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  • DE-17268 Templin, DE-17268 Templin
  • 12/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-220149)

Bürgergarten


  • 3. Preis

    Lageplan 1:2000, © LA.BAR Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Eike Richter , Rüdiger Amend

    Preisgeld
    2.000 EUR

    Erläuterungstext
    Der Bürgergarten Templin. Neue Wege gehen

    Ein historischer Ort der Kultur und Bewegung
    Die Entstehung des Bürgergartens in Templin ist eng verbunden mit dem Entstehen eines engagierten Bürgertums und der Entwicklung des Vereinswesens. Die im Jahre 1810 gegründete Schützengesellschaft errichtete 1830 neben dem Gelände der heutigen Hyparschale ihr Schützenhaus. Gleichzeitig mit der Nutzung beginnen die Schützen mit der Umgestaltung des vormaligen Kiefernwaldes in einen Bürgergarten. Weitere Vereine siedeln sich im Bürgergarten an, so hatte der 1862 gegründete Männerturnverein seinen Turnplatz am Schützenhaus und 1912 erbaute der Singeverein neben dem Schützenhaus eine Musikhalle. Das Nationale Aufbauwerk (NAW) von 1953 schrieb die kulturelle Nutzung des Bürgergartens fort. Mit der 1965 eingeweihten Freilichtbühne und insbesondere dem 1971 eröffneten FDGB-Heim Salvador Allende mit dessen markanter Hyparschale und dem 1974 eröffneten FDGB-Bettenhaus zogen kulturelle und touristische Anker in den Bürgergarten ein. Parallel dazu wurde der inzwischen verwilderte Bürgergarten neu gestaltet. Aus dieser Zeit stammen der Goldfischteich und der Springbrunnen. Inspirationen für die durch Rasenflächen und Schmuckpflanzungen geprägte Neugestaltung bezog man aus dem Lenné-Park in Bad Muskau. (vgl. Templin. Eine Märkische Stadt im Wandel der Geschichte, Schibri-Verlag 2014). Mit der Wende von 1989 kam die touristische und kulturelle Nutzung im Bürgergarten zum Erliegen. 1991 wurde das FDGB-Heim Salvador-Allende geschlossen und 2013 das Bettenhaus abgerissen. Es gibt Überlegungen, die denkmalgeschützte Hyparschale als Jugendherberge zu nutzen.


    Neue Wege
    Der Bürgergarten spielt neben der Therme und der Qualifizierung der Kurmeile eine zentrale Rolle in der Templiner Kurstadtentwicklungskonzeption und soll unter dem Leitbild des familienorientierten Gesundheits-Erlebnis-Parks weiterentwickelt werden.
    Ein weiteres, ebenfalls auf Familien und ein jüngeres Zielpublikum ausgerichtetes Zukunftsprojekt Templins stellt der „Archäologische Stadtrundgang“ durch die Altstadt dar. Wünschenswert, und Ziel unseres Planungsansatzes ist es, diese beiden Themen zu verbinden. Hierzu schlagen wir ein neues Wegekonzept mit thematischen Rundwegen und eine bessere Anbindung des Bürgergartens an die Altstadt vor (siehe Diagramm Wegekonzept).

    Der Altstadtrundweg – Der Spannende
    Um den Bürgergarten an die historische Altstadt besser anzubinden, schlagen wir die Aufwertung des Poetensteigs bzw. des Weges Am Kanalwall und den Bau einer neuen Fußgängerbrücke über den Templiner Kanal vor. Vorbei am alten Jüdischen Friedhof können Templiner und Besucher dann z.B. vom Berliner Tor aus auf kurzem Wege in den zentralen Bereich des Bürgergartens gelangen und diesen in einen Altstadt-Rundgang integrieren. Durch die momentane Situation mit nur einem stadtnahen Zugang am Mühlentor befinden sich insbesondere die Terrassenanlagen in der Peripherie des Bürgergartens, durch eine weitere Anbindung an die Stadt rückten sie dagegen mehr ins Zentrum.

    Der große Bürgergartenrundweg – Der Kontrastreiche
    Dieser heute schon vorhandene weitgehend barrierefreie Weg führt durch den Wald und an der Südseite des Kanals entlang und erstreckt sich zwischen der Ziegeleibrücke und dem Mühlentor. Die dort vorhandene Treppenanlage wird instandgesetzt, der Parkeingang wird mit einer kleinen Mauer akzentuiert, dichtes Strauchwerk wird entfernt. Ein barrierefreier Zugang befindet sich in der Parkstraße. Der Rundweg bietet einen reizvollen Kontrast zwischen dem Wald und den weiten Kanalwiesen. Hier sind in erster Linie Pflegemaßnahmen notwendig, wie das Freistellen der Lindenallee und der stark bedrängten Friedenseiche.

