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  • DE-13405 Berlin, DE-10707 Berlin
  • 04/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-201913)

Campus "Berlin TXL, The Urban Tech Republic"


  • 3. Preis

    Campus Forum, © k1 Landschaftsarchitekten / monokrom

    Landschaftsarchitekten
    k1 Landschaftsarchitekten - Kuhn Klapka GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Visualisierer: monokrom, Hamburg (DE)

    Preisgeld
    25.500 EUR

    Erläuterungstext
    Bearbeitung:
    Axel Klapka, Catherine Kuhn, Lars Hopstock, Elisa Serra, Peter Young


    Erläuterungstext:
    SMARTSCAPE. Berlin TXL – The Urban Tech Republic

    Idee und städtebauliche Situation
    Mit der Urban Tech Republic (UTR) wird in Berlin der dritte ehemalige Berliner Flughafen entwickelt. Johannisthal ist geprägt von einem Landschaftspark und Tempelhof lebt vom Luxus der Weite. In Tegel wird ein Wissenschafts- und Forschungsstandort entstehen, der nach einer innovativen Stadtlandschaft verlangt, eine smartscape. Diese übernimmt eine wichtige stadträumliche Verbindungs- und Erschließungsfunktion von der Innenstadt zum Tegeler Forst und zum Flughafensee.

    Smartscape steht für einen wichtigen Aspekt der neuen Urban Tech Republic: eine innovative und „intelligente“ Stadtlandschaft, die einen kommunikativen öffentlichen Raum generiert und eine hohe Aufenthaltsqualität bietet. Sie ist nach ökologischen Grundsätzen optimiert und erfüllt eine wichtige naturräumliche und klimatische Funktion. Die neue Stadtlandschaft kann als rekreativ, resilient und regenerativ beschrieben werden.


    SMARTSCAPE ALS REKREATIVE LANDSCHAFT
    Die Macroscape der UTR setzt sich aus drei unterschiedlichen Landschaftstypen zusammen, die sich im urbanen Zentrum berühren: Activescape, Slowscape und Wildscape. Sie verfügt über einen hohen Freizeit- und Erholungswert, die ihren Nutzern vielfältige Möglichkeiten des aktiven wie regenerativen Ausgleichs bietet.
    Die großmaßstäbliche Differenzierung wird durch Mikrolandschaften auf „Microscape“-Ebene weiter ausformuliert. In die Freiräume eingebettete Ausstattungselemente funktionieren wie kleine Landschaften. Sie bieten beispielsweise Zugang zum Internet (hub, workstation), laden zum Ausruhen und Meditieren ein (Sitzlandschaft, Baumhaus) oder nutzen Sonnenkollektoren zur Energieversorgung (hub, workstation).

    Activescape. Das direkte Umfeld der Hochschule (Campus Areal, Außenring Beuth-Hochschule, Druchgang West) und der Grünzug Südost sind durch Arbeit und Bewegung geprägt. Es gibt mehrere Workstations und Sitzlandschaften die alles für das Arbeiten im Freien bieten. Sportflächen für Streetball und Klettern sowie ein Skatepark generieren Bewegung und Geschwindigkeit und stehen für gesundheitliches Gleichgewicht.

    Slowscape. Die ruhige Landschaft des Loop-Parks und des südlichen Grünzugs ist ein Ort der Entspannung. Der Rückzug in eine meditative Landschaft ohne workstation und elektronische Kommunikation dient der Entschleunigung und Regeneration. Hier kann man sich am See entspannen, das Geräusch des Wassers lauschen und den Moment genießen.

    Wildscape. Die Landschaftsfuge Nord am Übergang zur Tegeler Stadtheide bietet den Reiz des Unfertigen und unterliegt ständiger Veränderung. Ihr Charakter ist wild und frei, Biotope entstehen auf den Bruchstücken der ehemaligen Asphalt- und Betonflächen. Die Nutzung der Landschaft z.B. als Parcours ist wenig geordnet und offen für Interpretation. Der Park erhält seine Prägung durch die Erfahrbarkeit der Weite und die Farben der Heidevegetation.


    SMARTSCAPE ALS REGENERATIVE LANDSCHAFT
    Als regenerative Landschaft bietet die Smartscape einen intelligenten und nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Faktoren Boden, Luft und Wasser, der Ressourcen schont und das Mikroklima verbessert.

