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  • AT-8951 Pürgg-Trautenfels, AT-8011 Graz
  • 12/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-219884)

Neugestaltung Kreuzung Trautenfels


  • 2. Rang

    LAGEPLAN

    Landschaftsarchitekten
    SIMA | BREER, Winterthur (CH) Büroprofil

    Verfasser
    Rolf Heinrich Breer

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Dietmar Feichtinger Architectes, Montreuil (FR), Wien (AT)
    Bauingenieure: schlaich bergermann partner - sbp gmbh, Berlin (DE), Stuttgart (DE), Paris (FR), New York (US), Shanghai (CN), São Paulo (BR)

    Erläuterungstext
    Einbindung in den räumlichen und landschaftlichen Kontext

    Die Kreuzung Trautenfels fügt sich harmonisch in den Landschafts- und Kulturraum ein. Die Überführung stellt keine Barriere in der Landschaft dar, sondern reagiert sensibel auf den landschaftlichen und räumlichen Kontext. Wie eine sanfte Bodenwelle löst sie sich vom Gelände und ermöglicht die Kontinuität des Landschaftsraums darunter. Das flache Brückenprofil und die schlanken Stützen ermöglichen eine hohe Transparenz und eröffnen für den Benutzer wie auch den Betrachter neue Sichtachsen. Auf der Kreisverkehrsebene setzt sich die durch Dämme und Wälle gestaltete Umgebung fort. Leichte topografische Erhebungen passen sich dem Brückenbauwerk an, die sanfte Kuppe der Kreisverkehrsinsel bildet eine natürliche Barriere, die zur Geschwindigkeitsreduktion veranlasst.

    Architektonische und konstruktive Lösung des Brückenbauwerks

    Für das Überführungsbauwerk wird eine moderne, semi-integrale Stahlverbundbrücke vorgeschlagen. Die Brückenkonstruktion besteht aus einem 8-feldrigen Durchlaufsystem, das den Kreisverkehr mit moderaten Spannweiten zwischen 15m und 25m überquert. Der Überbau wird von zwei parallelen Stahlhohlkästen mit darüber liegender Ortbetonplatte gebildet und hat eine Konstruktionshöhe von 105cm. Die vergleichsweise niedrige Bauhöhe erlaubt es, die Gesamtlänge des Überführungsbauwerk unter Einhaltung des erforderlichen Lichtraumprofils im Kreisverkehr und der maximal zulässigen Steigung von 6% zu minimieren. Es ergibt sich somit eine 150m lange Brückenkonstruktion, die ab einer lichten Höhe von ca. 2m beiderseits in jeweils etwa 25m lange Trogbauwerke übergeht. Die zentrale Hauptöffnung der Brücke wird von einer im Zentrum des Kreisverkehrs angeordneten Doppel-VStütze getragen, die gleichzeitig den Fixpunkt des Systems zur Abtragung aller Längskräfte darstellt. Dies erlaubt es, die übrigen Stützen als sehr schlanke, scheibenartige Elemente auszubilden, die vornehmlich der vertikalen Lastabtragung dienen. Wie die skulpturale zentrale Stütze sind auch die Stützenscheiben als VStütze ausgebildet, deren Spreizung in Querrichtung mit abnehmender Stützenhöhe zunimmt. Alle Anschlüsse der Stahlstützen an die Stahlträger sind integral, so dass Brückenlager nur an den Widerlagern erforderlich sind. An der Basis der Stützenscheiben sind Betonsockel vorgesehen, die für Anpralllasten von unterhalb der Brücke verkehrenden Fahrzeugen bemessen sind. Zur Überbrückung der Bewegungsfugen an den Brückenenden werden wasserdichte flexible Fahrbahnübergange aus Asphalt vorgesehen. Diese sind im Vergleich zu Übergangskonstruktionen mit Stahlrandprofilen oder -fingern deutlich weniger anfällig für von Schneeräumungsgeräten verursachte Schäden. Natürliche und teils naturbelassene Materialien wie Holz, Beton und Stahl prägen das Erscheinungsbild der Überführung. Die Unterseite der Brücke zwischen den Stahlträgern sowie die Brüstungen sind mit einer offenen Holzlattung aus unbehandelter Lärche verkleidet. Die Lattung ist an den Enden der Brücke dichter und wird zur Mitte hin lockerer, am höchsten Punkt der Brücke wird die Brüstung transparent und gibt den Blick auf Schloss Trautenfels und Grimming frei.