    Der kleine Bürgergartenrundweg - Der Sportliche
    Dieser barrierefreie Rundweg erschließt alle Mobilitäts- und Erlebnisbereiche. Er kreuzt den großen Rundweg an der Friedenseiche, weitere Zugänge befinden sich am Mühlentor, der Parkstraße, an der neuen Fußgängerbrücke, an der Röddliner Straße und der Waldschule. Ausgewählte Stationen am Kanal werden mit Holzdecks und Sitzgelegenheiten aufgewertet.

    Der Panoramarundweg - Der Pittoreske
    Dieser von Staudenbeeten begleitete barrierefreie Weg beginnt am umgestalteten Parkplatz und führt einmal um den Müther-Bau herum. Er bietet leicht erreichbare Verweilmöglichkeiten und schöne Ausblicke über die Kanalwiesen auf die Altstadt mit dem Turm der Maria-Magdalenen-Kirche. Stichwege (einige davon auch barrierefrei) führen zu den meisten Mobilitäts- und Erlebnisbereichen z.B. dem Goldfischteich, dem neuen Spielplatz und den Naschgärten sowie den Kanalwiesen. Eine massive Bebauung über ihn hinaus, wie im JH-Konzept von Heusner Melmert Architekten vorgeschlagen, stellt einen starken Eingriff in das sensible Landschaftsbild dar und sollte aus unserer Sicht nicht umgesetzt werden.


    Die Mobilitäts- und Erlebnisbereiche

    1. Bewegungsstationen unter Bäumen
    Beginnend am östlichen Parkeingang am Mühlentor sind entlang des kleinen Bürgergartenrundwegs aus (Eichen-) Holz gefertigte Stationen vorgesehen, die zu vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten und –spielen unter dem Dach der schönen alten Parkbäume und auf ausgewählten Lichtungen einladen. Auf dem Rundweg erhalten die Besucher die Möglichkeit, an verschiedenen, farblich akzentuierten Gerätegruppen unterschiedliche Bewegungsabläufe und Muskulaturgruppen zu trainieren. An ca. 50 Geräten in 9 verschiedenen Gerätegruppen kann man Balancetraining, verschiedene Geh- und Trittvarianten, Dehnübungen, Wurfspiele und Laufstrecken absolvieren. Dieses Konzept kann zunächst mit einer Auswahl an Stationen im stadtnahen Kernbereich des Bürgergartens begonnen und stufenweise entlang des kleinen Bürgergartenrundwegs in den Wald erweitert werden.

    2. Der Goldfischteich
    Unser Konzept für den Goldfischteich sieht vor, den Uferbereich naturnah zu gestalten und den Kontakt mit der Wasserfläche zu ermöglichen. Hierzu sollten, wenn möglich, die Betoneinfassungen rückgebaut und durch gestufte, bepflanzte Uferbereiche ersetzt werden. Trittsteine im Flachwasserbereich ermöglichen es, den Teich zu queren. Eine kleine Platzanlage mit Sitzmöglichkeiten bindet den Teich an den Hauptweg an. Eine Sitzstufenanlage führt zum Wasser hinunter. Ein über dem Teich schwebendes Holzdeck mit Sonnenliegen lädt zum Entspannen mit Blick auf die Altstadt ein. Fünf kleine Fontänen versorgen das Wasser mit Sauerstoff und erzeugen ein angenehm entspannendes Murmeln.