    Boden. Versiegelte Oberflächen werden in Teilbereichen aufgebrochen und damit die Durchlässigkeit der Flächen für Wasser und Pflanzen erhöht. Das überschüssige Material wird recycelt oder an anderer Stelle zum Herstellen einer neuen Topographie oder neuer Gärten genutzt.

    Luft. Die Nutzung von Sonnen- und Windenergie und die Ausbildung der Landschaftsfuge Nord als Frischluftschneise tragen zu einer Verbesserung des Mikroklimas bei. Eine temporäre Baumschule auf in den ersten Bauphasen noch ungenutzten Flächen trägt zur positiven CO2-Bilanz des Projektes UTR bei.

    Wasser. Ein intelligentes Regenwassermanagement reinigt und versickert das anfallende Regenwasser vor Ort. Spezielle Pflanzenfilter, wie der Filtergarten auf dem Loop und die Pflanzenkläranlage im Loop-Park bereiten das Wasser für eine weitere Nutzung oder für die Versickerung auf. Wasserspeicher können als Feuerlöschteich und zur Bewässerung der Pflanzflächen genutzt werden.


    SMARTSCAPE ALS RESILIENTE LANDSCHAFT
    Vor dem Hintergrund einer Phasierung der UTR und einer nicht genau voraussagbaren Entwicklung über einen langen Zeitraum liegt ein Fokus des Entwurfs auf der Resilienz des Freiraums, so dass er sich an unvorhergesehene Entwicklungen anpassen kann. Getragen von der starken Struktur dreier Elemente kann die Landschaft jederzeit auf Veränderung reagieren. In den verschiedenen Entwicklungsphasen werden immer mehr Fragmente zu diesem Gerüst hinzugefügt. Verlangsamt sich dieser Prozess oder bleibt aus, bleibt die Funktionsfähigkeit des Freiraums dennoch erhalten.

    Starke Struktur. „Rückgrat“, „Gehirn“ und „Herz bilden eine Art Organismus. Wie ein Rückgrat zieht sich eine durchgängige Promenade mit einer Radschnellstrecke durch die gesamte Landschaft. Im Süden findet sie ihren Auftakt am Schiffbauerkanal und führt im Norden weit in die offene Heidelandschaft hinein. Am ehemaligen Terminalgebäude weitet sie sich zum Campusforum und bildet einen großzügigen Eingangsbereich für die neue UTR.
    Die Umnutzung des Flughafens zur Hochschule und zum Technologie- und Innovationszentrum verleiht der Landschaft eine Zentrum der Innovation im Sinne einer Denkfabrik, das nach außen strahlt. Der zentrale Loop-Park bildet das grüne Herz der Republik.

    Open Ressource. Weiterhin bietet der Park die Möglichkeit neue Räume in Zusammenarbeit mit den Nutzern zu entwickeln. Dafür werden Netzwerke aufgebaut, Experimente durchgeführt um neue Landschaft entstehen zu lassen. Diese Prozesse generieren neues Wissen, das mit anderen geteilt werden kann.


    DESIGN
    Formal wirkt das ikonografische, sechseckige Hauptterminalgebäude in die Landschaft fort. Seine geometrische Grundstruktur, die das gesamte Gebäude definiert, dient als Vorbild für die Entwicklung der neuen Ausstattungselemente, wie Sitzlandschaften oder workstations, sowie für das Design der neuen Oberflächen.

    Materialität und Ausstattung
    Im direkten Umfeld der Terminalgebäude werden die für das Vorfeld charakteristischen Ortbetonflächen mit der Bestandsmarkierung erhalten. Auf den neuen Platzflächen des Campusforums und der Promenade verbindet sich diese Ästhetik mit der geometrischen Grundstruktur des Flughafengebäudes. Die ursprünglichen Fußbodenbeläge des Innenraums werden in 10-facher Vergrößerung in den Außenraum übertragen und als anthrazitfarbene Ortbetonflächen hergestellt, die einen leichten Farbkontrast zu den Bestandsflächen bilden. Die Fugen werden zur besseren Durchlässigkeit mit Splitt verfüllt. In Teilbereichen werden die Fugen aufgeweitet und begrünt.
    Die Radschnellwege werden wie im Materialkonzept vorgesehen in Asphalt hergestellt. Die Markierung auf den Flächen, analog zum Vorfeld, dient als Wegeweiser für die smartscape.

