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  • DE-74653 Künzelsau, DE-74653 Künzelsau
  • 12/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-203765)

Entwicklung des Campus der Reinhold-Würth-Hochschule und den Bereich Hofratsmühle


  • ein 2. Preis


    Architekten
    Poos Isensee Architekten, Hannover (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Wolfgang Poos , Ulrich Isensee

    Mitarbeit
    von Schwerin Katrin, Michael Helbing, Llobell Monica

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten, Stadtplaner: nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE)

    Preisgeld
    13.000 EUR

    Erläuterungstext
    Durch die Erweiterung des Hochschulcampus entsteht die Chance, durch die einmalige
    Lagegunst in der Landschaft am Kocher den Campus Künzelsau mit eigener Identität und
    Qualität zu entwickeln.

    Die Erweiterung des Campus gibt langfristig Anlass, eine neue Struktur und Ordnung zu
    schaffen: Von der Morsbacher Straße aus kommend liegt der neue Campus tiefer gelegen
    an der Aue des Kochers. Die bestehenden Zufahrten führen von Osten und Westen in das
    Gebiet. Zusätzlich wird mittig eine weitere Zufahrt zum Gelände angeboten. Es folgt nach
    Norden ein ca. 50 m breites Baufeld für die weitere Entwicklung der Hochschule.
    CAMPUSPLATZ Aus der vorgefundenen Gebäudestruktur entwickelt sich eine Komposition von drei- bis viergeschossigen Neubauten in kompakter Weise. Turmartige fünf- bis sechsgeschossige Akzente sind gesetzt. Im Zusammenspiel mit den Bestandsbauten und heterogenen Baudenkmälern wird von den Häusern G und H ein Platz, bezugnehmend auf das orthogonale Raster von Haus A, C und D, nahezu vollkommen umschlossen. Nur die beiden Gebäude der Hofratsmühle und das neue Haus F tanzen aus der Reihe, bilden Zwischenräume zur Landschaft des Kocher und geben den Blick frei. Die tanzenden Gebäude werden durch den neuen zentralen Campusplatz miteinander verbunden. Leicht terrassiert spannt sich der Platz mit verschiedenen steinernen und vegetativ geprägten Niveaus zwischen den Gebäuden auf und vermittelt so zwischen den verschiedenen Eingangshöhen.

    CAMPUSPROMENADE Der Platz bildet den Auftakt zur neuen Campus Promenade, der
    Linearität der Bebauung folgend vermittelt er zwischen dem Hochschulgelände und dem
    Naturraum der freigelegten Aue des Kochers. Die Promenade wird durch platzartig gestaltete Eingangsbereiche und Raumfolgen zu einem Ort der Kontemplation und Kommunikation. Sie ist die neue Hauptwegeverbindung des Campus und gleichzeitig eine wichtige Verbindung zwischen baulicher Dichte und Landschaft. Die Promenade wird durch eine Sitzmauer eingefasst, die die Linearität des Raumes unterstreicht und den Landschaftsraum der Aue begrenzt. Langfristig kann diese Aufkantung den Hochwasserschutz bilden, sodass der Mühlengraben wieder an die Hofratsmühle geführt und die Auenlandschaft ihrer natürlichen Retentionsfunktion wieder zugeführt wird. Ein aufgelockertes, langgestrecktes Band ausdrei bis viergeschossigen flacheren Institutsgebäuden mit eingestreuten höheren Akzenten trägt die Gestaltungsidee des Campusplatzes der Hochschule Reinhold Würth weiter.

    STELLPLÄTZE Die Parkplätze im Süden sind über Nebeneingänge / Anlieferungen über kurze Wege angebunden und durch einen Hain aus Bäumen überstellt. Als Zu- und Abfahrt werden die bestehenden und eine zusätzliche Rampe im mittleren Bereich angeboten. Ausreichend Fahrradstellplätze werde dezentral an den jeweiligen Institutsgebäude angeordnet. Das vorgeschlagene städtebauliche und landschaftsarchitektonische Konzept beinhaltet eine flexible Erweiterungsmöglichkeit und wächst mit der Hochschule mit. Der neue Campus kann sukzessive in Bauabschnitten (von Ost nach West) entwickelt werden. Die Raumfolgen der verbindenden Promenade schaffen auch für Zwischenstände qualitätsvolle, funktionierende Außenräume, die die Identität des Campus nachhaltig prägen. So entsteht im Zusammenspiel mit den unterschiedlichen Bauabschnitten ein Freiraum, der auf die Nutzungen und Entwicklungen reagiert und der vielfältige Orte mit hoher Aufenthaltsqualität bietet. Dieser wird begleitet von der Promenade von der aus die Gebäude erschlossen werden und die den Antritt in den Landschaftsraum der Aue des Kochers darstellt.