    Landschaftsökologisches Gesamtkonzept

    Der Landschaftsraum im Ennstal ist geprägt durch offene Kulturlandschaften, montane Panoramen sowie unterschiedliche Gewässerräume. Durch die Verbindung einzelner „Trittsteinbiotope“ sollen neue Biotopverbände im Gewässerraum und in der offenen Kulturlandschaft geschaffen werden. Durch die Verlegung der kleinen Grimming auf die südliche Grünfläche (Grünfläche 2) kann eine stärkere Verbindung der Landschaftsräume „Kleine Grimmig“ und „Grimmig“ hergestellt werden. Der neu geschaffene Gewässerraum verbindet unterschiedlichste Lebensbereiche, die das Ökosystem Fliessgewässer beinhaltet. Entlang der Böschung welche die Grünfläche umgibt bildet sich die Hartholzaue mit begleitender Strauchschicht aus. Dieser Gehölzsaum dient Tieren als Nahrungsquelle und Unterschlupf. Die tiefere Grünflache wird von der kleinen Grimmig in Mäandern durchzogen. Durch die Ausbildung von vielseitig strukturierten Prall- und Gleitufern und Sohlen entsteht ein vielseitiger Lebensraum. Ergänzt wird der Bach mit kleinen Vertiefungen die sich in der Ebene verteilen. Die tiefere Ebene ist geprägt durch Gehölze der Weichholzaue, Feuchtwiesen und Hochstaudensaum inkl. Schilfbereiche. Die südöstlich liegenden Grünflachen sollen langfristig einen zusammenhängenden Biotopverband der Feuchtwiesen und Iriswiesen bilden. Hierzu erfolg als Sofortmaßnahme die Ansaat. Die Entwicklung dieser Landschaftsraums setzt eine extensive Nutzung mir einmaliger Mahd voraus. Die Grünbereiche entlang der Straße werden durch eine fabaceenreiche Grünlandmischung begrünt. Die Anordnung einzelner Baumgruppen bricht die Perspektive des Straßenraums und wirkt sich dadurch geschwindigkeitsreduzierend aus. Die punktuelle Anordnung lässt den Blick auf die umliegende Kulturlandschaft, das montane Panorama und das Zentrum der Brückenkonstrukton.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Einbindung in den landschaftlichen Kontext:
    + Schlankheit der Konstruktion, Filigranität
    + optische Durchlässigkeit, hohe Transparenz
    + Einsatz des Materials Holz

    – wird von Teilen der Jury äußerst positiv gesehen
    - aufwändige Gestaltung im Detail

    Architektonische und konstruktive Lösung des Brückenbauwerks:
    - viele V-Stützen lassen die Durchsicht unruhig erscheinen
    - Sinnhaftigkeit der V-Stützen in konstruktiver wie gestalterischer Hinsicht wird generell in Frage gestellt
    - Stützelemente harmonieren nur bedingt miteinander
    - viele Einzelfundamente
    - nur als semi-integrales Tragwerk realisierbar

    - Der Einsatz von drei verschiedenen Materialien wird kontroversiell diskutiert - keine konsequente Lösung.
    + Stahlverbundkonstruktion, Stahlteile zugleich als Lehrgerüst nutzbar
    + Unterlagen zur Statik detailliert ausgearbeitet

    Landschaftsökologisches Gesamtkonzept:
    + Vorgaben weitgehend erfüllt
    +/- Landschaft über Verkehrsanlagen gezogen
    + Entwicklungsmöglichkeiten vorhanden
    - eventuell Schutzmaßnahmen zum Tierschutz für offene Gewässerschutzanlage erforderlich (kostenrelevant)

    Wirtschaftlichkeit der Brückenlösung und der landschaftsökologischen Lösung (Errichtungskosten und laufende Kosten):
    - Holzverkleidung für Wartung und Instandhaltung hinderlich, ein Weglassen wäre ein zu großer Eingriff in den Entwurf und sein Erscheinungsbild

    - das vergleichsweise sehr lange Brückentragwerk bewirkt höhere Kosten in der Erhaltung und Wartung
    +/

    - Herstellungskosten liegen ca. im Rahmen
    Kompatibilität der verkehrstechnischen Lösung:
    + erfüllt


INFO-BOX

Angelegt am 11.01.2016, 14:21
Zuletzt aktualisiert 16.11.2016, 13:09
Beitrags-ID 4-114417
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