    3. Der Stangenwald-Spielplatz
    Zwischen dem neuen Panoramaweg und den Kanalwiesen, mit Blick auf die Altstadt und nah am Parkplatz gelegen, stellen die Hangterrassen den Kernbereich des Bürgergartens dar und sollten eine entsprechend attraktive Nutzung erhalten. In Abweichung zur Auslobung, die den Standort für den Spielplatz in den Kanalwiesen vorgibt, schlagen wir deshalb hier eine anspruchsvolle Spiellandschaft für verschiedene Altersgruppen vor, die geeignet ist, Besucher der Therme und andere Touristen anzuziehen. Die leichte Hanglage ermöglicht eine abwechslungsreiche Abfolge von Spielmöglichkeiten, die die vorhandene Topografie einbeziehen. Die Lage Templins inmitten einer ausgedehnten Waldlandschaft aufgreifend steht der Spielplatz unter dem Motto „Stangenwald“. Grobbehauene, durch Kletter- und Hangelseile verbundene Baumstämme ragen in den Himmel, bunte „Nester“ und „Baumhäuser“ wollen erklommen werden, um sich zu verstecken oder die Aussicht auf die Stadt zu genießen, mit Rutschen und Stangen geht es schwungvoll hinunter. Der Spielplatz ist allseitig barrierefrei an das neue Wegenetz angeschlossen und mit der östlich gelegenen Terrasse verbunden. Von einer langen Sitzbank unter einer schattenspendenden Pergola genießt man den Blick auf die Stadt und die Alte Mühle. Das Rasenplateau ist ideal für Gymnastikgruppen und Picknickgesellschaften, die zur Kanalwiese herabführende Treppenanlage wird instandgesetzt.

    4. Die Gartenterrassen
    Die drei Gartenterrassen befinden sich südlich vom Spielplatz und werden über die vorhandene Treppenanlage erschlossen. Hier sehen wir einen landschaftlich reizvollen Rückzugsort und Naschgärten vor. Auf der oberen Terrasse wird ein Obstbaumhain angelegt, darunter befindet sich ein Garten mit Naschobst, Duft- und Heilpflanzen, die untere Terrasse wird als Wiese belassen, ein Querweg führt zum Uferweg.

    5. Die Festwiese / Neuer Südeingang in den Bürgergarten / Neue Wohnbebauung
    Die Wiesenfläche auf dem ehemaligen Standort des Bettenhauses bleibt von festinstallierten Nutzungen weitgehend frei und steht als Festwiese und für andere temporäre Ereignisse (z.B. Sommerkino, Konzerte, etc.) zur Verfügung. Ein neuer Platz mit freiem Blick auf die Maria-Magdalenen-Kirche formuliert den südlichen Parkeingang. Der Weg zu den Gartenterrassen bildet den Abschluss der Festwiese. Zur Arrondierung der Gartenterrassen schlagen wir im Süden eine Wohnbebauung vor. Die Erlöse aus dem Grundstückverkauf könnten für die Gestaltung des Bürgergartens verwendet werden.

    6. Umgestaltung der Freilichtbühne
    Der Standort der Freilichtbühne entspricht nicht mehr heutigen Bedürfnissen von Veranstaltern. Als neuer, attraktiver temporärer Standort für Konzerte, Open Air Theater, Sommerkino etc. steht nun nach dem Abriss des Bettenhauses die neue Festwiese mit Blick auf die Altstadt zu Verfügung.
    Sollte das Jugendherbergskonzept realisiert werden, stellt die Nachnutzung der Freilichtbühnenfläche mit Sportfeldern (z.B. Fuß-, Basketball, Beachball) eine Alternative dar. Auch eine Erweiterung der Jugendherberge mit den von Heusner Melmert Architekten geplanten Bungalowbauten ist hier im Gegensatz zu dem Standort an den Wiesenhängen denkbar.

    7. Alte Mühle / Restaurantschiff
    Die vorhandene gastronomische Nutzung mit einem Restaurantschiff erscheint an diesem Standort adäquat und bedarf aus unserer Sicht keiner weiteren Ergänzung bzw. Umgestaltung. Der Garten der Alten Mühle hingegen bietet das Potential für einen Rastplatz mit technischer Infrastruktur und gastronomischen Angeboten für Wasserwanderer. Da es sich um eine private Fläche handelt, ist hierzu der Betreiber des Fitnessstudios mit einzubeziehen.

    Neue Wege des Bürgerengagements
    Neben den oben aufgezeichneten Maßnahmen, die mit öffentlichen Geldern umgesetzt werden, braucht der Bürgergarten auch in Zukunft wieder eine engagierte Bürgerschaft, die sich bei der Gestaltung und Erhaltung des Parks mit Ideen und Energie einbringt.
    Potentielle Aufgaben könnten u.a. sein:
    Patenschaften für die Obstbäume der Streuobstwiese
    Patenschaften für einzelne Naschgärten
    Patenschaften für einzelne Staudenpflanzungen am Panoramaweg
    Zusammenarbeit mit dem NABU bei der Bewirtschaftung der Kanalwiesen
    Zusammenarbeit mit der Waldschule z.B. bei Pflegemaßnahmen an der Lindenallee etc.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 14.01.2016, 14:35
Zuletzt aktualisiert 15.01.2016, 13:30
Beitrags-ID 4-114597
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