    Durch die Neustrukturierung und gezielte bauliche Ergänzung entsteht ein klar geordneter
    Campus, der sowohl Ort für pulsierendes Studentenleben ist, dabei gleichzeitig die
    Auenlandschaft des Kochers großzügig mit einbezieht und somit Raum für die sukzessive
    Ausformung der Aue birgt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Entwurfskonzept entwickelt den Campus als langgestrecktes kompaktes Band mit einer Abfolge von unterschiedlichen Freiraumsituationen (Campusplatz, Campuspromenade). Die horizontale Gliederung mit Parkierungsschwerpunkt zur Morsbacher Straße, verdichteten Baufeldern und einer (langfristig) offenen Auenlandschaft zum Kocher erscheint grundsätzlich schlüssig. Auch die vergleichsweise kompakte Längenentwicklung des Gesamtareals und die Akzentuierung durch einen moderaten Hochpunkt im Westen als Auftakt zum Quartier werden positiv bewertet.

    Keine Antwort gibt der städtebauliche Entwurf auf die räumlich offene Struktur im Osten des Gebiets. Die für die langfristige bauliche Entwicklung aufgezeigte Struktur ist räumlich stark differenziert, wird hinsichtlich einer flexiblen zukünftigen Nutzungsoption jedoch zu stark einschränkend und wenig flexibel.

    Proportionen der Baukörper und die Nutzungszuordnung (Hochschulgebäude, Studentenwohnen, Forschung) wirken ausgewogen und einer belebten Campusmitte angemessen. Insbesondere das studentische Wohnen als Teil der Mitte begrüßt. Die denkmalgeschützten Bestandsgebäude werden dabei berücksichtigt.

    Die Gebäude G und H eignen sich grundsätzlich als adressbildende und gebietsprägende Neubauten. Jedoch ist das Forschungsgebäude (F) in seiner Lage nicht umsetzbar, da Teilflächen auf privaten, mittel- bis langfristig nicht aktivierbaren Grundstücken liegen. Auch sind Proportion und Geschossflächen des schmalen Hochpunktes für seine erforderliche Forschungsnutzung ungeeignet. Die Zielsetzung einer umgehenden Realisierung ist unter diesen Voraussetzungen nicht gegeben.

    Die bedeutende Geste zum geöffneten Mühlengraben wirkt charmant; ob sie der Bedeutung/räumlichen Qualität des Mühlegrabens im Vergleich zum Kocher gerecht wird, wird in Frage gestellt.
    Eine Öffnung des Mühlengrabens ist grundsätzlich hinsichtlich der Umsetzbarkeit unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes zu überprüfen.

    Der Versuch, langfristig die Parkierung ebenerdig zu organisieren, wird gewürdigt, jedoch lässt der Entwurf deutliche, z.T. erhebliche Schwächen in der technischen Umsetzung erkennen, u.a. scheinen Zuwegungsmöglichkeiten und Topographie im Detail nicht ausreichend durchdacht und realisierbar. Das Konzept sieht keinen Vollanschluss vor, die Leistungsfähigkeit des Erschließungskonzepts ist dadurch erheblich limitiert und gefährdet sowohl die bestehenden gewerblichen Nutzungen als auch eine funktionsfähige Hochschulentwicklung. Auch die Orientierung bei der Zufahrt ins Quartier wird kritisch beurteilt.

    Insbesondere das Erschließungskonzept lässt hinsichtlich entscheidender Umsetzungsvoraussetzungen zahlreiche Fragen offen. Das skizzierte Idealbild einer weitgehend verkehrsfreien Campuspromenade zur Kocher-Aue scheint realisierungsfern.

    Ob der Erhalt der Bestandsstellplätze im Osten vorgesehen ist, bleibt ebenso unklar wie der Erhalt der mittigen Campuszufahrt, zumindest innerhalb des 1. Bauabschnitts. Einen Nachweis ausreichender Stellplatzangebote im 1. Bauabschnitt bleiben die Verfasser schuldig.