    Die Ausstattungselemente werden wie kleine Landschaften gestaltet. Sie bieten Raum zum Arbeiten und Entspannen, integrieren die technische Ausstattung und Sonnenkollektoren zur Energiegewinnung. Sie sind aus Beton, Kunststoff und Holz gefertigt. Die Workstations erhalten einen Sonnenschutz aus Kletterpflanzen, die Schatten spenden und das Microklima verbessern.


    Regenwassermanagement
    Die Smartscape entwickelt ein Regenwassermanagement mit naturnahen Regenwasserbehandlungsanlagen, welches klimatische Anforderungen (Verbesserung des Mikroklimas durch Verdunstung) mit positiven Effekten auf die menschliche Gesundheit (physisch und psychisch) kombiniert und das Erscheinungsbild der Slowscape prägt. Für das Regenwassermanagement werden 3 Systeme angewendet.

    A: Loop Park
    Das Wasser wird aus dem Pumpwerk in ein Pflanzenklärbecken geleitet. Hier erfolgt die erste Reinigung durch einen organischen Prozess unter Anwendung einer kombinierten Abfolge von verwurzelten und schwimmenden Macrophyten (Kalmus, Schwertlilien Wasserlinsen, Seerosen). Danach wird das Wasser über ein Gefälle in einen Retentionsbodenfilter (Trennsystem Kombination Lehmboden-Sand) geleitet. Hier erfolgt der zweite physikalische Reinigungsprozess durch die Adsorption an Bodenteilchen (Detail). Von hier wird das Wasser in den Loop-Lake geleitet. Dieser steht in direkter Verbindung mit dem Grundwasser. Der See bewahrt durch eine Bepflanzung mit Schilf und Juncus ohne aufwendige Pflege eine hohe Wasserqualität. Durch die Anbindung an das Grundwasser ist auch in Trockenperioden eine Wasserfläche gegeben. Diese variiert jedoch, so dass unterschiedliche Regenereignisse ein anderes Bild vom Loop-Park generieren.

    B: Grünzug Südost und Grünzug Süd
    Im Grünzug Südost und Grünzug Süd werden die Versickerungsflächen als Mulden ausgebildet, die sich als „Einschnitte“ im Gelände in das Gestaltungskonzept integrieren. Das Versickern des Regenwassers über eine belebte Bodenzone erlaubt dabei eine optimale Reinigung des Wassers. In Abhängigkeit von der Wassermenge und den Bodenverhältnissen können zur Zwischenspeicherung unter den Mulden Rigolen ergänzt werden.

    C: Highflyer- Experimentierfelder als Testlabor für neue Ansätze im Wassermanagement
    Das Highflyer - Behandlungssystem ist eine optionale Variante des Hauptsystems. Hier können Methoden getestet werden, die die Entwicklung eines Wassermanagements der Smartcity unterstützen. Das Wasser der Campus Dächer kann hier direkt eingeleitet werden. Auf dem Loop sind hexagonale Wasserbecken vorgesehen, die eine Wasserreinigung erlauben. Der erste Testlauf erfolgt mit 20% Sand, 40 % Binsen (Juncus) und 40% Wasserlinsen (Lemna), die in der entsprechenden Abfolge angeordnet werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Eine einfache, ruhige zusammenhängende Grünfläche zieht sich über das gesamte Bearbeitungsgebiet. Die einzelnen Bereiche weiter auszudifferenzieren wirkt beliebig und wenig überzeugend.
    Der Campusplatz als Umlenkung und Verbindung zwischen den südlichen Grünzügen und dem nördlichen Grünbereich ist gut gesetzt und nimmt den Charakter des Ortes auf. Die Verortung der einzelnen Elemente wird kontrovers diskutiert aber insgesamt als entwicklungsfähig eingestuft.
    Die Gestaltung des Loops mit der großen Wasserfläche fügt sich wohltuend in die Gesamtgestaltung ein. Die experimentellen Pflanzenklärbecken in dem Loop werden positiv beurteilt Die Arbeit bietet ein schlüssiges Entwässerungskonzept welches detailliert bearbeitet wird.
    Zusammenfassend wird die konzeptionelle Herleitung positiv bewertet, allerdings erreichten die Leitideen nicht die volle Zustimmung.