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  • DE-91052 Erlangen
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-217578)

Quartiersentwicklung Paul-Gossen-, Nürnberger Straße


  • 2. Preis

    © querkraft // Treibhaus

    Landschaftsarchitekten
    Treibhaus Landschaftsarchitektur Berlin/Hamburg, Berlin (DE), Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Gerko Schröder

    Mitarbeit
    Sebastian Sowa, Gianluca Torini

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: querkraft architekten zt gmbh, Wien (AT)
    Energieplaner: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart (DE), München (DE), New York, NY (US), Paris (FR)

    Preisgeld
    18.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser beziehen sich in ihrem konzeptionellen Ansatz auf Gedanken von Aldo van Eyck über die Abhängigkeiten von Stadt und Haus sowie Bebauung und Freiraum, um eine Stadtlandschaft zu entwerfen.

    Der daraus gefolgerte städtebauliche Ansatz mündet im Vorschlag, die bauliche Substanz des Quartiers in ihrer typischen Charakteristik und Qualität der 50er Jahre zu belassen und an den Rändern und bestimmtem Bereichen im Binnenraum zu ergänzen. Zum Einsatz für die Nachverdichtung kommen, jeweils in Varianten, die städtebaulichen Typologien Zeile und Punkt.

    Die Typologie der Zeile als Geschoßwohnungsbau mit eingeschobenen eingeschossigen Ladenzeilen prägt im Zusammenspiel mit einer Pavillonstruktur den neuen Quartierseingang und –platz an der Stintzingstraße. An dieser Stelle erscheint die “Zeile” für die räumliche Fassung dieses wichtigen Ortes des Quartiers als die falsche Entscheidung.

    In der Außenwahrnehmung prägend sind für den Entwurf sechs acht- bis elfgeschossige Punkthochhäuser an der Nürnberger Straße. Positiv wird die Adressbildung und Neuinterpretation des Quartiers bewertet, kritisch wird die Nähe zweier Punkthäuser zum denkmalgeschützten Hochhaus, welches den Kreuzungsbereich Paul-Gossen-/ Nürnberger Straße prägt, gesehen. Zudem werden an dieser Stelle mit den vorgeschlagenen Maßnahmen die Themen des Schallschutzes und der Quartiersbildung nicht gelöst.

    Eine weitere Zeilentypologie, eine sehr schmale, ca. sieben Meter tiefe Lärmschutzbebauung an der Paul-Gossen-Straße, zielt darauf ab, unter Erhalt der Bestandsbebauung die Wohnqualität der bestehenden Häuser und Freiräume zu verbessern. Die geringe Gebäudetiefe wie auch die minimalen Abstände zu den Bestandsbauten werden kritisch gesehen.

    Positiv bewertet wird die dritte Variante der Typologie Zeile, der Vorschlag von Townhouses im westlichen Binnenbereich des Quartiers.

    Durch die offene Baustruktur wird keine Abschirmung der Binnenbereiche vor Verkehrslärm erreicht. Die Punkthäuser selbst sind zum Teil sehr hohen Verkehrslärmimmissionen ausgesetzt. Auch bezüglich des Sportlärms sind an den Punkthäusern Konflikte möglich. Hier sind weitergehende Schallschutzmaßnahmen erforderlich. Die Gebäuderiegel an der Paul-Gossen-Straße schirmen die dahinter liegenden Bereiche gut von Lärm ab.

    Die hohen Freiraumqualitäten im zentralen Bereich bleiben ohne wesentliche Eingriffe und können so behutsam verbessert werden. Die Verlärmung der Freiflächen von der Nürnberger Straße her wird leider trotz der neuen Bebauung nicht wirksam verhindert. Hier ist auch der Eingriff in den Baumbestand erheblich.

    Das sparsame Wegenetz in den zentralen Bereichen der Freiräume bindet die Gebäude schlüssig an und lässt große Bereiche unberührt. Kleine Aufweitungen an den Wegen, Nebengebäude an den Stirnseiten der Wohnhäuser für Fahrräder und Müll sowie private Gartenbereiche ergeben eine differenzierte Gliederung in private und öffentlich nutzbare Freiräume.

    Verkehrlich ist das Quartier mit zwei neu vorgeschlagenen Anbindungen an die Nürnberger Straße und eine weitere Anbindung an die Stintzingstraße übererschlossen. Es besteht die Gefahr erhöhten Verkehrsaufkommens und von Konflikten mit dem Radverkehr.
    Der Ansatz, den Stellplatzschlüssel insgesamt auf ca. 0,5 Stellplätze pro Wohneinheit zu reduzieren, wird positiv beurteilt. Der Verfasser schlägt dazu Mobilitätskonzepte und eine Aufwertung des Fahrradverkehres, auch des “ruhenden” Fahrradverkehres, vor. Folgerichtig werden in den grundsätzlich allgemeinen Nutzungen vorbehaltenen Erdgeschossen der Neubauten “Fahrradkathedralen” vorgeschlagen. Im Hinblick auf die Vorgaben der Auslobung wird die erforderliche Stellplatzanzahl jedoch ca. um ein Drittel unterschritten bzw. nicht nachgewiesen.

    Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Arbeit sehr sorgsam mit dem Bestand des Quartiers umgeht und zukunftsfähige und den Ort sinnvoll ergänzende Wohntypologien für die weitere Entwicklung einer Stadtlandschaft im Sinne von Aldo van Eyck vorschlägt.