Garten greift die historischen Relikte der Textilindustrie auf, in dem er mit Pflanzen (Faserpflanzen und Färberpflanzen) gestaltet wird, die früher in der ansässigen Textilindustrie verwendet wurden. So erhalten hier die Besucher einen Einblick in die Historie der Textilproduktion. Die vielfältige Pflanzenauswahl berücksichtigt unter anderem Duft-Veilchen, Sonnenblumen, Echte Pfingstrosen, Hopfen und Färberkamille.
    Gerahmt wird der Textilgarten einerseits durch einen Weg bzw. einen Steg der eine direkte Verbindung über den Stadthallenteich zur Spindlervilla und in den Park ermöglicht.

    Belagsbänder gliedern den Innenhof einem Nadelstreifen gleich. Drei Hochbeete mit integrierten Sitzelementen bilden die neue Platzmitte.
    Dieser neu gestaltete Bereich ist für alle Nutzer und Besucher egal welchen Alters ein Treffpunkt, Kommunikations- und Aufenthaltsort an dem man sowohl alleine, wie auch in Gruppen sitzen und sich aufhalten kann.
    Durch die organische Form kommt es zu einer Auflockerung der 70 er Jahre Formensprache mit Ihren winkeln und harten Kanten, die in diesem Bereich vorherrscht.
    Einen Blickfang in diesem Bereich bilden textile Lampen, die auch hier an die ursprüngliche, industrielle Nutzung erinnern.
    Damit das unberechtigte parken im Innenhof am Wochenende und abends unterbunden wird, ist eine Poller-Absperrung zwischen Stadthalle und Steinhäuser-Zentrum vorgesehen.

    Um die Stadthalle für Besucher zu attraktivieren schlagen wir eine Wiederbelebung der gastronomischen Nutzung mit Außenterrasse vor – die Event Terrasse. Möglich wäre es auch ein Jugendcafé in diesem Bereich zu integrieren.
    Mit ihrer Lage auf der Rückseite der Stadthalle ermöglicht sie den Besuchern einen schönen Einblick in den Park und macht diesen für Besucher noch attraktiver.
    So entsteht in diesem Bereich eine neue Verbindung von Park und Stadthalle.

    Ein breiter Wegerahmen - der Drive - umschließt das Parkgelände, lenkt die Besucher durch den Park und gibt ihnen Orientierung. Die bauliche Ausführung mit einem Allwetterbelag ermöglicht die problemlose Nutzung für Fußgänger, Radfahrer und mobilitätseingeschränkte Personen.
    In seiner Wegeführung nimmt der Drive den Itterbogen auf. Entlang der Itter ist der Drive in zwei Bewegungsflächen für Fußgänger und Radfahrer unterteilt.
    Der Rahmen stellt alle Nutzer auf eine gleichberechtigte Ebene, er fasst die verschiedenen Funktionsbereiche (Bürgerwiese, Textilgarten, Spielbereiche, Stadthalle) und historischen Zeiten zu einer Einheit zusammen und sorgt für eine Aufhebung der Dreiteilung des Parks.
    Eine wichtige Funktion erfüllt der Drive in dem er den Stadtpark an das städtebauliche Umfeld (nördlich: Innenstadt mit Cafés, Kulturelleneinrichtungen und Radweg, östlich: Altenheim und Haus Hildener Künstler, südlich: Finanzamt, Versicherungsfirma und Radweg und westlich: Itter und Verbindung zum Bahnhof) anbindet und es mit ihm verknüpft.

    Der Itterbogen ergibt sich aus dem Verlauf der Itter und der dort befindlichen Bäume. Um die Itter für die Besucher des Stadtparks erlebbar zu machen und sie wieder mehr in den Stadtpark einzubeziehen sieht unser Konzept vor, den Sichtbezug und die Zugänglichkeit zur Itter an einer Stelle für Besucher wieder herzustellen. Dies kann zum Beispiel durch Sitzstufen geschehen, die zum entspannen, verweilen und spielen am Wasser einladen.
    Eine Zukunftsvision wäre eine naturnahe Gestaltung der Itter entlang des Stadtparks.

    Vom süd-westlichen bis süd-östlichen Bereich des Stadtparks erstreckt sich das Aktionsband für alle Generationen: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Im Aktionsband werden bestehende Nutzungen (Kiosk und Minigolfanlage) und neue Nutzungen zusammengefasst und aufgewertet. Erschlossen wird das Aktionsband zum einen durch den Drive und zum anderen durch eine direkte Verbindung von der Neustraße.
    Das Aktionsband fungiert als Begegnungszone, Treffpunkt und Kommunikationsort für die unterschiedlichen Nutzer und bringt diese durch seine Nutzungsmöglichkeiten zusammen. Es bietet sowohl Rückzugsmöglichkeiten, wie auch die Möglichkeit aktiv am Geschehen teilzunehmen.
    Eine Rosenpergola mit Blick auf die Bürgerwiese lädt zum verweilen und entspannen ein. Umgeben ist die Pergola von Hochbeeten die vor allem Senioren und mobilitätseingeschränkten Menschen das erleben der Vegetation möglich macht. Vorstellbar ist es auch, dass die Parkbesucher hier selbst Blumen anpflanzen und pflegen können.
    An diesem vegetationsgeprägten Teil des Aktionsbands schließt sich ein neugestalteter Spielbereich mit attraktiven Spielelementen wie einer Rutsche, einer Sandbaustelle, einer Schaukel und einem Trampolin an. Für Mobilitätseingeschränkte Kinder ist eine Rollstuhlschaukel integriert. Ein Baumhaus ermöglicht es den Kindern, den Park aus einer anderen Perspektive zu erleben.
    Der Stadtparkkiosk wird durch eine attraktive Außengastronomie, ein behindertengerechtes WC, Fahrradstellplätze und kostenloses WLAN aufgewertet. Weiterhin ist es möglich sich am Kiosk Liegestühle auszuleihen. Auf diese Weise entstehen flexible Kommunikationsorte und individuelle Rückzugsorte, die sich über das ganze Aktionsband erstrecken.
    Der zweite Teil des Aktionsbands besteht aus einer „Jugendlounge“ mit attraktiven Sitzelementen und zwei Bouleplätzen. Den Abschluss des Aktionsbands im süd-westlichen Teil des Parks bildet ein kleiner Aufenthaltsbereich am Wasser. Dieser bietet den Besuchern einen schönen Blick auf den Stadtparkteich und trägt dessen organische Form in den Park.

    Die wichtigen Wegeverbindungen und der Fritz-Gressard-Platz erhält ein attraktives Lichtkonzept, damit sich die Besucher auch in den Dämmerungsstunden geborgen und sicher fühlen.

    Durch das Gesamtkonzept für den Stadtpark und den Fritz-Gressard-Platz entsteht ein attraktiver Freiraum für alle Altersgruppen, der die historischen Spuren sichtbar macht, auf die Nutzungswünsche der Bewohner Hildens eingeht und eine optimale Anbindung ins städtebauliche Umfeld hat.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 07.12.2015, 10:32
Zuletzt aktualisiert 06.01.2016, 11:15
Beitrags-ID 4-113185
Seitenaufrufe 168